Elternlan in Hamburg

elternlan

Letzten Freitag habe ich die Gelegenheit wahrgenommen die im Rahmen des „Intel Friday Night Game“ stattfindende Elternlan zu besuchen. Zusammen mit einem ortskundigen Kommilitonen, der auch beim neusten stigma-Video mithalf, war ich als „Presse“ vor Ort um mir einen Eindruck von der Veranstaltung zu verschaffen. Neben einem Kamera-Team der ESL und einer Journalistin waren ca. ein Dutzend Teilnehmer anwesend, die sich überwiegend aus beruflichen Gründen für die Elternlan interessieren.

Wie üblich wurde mit „Trackmania Nations“ begonnen, dass als einfaches Rennspiel vorgestellt wurde. Auf eher einsteigerfreundlichen Strecken mag das der Fall sein, ich selbst habe andere Erfahrungen mit dem Spiel gesammelt (Im 3. Looping rechts abbiegen etc…). Auf der gespielten, eher humaneren Strecke, fanden sich die angehenden Gamer jedoch schnell zu recht und nach der anfänglichen Skepsis kam es nach geglückten Sprüngen auch schon ein mal zu einem verhaltenen Lächeln.

Nach einer Pause und einer Einführung in die Entstehungsgeschichte wurde nun „CounterStrike“ in Angriff genommen. Wegen Gesprächen mit Regine Pfeiffer, Gerald Jörns und Volker Dorn war ich zu Beginn leider nicht dabei, aber auch im späteren Spiel gab es noch einige Probleme. So fiel die Unterscheidung zwischen Feind und Freund noch etwas schwer und die Orientierung in der Map war auch noch verbesserungswürdig. Ich sprang einer Frau, die noch eher zurückhaltend mit der Steuerung kämpfte, zur Seite und konnte ihr ein bisschen weiterhelfen. Kurze Zeit später räumte sie zu meiner Überraschung aus größerer Distanz zielsicher zwei Gegner aus dem Weg – was auch sie selbst eher ungläubig zur Kenntnis nahm, mir bei der nächsten Gelegenheit dann aber stolz berichtete.

Zusammenfassend war ich überrascht wie einfach die Teilnehmer einen Zugang zu den Spielen gefunden hatten und wie wenig Vorbehalte es gab. Abgesehen von der Frage, weshalb man bei „CounterStrike“ unbedingt auf Menschen schießen müsse, gab es bezüglich der Gewaltdarstellung keine nennenswerten Kontroversen. Das Spielen empfand man zwar als etwas stressig sowie die Spiele selbst etwas dröge, aber eine große Ablehnung oder gar Empörung über die Inhalte konnte ich nicht feststellen.

Der Schwerpunkt lag vielmehr auf dem Zeitfaktor und der Notwendigkeit Kindern auch Spiel- und Freiräume in der realen Welt zu schaffen. Obwohl sich bezüglich des Kernproblems im Grunde alle einig waren kam es hier zu kleineren Wortgefechten zwischen Frau Pfeiffer und den vortragenden Pädagogen. So zum Beispiel über das Ausmaß von „Süchtigen“ Spielern, und ob man hier überhaupt von „Sucht“ sprechen könne. Aber auch gemeinsame Schnittmengen wurden gefunden. So lobte Pfeiffer einen Artikel von Spielbar und bei Browsergames sahen alle das „Suchtpotential“ sowie einige Geschäftsmodelle als problematisch an.

Die Elternlan hat es tatsächlich geschafft den Teilnehmern Videospiele näher zu bringen. Spielempfehlungen wie „Mario Cart“ (Abwechslungsreicher als das eher sterile „Trackmania Nations“) wurden notiert und auf das Grübeln eines Teilnehmers, dass seine heimische Hardware möglicherweise nicht ausreichen würde, entgegnete eine Teilnehmerin mit einem trockenen „Aufrüsten.“.

Als von der öffentlichen Debatte betroffene Person war man zwar beinahe darüber enttäuscht, dass auf viele Vorurteile und vermutete Zusammenhänge kaum eingegangen wurde, aber angesichts der zur Verfügung stehenden Zeit und der Zielsetzung der Veranstaltung, Eltern eigene Erfahrungen mit Videospielen sammeln zu lassen, kann von einem erfolgreichen Abend gesprochen werden.

24 Gedanken zu “Elternlan in Hamburg

  1. Danke für die Eindrücke. Wenn auch nur ein paar Eltern über ihre Einstellung zu Games nachdenken und anfangen sich für die Debatte oder für das Spielverhalten ihrer Kinder zu interessieren ist schon ein großer Erfolg geschafft.

  2. ich hab großen respekt vor den eltern (sind doch hauptsächlich eltern?), die den scheinbar riesigen schritt wagen und selbst die spiele ausprobieren. für mich ist das die mindestvorraussetzung um überhaupt miteinander diskutieren zu können.

  3. Hm – für mich ebenfalls ein ziemlicher Erfolg, dass die Eltern (schließe mich Egocide´s Frage an) einen Schritt gemacht haben. Auf die Frage wieso man auf Menschen schießen müsste könnte ich antworten: „man unterschätze die Gegner sonst, da man davon ausgehen muss, dass die feindlichen pixel die von Menschen gespielt werden eine von Menschen erdachte Taktik haben. Desweiteren ignoriert man diese Tatsache jedoch schnell, da die Thematik -die Taktiken- die Überhand gewinnen und man sich dann darauf konzentriert“ … wie auch immer, schließlich nennt man die kleinen Spielfiguren beim Schach auch Bauern. Back to topic … wieviele Teilnehmer waren es denn diesmal auf der Lan? Sag bloss nicht

    happy 2 dutzend

  4. @Egocide

    Dem Alter nach ja. Da die Mehrheit aus beruflichen Gründen dort war, tippe ich aber darauf, dass sie in erster Linie als Pädagogen da waren.

  5. wieso menschen gegen menschen? weil es nahe liegt oder nicht? weiß nicht ob es sinnvoller und weniger kritisch zu betrachten wäre wenn jetzt a la frontschweine schweine gegen schweine spielen würden. wie sollte man sonst diese art von gameplay im sinne von räuber und gendarm, welche ja auch jeweils menschen sind, in ein glaubwürdiges szenario verpacken? müssen roboter mit fernbedienungen aufeinander zielen nur damit nicht mehr diskutiert werden muss?

  6. Pingback: Tweets die Stigma Videospiele » Blog Archive » Elternlan in Hamburg erwähnt -- Topsy.com

  7. Zum letzten Absatz muss ich sagen, dass gerade das doch gut ist. Die Leute sollen selbst Zugang bekommen und selbst urteilen, anstatt in das Kreuzfeuer einer Diskussion zu geraten, von der sie kaum etwas verstehen, und (unbewiusst) von Anfang an Partei ergreifen für eine Seite, die ihnen sympathischer rüberkommt.

    Zu Counterstrike Frage: Ich denke, die beste Antort wäre „warum nicht?“. Alles andere klingt wie ein Schuldgeständnis

  8. Es waren, um genau zu sein, 13 Gäste, 4 Pressevertreter (eine Dame vom Radio, Rey+Bekannter, meiner einer), 3 Spieler (betreuer während der Spielzeit), 5 Veranstalter, sowie abundzu Spieler/ESL-TV Moderatoren oder andere Staff Mitglieder (2 von ESL-TV für Filmaufnahmen z.B) und VIP’s (z.B. Gerald Jörns, Volker Dorn). Auf der letzten Eltern-LAN in Hamburg war ein wenig mehr Presse, daafür leider weniger Eltern/Lehrer.

  9. Darüber habe ich mich schon letzte Eltern-LAN mit den betreuenden Spielern unterhalten. Natürlich müssten in einer Stadt wie Hamburg wesentlich mehr als nur 13 Eltern/Lehrer zu solch einer Veranstaltung kommen, andererseits war auch nur noch 1 Platz frei. Es ist also eine mischung aus den Drei von dir genannten Gründen, wobei ich zur Werbung nicht viel sagen kann. Aber da ich diese Frage immer wieder gestellt bekomme oder, wie hier, bei Beiträgen zur Eltern-LAN lese, werd ich mal ein wenig nachforschen.

  10. also ich wohne knapp 1 stunde zugfahrt von hh entfernt und habe mir nichts über diese elternlan gehört.
    vielleicht sollte aber auch so eine elternlan mehrmals im monat laufen, so dass auch möglichst viele eltern in den genuss kommen.
    ich denke es gibt da sicherlich viele eltern die mehr über games wissen wollen und um all diejenigen mit infos zu füttern braucht man platz,zeit,werbung, mitarbeiter und vorallem geld!

  11. Schön, das sich Eltern die Zeit genommen haben sich diese Spiele anzuschauen.
    Die meisten Eltern in meinen Bekanntenkreis sind – naturgemäß – selber Gamer und wissen selber das Spiele mit AB 16 / 18 Alterseinstufung genauswenig für Kinder geeignet sind wie Zigaretten, Alkohol und Pornographie.

    Leider gibt es natürlich auch andere Eltern die eben selber nicht spielen. Und leider muß man auch sagen das es genau diese Eltern sind, die zur Zielgruppe linksradikaler und esoterischer Gruppen geworden sind.
    Mit antiamerkianischen Verschwörungstheorien über die Herkunft sogenannter „Killerspiele“ jubeln diese Leute Eltern ihr Gedankengut unter.
    So z.B. der Kölner Aufruf, der abstreitet das es die Aufgabe der Eltern ist darauf zu achten das Kinder auch wirklich nur Medien konsumieren die für Kinder gedacht sind.

    Deswegen wundert es mich auch, das Frau Pfeiffer an der ElternLAN teilgenommen hat, sie hat diesen Aufruf mitunterschrieben und damit bekräftigt das sie dieses Weltbild teilt.

  12. Hab mal ne Frage:Wieso sind Browsergames suchtgefährdent?
    Ich spiele selber Quake Live(Beta), aber auch nur ab und zu, was ja offensichtlich keine Sucht ist.

  13. @EpiCu

    Ich nehem an es geht dabei um Spiele wie Planetarion oder travian/Die Stämme.

    Finde die Bezeichnungen sowiso fehlleitend. Es sollte zwischen Flashgames(Yetisports) und Browserspielen(travian) unterschieden werden. Viele Benutzen den Begriff onlinespiele für die beiden Kategorien, unter der Bezeichnung stelle ichn mir aber was anderes vor:)

  14. Für alle Interessierten: Es wird via Pressemitteilungen und einer Anzeige, mit allen Terminen, in einem Lehrer-Fachblatt für diese Veranstaltung geworben. Natürlich auch auf den Seiten der Veranstalter.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *