Herrmann legt nach

(GameStar) Gegenüber der Zeit hat der bayrische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) seine Verbotsforderung bekräftigt. So würde er sich weiterhin für ein Verbot von Spielen einsetzen, in denen brutale Gewalt verherrlicht wird. Der Hinweis, dass solch ein Verbot bereits besteht, konnte ihn nicht aus dem Konzept bringen. Auch sonst legt er nicht viel Wert auf eine differenzierte Argumentation, so erwähnt er Videospiele in einem Zug mit Kinderpornographie und Nationalsozialismus:

„In anderen Bereichen haben wir auch klare Verbote, ich denke an Kinderpornografie.“
 
„Es ist ja auch für alle verboten, die Verbrechen des Nationalsozialisten zu verharmlosen.“

Herrmann, der selbst noch kein Videospiel genutzt hat, will die Gefährlichkeit von Videospielen mit von Pfeiffer vorgestellten Studien belegen:

„Aber wenn Spiele auch nur zu einem bestimmten Prozentsatz ein höheres Maß an Jugendgewalt auslösen, dann ist das Grund genug, sie zu verbieten. „

Die „Gewaltspiele“ sind in seinen Augen ein amerikanisches Problem, die in Deutschland nicht Fuß fassen dürfen:

„Da gibt es massiven Druck von Herstellern aus den USA. Aber wir haben auch nicht von ungefähr ein anderes Waffenrecht als Amerika, bei uns darf nicht jeder nach Belieben mit einer Schusswaffe durch die Gegend laufen. Wir dürfen bestimmte Fehlentwicklungen der amerikanischen Gesellschaft bei uns gar nicht erst Platz greifen lassen.“

Angesichts des Umstandes, dass schon 70 % der deutschen Jugendlichen den Ego-Shooter CounterStrike gespielt haben, dürfte man nur schwer von einem rein amerikanischen Phänomen sprechen können. Bei den deutschen Entwicklern setzt Herrmann auf einen Sinneswandel:

„Es gibt heute schon Hersteller, die sich von dem gesamten Gewaltbereich verabschieden. Die wollen intelligente Spiele machen, Bildungsspiele, und noch ganz andere, spannende Geschichten.“

6 Gedanken zu “Herrmann legt nach

  1. Die Studien sind vermutlich höchstens teilweise richtig, ein Verbot besteht bereits, die Spiele haben sich schon längst in deutschland etabliert und crytech wird trotzdem keine Spiele für kleine Kinder entwickeln. Dass solche Spiele mit Kinderpornographie und dem Nationalismus verglichen ist eher eine Frechheit als berechtigt und die Tatsache, dass auch dieser Politiker absolut keine Ahnung von dem hat, was er verbieten will, lässt auf grobe Inkompetenz schließen, da sich kein intelligenter Mensch nur auf Vorurteile und einseitige Studien berufen wird, wenn er ein Verbot fordert aber vermutlich ist auch diesem politischen Amateur einfach die ältere und leichter beeinflussbare Zielgruppe wichtiger und bei der, können solche Amateure leider weiterhin mit solchen idiotischen Forderungen punkten…

  2. “Aber wenn Spiele auch nur zu einem bestimmten Prozentsatz ein höheres Maß an Jugendgewalt auslösen, dann ist das Grund genug, sie zu verbieten. “

    Da fielen mir aber noch so einige andere Dinge ein, die man verbieten müsste, würde man dieser Logik folgen, so z.B. Alkohol, Mannschaftssportarten (Stichwort Fankämpfe)etc.

    Naja, und dass sich dieser Mensch nur auf die Pfeiffer-Studien stützt, zeigt doch die gesamte Unseriösität seines Vorschlags. Er blendet andere, seine Behauptungen widersprechende oder relativierende, Studien aus.

    Das ganze einfach nicht zu ernst nehmen. Nach der Wahl ist das alles eh vergessen, ob die CSU nun gewonnen hat oder nicht. Sie bekommt das Vorhaben eh nie durch den Bundestag.

  3. wie war das
    der Erste der mit einem Nazivergleich kommt hat die Diskussion verloren.

    Ich gehe davon aus das er sexuelle Probleme hat und sie nicht mit einem Porsche überdecken kann.

  4. Ich habe auch hier als Historiker und Kulturwissenschafter glaub ich schon öfter geschrieben, dass im glatten Gegenteil zu diesen ungeheuerlichen populistischen Entgleisungen (ist es denn wirklich Realpolitik aus Bayern?) die Vorstellungen von Sauberkeit und Reinheit von Darstellungen weit eher mit dem Nationalsozialismus zu tun haben, welcher ja bekanntlich die Moderne als „entartet“ auch (manche würden sagen vor allem) aufgrund von Darstellungen von Schrecken und Leid gesehen hat, und nicht bloß aufgrund eines Abstraktionsprozesses.
    Mit der indirekten Wiedereinführung der „Schmutz“- und „Schund“gesetze aus der Weimarer Republik im Jahr 1954 – das was heute die BPJM darstellt, wurde dieser Aspekt jedoch leider scheinbar häufig übersehen in Deutschland. Ansonsten wäre es zu einem Selbstverständnis von lediglich notwendiger Nachrichtengewalt so wie ich es beobachte, auch gar nicht gekommen.
    In diesem Sinne könnte bei Pauschalunterstellungen einer affirmativen Bedeutung von Gewalt bei Gewalt in Videospielen sogar mit einiger Begründung von einem Apologetentum einer nationalsozialistischen Kulturpolitik in Deutschland gesprochen werden.
    Eine Assoziation mit Sexualverbrechen an Kindern sollte sich ohnehin von selbst diskreditieren.
    Darüber hinaus bin ich entsetzt wie weit es diesbezüglich schon gekommen ist in Deutschland, dass die ZEIT Soetwas unwidersprochen veröffentlicht.
    Aus meiner Sicht schürt dieser Politiker so nur mehr Haß gegenüber Menschen wie mir, Menschen deren Kulturform dadurch kriminalisiert und pathologisiert wird – und die in meinem Fall aufgrund ihrer Krankheit und Behinderung während der Herrschaft des Nationalsozialismus Gefahr gelaufen wären industriell vernichtet zu werden.
    Wäre ich deutscher Staatsbürger, ich würde Herrn Herrmann spätestens am Montag aufgrund dieses Interviews wenigstens versuchen wegen Volksverhetzung zu belangen und zur Anzeige bringen.

  5. Das mit der Anzeige werde ich nicht tun, obwohl ich volljährig bin aber ich fínde solche Anzeigen gut, auch wenn sie immer abgewiesen werden -_-. Vermutlich lässt sich deren Art der Politik/Propaganda eher mit dem Nationalsozialismus vergleichen als mit „Killerspielen“ (Was auch immer Killerspiele sind^^). Auch die Aussagen bezüglich Chinas als „Vorbild für Internetzensur“ in der Politik kann ich nur verurteilen, da ich sowohl den Nationalsozialismus, als auch Einrichtungen wie z.B. die Stasi usw. absolut ablehne, da das Volk frei und demokratisch sein darf und es kann nicht sein, dass die Politiker einfach anstreben, die Grundrechte einzuschränken und das Internet zu zensieren. Da es allerdings kaum möglich ist, etwas derartiges zu erreichen (auch wenn man sich wehren muss), wird es schwer durchsetzbar sein. Die Partei der CDU/CSU wird allerdings (hoffentlich) in der Zukunft sehr stark an Einfluss verlieren, da ja 70% der heutzutage noch Jugendlich, später zum größten Teil eher eine andere Partei wählen dürften und auch Sender, wie ARD, ZDF usw. müssten entweder den Sendebetrieb einstellen oder das Programm auf die „moderne“ Gesellschaft ausrichten.

  6. Wenn noch einer dieser *piep* mich mit so einem gestörten Pädophilen oder einem dieser hirnlosen Faschos vergleicht (und das machen die indem sie die Spiele mit Kinderpornografie und rechtsradikalem Material vergleichen) dann verklage ich ihn wegen Beleidigung! Langsam reichts mir echt!!!
    Die bayrischen Politiker sollten im Punkto Nazis lieber die Klappe halten. Oder wer verbieter Kopftücher in Schulen wegen Trennung von Religion und Staat aber hat in fast jeder Schule das eine oder andere Kruzifix zu hängen.
    70% aller Jugendlichen haben schonmal CS gezockt. Kann sein. Aber wieviele davon fallen durch stärker ausgeprägtere Gewaltbereitschaft auf als die anderen 30% und wieviele DAVON sind selbst Opfer von Gewalt (z.B. von Mitschülern oder Familienangehörigen)?

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