Keine rechtsfreien Räume durch fiktive Welten

(Polizei Bayern) Amegas hat mich auf das Redemanuskript des Münchner Polizeipräsidenten Schmidtbauer aufmerksam gemacht, in dem er sich 2007 mit der Gefährlichkeit von „Killerspielen“ beschäftigt hat. Nicht nur die stetig steigende und immer brutalere Formen annehmende Jugendgewalt, sondern auch die Amokläufe der vergangenen Jahre, würden die Polizei beschäftigen. Die Täter hätten die Öffentlichkeit auf„einen bestimmten Typus von Computerspielen“ aufmerksam gemacht. Die Amokläufer seien „im Besitz zahlreicher jugendgefährdender Medien“ gewesen. Es würde sich daher unweigerlich die Frage stellen, ob hier ein Zusammenhang besteht.

Dass bereits die Grenzen zwischen virtueller und realer Gewalt verschwimmen hätten Androhungen von Amokläufen belegt. Dies schlussfolgert Schmidtbauer aus dem Umstand, dass ein 23-Jähriger, der einen Amoklauf an einer Münchner Realschule androhte, sich als Spieler von Killerspielen bezeichnete. An dieser Stelle relativiert er den Zusammenhang noch mit der Aussage, dass nicht jeder Nutzer von „Killerspielen“ ein potentieller Amokläufer sei und es sich um Einzelfälle handeln würde.

Stattdessen müsste man abseits der Extreme erörtern, „ob grausame, menschenverachtende Computerspiele nicht insgesamt auf die Gewaltkriminalität negative Wirkungen haben – sei es eine einfache Körperverletzung oder ein Kapitaldelikt.“. Auch wenn es keine monokausalen Zusammenhänge gebe würde bereits der passive Konsum von Filmen zu Nachahmungstaten führen. So würden wissenschaftliche Studien keine Zweifel lassen, „dass der Kontakt mit gewaltenhaltenden Medien die Gefahr einer Abstumpfung und Nachahmung in sich birgt.“. Sogar aufgrund der polizeilichen Arbeit könne er diese Ergebnisse bestätigen. Virtueller Gewalt führe langfristig zu negativen Folgen, beim Hinzutreten von weiteren Risikofaktoren könne man von „tickenden Zeitbomben“ sprechen.

Als Beweis dafür, dass junge Menschen reale Gewalt mittlerweile als „cool“ betrachten sowie mit „Fröhlichkeit und guter Laune“ in Verbindung bringen würde, könne man das Auftreten des „Happy Slapping“ ansehen. Hier läuft Schmidtbauer zu Höchstform auf und erweckt den Eindruck, dass die Ursache das Aufkommen gewaltdarstellender Medien sei:

„Der Spaßfaktor Gewalt hat den Sprung aus der virtuellen Welt in unsere Gegenwart geschafft. Aus Fiktion ist Realität geworden. Es bleibt also nicht mehr nur bei der Betrachtung von Gewalttätigkeiten am Fernseher, Handy oder Computer. Es bleibt nicht mehr beim Ausleben der Gewalt mittels Joystick am Computer oder der Spielkonsole. Die „Fantasy-Helden“ der Unterhaltungselektronik werden zu Kriminellen aus Fleisch und Blut.“

Anstatt nur die Folgen zu bekämpfen, wenn sie in Form von strafbaren Handlungen in die Realität getreten sind, sei es geboten „der ausufernden virtuellen Gewalt entgegenwirken“. Aus diesem Grunde suche das bayerische BKA seit 1999 im Internet  „nach angebotenen Medien mit strafbaren Inhalten, wie zum Beispiel Gewaltdarstellungen und Kinderpornografie“. Aber auch auf der Straße würde man über die Gefahren des Internets aufklären sowie Videotheken kontrollieren. 

Trotz des Engagements könne man nur wenige Erfolge verzeichnen, da die rechtlichen Mechanismen unzureichend seien. So könne man in einem ab 16 Jahren freigegebenen Videospiel „kriminelles Verhalten quasi trainieren. Frei von ernsthaften Konsequenzen […] wahllos Menschen verletzen und töten […].“ Raub und Diebstahl seien oder zum Teil sogar das erklärte Ziel.

Wegen der milden Maßstäbe würden Kindern regelmäßig bedenkliche Videospiele in die Hände fallen. Gegen „Blood-Patches“, das nachträgliche „auffrisieren“ mit Gewaltdarstellungen, könne man mit den bestehenden Mitteln des Jugendschutzes nichts ausrichten, so dass man „eine Verdrängung von Killerspielen vom frei verfügbaren Markt“ erreichen müsse. Schließlich werde „Das Töten von Menschen […] ausgeübt und eingeübt […] auch wenn es in der verharmlosenden Form eines Spiels verpackt“ sei. Besonders kritisch sei es dann, wenn einem „Kind oder Jugendlichen eine Möglichkeit zum Trainieren von Gewalt zur Verfügung“ gestellt werde. Schmidtbauer verweist hier auf die USA, wo Täter vermehrt angeben würden durch Videospiele zu ihren Taten inspiriert worden zu sein. Um „vermeidbaren Schaden von der Gesellschaft abzuwenden“ sowie „fortschreitenden Verrohung entgegenzuwirken“ dürften in „unserer zivilisierten Gesellschaft […] reine Gewaltspiele […] keinen Platz haben.“ Man müsse den Medien Grenzen setzen und dem „Entstehen rechtsfreier Räume durch Computerspiele, Internetangebote oder Videos“ entgegenwirken. Auch wenn ein Verbot wirkungslos sei, könne man es nicht als Symbolpolitik bezeichnen. So würde man dennoch für die Erziehung maßgebliche Moralvorstellungen entscheidet prägen und dadurch das „Bewusstsein bei den Menschen nachhaltig verändern“: 

„Akzeptanz von Gewaltdarstellungen ist sozialschädlich und entspricht nicht unseren Werten. Wir brauchen eine absolute Ächtung von Gewalt!“

Er „bedauere Personen, denen es Spaß macht, auf virtuelle Menschen zu schiessen, sie zu zerstückeln, zu zerfleischen, zu köpfen“. Da Appelle hier vergeblich seien müsse man auf ein „Umdenken in der Erziehung in der Schule, aber vor allem im Elternhaus“ setzen. Schließlich würde man sein Kind auch nicht allein lassen, wenn es „zuhause tatsächlich Besuch von Söldnern, Terroristen, Neo-Nazis oder Pädophilen bekommt“.

Manuskript

50 Gedanken zu “Keine rechtsfreien Räume durch fiktive Welten

  1. Ich rätsel immer noch über die Logik – Muss ich bei der Androhung eines Amoklaufs angeben, dass ich Nutzer von „Killerspielen“ bin, um erst genommen zu werden?

  2. Fiktiver Dialog

    A: „Akzeptanz von Gewaltdarstellungen ist sozialschädlich und entspricht nicht unseren Werten. Wir brauchen eine absolute Ächtung von Gewalt!“

    B: „Okay, schmelzen wir alle Waffen ein und schaffen die Bundeswehr ab.“

    A: „Ähhhhmmm, aber diese Killerspiele trainieren unsere Kinder zum Töten und müssen verboten werden!“

    B: „Aber das macht die Bundeswehr doch auch.“

    A: „Ähhh…“

    und so weiter.

  3. Wieder mal ein klarer Fall von Realitätsverlust. Man kann doch ansteigende Jugendgewalt nicht einzig und allein einem einzigem Faktor zuweisen und dann hoffen, dass sich das Problem von selbst auflöst wenn man diesen Faktor abschafft.
    Haben die denn alle Tomaten auf den Augen? Die Müncher U-Bahn Schläger kamen sicher auch nicht aus ner Vorzeige Familie.

  4. @GreenNinja

    Er nennt auch viele andere Risikofaktoren. Habe ich ja auch geschrieben:

    „Sogar aufgrund der polizeilichen Arbeit könne er diese Ergebnisse bestätigen. Virtueller Gewalt führe langfristig zu negativen Folgen, beim Hinzutreten von weiteren Risikofaktoren könne man von „tickenden Zeitbomben“ sprechen.“

  5. Das man immer noch glaubt das Spiele nur für freakige Nerds oder gewaltbreite Jugendliche sind ist schon trauig und noch trauiger ist es das sich selbst Polizeibeamte Konstrukte aus ihren Hirnwindungen pressen die man als vernunftbegabter Mensch nur als Schwachsinn titulieren kann und solche Leute solchen uns schützen? Ja dann lieber nicht.

  6. @Rey Alp
    Ja aber Pizza- und Brotesser sind auch tickende Zeitbomben und fordert jemand die Schließung aller Pizzaria und Bäckereien? Nein weil es schwachsinng wäre.

  7. „kriminelles Verhalten quasi trainieren. Frei von ernsthaften Konsequenzen […] wahllos Menschen verletzen und töten […].“
    .
    „Das Töten von Menschen […] ausgeübt und eingeübt […] auch wenn es in der verharmlosenden Form eines Spiels verpackt“
    .
    Ich werde es allmählich müde, es zu wiederholen: Polygonfiguren sind keine Menschen.
    Beim zweiten kommt ein weiterer Aspekt hinzu: neben dem offensichtlichen Nicht-Anerkennen als Kulturgut oder zumindest Ernst zu nehmendem Medium auch für Erwachsene wird die Form des „Spiels“ angeprangert, nicht weil sie durch das partizipatorische Element ein „Üben“ stattfinden lässt, sondern weil sie verharmlost (§131 anyone?) und damit über das ‚Böse‘, das in ihr steckt, hinwegtäuscht anstatt es nunmal auf diese Art und Weise darzustellen.
    .
    „Gegen „Blood-Patches“, das nachträgliche „auffrisieren“ mit Gewaltdarstellungen, könne man mit den bestehenden Mitteln des Jugendschutzes nichts ausrichten, so dass man „eine Verdrängung von Killerspielen vom frei verfügbaren Markt“ erreichen müsse.“
    .
    Lässt sich mit einem Stift mit jedem Buch oder Bild anstellen. Auch alle vom frei verfügbaren Markt verdrängen?
    .
    Um „vermeidbaren Schaden von der Gesellschaft abzuwenden“ sowie „fortschreitenden Verrohung entgegenzuwirken“ dürften in „unserer zivilisierten Gesellschaft […] reine Gewaltspiele […] keinen Platz haben.“
    .
    Reine Gewaltspiele sind mir nicht bekannt, die meisten haben noch solche Dinge wie eine Handlung und/oder eine Atmosphäre, in die die Gewaltdarstellungen als Stilmittel eingebettet sind. Die fortschreitende Verrohung ist weder in Deutschland noch in den USA (in denen diese Spiele uncut erscheinen) feststellbar. Und die moralische Überlegenheit unserer zivilisierten Gesellschaft, die immerhin drittgrößter Waffenexporteur weltweit ist (der Nahe Osten und Afrika danken) und am Hindukusch verteidigt wird, halte ich doch für außerordentlich fraglich.
    .
    „Entstehen rechtsfreier Räume durch Computerspiele, Internetangebote oder Videos“
    .
    Das Geseier vom „rechtsfreien Raum“ ist so alt? Na, dass bis heute nicht angekommen ist, dass Gesetze auch im Internet oder für Videospiele gelten, überrascht mich da nur noch wenig.
    .
    „Bewusstsein bei den Menschen nachhaltig verändern“
    .
    Es ist NICHT Aufgabe eines demokratischen Staates, über die Moralvorstellungen seiner Bürger zu entscheiden.
    .
    „Akzeptanz von Gewaltdarstellungen ist sozialschädlich und entspricht nicht unseren Werten. Wir brauchen eine absolute Ächtung von Gewalt!“
    .
    Bitte für alle Medien, danke. Ich werde zwar so nette Herrschaften wie Schiller und Kleist vermissen, aber hey, die entsprechen nunmal nicht unseren Werten. Pech gehabt.
    .
    „bedauere Personen, denen es Spaß macht, auf virtuelle Menschen zu schiessen, sie zu zerstückeln, zu zerfleischen, zu köpfen“
    .
    Na, da haben wir ja unser virtuell, endlich. Bemitleiden darf er Spieler gerne, ist sein gutes Recht, ebenso wie Spieler ihn bemitleiden dürfen, weil er anscheinend keinen ausreichenden Unterschied zwischen Virtualität und Realität sieht. Wie der letzte Satz eindrucksvoll beweist:
    .
    „zuhause tatsächlich Besuch von Söldnern, Terroristen, Neo-Nazis oder Pädophilen bekommt“
    .
    So lächerlich die Aussage angesichts der fehlenden Trennung Realität und Virtualität auch ist: wie um alles in der Welt kommen plötzlich „Neo-Nazis“ und „Pädophile“ mit in den Mix?

  8. „Gegen „Blood-Patches“, das nachträgliche „auffrisieren“ mit Gewaltdarstellungen…“
    .
    Auffrisieren? Eher wiederherstellen. Warum muss ich mir als Erwachsener doch gleich lila, grünes bzw. gar kein Blut bei menschenähnlichen Spielfiguren gefallen lassen, wenn ich die dt. Fassung spiele?
    .
    „Auch wenn es keine monokausalen Zusammenhänge gebe würde bereits der passive Konsum von Filmen zu Nachahmungstaten führen.
    .
    Nur ist es die Lösung, Kinder von jeglicher medialer Gewalt fern zu halten? Kein Lucky Luke oder Asterix mehr? Keine Abendnachrichten? Gewalt ist nun mal Teil der menschlichen Gesellschaft und eine totale Abschottung dürfte letztlich genau den gegenteiligen Effekt haben.
    .
    „So würden wissenschaftliche Studien keine Zweifel lassen, „dass der Kontaktmit gewaltenhaltenden Medien die Gefahr einer Abstumpfung und Nachahmung in sich birgt.“.“
    .
    Wohl zu viele KFN Studien gelesen was?
    .
    *kopfschüttel* Werte „Experten“: Guckt doch mal über den Tellerrand hinnaus, bevor ihr entsprechende Dokumente verfasst.

  9. …Aber auch auf der Straße würde man über die Gefahren des Internets aufklären sowie Videotheken kontrollieren.

    Kann ich nur bestätigen das die das tun, die rennen auch über Flohmärkte und kassieren Games ein, egal ob Import, Indextitel oder normaler USK 18 da machen die keinen Unterschied und vorm Media Markt standen die auch schon und haben in den Tüten der Kunden geguckt etc. aber darüber habe ich ja bereits berichtet.

  10. Für mich sind halt solche Aussagen (auch) Gewalt. Sogar „potentiell“ mehr noch als die Beschäftigung oder Auseinandersetzung damit in Spielen beziehungsweise Filmen: ‚… Die „Fantasy-Helden“ der Unterhaltungselektronik werden zu Kriminellen aus Fleisch und Blut‘ – wer ist da eigentlich gemeint? Die Vorstellungen Kreativer, also etwa die Räuberbande von Schiller, oder die Gamer-Fantasyfilme-Gucker? Ansonsten: als ob die Geräte selbst auf solche Ideen gekommen wären, welche „Fantasy-Helden“ erschaffen, wahrscheinlich aber auch nur formuliert um niemanden anzupatzen. Unklar bleibt weiterhin was dem Polizeipräsidenten so gefällt. Ich bedauere den Herrn Schmidtbauer, dass seine Moralvorstellungen offenbar dermaßen gelagert sind, dass es ihm nichts ausmacht anderen all diese Dinge zu unterstellen – dass er das, einen solchen Vortrag, anscheinend mit seinem Gewissen vereinbahren kann
    „Akzeptanz von Gewaltdarstellungen…“ Allein dieser Satz drückt unbeschreibliche Abgründe für mich aus

  11. @doktor trask
    möchtest Du damit wirklich ausdrücken, dass in Deutschland Polizeibeamte tatsächlich die Einkäufe von Privatpersonen kontrollieren? Sorry fürn etwaigen Doppelpost, aber hab den Hinweis erst jetzt gelesen. Ich dachte Deine Erzählungen bezogen sich lediglich auf andere Privatpersonen oder eine Geschäftsführung?
    Dass es Videotheken anscheinend immer schwerer haben ist für mich nach dieser News-Meldung aber so oder so ersichtlich

  12. @Dave
    Das war hier irgendwo auf der Seite da muß ich mal suchen, hoffe ich finde den noch.
    @Pyri
    Ja genau das möchte ich damit ausdrücken, wie ich damals schon sagte, das vorzeigen geschah freiwillig aber das die es tun ist ja der springende Punkt. Man zeigt denen auch was man hat man hat ja nichts zu verbergen und nichts illegales in der Tüte aber ein mullmiges Gefühl bleibt dennoch bestehen. Vielleicht habe die auch einfach nur gedacht MM verkaufe Manhunt oder anderes an beschlagnahmten Zeugs, hätte ein Kunde sowas dabei hätten die ja den Beweiß das MM Gesetz und Jugendschutz nicht einhält, ist aber nur Spekulation von meinerseite.

  13. Bitter. „In Computerspielen und im Internet wird unser Nachwuchs multimedial mit den zwielichtigsten Angeboten konfrontiert, egal ob Gewalt, politischer Extremismus oder Pornographie. Wer würde schon zulassen, daß sein Kind zu Hause tatsächlich Besuch von Söldnern, Terroristen, Neo-Nazis oder Pädophilen bekommt?“ Im Vergleich zu diesen beiden Sätzen (rhetorisch geschickt am Ende plaziert, damit der Hörer auch etwas mitnimmt aus dem Vortrag) ist die Schobersche Formulierung vom „geringeren Intellekt“ ja geradezu ein großväterliches Schulterklopfen.
    .
    Ich habe die irre Vorstellung, einmal auf einer Podiumsdiskussion einem erzkonservativen Teilnehmer einen Satz zu präsentieren wie „Ich diskutiere mit Ihnen nicht. Ich würde ja auch nicht mit Söldnern, Terroristen, Neo-Nazis oder Pädophilen über die Zukunft meiner Kinder sprechen.“ Natürlich wäre das kontraproduktiv. Der Spielekiller würde nahtlos in den Verfolgte-Unschuld – Modus wechseln und ein geistiger Abschnittsbevollmächtigter wie Schmidtbauer sich ins Fäustchen lachen.
    .
    Die Rede ist ja nun gut 2,5 Jahre alt; damit erübrigt es sich, jemanden mit einer Kamera zum Vortrag zu schicken um einen Mitschnitt zu erzeugen wie zu Zensursulas Wahlkampfauftritt im schönen Sulzbach. Den Mitgliedern des Münchner Presseclubs scheinen die Ausführungen Schmidtbauers jedenfalls kaum eine Zeile wert gewesen zu sein. Ich weiß noch nicht, ob das gut oder schlecht ist.
    .
    Wie gehen wir diskussionstaktisch mit solchen Anwürfen dieses Auswurfs um? Halten wir zunächst fest, daß auch ohne aktuellen Anlaß eines Amoklaufs im schönen Bayern die Gleichsetzung von Computerspielen und Kinderpornos zum guten Ton gehört. Bemerken wir auch, daß die Spielekiller in der Lage sind, in einer Rede mit dem Titel „Virtuelle und reale Gewalt – Faktor Killerspiele“ aus dem Stand einen großen Bogen zu den Gefahren des Internets im Allgemeinen und politischem Extremismus, Terrorismus und Kindesmißbrauch im Besonderen zu schlagen.
    .
    Wohlan, das können wir besser! Lassen wir uns nicht in die Defensive drängen. Wir dürfen nicht versuchen, ein Negativum zu beweisen; wie zuletzt die Recherche, was für ein Spiel Bosbach mit seiner kruden Darstellung gemeint haben könnte. Wenn uns als Spielern ein solches Spiel guten Gewissens nicht bekannt ist, dann gehen wir ruhig davon aus, daß Bosbach gelogen hat. Also verlagern wir die Front. Machen wir eine Wertediskussion daraus: Warum lügt die CDU? Ist öffentliches Lügen im Einklang mit dem konservativen, christlichen Wertekanon?
    .
    Schmidtbauer sorgt sich um die Demokratie? Warum steht er dann einer Polizeibehörde vor, die im Jahre 2009 die Schutzhaft wieder in Deutschland eingeführt hat? Ist das die Freiheit, die er meint?
    .
    [A la Bastille!] :)

  14. aus dieser Zeit stammt auch diese Dokument:
    http://www.fu-bayern.de/fulv/files/upload/Gemeinsame_Position_Killerspiele_Logo.pdf
    „Für viele Kinder
    und Jugendliche kann durch das Vorbild des Medienhelden im Killerspiel Gewalt zu
    einem legitimenMittel der Konfliktlösung werden. Es tritt ein Stimulations- und
    Gewöhnungseffekt ein.“

    „Die CDU- und CSU-Frauen-Union begrüßten als klares politisches Zeichen zur
    Sicherung unseresWertesystems das 5-Punkte-Programm der Innenminister
    Bouffier, Beckstein, Gasser und Schünemann zur Bekämpfung jugendgefährdender
    Killerspiele.“

  15. Was denn nun eigentlich? Steigt die jugendkriminalität nun oder sinkt sie? Als ich das letzte mal die BKA jahresberichte verglichen habe war sie noch am sinken… und selbst wenn sie dieses jahr plötzlich am steigen ist kann man das wohl schwer mit „verrohung durch gewaltverherrlichung in medien“ erklären, denn dieses jahr ist nun wirklich nix besonderes passiert im „gewaltverherlichungs“ medien sektor.

  16. @Densor
    Anzahlmäßig sinkt sie von Jahr zu Jahr zumindest sagt das BKA das aber dafür werden die Taten die begangen werden immer härter von der Anwendung der Gewalt her.

  17. Pingback: Tweets die Stigma Videospiele » Blog Archive » Keine rechtsfreien Räume durch fiktive Welten erwähnt -- Topsy.com

  18. @Roland_09

    Dann hat dieser Polizeipräsident also auch noch gelogen, was die Zunahme an Jugendgewalt angeht. „Nicht nur die [b]stetig steigende[/b] und immer brutalere Formen annehmende Jugendgewalt“

  19. @Roland_09
    „Im Vergleich zu diesen beiden Sätzen (rhetorisch geschickt am Ende plaziert, damit der Hörer auch etwas mitnimmt aus dem Vortrag) ist die Schobersche Formulierung vom “geringeren Intellekt” ja geradezu ein großväterliches Schulterklopfen.“

    Sehr gut formuliert find ich – allerdings! Leider :-(

  20. @Rey
    Da hast du natürlich recht. Ich kann zwar leider keine Statistik bezüglich Jugendkriminalität für Bayern finden, aber ein paar Artikel sagen, dass die Kriminalität im allgemeinen in Bayern seit 4 Jahren rücklaufend ist.

  21. Okay, das kann ich akzeptieren. Aber das Thema um das es geht, betrifft nunmal ganz Deutschland und nicht nur Bayern, deshalb sollte da eigentlich auch nicht nur die Jugendkriminalität von Bayern zur Sprache kommen, sondern eben von ganz Deutschland. Und die geht nunmal zurück laut BKA.

  22. Apropos KFN:
    „Als Jugendlicher war er fast fünf Jahre lang süchtig nach PC-Spielen, sagt er am heutigen Montag in München — wie in ganz Deutschland nach Experten-Schätzungen mittlerweile rund 34.000 Jugendliche im Alter von 14 bis 16 Jahren. Laut Studien des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) sind vor allem Jungen abhängig.“
    .
    „Sich mit virtuellen Mitstreitern messen, Abenteuer erleben, stark sein, gut aussehen — darum geht es laut dem Hannoveraner Kriminologen Christian Pfeiffer bei Spielen am PC. „Ein Computerspiel bringt Jungs in eine Männerrolle, in der sie nicht mehr ohnmächtig sind“, erklärt er die Faszination, die der ungesunde Zeitvertreib vor allem auf Jungen ausübt.“
    .
    „“Es muss der Medienkonsum sein, der den Unterschied macht“, meint Pfeiffer. Das Computerspiel „World of Warcraft“ bezeichnet er als „den größten Leistungskiller, der je auf den Markt gekommen ist“.“
    .
    „“In ihnen muss wieder die Lust am Leben geweckt werden. Wenn sie Hobbys entwickeln und Leidenschaft entfalten, üben Computerspiele keinen so großen Reiz mehr aus“, sagt Pfeiffer.“
    .
    „Hobbys entwickeln“ – also zählen Videospiele nicht als Hobbies. Wissen wir wenigstens, woran wir sind.
    .
    Immerhin bleibt er ansonsten recht harmlos:
    „Zusammen mit dem Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) fordert er die Eltern dazu auf, das Spielverhalten ihrer Kinder zu beobachten, gemeinsame Regeln zur Spielzeit und -dauer festzulegen — und vor allem keine Bildschirmgeräte in die Kinderzimmer zu stellen.“
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Computerspielsucht-Es-kann-jeden-treffen-839519.html

  23. Dieses Denken das einen Bildschirm, unabhängig von den Inhalten welche darüber transportiert werden, schon irgendwie zum Feind macht finde ich äußerst bedenklich.
    Immerhin können darüber auch problemlos alle möglichen Inhalte übetragen werden welche im tagtäglichen Schulbetrieb höchst erwünscht sind. Diese Vorstellungen gegen irgendwelche Unterhaltung darüber hinaus sind einfach nur beängstigend für mich

    Ich hatte im Grundschulalter bereits sämtliche Geräte in meinem damaligen Zimmer. Der Fernseher hat mich dabei zusehends am allerwenigsten interessiert.
    Wovor Kinder in dieser heutigen Zeit aus meiner Sicht geschützt werden müssen ist vor allem das Internet, wenn schon von Medien als solche die Rede sein soll – und gerade beim Internet sieht man anhand der Diskussion um Netzsperren glaub ich auch wohin die Reise grundsätzlich gehen soll den Vorstellungen mancher PolitikerInnen und WissenschafterInnen entsprechend, das heißt auch für Erwachsene…

  24. Mit welchen Alter soll man den kein Bildschirm Gerät in seinen Zimmer haben? Ich bin 16 und für mich ist das Internet die Hauptinformstionsquelle geworden. Das beste Instrument der Wahrheit. Ansonsten gibt es ja auch noch Handhelds etc.

  25. @Pyri:
    „Dieses Denken das einen Bildschirm, unabhängig von den Inhalten welche darüber transportiert werden, schon irgendwie zum Feind macht finde ich äußerst bedenklich.“
    .
    Gab es auch schon bei Manfred Spitzer, in dessen Buch „Vorsicht Bildschirm!“ er zwar hie und da betont, Bildschirme seien nicht per se gefährlich, dann aber doch nur einseitig über die Gefahren von Bildschirmmedien schreibt, unter anderem den Zeitungsartikel des Columbine-Massakers mit „Marine Doom“ zitiert (als abschließenden Beweis, wie gefährlich Videospiele sind), und grundsätzlich völlig außer Acht lässt, dass man das Gesehene bzw. allg. Erlebte auch irgendwie moralisch nicht positiv bewerten könnte.
    .
    Für bedenklich halte ich das zwar auch, aber mir ist kein effektives Mittel gegen derartiges Schubladendenken bekannt.

  26. Ich glaube man kann so viele Argumente und Fakten bringen wie man will, wir Gamer ändern nichts wir sitzen in keiner einzigen Machtposition, deshalb gibt es ja auch dieses ganze Gerede, keine Macht-Kein Mitspracherecht.

  27. ich finde es bedenklich das zumindest von Seiten der jüngeren Polizisten – die ja sicher auch Gamer sind – kein Wiederspruch kommt.
    Trauen die sich nicht, aus Angst um die Karriere ?
    Gibt es sowas wie einen Verband jüngerer Polizisten ?

  28. @Alrik
    Die halten sich nicht immer zurück, vor kurzem mussten Polizeibeamte einigen Eltern erklären was eigentlich Web.de ist. Es ging darum, weil ein Rektor mit seinen 6-Klässlern bei Web.de einen Mail-Account einrichten ließ. Da hatten die Eltern richtig Schiss das sie ihre Kids nicht mehr kontrollieren konnten.
    http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2247724_0_2390_-datenschutz-missachtet-rektor-ordnet-e-mail-zugang-an.html
    Sowas ist etwas anderes Thema als mit den Computerspielen, aber trifft zur Panikmache wo in der letzten Zeit so läuft.

  29. Tja Moorgans unsere Regierung, Wissenschaft und Pressevertreter wissen schon wie sie ihr Volk zu Technikhassern erziehen kann, das wir dadurch aber in wenigen Jahren im Technikbereich stark ins Hintertreffen gegen die anderen Nationen geraten werden interessiert dann nicht, man kann ja immer noch sagen das liegt an den brutalen Killerspielen das man ins Hintertreffen geraten ist.

  30. Und sehen sie demnächst: Ein Verbot von Kriminalromanen und -filmen. Warum? Dort begehen die beschriebenen Personen verbrechen und kommen oft sogar ungeschoren davon. Es kann ja nicht sein, dass fiktive Welten ein Rechtsfreier Raum sind.

  31. Was soll ich da noch sagen…
    BLÖDSINN!!!!!!!!!!!!
    Alles mit einander…

    Es gibt kein recht im fiktiven!
    dafür ist es fiktiv!
    Gedanken sind Frei alles andere ist N-Keule!

    Happy Killercoding!

  32. Ich brauch das gar nicht erst alles zu lesen denn für mich reichen schon folgende zwei Worte: Polizei Bayern!
    Die Polizei denkt, dass ihr Job nur mit Eierschaukeln zu tun hat und wenn sie mal raus kommen werden gleich gewahrlose Fahrradfahrer die sich in einer Demo verirrt haben vom Rad gezogen und niedergeknüppelt.
    Bayern ist für mich ein Feindesland, ein Land voller Arroganz, Ignoranz und voller Idiotie vertreten durch ihre Landspartei CSU.
    Die Gesinnung in diesem Bundesland scheint noch extrem altmodisch.
    Alles was neu ist ist vornherein böse.
    So wie einst die Urmenschen Angst vor dem Feuer hatten, so haben die Bayern vor allen Angst was sie nicht kennen.
    Dies ist für mich der Grund, weshalb ich Bayern von Deutschland ab haben will.

  33. Die Amokläufer seien „im Besitz zahlreicher jugendgefährdender Medien“ gewesen.
    Verbrennen wir doch alles wie Fahrenheit 451, schließlich hat jeder Täter irgend wo einen Film, buch oder nen Zeitschriftenabo oder ein Lieblingjoguhrt. ^^

  34. Verbietet Froop!
    Zur Herstellung von Froop! werden viele unschuldige Kirschen (wir kennen den als harmlos getarnten Werbespot mit Galileo Moderator) brutal und blutig in einem Mixer zerfetzt!
    Als ich das gesehen habe wurde ich sofort zum Froopitariaer und esse nie wieder Froop! oder Froop!Produkte xD

  35. oder er gehört zu den Gamern, die den Fernseher schon sehr lange nicht mehr eingeschaltet haben.
    Wie sagte noch mal Peter Lustig ? Abschalten nicht vergessen.
    Gute Nachricht Peter: Ich bin sogar am überlegen ob ich ihn abmelde, auch wenn es dann weniger Geld für dich gibt :(

  36. @Alrik
    Der Peter Lustig tritt doch seit Jahren aus Gesundheitlichen Gründen nicht mehr vor die Kamera und ja der TV dient bei mir dazu um Konsolen und DVD-Player eine Anschlumöglichkeit zu geben, das normale TV-Programm ist doch fürn Ar**, nur Zensur, dumme Sendungen ala DSDS, Werbung im Überfluß und blöde C-Promigesichter.

  37. Ich habe kürzlich sogar meine Fernbedienungen fürs Fernsehen in einen Kasten geräumt. Nein, schau eigentlich gar nichts mehr – außer es ist was wichtiges passiert, dann dreh ich noch auf zu CNN Oder Al Jazeera English – vorzugsweise abwechselnd -, oder es sind Wahlen (gewesen). Manchmal sonstige politische Diskussionssendungen seh ich noch, aber auch nur um Stimmungen einzufangen

    Es stimmt aber, dass man so von weniger Kleinigkeiten schon auch nichts weiß. Wer keine Fernsehwerbung sieht

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *