Spielehetze erreicht "endlich" Österreich

Lange Zeit über schwiegen Österreichs Medien zur Killerspiele-Debatte in Deutschland. Zwar wurde viel über den Amoklauf von Winnenden und Jugendgewalt im allgemeinen berichtet und öffentlich diskutiert, bezogen auf die Spiele war es jedoch merkwürdig still. Bis jetzt…

Die kostenlose Wiener Tageszeitung „Heute“, deren Auflage die zweitgrößte der Stadt ist, berichtet nun über die ‚bösen Folgen‘ des Konsums von „Ninja Gaiden Sigma 2“ (PS3). Dabei machte der zuständige Redakteur seinen deutschen Kollegen von BILD und Co. alle Ehre – so zweifelhaft diese auch sein mag.

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Wer „Ninja Gaiden Sigma 2“ bzw. dessen in Deutschland auf Liste B indizierte Ursprungsfassung, „Ninja Gaiden 2“ (Xbox 360) kennt, dem werden die gemachten Fehler förmlich ins Auge springen.

Zum einen wäre da der über die Doppelseite gehende Screenshot, welcher eindeutig nicht von „Ninja Gaiden Sigma 2“ stammt. Um nämlich weltweit mildere Altersfreigaben zu erhalten, wurde, wie schon beim ersten „Ninja Gaiden Sigma“ (PS3), die Gewaltdarstellung reduziert. So wurde die Blutdarstellung stark abgeschwächt und es ist zudem nicht länger möglich, Körperteile der Gegner abzutrennen Körperteile lösen sich beim Abtrennen in Luft auf. Auf dem Screenshot sind allerdings deutlich Blutfontänen sowie der abgetrennte Arm des Gegners zu sehen – es handelt sich um eine Szene aus „Ninja Gaiden 2“, das aber nicht Gegenstand des Artikels ist.

Zum anderen erweckt der Artikel den Eindruck, als würde Minderjährige Ninja Gaiden Sigma 2 spielen, obwohl es nicht für sie geeignet wäre. Das ist faktisch falsch: Das Spiel wurde von der PEGI ab 16 Jahren freigegeben und da Österreich das PEGI-System offiziell anerkannt und dessen Einhaltung in Wien sogar gesetzlich vorgeschrieben ist, gibt es keinen Grund, weshalb es nicht an 16-jährige – die ja ebenso minderjährig sind – abgegeben werden sollte. Die „ab 18“-Einstufung der USK ist dafür irrelevant. Ob dies aus pädagogischer Sicht ratsam ist, steht auf einem anderen Blatt – diese Fragen müssen sich aber die betroffenen Eltern, nicht die Leser von „Heute“ stellen.

Die Aussage, das Spiel würde ‚Folterszenen‘ bieten, rundet den Ausbund an Fehlinformation des kurzen Artikels ab.

Ansscheinend hat die Killerspiel-Debatte infolge von Winnenden nach der Schweiz „endlich“ auch Österreich erreicht. Auf heute.at können übrigens Leserbriefe eingeschickt werden, die ggfs. in einer der kommenden Ausgaben abgedruckt werden. Außerdem befasst sich die heutige Leserumfrage mit dem Thema Gewalt in Videospielen: nach aktuellem Stand sind rund 60% der Besucher davon überzeugt, dass Spiele wie „Ninja Gaiden Sigma 2“ die Gewaltbereitschaft von Österreichs Jugendlichen erhöhen.

LiquidSnakE

37 Gedanken zu “Spielehetze erreicht "endlich" Österreich

  1. Jetzt geht es da also auch los. Ich könnt mir vorstellen, das dort der Ablauf ähnlich ist wie bei uns. Erst wird dem gemeinem Volk jahrelang durch die Medien eingetrichtert „Killerspiele=Amoklauf“, bis sich die Gamer dann irgendwann mal wehren und die Debatte anfängt sachlich zu werden.

  2. Ninja Gaiden macht schon allein deswegen aggressiv weil es so dermassen schwer ist das man am liebsten das Pad an die Wand klatschen will.

  3. @Cyclonos
    Eher mit etwas noch anderem. Gibt es soetwas überhaupt? Also noch reisserischer als BILD?

    Sorry, aber Wolfi Fellners „Österreich“ ist teilweise noch deutlich unter BILD-Niveau und diese U-Bahn-Zeitung „Heute“ von der Schwiegertochter des Herausgebers der vielleicht auch in Deutschland negativ begriffenen Kronen Zeitung sowieso. In der Zeitung wurde das ausgezeichnete Adventure „Edna bricht aus“ etwa noch mit dem Vergewaltigungs-Inzest-Sklaverei-jahrzehntelange-Freiheitsberaubungs-Fall von Amstetten in Zusammenhang gebracht. Eigentlich alles wirklich nicht der Rede wert

    Dass es in Österreich keine Killerspiel-Debatte gegeben habe bislang kann ich dabei nicht bestätigen. Ich stritt mich jahrelang mit AutorInnen und Artikeln in der südösterreichischen liberal-konservativen (ja ich weiß, eigentlich ein Widerspruch…) Kleinen Zeitung herum – bis es mir heuer irgendwann zu blöd wurde. Noch hiesige „Kulturjournalisten des Jahres“, eigentlich besser „jedes Jahres“, ätzten irgendwie über eine Medien-„Maschine“ welche fürs Leben „mundtot“ mache, aus Quentin Tarantino und Leni Riefenstahl wurde kurzerhand „Quentin Riefenstahl“, für Peter Bürger gab es Werbung, nach Winnenden zog die irgendwie hauseigene Familien-Kommentatorin „ihren Hut“ vor Galeria Kaufhof, dass die jetzt keine Erwachsenenspiele mehr verkaufen.
    Eine Rede von „Killerspielen“ ist auch im Fernsehen seit Winnenden zumindest präsent, der moderierende Sohn einer ehemaligen Bildungsministerin scheint besonders gern darüber zu sprechen und in einer Kultursendung wurde eine entsprechend negative Sendung aus Australien auch zugekauft, so an- und abmoderiert von der Witwe des wohl renomiertesten Fernsehjournalisten dieses Landes, dass Theo Koll glaub ich seine Freude daran gehabt hätte… Das mediale Potenzial wäre hier also voll da aus meiner Sicht

    Bloß Wissenschaft und Politik spielen da nicht ganz mit: es gibt keine etablierten Institutionen gegen Medien wie in Deutschland, die medienfeindlichen Wissenschafter haben das Land in Richtung Deutschland subjektiv verlassen, Blick nach Regensburg – hinzu kommt, dass es kein einheitliches Jugendschutzgesetz gibt und die Länder das, aus welchen Gründen auch immer, wohl ebenfalls nicht haben wollen. Aktuell will man anscheinend etwa über die hiesige Gewerbeordnung wie beim Alkohol gegen „Gewaltspiele“ wie es hier heißt, vorgehen – vor dem Sommer gabs im Rundfunk dazu einen Bericht. Seitdem aber auch nichts mehr
    Schließlich ist der einzige Politiker auf Bundesebene, welcher sich bislang deutlich für Spieleverbote ausgesprochen hat der gerade bei der Jugend beliebte Rechtsaußen H.C. Strache, welcher vom SPD-Politiker Martin Schulz schonmal taxfrei als „Nazi“ bezeichnet wurde, und der ist scheinbar auch nur gegen Spiele, weil er lieber Spiele als (noch mehr) Waffen verboten sehen möchte…

  4. @ Cyclonos
    Das war auch mein erster Gedanke: Um bei Ninja Gaiden auch nur dem ersten Gegner irgendwas abzuhacken muss man eine Woche lang zocken :P

  5. „Heute“ kann man eh vergessen. Es ist wie bereits gesagt, eine kostenlose Zeitung, welche man an jedem U-Bahn-Eingang findet und ungefähr das Niveau eines Kindergartenkindes hat.

  6. die gratis Zeitung 20minuten in Zürich arbeitet in derSchweiz ja auch kräftig gegen games. D.h. es war nur eine Frage der Zeit dass unsere Nachbarn unseren Müll abbekommen.

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  8. Österreich ist natürlich nicht immun gegenüber dieser Diskussion. Medien unterschiedlicher Art haben immer wieder einmal versucht, über dieses Thema Kapital zu schlagen. Ich erinnere mich zum Beispiel an einen Kommentar von Christian Pfeiffer in der Wiener Stadtzeitung Falter.
    Wir haben in Österreich bisher das Glück gehabt, dass an den entscheidenden Stellen Personen sitzen, die mit dem Thema Computerspiel auch vernunftbetont umgehen können. Insbesondere der Wiener Zugang (Aufklärung statt Aufhetzung) mit der jährlich im Wiener Rathaus findenden GameCity ist eigentlich über alle Parteigrenzen hinweg akzeptiert. Die Veranstaltung zeigt auch sehr gut, dass Jugendschutz auch Panikmache funktionieren kann. So haben wir derzeit auch keine ernstzunehmende politische Gruppierung, die das Thema radikalisieren will.
    Das bedeutet aber natürlich nicht, dass dies für immer so bleiben muss. Schmutz- und Schundkampagnen haben auch in Österreich lange Tradition.

  9. @Roland_09
    War leider sogar der Titel eines Kommentars am 23.8.2009 Auf Seite 63 In der „Kleinen Zeitung“. Da ich sowas nicht einscanne und die Webpräsenz der Zeitung in meinen Augen fast nur aus Werbung besteht müsste man dafür schon in ein Archiv gehen :-(
    Es ging eben um den jüngsten Film von Tarantino, welcher in dem Text inhaltlich mit moralischer Empörung über die Gewaltdarstellungen die im Film ja angeblich so „cool“ seien gar vollends in Frage gestellt wurde.
    Der Autor schrieb zwar 2005 In einer Filmkritik zu „Sin City“ schon von „widerwärtiger Gewaltverherrlichung“, also wusste ich dass er solche Inszenierungen nicht leiden konnte – doch hatte ich nachher auch noch freundlichen E-Mail-Kontakt mit ihm, also hat mich der Kommentar in diesem Sommer noch zusätzlich betroffen gemacht. Fand das sehr schade.
    Der Zusammenhang mit Riefenstahl wurde eben über ein oder mehrere Interviews welche Tarantino (in Deutschland?) zur UFA-Geschichte und dem deutschen Unterhaltungsfilm gab hergestellt. Dabei hat diese aus meiner Sicht jedenfalls nichts falsches gesagt und wollte doch auch kaum ideologische Sympathie vermitteln. In den USA Ist Lob für deren Filmtechnik absolut nichts ungewöhnliches, von einem George Lucas angefangen. Leider musste sich Star Wars aber ja auch schon alles mögliche in diese Richtung sagen lassen: etwa vom berühmten, angeblichen „Pop-Erklärer“ Diedrich Diederichsen hier http://www.filmzentrale.com/rezis/starwars1dd.htm
    Es ist aus meiner Sicht auch völlig absurd inhaltliche Parallelen zwischen Tarantino und Riefenstahl herstellen zu wollen: auf eine sauber-glatte Ästhetik hat ersterer doch nie Wert gelegt. Sondern im Gegenteil auf Vielfalt und Schmutz. Es gibt hier in Österreich auch eine andere Bezeichnung für Schmutz welche für Tarantino wichtig ist, nämlich Grind. Das konnte man in der Zeitung bei so Filmen auch schon abwertend lesen… Also mit Riefenstahl zu tun zu haben kann man mit einiger Begründung vielleicht noch Helmut Newton oder anders auch der Glamour photography im allgemeinen unterstellen, Inszenierung „gesunder“ Körper dort, aber sicher nicht Quentin Tarantino. Glamourös ist bei dem am Ende doch nur wenig..

  10. @Pyri

    Ich kann nicht einschätzen wie ernst die abschließende Bemerkung mit dem Splatter-Film ist, aber ich frage mich abschließen, was er mit dem Artikel erreichen will bzw. an wen der sich richtet.

  11. Öhm, nur eine kleine Korrektur zum Text da oben, es ist auch in NGS2 möglich die Gliedmaßen abzutrennen, dies ist auch Teil der Spielmechanik für bestimmte Angriffe (genannt Obliteration Technique). Allerdings lösen sich die Gliedmaßen direkt nach Abtrennung auf und bleiben nicht liegen wie in NG2 (die zerstückelten Übereste des Körpers bleiben allerdings kurze Zeit liegen). Die Auflösung wird von einem purpurnen Nebel begleitet.

  12. Naja…wenn die Zeitung schon kostenlos ist braucht man auch nichts von ihr zu erwarten…und seid euch sicher, es werden nur die Leserbriefe der „erschrockenen Eltern“ veröffentlicht…

  13. Meiner Meinung nach sollte der Hersteller des Spiels eine Anzeige wegen Rufschändung machen. immerhin betrifft es ihn indirekt, weil es sein Produkt ist und das Bild ja nicht Gegenstand des Artikels wäre. Das könnte zumal die Journalisten „ernüchtern“ ihren Weg ein wenig ehrlicher anzugehn.

  14. @Pyri
    Der StarWars Artikel is ja geil, so einen schwachsinn hab ich j aselten zuvor gelesen :D

    folgenden Abschnitt, kann ich alledings nicht wirklilch verstehen: „Ansscheinend hat die Killerspiel-Debatte infolge von Winnenden nach der Schweiz „endlich“ auch Österreich erreicht.“
    Klar wurde der „Amoklauf“ von Winnenden bei uns in der Schweiz auch Diskutiert, allerdings weiss ich bis auf vereinzelte winzig kleine aktionen nicht, dass in der Schweiz wirklich eine Auseinandersetzung im grösseren masse stattgefunden hätte. (falls doch, gebt mir paar Links oder Referenzmaterial)
    Ich kann mir zumindest hier nach wie vor Spiele kaufen, welche in Deutschland nur unterm Ladentisch durch dürfen, bei uns jedoch offen für alle im Regal stehen.

  15. Danke LiquidSnakE
    genau jener bericht ist mir auch spontan in den Sinn gekommen (auch ohne Googeln). Allerdings hat dies kaum für aufsehen gesorgt und man muss wirklich suchen, wenn man was finden will. Und wenn man was findet sind dies nur einzelne Berichte und nie auch nur annähernd „Debatten“ gewesen und diese sind nichteinmal aufbauend aufeinander oder sonst wie verknüpft.
    Und die beiden im Beitrag erwähnten Initiativen sind beide mehr oder weniger in der versenkung verschwunden :D
    (wir haben da wohl im mom „wichtigere“ problem als uns um „gefährliche“, „irre“, „gewaltverherrlichenden“ gamer zu kümmern ;))

  16. Vorsicht: Vor bissigen Worten lesen auf eigene Gefahr:


    Was solls, es ist ja nur wieder eines der Spiele in den die Blutmassen, von jeden Unschuldigen den man mordet, das Level langsam flutet. Bis der Blutstand in den Gängen selbst den Spieler am Ende im Blut seiner Opfer qualvoll ersäufen lässt… also nichts weiter als ein durchschnitts Killerspiel.


    *Geräusche die sich nach Kopf auf Keyboard anhören*
    Happy Coding.

  17. Ist zufällig hier einer bei fernsehkritik.tv ? Ne halbe Stunde nachdem ich es hier geposted habe, wurde der Fall da im Forum auch erwähnt :D

  18. Is nix besonderes. Heute ist ne Tochterzeitung der Krone, die fast schon mit der Bild zu vergleichen ist. Solange nicht die Qualitätszeitungen auf den Zug aufspringen, stört es mich nicht.

  19. Ist nicht das erste Mal das sowas in Österreich vorkommt. Aber ich habe gerade die entsetzliche Vorstellung, dass angeregt durch das Klopapier der Frau Dichand, auch der liebe Schwiegervati mal den einen oder anderen Artikel in seine „Krone“ setzen könnte.
    Cato vs. die Killerspiele… schaurig!
    Wenn Krone und ÖVP es sich erst einmal in den Kopf gesetzt haben, die bösen Killerspiele zu verbieten, wird das nicht wie in Deutschland ewig diskutiert: das ist über Nacht beschlossene Sache. Siehe Bundestrojaner!

  20. Pingback: Stigma Videospiele » Blog Archive » Figaro: Geiselnahme wegen “Super Mario 2″

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