Koalitionsvertrag ohne Verbot

(heise) Während Schwarz-Rot noch explizit ein Verbot von „Killerspielen“ gefordert erwogen hat, fehlt im Koalitionsvertrag von FDP und Union eine entsprechende Bestimmung. Die Ausführungen zu Computerspielen beschränken sich auf diese zwei Sätze:

Computerspiele sind ein selbstverständlicher Teil unserer Alltagskultur geworden. Deswegen soll die Entwicklung hochwertiger, kulturell und pädagogisch wertvoller Unterhaltungsmedien gefördert und der Deutsche Computerspielpreis aufgewertet werden.

35 Gedanken zu “Koalitionsvertrag ohne Verbot

  1. kann mir mal jemand ein hochwertiges, kulturell und pädagogisch wertvolles computerspiel nennen? einfach damit ich mir was drunter vorstellen kann. aber eigentlich ist es ja eine gute nachricht, deswegen würde ich sagen: danke FDP? @@ wobei ich wieder an die geforderte ächtung denken muss, besonders im zusammehang mit unserem computerspielpreis, bei dem nur „hochwertig etc.“ spiele gewürdigt werden sollen, wahrscheinlich weil man verstanden hat, dass verbote nichts bringen, sprich illegale downloads und bestellungen aus dem ausland etc.

  2. Hochwertige Spiele, na das ist doch wie „damals“:
    Irgendein Machthaber entscheidet: Dies ist hochwertig, jenes ist entartet – verbrennt es!

    Find ich toll, manche Wissenschaftler grübeln seit Ewigkeiten an „Zeitreisen“ und unsere Politiker machen das einfach so.

  3. Zwar noch relativ harmlos, allerdings doch recht merkwürdig.

    Wieso müssen Computerspiele „pädagogisch wertvoll“ sein, um einen Preis zu erhalten / gefördert zu werden?
    Ich bezweifle z.B., dass Filme für den Oscar diese Anforderung erfüllen müssen.
    Anscheinend wird noch immer (latent) angenommen, dass Computerspiele nur was für Kinder sind.
    Toller Preis/Förderung, bei dem alle Computerspiele mit USK 18 per se schlecht sind.

  4. Die wollen halt Spiele fördern, die für jede Altersgruppe geeignet sind (oder halt ab 12 – man kann ja mit 6 schon Filme ab 12 ansehen, wenn Eltern zugegen sind… auch im Kino… vielleicht ist das bei Spielen genauso)… im Prinzip ja nicht schlecht. Auch die Kriterien für einen Preis sind jetzt nicht soo abwegig, da es sich ja um eine andere Interessensvertretung handelt. Muss ja nicht genauso gehandhabt werden, wie bei Magazinen und Co. , so haben dann vielleicht auch Entwickler eine Chance, die nicht die 10000te Fortsetzung oder den 10000ten Abklatsch machen.
    Solange das nicht wieder darauf hinausläuft eine Kampagne gegen andere Spiele, die für ein älteres Publikum konzipiert sind, zu starten, ist gegen den Deutschen Computerspielepreis nichts einzuwenden… meiner Meinung nach. Vielleicht schafft man so ja sogar einen neuen Spielebereich, der eben nicht auf Hollywood setzt (wenn man so die Spiele ala GTA und Co so bezeichnen kann), vorrausgesetzt die Entwickler lassen sich dann auch was Gescheites einfallen und machen nicht nur das gleiche Spiel mit einer zwei hinterher.

  5. Wenigstens etwas.

    Natürlich entscheiden wieder andere was den “ pädagogisch wertvoll is etc. . Aber sein wir ma ehrlich auch der MTV Games Award is nur ein schlechter Witz. Einzigste Glanzleistung letzte Jahr war da, dass sies geschafft haben Hideo Kojima nach D zu holen damit er sich seinen Preis persönlich abholt. Wenn ich mir dann aber die diesjährigen Kategorien und Nominierten anschaue wird das wieder ne traurige Verantstaltung.

  6. Problem bleibt…
    ab 18 Spiele sind ja niemals „hochwertiger, kulturell und pädagogisch wertvoll“

    Dafür:
    Kein Film mit der Einstufung ab 18 darf einen Deutschen Filmpreis bekommen…
    .
    Entweder alle Medien gleich oder nicht behandeln!
    Happy Vorentscheidung

  7. Da bin ich aber erleichtert. Das ist doch nur positiv zu werten
    So freu ich mich auch schon auf den nächsten Deutschen Computerspielepreis nächstes Jahr in Berlin…
    Mit hoffentlich Risen unter den Nominierten…

  8. Endlich haben die mal wenigstens ein bisschen eingestanden das sie eigentlich nichts davon verstehen. Ein grosser Erfolg ist das allerdings noch nicht, da es immer noch sehr viele Spielekritiker(auch in FDP und CDU) gibt.

  9. Mal abwarten, was unsere voraussichtlich künftige Gesundheitsministerin Ursula von der Leyen (die ja auch die verschärfte „Jugendschutzregelung“ aus 2008 verbrochen hat) zum Thema Spielesucht so beitragen wird…
    Desweiteren sehe ich neben der fehlenden Zusage an weitere Einschnitte auch keine Absage. Das muss zwar nichts heißen, aber Entwarnung kann von daher in meinen Augen noch nicht gegeben werden. Gerade von Seiten der Union erwarte ich auch in Zukunft keine Besserung.

  10. Genau die will den Posten nicht aufgeben und zu einem Verbot kann es immer noch kommen, da braucht es nur ein zweites Winnenden oder Solln zu.

  11. Genau den deutschen computerspiele preis fördern, weil deutschland auch so ein gewaltiger standort für spiele-entwicklung ist. Ja mir ist bewusst auch in deutschland gibt es entwickler, aber wird der computerspiele preis nicht ein bischen eintönig wenns die ganze zeit nur preise für siedler und annos gibt?

    Die ganze aktion an sich ist doch schon allein deswegen sinnfrei, von den bewertungskriterien ganz zu schweigen. Die ziehen das ganze dann auch noch in die lächerlichkeit.

  12. @El Konsolero:
    Da war ich wohl nicht mehr auf dem Laufenden, danke.
    Dann freuen wir uns auf künftige von der Laien’sche Erfolgsprojekte à la „Akademikerinnenwurfprämie“ oder „Schutz der kinderpornographischen Seiten im Internet“.
    Und unbedingt brauchen wir auch einen weiter verschärften „Jugendschutz“, auch im Internet. Wenn der bestehende nicht funktioniert, dann wird nicht daran herumgeschraubt, man schafft die „jugendgefährdenden Inhalte“ lieber gleich ab. Und anschließend, weil es da auch nicht klappt, machen wir das Gleiche mit Alkohol und Tabak.
    .
    Wer Polemik findet…

  13. Der Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD vom 11.11.2005 postulierte kein Verbot von „Killerspielen“; 6.3 (Aufwachsen ohne Gewalt):
    „Folgende Eckpunkte sollen vorrangig erörtert werden: […] Verbot von
    ‚Killerspielen‘ […].“
    Eine Erörterung ist nicht die definitive Intention eines Verbots!

    Der Vertrag wurde (und wird) i.d.S. regelmäßig falsch rezitiert…
    z.B. von Günther BECKSTEIN, dessen Berufungen auf den Vertrag und Vorwürfe an die SPD, sie würde den Vertrag brechen, weil sie die bayerischen Verbotspläne im Jahre 2007 nicht mitragen wollten (s. JuSchVerbG), natürlich absoluter Blödfug waren.

    Nur so als Anmerkung.
    Und noch was: Warum ist das Wort Videospiele durchgestrichen? Computerspiele ist ein regelmäßiges Synonym für alle möglichen Formen von Spielprogrammen. Nur weil da nicht „Computer- und Videospiele“ o.ä. steht, bedeutet das nicht, dass man Videospiele (im Sinne von Konsolenspielen) ausklammern wollte (falls die Durchstreichung das implizieren wollte).

  14. Ich bin schon zufrieden dass von Computerspielen in zumindest keinem negativen Zusammenhang geschrieben wird. Dabei von Alltagskultur noch zu sprechen stimmt mich auch schon positiv

  15. 3145 Jugendschutz
    3146
    3147 Wir werden gemeinsam mit Ländern, Kommunen, Verbänden und Wirtschaft einen
    3148 Nationalen Aktionsplan initiieren, der sowohl ein umfassendes Konzept zur Ver3149
    besserung des Jugendschutzes beinhaltet als auch Maßnahmen zur Verbesse3150
    rung der Partizipation, der Medienkompetenz und der Gewalt- sowie Suchtpräven3151
    tion vorsieht.

    (Koalitionsvertrag)

    Medienkompetenz?? wer hat die denn nich?

  16. Glauben die wirklich CRYTEK wird, um einen solchen Preis zu gewinnen, Crysis fallen lassen und auf „Bibi Blocksberg“ mit CryEngine 3 umsteigen???
    o.0

  17. Rey wieso soll ich kreativer sein, wenn da irgendwelche Bonzen festlegen, was „wertvolle Kunst ist“ und was „Schund“ ist?!

    Klar es ist besser als ein Verbot, aber wieviel besser? Ist es nicht die gleiche Hetze, nur diesmal im Schafspelz?

  18. Pingback: Tweets die Stigma Videospiele » Blog Archive » Koalitionsvertrag ohne Verbot erwähnt -- Topsy.com

  19. Dieser Preis ist natürlich totaler Schmu und wenn die Politiker sich das Gewissen damit beruhigen können dann soll es halt so sein, uns brauch es nicht zu interessieren. Die Nachricht aber das nichts im koalitionsvertrag steht ist wirklich super.

  20. @Vicarocha

    – Ich habe mich auch gewundert, dass im KV „nur“ das Erörtern steht. Da aber beinahe alle – egal ob von SPD oder CDU – offenbar meinen, dass da ein Verbot drin stehen würde, bin ich davon ausgegangen, dass nach der Auffassung der Parteien ein Verbot vereinbart wurde und der Wortlaut, für einen Laien wie mich vielleicht nicht erkennber, das auch bestätigt-

    – Für mich ist „Videospiel“ immer der Überbegriff für Computer- und Konsolenspiele gewesen.

  21. @ Rey Alp:

    – Die Politiker, die den Passus des Koalitionsvertrags in der Öffentlichkeit als definitive Postulierung eines „Killerspiel“-Verbots kommunizier(t)en, haben den Vertrag nicht gelesen oder kalkulier(t)en ihre Beiträge mit dem dt. Wähler, der i.d.R. den Vertrag nicht gelesen hat.
    Das ist permanenter Wahlkampf, da konnte sich z.B. ein BECKSTEIN in der Öffentlichkeit vor einem uninformierten Publikum profilieren und die Konkurrenz gleich diskreditieren, indem er behauptete, was er behauptete; das prüft doch ohnehin kaum jemand, auch nciht die Presse [obwohl es da in dem Fall iirc ein oder zwei kritische Kommentare gab (zumindest von denen, die ich mitbekommen habe), die darauf hinwiesen, dass der Kerl Qautsch stammelt]. ;-)
    Wie das einzelne Politiker (oder auch die CSU) sehen, ist dabei egal und der Vertragsinhalt ändert sich auch nicht durch die permanente perpetuierung von Fehl- und Falschinformationen: Fakt ist, dass der Vertrag kein Verbot postuliert hat, schon gar nicht explizit. ;-)
    – Ja, für dich ist das der Überbegriff gewesen, für mich nicht und wieder jemand anderes sieht das vielleicht vollkommen anders. Da gibt es eben keine einheitliche Regelung, selbst in der Literatur werden da munter die Begriffe miteinander in einen Mixer gesteckt und frohen Mutes wieder herausgenommen. Videospiele ist jetzt aber meiner Erfahrung nach und ganz aus dem Bauch heraus öfter i.S. von Konsolenspiel benutzt worden, für Spiele am PC hat sich größtenteils PC-Spiel eingebürgert, wobei hier manchmal natürlich Computerspiel exkl. synonym für PC-Spiel benutzt wird. Das führt dann zu Kreationen wie z.B. „PC- und Videospiele“, „Computer- und Videospiele“ (und diese Form der Differenzierung ist wohl der Grund, warum man jetzt direkt das Schlimmste beim Vertrag vermutet und das Wörtchen Videospiele durchstreicht – ich finde diese Kombination jedenfalls immer sehr gestelzt, weil sie für meinen Sprachhabitus doppelt gemoppelt wirkt), „PC- und Konsolenspiele“, „Computer- und Konsolenspiele“ oder aber ganz einfach als Metaterminus „Computer-“ oder „Videospiele“. Oder man geht z.B. wie die USK an die Sache und nennt Spiele generell „Unterhaltungssoftware“ oder im Beamtendeutsch „Spielprogramme“.
    Was ich damit sagen will: Nur „Computerspiele“ zu schreiben und damit alle Spiele zu meinen, sei es am PC, an der Konsole oder dem Handheld, ist 1.) durchaus üblich und 2.) auch terminologisch legitim (sind ja i.d.S. alles Computer). Ich spreche in der Regel auch generalisierend von Computerspielen (oder Unterhaltungssoftware oder Spielprogrammen) und meine diese Begriffe i.S. von Metakategorien. Eine Plattform ausklammern will ich damit nicht. Und diese Intention sollte man auch niemandem unterstellen, dazu gibt es keinen Anlass.
    Da finde ich zur Abwechslung sogar mal Wikipedia brauchbar:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Computerspiel#Weitere_Bezeichnungen_.2F_Abgrenzung

  22. Ich weis nicht wie gut sich mit Spielen für Kinder verdienen lässt. Da es solche Spiele schon gibt kann man mit ihnen auch verdienen. Allerdings sind solche Spiele meist günstiger als der durchschnittliche 12+, 16+, 18+ Titel (Neupreis bei Erscheinen) und ich vermute dass die Anzahl der vrkauften Spiele auch nicht ganz so hoch ist.
    Wenn der Staat entscheidet hier gezielt zu Fördern finde ich das gut, denn hier gibt es sicherlich Verbesserungspotential.

    Ben

  23. @Vica

    – Ich wollte dir jetzt aus der bekannten Panorama-Sendung die Stelle raussuchen, in der selbst Zypries von einem expliziten Verbot spricht, aber habe es dann doch gelassen. Sie tut das zwar, aber ohne den Koalitionsvertrag zu erwähnen. Ich habe die News angepasst.

    – Zumindest in meinem Umfeld bezeichnet man Konsolenspiele nicht als Computerspiele. Ich dachte, dass das auch anderorts so sei. Da das offenbar nicht der Fall ist, habe ich die Spitze entfernt.

  24. @Ben

    Es stimmt zwar dass es gut ist solche Spiele zu fördern, aber das darf nicht auf Kosten der Diskriminierung anderer Spiele geschehen. Die Politiker und „Experten“ wollen entweder nicht einsehen, oder lügen bewusst in die Kamera, dass Spiele die ab 16 oder 18 freigegeben sind üblicherweise sich in Kinderzimmern von 10-jährigen befinden (ohne natürlich zu sagen, dass sie ab 16 oder 18 sind).
    Diese Spiele dürfen gesetzlich verbindlich nicht an Jüngere ausgegeben werden, aber weil das in manchen Fällen trotzdem passiert wollen sie es verbieten.
    „Zensur ist, wenn man einen Mann kein Steak kaufen lässt, weil ein Kind es nicht kauen könnte.“

  25. Ich sage immer Videospiele und wenn ich mich täusche, dann wird in englischen auch videogames gesagt. In englischen ist dies der Oberbegriff für Computer und Konsolenspiele.

  26. Ich hätte einfach Games reingeschrieben ….

    Nunja man kann sich natürlich streiten was nun explizit mit dem Wort Videospielen im Koalitionsvertrag (KV = Krankenversicherung, schlechte Abkürzung xD)gemeint ist , allerdings wäre es wohl wesentlich sinnvoller einfach die CDU/FDP anzuschreiben was denn welche Bereiche nun genau unter dem Bereich „Videospielen“ von ihnen zusammengefasst werden. Wenn man diese Antwort dann hat kann man sich immernoch streiten ob die Definition nun ausreichend ist oder nicht.

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