Gewalt erlaubt! Nacktheit verboten! (& 2015KW16)

“Gewalt erlaubt! Nacktheit verboten!” Nicht nur in Games, sondern auch auf YouTube

“Gewalt erlaubt! Nacktheit verboten!” Nicht nur in Games, sondern auch auf YouTube

(Twitter) Heute wurde von Games’n’Politics ein Video online gestellt, das die Darstellung von Sex in Videospielen analysiert. Michi, der den Kanal leitet, hat ähnliches bereits mit anderen gesellschaftlichen Themen wie Religion gemacht und kommentiert oft kritisch (in seinen Augen schön gefärbte) Gewaltdarstellung. Der Untertitel zu seinem neuesten Video aber hätte nicht passender gewählt werden können: “Gewalt erlaubt! Nacktheit verboten!” Er gilt nämlich nicht nur in (US-) Videospielen, sondern ironischerweise auch auf YouTube. Das Video wurde nach wenigen Stunden gelöscht.

Außerdem vergangene Woche passiert:

  • KIM-Studie 2014 veröffentlich: mpfs.de
  • PC-Version von GTA V lief anfangs nur mit bestimmten Windows-Nutzernamen, Problem ist aber gefixt: Rockstar Support
  • Nach deutschen Gerichten dürfe der Weiterverkauf von E-Books untersagt werden: boersenblatt.net
  • Mortal Kombat X (PC-Version) war in Deutschland zunächst nicht installierbar. Deutschland-Release ist angeblich “aus Versehen passiert”: gameplane.de
  • EA kündigt Einstellung von Battlefield Heroes, Battlefield Play4Free, Need for Speed World und FIFA World an: EA

Newsschwemme #29 (2015KW15)

Stigma Videospiele

  • Englische Lehrer drohen Eltern mit Jugendamt, wenn Kinder Ab-18-Spiele nutzen (Guardian, englisch)
  • „Computer raus aus der Schule“ (FreieWelt.net)
  • Schweizer „Vereinigung gegen mediale Gewalt“ hat sich aufgelöst (Der Bund)

Verbraucherschutz

  • Steam verbietet Geschenke an Ausländer (Gamestar)
  • Sony kauft OnLive und macht es dicht (Heise)
  • GoG befreit einige alte Spiele von DRM (GoG.com)
  • Sony sperrt PlayStation-4-Account von Hacking-Opfer und will, dass dieser Rechnung des Hackers zahlt (techworm.net, englisch)

Sicherheit

Sonstiges

Bundestag verschärft „Killerspielverbot“

Mit dem 49. Gesetz zur Änderung des Strafgesetzbuches, das eigentlich der Umsetzung europäischer Vorgaben zum Sexualstrafrecht dient, hat der Deutsche Bundestag zum 27.01.2015 auch den § 131 StGB (Gewaltdarstellende Medien) geändert.[1]

Strafgesetzbuch_für_das_Deutsche_Reich_von_1914

Durch die Gesetzesänderung wurde der Tatbestand des § 131 StGB umformatiert und -formuliert. Diese Änderungen sind auf den ersten Blick eher kosmetischer Natur: Die vormaligen Absätze 1 und 2 wurden zu einen gemeinsamen Absatz zusammengefasst und es wurde, wie eine verfügbare Synopse bei lexetius.com zeigt, dass öffentliche Ausstellen, Anschlagen und Vorführen durch „der Öffentlichkeit zugänglich machen“ ersetzt.

Genauer betrachtet gibt es aber auch inhaltliche Änderungen: Für den Rundfunk und Telemedien (also Internet) galt in der früheren Fassung, dass bloß die Verbreitung bestraft wird. Nun ist auch hier – wie im Fall von Datenträgern – zusätzlich das Zugänglichmachen einer Person unter 18 Jahren erfasst. Diese Formulierung wurde geändert, weil nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes nicht jede Weitergabe eines verbotenen Mediums auch eine unzulässige Verbreitung darstellen muss (BGH, Urt. v. 12.07.2007 – I ZR 18/04.): Weiterlesen

  1. [1] Dass das „Killerspielverbot“ mit dem Sexualstrafrecht zusammenhängt, hat historische Gründe, die im Dossier stigma-videospiele (S. 86) nachgelesen werden können.

Sichtwechsel e. V. fordert Verschärfung der Indizierung

(sichtwechsel.de) Der Sichtwechsel e.V. für gewaltfreie Medien führte am 3. November 2014 gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung eine Veranstaltung zu audiovisuellen Medien durch, deren Vorträge nun veröffentlicht worden sind. Referent war Dr. Rudolph H. Weiß (Mediengewalt e. V.), der unter dem Titel “Was tun?” über die “größten medienpädagogischen-wissenschaftlichen-politischen Irrtümer” aufklärte. Einer dieser Irrtümer sei die Annahme, dass für “schädliche Wirkungen auf die psychische Entwicklung und auf einen Verlust an ‚emotionaler und sozialer Intelligenz‘ bei Kindern und Jugendlichen […] ein schlüssiger Beweis […] noch nicht erbracht” worden sei. Weiter forderte er u. a. den “Zugang zu extremen Gewaltmedien im Strafvollzug [zu] verhindern” – eine Forderung, die von der Vereinigung gegen mediale Gewalt in der Schweiz bereits umgesetzt wurde. Weiterlesen

„Dying Light“ im Schnellverfahren indiziert

(sb.com) Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) hat im Fall des Videospiels Dying Light eine vorläufige Indizierung angeordnet. Diese Maßnahme nach § 23 Abs. 5 JuSchG kann erfolgen, wenn bis zur „richtigen“ Indizierung eine Verbreitung im großen Umfang zu befürchten ist. Interessant ist hierbei, dass der Titel bloß auf den Listenteil A gesetzt wurde: Demnach ist das Spiel nach Einschätzung der BPjM nicht gemäß § 131 StGB verboten, sondern bloß „jugendgefährdend“. Nichtsdestotrotz gelten sowohl online (§ 4 Abs. 2 Nr. 2 JMStV) als auch offline (§ 15 JuSchG) Vertriebs- und Werbebeschränkungen. Mit der vorläufigen Indizierung von Dying Light dürfte auch abzusehen sein, dass das Spielejahr 2014, in dem kein einziges Videospiel aufgrund von Gewaltdarstellungen indiziert wurde (wir berichteten), vorerst eine Ausnahme bleiben wird. Bei den zuletzt indizierten Neuerscheinungen – dem am 03.11.2013 veröffentlichten Dead Rising 3 und dem am 23.04.2013 veröffentlichten Dead Island: Riptide – handelt es sich ebenfalls um Titel, in denen der Spieler gegen Zombies antritt – ein für Jugendschützer offenbar problematisches Genre.