Hass, Wut und Rache

(Weser-Kurier) Die Veröffentlichung einer Studie, wonach gewalthalige Videospiele „der“ Auslöser für Jugendgewalt sind, liegt schon etwas zurück. Damals hatte Dr. Werner H. Hopf in einem Artikel der GEO-Wissen seine Thesen verbreiten können. Anlässlich der GamesConvention erfährt dieser eine Zweitverwertung:

„Computerspiele und Horrorfilme fördern die Entwicklung von Hass, Wut und Rache […]. Hass und Rache seien die emotionalen Hauptursachen für brutale Körperverletzungen, Schulmassaker und alltägliche Jugendgewalt.“

11 Gedanken zu “Hass, Wut und Rache

  1. Horrorfilme fördern Hass, Wut und Rache? Also ich glaube eher die fördern Ängste.
    Wenn das wirklich der genaue Wortlaut eines Doktors war dann muss ich mich schon darüber wundern. Rache ist kein Gefühl (wie Hass und Wut). Das Gefühl wäre in dem Fall Rachsucht würde ich sagen aber Schluss mit der Erbsenzählerei.
    Die alltägliche Jugendgewalt geht meist von Stärkeren auf Schwächere. Warum sollte ersterer letzteren hassen oder wofür sich an ihm rächen wollen? Wut kann ein Auslöser sein aber die kommt nicht von Computerspielen sondern meist von Personen von denen der Täter schlecht behandelt wird und denen er unterliegt (z.B. die Eltern oder ältere Jugendliche).
    Körperverletzungen die einfach so verübt werden ohne dass der Täter das Opfer unbedingt kennt haben auch meist den oben genannten oder eine rechtsradikalen Hintergrund oder sind Teil eines Raubes.
    Der Grund für die Schulmassaker der letzten Jahre war auch nicht das Zocken von Videospielen sondern die völligen Verzweifelung der Täter über ihre in ihren Augen scheinbar ausweglose Lage.
    Klar ist es einfacher alles auf die „bösen Killerspiele“ zu schieben. So muss man die waren Hintergründe nicht hinterfragen und kann den Fall ganz schnell zu den Akten legen aber so kann es doch nicht weiter gehen.

  2. Murray, schön das du versuchst den Unsinn sachlich zu zerlegen und zu hinterfragen, aber es ist Energieverschwendung, da man aus der Aussage einfach den Umkehrschluss ziehen kann:

    Ohne Computerspiele fehlt die Hauptursache, d.h. Jugendgewalt ginge deutlich zurück.

    Geht man dann in der Kriminalstatistik 10-15 Jahre zurück, dann sieht man das die Jugendgewalt seitdem jährlich um 0,5-1,5% zugenommen hat, d.h. der absolute Großteil der Jugendgewalt existierte schon vor Computerspielen, die in ihrer Darstellung ausreichend detailreich waren um bei unerfahrenen Menschen die Ängste zu schüren, diese Spiele würden gewalttätig machen.

    Daraus folgt, das man Aussagen von herrn Beckstein, Hopf, Pfeiffer, Spitzer und wie die modernen Möchtegernmedienkontrolleure alle heißen, bei Licht betrachtet als Dreiste Lüge entlarven müsste.

    Da diese Menschen sich aber weiterhin bemühen diese Lügen zu verbreiten, kann man ihnen entweder böswillige Absicht oder totale Dummheit unterstellen – sucht es euch aus.

    Traurig ist nur, das des denkens scheinbar fähige Journalisten diesen Übeltätern übermäßig viel aufmerksamkeit schenken, ihnen, wegen der Sensationsgeilheit und der größten Überschrift ja sogar aus der Hand fressen…!

  3. Ich frage mich was zu einer solchen Ressentiment-beladenen Berichterstattung in deutschen Medien führte. DAS Sind schon weit eher Hass-Reden für mich, zumal ich sie aus anderen Ländern bloß vom Boulevard her so kenne und diese häufig schon auf faktischen Unwahrheiten noch basieren, von darin zentral fragwürdigen bis regelrecht perfiden Negativ-Interpretationen ganz zu schweigen ^^

  4. „…das Ergebnis der Befragung von 653 bayerischen
    Hauptschülern…“

    Nicht repräsentativ, insofern: Gar net ignorieren. Das hätte sich natürlich eigentlich auch die Zeitung denken müssen…

  5. @Pyri:
    Der Klassiker: Etwas schlimmes passiert (z.B. Erfurt), alle fragen sich wieso, weshalb, warum und schon sprießen simple, monokausale Erklärungsmodelle, die auch die verstehen, die von der Materie keine Ahnung haben und sich dann darauf verlassen, das die Medien und Politiker „die Wahrheit“ sprechen und sie hinreichend informieren. Das schaltet bei vielen das Kritikbewusstsein aus.

    Doch was ganz anderes: Ich überlege grad, welche Spiele und Filme Hamlet in Shakespears Tragödie wohl konsumiert hätte, würde sie in der Gegenwart spielen. Immerhin kommen durch seine Klinge eine Reihe von Leuten um, was heute(.de) sicher auf die Medien zurückgeführt würde. Rachegelüste wegen des Mordes an seinem Vater dürften demnach entweder gar nicht von belang sein oder zumindest erst nach dem Konsum von Filmen und Spielen entstanden sein.
    Merke:
    Ohne Medienkonsum wären Heranwachsende lieb, nett und würde für artig lernen
    Mit Medienkonsum droht der Zusammenbruch der zivilisierten Gesellschaft, wie wir sie kennen.

    Das schreit doch förmlich nach einer Anwendung der Chaostheorie auf diese Debatte. Titel: Von der virtuellen Gewalt zum 3. Weltkrieg *g*

  6. Ich weiß ja nicht was ihr für Geschichten von euren Eltern, Ur-Großeltern und Ur-Ur-Großeltern gehört habt, aber meine Vorfahren haben auch ohne (derartigen) Medienkonsum unheimlich viel teilweise auch wirklich böse bzw. kriminelle Sachen gedreht. Und wehe jetzt kommt einer daher und erklärt mir das die Zeitung oder das Radio daran Schuld waren.

  7. “Computerspiele und Horrorfilme fördern die Entwicklung von Hass, Wut und Rache…“

    Mobbing duch Mitschüler, Aussichtlosigkeit auf dem Arbeitsmarkt, BOS Lehrer die Hauptschüler mit den Worten „hier schaft es sowieso nicht“ begrüßen und Lehrer die nur am Aussotieren der Schüler interesiert sind machen einen…

    Fröhlich, Happy und Sorgenfrei!… oder NEIN!

    Wenn die ganze Klasse nur gefrustet drinnen hockt und mehr oder weniger schlimme Mord Fantasien gegen einen Lehrer hegen werden nicht die Spiele schuld sein sondern das Verhalten des Lehrers… ich habe es selbst erleb die ganze Klasse war nach einem Jahr mit einem Klassenlehrer gefrustet und aggressiv als nach den ersten Tagen in dem Jahr…
    Und wenn man jetzt nicht in einer „Kleinstadt“ (es stimmt zwar nicht ganz was folgt aber) fast Ländlichen Gegenden wohnt, sondern in einer Großstadt mit „sozialen Brennpunkten indenen man gesagt bekommt „nur weil ihr her kommt keine Chance habt“ kann man den Frust und die Anspannung die in Agressivität umschlägt gut verstehen.

    Wenn man jemanden immer wieder sgat, das er nichts oder weniger Wert ist als andere kann man darauf werten bis diese Person aggresiv auffällt…

  8. @lapsus: früher waren Groschenromane und Radio daran Schuld ;)

    @The_Real_Black: full ack. Besonders das mit den „Sozialen Brennpunkten“ un dem „Wer hier geboren wird, schaffts eh nicht“.
    Hab mal ne Numb3rs-Folge gesehen, wo das nicht nur in Worte, sondern sogar in Zahlen verpackt wurde: es gab einen Alghoritmus, welcher für jeden Stadtteil, vielleicht sogar jeden Block, errechnet, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass da der Wirtschaft förderliche Bürger entstehen; falls diese Gegend gut benotet wird, pumpt man da mehr Geld rein; wird sie schlecht benotet, dementsprechend weniger. Da kanns auch schon mal vorkommen, dass eine Highschool keinen eigenen Computer hat.
    Klar: kommt man laut Lebenslauf aus einer „guten“ Gegend, hat man mehr Chancen, irgendwo genommen zu werden, war die Gengend „schlecht“ kann man es vergessen.

    Und da soll einem nicht schlecht werden. Denn mal im Ernst: so abwegig hört sich das in der kapitalistischen Welt nicht an…

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