Das Killerspiel „World of Warcraft“

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(Das Letzte) Gestern Abend wurde von der ARD um 21 Uhr eine Reportage über den Amoklauf in Winnenden gezeigt. Da weder Trailer noch Klappentext sonderlich verdächtig erschienen habe ich auf einen Programmhinweis verzichtet, man muss ja nicht gleich jeder Produktion der Öffentlich-Rechtlichen pauschal unterstellen bei der Darstellung von gewaltdarstellenden Videospielen Fehler zu machen, glaubte ich. Doch nach den ersten Berichten von Zuschauern hat man dem Faß mal wieder den Boden ausgeschlagen.

Ab der 35. Minute wird es grausig. Bereits bei den einleitenden Worten weiß ein Gamer nicht ob er Lachen oder Heulen soll. Nicht nur, dass das MMORPG „World of Warcraft“ nach erstmaliger Bezeichnung als „Killerspiel“ in der Bild nun auch durch die ARD zum „Killerspiel“ geadelt und in einer Reihe mit „CounterStrike“ und „Call of Duty“ genannt wird, auch die Gewaltdarstellungen in diesen Spielen würden den Rahmen sprengen:

„Direkt neben dem Stuttgarter Landtag haben sie einen Container aufgestellt. Sie sammeln Killerspiele wie „World of Warcraft“, „CounterStrike“, „Call of Duty“. Spiele, bei denen die Fetzen fliegen – Menschenfetzen, immer realistischer in der Darstellung. Man kann sie beim Aktionsbündnis abgeben, damit sie vernichtet werden.“

Ich muss zugeben, dass ich im Moment meine Zeit eher mit älteren Spielen wie „Victoria“ verbringe, aber weder in „World of Warcraft“ noch in „CounterStrike“ habe ich die realistische Darstellung herumfliegender Menschenfetzen gesehen. Selbst in der recht comichaften „Leichenexplosion“ des Todesritters in „World of Warcraft“, die die Reporter wahrscheinlich genausowenig wie das restliche Spiel kennen, sind „Menschenfetzen“ nur schwer auszumachen. Ob es im neusten „Call of Duty“-Teil möglich ist Menschen zu zerfetzen weiß ich nicht, im Vorgänger war dies nur in der unzensierten Version möglich – bei der in Deutschland zum Verkauf freigegebenen blieben die Körper ganz. Selbst wenn es in „Modern Warfare 2“ abtrennbare Körperteile geben sollte, wäre aber zumindest über den Inhalt von „World of Warcraft“ und „CounterStrike“ etwas sinnentstellend berichtet worden. Im neusten „Call of Duty“-Teil „Modern Warfare 2“ kann man ebenfalls keine Menschen zerfetzen, so dass die Beschreibung auf keines der genannten Spiele zutrifft.

Über die natürlich schlechte Darstellung der Spieler, bei der übrigens der VDVC unterschlagen wurde, möchte ich nicht viel Worte verlieren. Man hat offenbar die unbeholfesten Stellungnahmen die man finden konnte in einen noch unvorteilhafteren Zusammenhang eingebaut. Mit Patrik Schönfeldt vom VDVC wäre ein eloquenter Gamer anwesend gewesen, der dem Reporter aber offenbar nicht ins Konzept passte und deshalb im Beitrag nicht auftaucht. Der angebliche Standpunkt der Spieler, deren Vergleich der AAW-Containersammlung mit Bücherverbrennnungen als völlig unverständlich dargestellt wird:

„Was es gibt muss auch erlaubt sein, lautet das schlichte Motto.“

Ich selbst war leider nicht vor Ort, aber nach meinem Wissen ist der VDVC der Meinung, dass es auch bei Videospielen Grenzen geben muss. Darüber hinaus sollte man auch nicht vergessen, dass es in Deutschland schon ein Verbot von gewaltverherrlichenden Spielen gibt. Dieses Motto ist angesichts der aktuellen LAN- und eSport-Verbote auch etwas zynisch, so kämpfen Gamer im Moment eher dafür erlaubte Handlungen vornehmen zu dürfen.

Zum Abschluss muss auch ein weiterer Mythos über „Killerspiele“ genährt werden. Ich selbst möchte nicht völlig ausschließen, dass das US-Militär versucht hat Videospiele zur Senkung der Hemmschwelle von Soldaten einzusetzen. Aber eine Quelle für diese Behauptung ist mir nicht bekannt und wird mir auch bei Nachfrage per Mail nicht mitgeteilt. Der einzige Ansatzpunkt ist dieser, der mit dem Vietnamkrieg aber etwas zu früh angesiedelt ist, um sich auf Ego-Shooter wie „Doom“ beziehen zu können. Hier die Aussage des Jugendpsychologen Thomas Fuchs in voller Pracht:

„Die amerikanische Armee benutzt solche Killerspiele um die Leute auf das Schießen vorzubereiten. Warum? Weil sie festgestellt haben, wenn man da nicht drauf vorbereitest ist, dann hat man eine große Scheu dann auch in Kriegssituationen auf andere Menschen zu Schießen und man kann tatsächlich – das ist gut belegt – das runtertrainieren, in dem täglich mit Computern schießt […]. Das heißt die eigene Hemmschwelle kann ich runtertrainieren.“

Für alle, die sich den Beitrag antun wollen (ab der 35. Minute), hier der Link:

Video

75 Gedanken zu “Das Killerspiel „World of Warcraft“

  1. Wer hat denn da diese Kollage als Bild reingestellt? Wenn ich das richtig sehe, schießt der Zwerg EIGENTLICH nicht auf das brennende Killerspiel-Dummy, sondern (VIEL SCHLIMMER!) auf den HASEN dahinter!!!!!

    Das sagt eigentlich alles über die Community aus :D

    Mfg Joba

  2. @Lyc
    Stimme dir da 100%ig zu.
    Mann muss sich nur mal die Aktionen der Spielegegner ansehen, wie z. B. die Containeraktion und natürlich auch solchen Sendungen wie eben diese auf der ARD (die mitunter aber nicht zu 100% schlecht war – wie z. B. als über die Erfolge in Bezug auf die Waffen gesprochen wurde)… diese sind meiner Meinung nach nur dazu da, um aufzuhetzen… auch z. B. die Unterschriftensammlung des AAWs, die unter anderem auch ein Verbot von Spielen als Ziel hatte.
    Ich persönlich finde, dass sich die Gamer bisher nicht mal schlecht verhalten haben, auch bei öffentlichen Auftritten, wie z. B. diversen Demos, da kamen ja sogar von der Polizei lobende Worte, wie z. B. friedlichste Demo überhaupt und soo.
    Klar, die Medien versuchen sowas einfach unter dem Tisch zu kehren oder ins Lächerliche zu ziehen, wie z. B. die Petition im Bundestag, die gegen Verbote/Internetsperren gewesen sind (ich glaub da gab es sogar zwei von – eine gegen Internetsperren und eine gegen ein Verbot von Spielen), aber ganz unter den Tisch fällt es ja dann doch nicht. Teilweise hört sich zwar das Gesagte in den Medien schon etwas negativ an… so wurden ja die Unterzeichner der Petition gegen Internetsperren mit Pädophilen gleichgesetzt… allerdings wird das wohl eher nur ein kleiner Teil der Menschedn als wahr empfunden haben… sonst währen ja alle Parteien/Politiker, die gegen ein Verbot sind automatisch auch pädophil. Irrgendwie ist das schon ein wenig komisch… bei der Petition ging es nur darum, dass es keine Internetsperren geben sollte und die Politiker (bestimmte zumindest) und auch die Medien, behaupteten dann, dass man mit der Unterzeichnung automatisch für KiPo ist… naja :)
    Ich glaube die ganze Hetze wird sich wie Lyc schon sagte irgendwann eh im Sand verlaufen. Irgendwie habe ich sogar ein wenig das Gefühl, dass die FDP dem wenigstens ein wenig Einhalt gebietet, weil meistens erfolgten die mediale und die politische Hetze ja parallel… vielleicht hat auch der Erfolg der Piraten (auch wenns nur ungefähr 2 % der Stimmen waren) mit zu dem Erfolg beigetragen – also das keine politische Hetze (im Moment jedenfalls) nicht mehr betrieben wird.

  3. abgesehen vom hässlichen rest, hat mir das hier ganz gut gefallen.
    „[…]in dem man mit Computern schießt.“ xD
    ich hab nach dem Satz genauso gelacht, wie nach „Killerpiele, die dazu dienen, Menschen zu töten“.
    ersteres lässt sich nur mit mittelalterlichen Katapulten erledigen, und zweiteres gibt es nicht. oder doch?/! ich glaube, in der Collectors edition von Mafia2 war ein Schlagring dabei. das Spiel selbst, tötet aber nicht, kann auch nicht dazu gebraucht werden. :P

    ansonsten alter scheiss

  4. Pingback: World of Warcraft ist ein Killerspiel! | Scatterd

  5. @“die sache Aussitzen“ Leute:
    Frage ist nicht ob irgendwann mal die Alten genügend weggestorben sind, bis man die neuen Medien endlich mit den alten gleichsetzt sondern,

    WIE VIEL SCHADEN RICHTEN DIE ALTEN BIS DAHIN AN?

    Nennen wir es mal „terroristischer Amoklauf durchs Grundgesetz“ was die alten Poltiker und die „alten“ Medien bis jetzt so getrieben haben. Wenn erstmal die Lügen, absichtlichen Falschaussagen und die Propaganda in den Köpfen der Menschen sitzt kann man Objektivität endgültig vergessen und dass gilt dann für Generationen!
    N- und DDR Keule: Wie viele gibt es denn noch die der Nazi bzw der DDR nachheulen?
    Zu viele, denn beide Regime haben auch massiv Propaganda betrieben!

    Wenn erstmal alle Computerspiele verboten sind kann es lange dauern bis die ersten Politiker sich Trauen diese Gesetze wieder zu anulieren! Deshalb sollte man dass nicht aussitzen, denn kann werden erst die Ureklel wieder Computerspiele zu gesicht bekommen!

    Aussitzen ist Aufgeben!
    Happy Coding.

  6. Aussitzen? Nun bis wir es ausgesäßen haben gehen mindestens noch einmal 20-30 Jahre ins Land, solange will und kann ich nicht warten zumal die Alten noch sehr sehr viel Schaden anrichten können.™

  7. Nur so btw:

    „Bundeswehr-Hauptmann Oliver M., der in den Bereichen Ausbildung, Sicherheit und Logistik tätig ist [sagte] ‚Situationen wie die, die bei einem Auslandseinsatz auftreten, kann man nicht virtuell trainieren. Das macht auch die US-Army nicht. […] Um einen Spiele-Vergleich heranzuziehen: Bei Pro Evolution Soccer lernen Sie vielleicht die nötigen Taktiken, doch um ein guter Fußballer zu werden, müssen sie trotzdem sehr sehr lange gegen Bälle treten.‘ “

    http://www.gulli.com/news/sch-uble-zu-killerspielen-2009-04-23/

  8. Als Teenager hatte ich ein Star-Trek-Poster in meinem Zimmer hängen, da fand ich es immer ganz faszinierend, dass hinter den Namen der Charaktere auch überall ein (TM) War. Hat mich wohl geprägt :-D

  9. Ich bin eine eigene Marke, es gibt von mir auch diverse Produkte wie die Doktor Trask Aktionfigur (Nur echt mit Sprachchip: Es kann kurze Sätze sagen wie: „Zensur stinkt“) wußtest du das nicht TRB? ;o)

  10. „Der andrang ist mäßig“
    Das kann man von der Bücherverbrenn… sorry vom Spielecontainer aber ÜBERHAUPT NICHT behauptenl.

    Kann mir eigentlich mal jemand erklären warum die öffentlich rechtlichen Fernsehsender deren aufgabe eine unabhäginge Berichterstattung abzuliefern sich absolut gegen Gamer ausspricht und die Gegenseite nicht einmal konstruktiv zu Wort kommen läßt?

  11. Ich kann es nicht mehr hören. Man sollte da lieber über eine Zensur der am Nachmittag ausgestrahlten Sendungen nachdenken, speziell RTL 2 usw. Spiele werden für ein bestimmtes Alten freigegeben – also lasst uns Tom und Jerry verbieten, RTL 2 und Co auch, Gute Zeiten – Schlechte Zeiten sowieso (jeden Abend der Horror pur) und Dieter Bohlen nicht zu vergessen.

  12. Pingback: Familie im Fokus

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