Deutsche Wissenschaftler verlangen drastische Maßnahmen

(sichtwechsel.de) Anlässlich einer vom „Bundesministerium für alle außer alleinstehende Männer Familie, Senioren, Frauen und Jugend“ (BMFSFJ) unterstützten Tagung über „audiovisuelle Medien“ haben die Teilnehmer, zu denen mit Dipl.-Psych. Rudolf Hänsel (Schulberater), Dr. Sabine Schiffer (Institut für Medienverantwortung) und Dr. Rudolf H. Weiß (Medienpsychologe) die schärfsten Kritiker von gewaltdarstellenden Videospielen und Unterzeichner des die Berichterstattung über Videospiele prägendenKölner Aufrufs“ gehören, eine gemeinsame Resolution mit 16 Punkten verfasst.

Vor dem Hintegrund der Amokläufe von Winnenden, Ansbach und München-Solln soll vom deutschen Bundestag eine „überparteiliche Kommission“ einberufen werden, um zum „Wohle der Allgemeinheit“ die „Toxische Inhalte der Gewalt […] aus unseren Medien herauszuhalten und […] (den) Zugang zu ihnen drastisch zu erschweren.„. Der Verkauf von Medien (ausgenommen sind Bücher), die die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen beeinträchtigen können, sollen nicht mehr wie bisher von der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) „ab 18“ freigegeben bzw. mit dem Kennzeichen „Keine Jugendfreigabe“ versehen, sondern verboten werden. Auch will man der angeblichen Verharmlosung von virtuellen Gewaltdarstellungen durch die Bundeszentrale für politische Bildung einen Riegel vorschieben.

Man verweist die Notwendigkeit der Maßnahmen betreffend auf eine Feldstudie des Mitunterzeichners Dr. Rudolf H. Weiß. Diese zeige anhand der Nutzung des Videospiel „GTA 4“ von 63 % der der 13- 14-Jährigen, dass von Eltern und Kindern die „Alterseinstufung durch die USK in der Praxis weitestgehend ignoriert wird und damit wirkungslos ist.„. Auch sei es für Kinder offensichtlich „eine Leichtigkeit“ für sie nicht freigegebene Spiele in Geschäften zu erwerben. Die rigerose Forderung:

Wenn mehr als 2/3 aller befragten Jungen die Alterskennzeichnung von GTA IV egal ist […] könnten nur noch Verkaufs- und Werbeverbote sowie Internetsperren weiter helfen.“

In der Schweiz konnte „Vereinigung gegen mediale Gewalt“ (VGMG) bereits erste Erfolge verzeichnen. Im Kanton Bern hat man ein Verbot von «Killer Games» und Horrorfilmen in Strafanstalten durchgesetzt, das man auf sämtliche Kantone auszuweiten versucht. Inwieweit die Forderungen nach Internetsperren und Verboten hierzulande durchgesetzt werden können ist noch offen. Der Standpunkt der neuen Familienministerin Kristina Köhler schließt weitere Verschärfungen des Jugendschutzes nicht aus:

„Jugendschutz geht aber noch weiter: Dazu gehört beispielsweise die Ausarbeitung von Maßnahmen, die die Nutzung moderner Medien für Minderjährige ungefährlicher machen.“

(Danke an Shane Fenton.)

104 Gedanken zu “Deutsche Wissenschaftler verlangen drastische Maßnahmen

  1. @Mars
    Wie Vicarocha des öfteren hinweist, herrscht doch auch in Deutschland eigentlich Rezeptionsfreiheit bei fiktionalem, oder?
    Dabei müssen Darstellungen von negativem (destruktivem, zerstörerischem) keineswegs affirmativ gemeint sein. Diese ganzen Unterstellungen versteh ich von neuem nicht
    Lehrer hat sich über gewisse Darstellungen davon empört – oder sah ich da etwas ganz falsch?
    Bei dem GTA-Phänomen. Und so etwas finde ich nicht in Ordnung, geschweige denn richtig.

  2. Nachtrag: schade, dann sollte ich hier wohl (auch) nicht die Liste der blutigsten Spiele aller Zeiten bei MTV in den USA empfehlen (blutig im Unterschied zu Gore und als Unterscheidungsmerkmal für Erfolg oder Misserfolg in vielen Spielen). Vorurteile scheint es so ohnehin bereits genug zu geben

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