Näf will Killergameverbot in 5 Jahren

(Tink.ch) Der Grosse Rat des Kanton Bern hat eine Motion angenommen, die neben der Einrichtung einer Stelle zur Klassifizierung von Videospielen auch ein Gesetz zu deren Durchsetzung verlangt. Federführend ist der SP-Politiker Roland Näf, der sich als Gründungsmitglied der schweizer „Vereinigung gegen mediale Gewalt“ (VGMG), im Kampf gegen von den Eidgenossen liebevoll als „Killergames“ bezeichnete Videospiele engagiert. Darüber hinaus beurteilt Näf den Artikel 135 des Schweizerischen Gesetzbuches als unzureichend und verlangt „solche Spiele“ ganz zu verbieten. In einem Interview hat er nun Details und Hintergründe zu seinen Thesen erläutert.

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66 Gedanken zu “Näf will Killergameverbot in 5 Jahren

  1. Crusader: Elementarer Denkfehler: Die Leute, die diese Liste abarbeiten sind im Regelfall Politiker oder aber die Politiker müssen nicht erst überzeugt werden scheisse zu labern, sie machen es so schon ;)

  2. @masu,
    aber auch nur, weil sie die unterste schiene seid ihrer kindheit fahren.
    intelligente menschen müssen mühsam versuchen diese unterste schiene zu erreichen was dummen menschen, darunter politiker und pseydo experten, von kindheit normales getue ist.

  3. @Pyri:
    „Ich denke der Unterschied besteht darin, dass bei Tabakwaren nicht vermutet wird, dass diese vor allem oder überwiegend Kinder interessieren, Videospiele hingegen schon“
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    Ich sehe hierin auch eines, wenn nicht sogar *das* derzeitige Hauptproblem der Debatte. Wenn man nicht von Videospielen als ganz normalem Medium ausgeht wie Filme, Bücher oder Theater, die sich ja nur in Ausnahmefällen explizit an Kinder und Jugendliche richten, sondern von vorne herein von Videospielen als einem „Kindermedium“, so wie früher bzw. (leider) auch heute noch im Bereich von z.B. Comics, Anime und Manga, dann fasst man gewaltdarstellende Inhalte auch ganz anders auf.
    Dann sind diese kein legitimes erzählerisches, atmosphärisches oder sonstwie gestricktes Mittel, um ein Werk „rund“ zu machen, z.B. mit dem Tod einer wichtigen Figur, in Horroszenarien etc. Sondern dann wird ein Kindermedium missbraucht, um gezielt an Kinder böse / gewaltdarstellende Inhalte heranzutragen. Die ganze Perspektive auf das Thema ist völlig verschoben.
    Daraus folgen dann auch ganz andere Anforderungen an den Jugendschutz, was z.B. Herrn Bergs Aussagen nachvollziehbarer macht (s.u.). Und auch die Frage nach dem „wer will denn sowas spielen?“ wird verständlicher: es geht dann nicht mehr um legitime Erwachsenenunterhaltung, sondern um Erwachsene, die ein Kindermedium in einer geradezu pervertierten Weise benutzen wollen.
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    Ich finde diese Ansicht, und damit stehe ich wohl nicht alleine da, außerordentlich absurd. Aber das eben weil ich Spiele als Erwachsenenmedium kenne, weil ich weiß, dass sie sich eben nur zu einem kleinen Teil explizit an Kinder richten, während die Masse, wie alle anderen Medien auch, sich an die viel größere Zielgruppe der Erwachsenen richtet, auch ohne „ab 18“-Einstufung. Dass Videospiele eben kein explizites Kindermedium sind.
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    Ich glaube, wir müssen diese (imho absurde) Ansicht von Videospielen ernst nehmen. Ich glaube, wir müssen verstehen, dass wohl sehr viele Menschen glauben, Videospiele würden sich explizit an Kinder richten wollen.
    Und ich glaube, ein möglicher Weg dem zu begegnen wäre, den Menschen klar zu machen, dass Kinder, vor allem aber Jugendliche sich für ähnliche Themen interessieren, wie Erwachsene. Sei es Gewalt allgemein, Leben und Sterben, Freundschaft und Liebe, Umwelt- und Tierschutz, Religion…
    Ich glaube, der Unterschied besteht nur sehr eingeschränkt im Inhalt der von den Medien behandelten Themen, sondern vielmehr darin, welche Mittel eingesetzt werden, um diese Inhalte zu vermitteln.
    Konkret: ob also eine wichtige Figur an einer Krankheit stirbt und friedlich einschläft oder sie vom Oberschurken brutal ermordet wird, während der Spieler hilflos zusehen muss. Das Thema des Sterbens dürfte für die meisten Altersgruppen interessant sein, gehört es doch unweigerlich zum Leben dazu, der Unterschied besteht also vielmehr darin, wie das Medium mit diesem Thema umgeht.
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    Und um einzuschätzen, ob die verwendeten Mittel für ein bestimmtes Alter geeignet sind oder nicht, dafür reicht der Jugendschutz in Deutschland mit den USK-Siegeln allemal, vielmehr arbeitet er schon zu gut (die Indizierungsproblematik und damit einhergehende Selbstzensur der Hersteller hatten wir ja erst wieder im anderen Thread).
    Wenn man allerdings die Mittel zur Vermittlung von Inhalten mit den Inhalten selbst verwechselt (konkret am oberen Beispiel: wenn man nur die brutale Ermordung als Selbstzweck sieht und nicht, dass diese z.B. für die Charakterentwicklung des Protagonisten und Antagonisten hilfreich, je nach Handlung vielleicht gar notwendig ist) und zusätzlich zur Vermittlung nur kindgerechte Mittel zulassen will, dann reicht der Jugendschutz in letzter Konsequenz erst dann, wenn gar keine nicht-kindgerechten Mittel mehr verwendet werden, sprich totales Herstellungsverbot.
    Ich denke, vor diesem Hintergrund lassen sich z.B. Herrn Bergs Ansichten zum Jugendschutz wesentlich besser nachvollziehen – und somit auch wesentlich besser gegenargumentieren.

  4. @Mortipher
    Der Tenor ist aber doch, dass sich Erwachsene danach zu richten hätten was für Kinder schädlich ist? Zuletzt vernahm ich etwa dass es hieß, dass „solange“ Kinder nicht vor den Spielen geschützt seien diese für alle zu verbieten wären.
    Es wird ja auch noch behauptet, dass sich VideospielerInnen hinter Jugendschutz dabei verstecken würden, diesen vorausschieben um weiterhin (vermeintlich schon auch ungehindert – obwohl auch das eben so kaum richtig ist für Deutschland) spielen zu können.
    Ich denke grundsätzlich sollte einmal kommuniziert werden was es bedeutet wenn man Verbotsforderungen für sowas macht, dass es sich dabei eben nicht um materielle Kultur wie giftiges Spielzeug handelt, sondern geistigen Ausdruck mit Inhalt, Kreativität von Menschen in welche auch viel Arbeit gegangen ist zum Beispiel.
    Was Videospiele eigentlich sind: man nehme zum Beispiel GTA IV Mit seinen Stand-ups von Ricky Gervais, auch ein Kindertheater könnte dort technisch problemlos integriert werden. Ebenso die Inhalte von Büchern, fragen was da ein „für Bücher“ – „gegen Killerspiele“ eigentlich bedeutet, usw.

  5. @Pyri:
    Beim „Erwachsenenschutz“ ist das so eine Sache, da ich nicht sicher bin, was Ursache und was Wirkung sein soll:
    Will man unbedingt die Kinder durch ein Totalverbot schützen und dann als Folge die bösen Spiele auch Erwachsenen unzugänglich machen, weil diese ja die bösen Spiele an Kinder weitergeben würden und quasi als Nebeneffekt sie vor den schädlichen Auswirkungen bewahren?
    Oder will man das „gesunde Volksempfinden“ bzw. die erwachsenen Spieler vor solchen seelenzerstörenden Landminen schützen indem man sie total verbietet und dann als Folge auch die Kinder davor bewahren, mit solchen Machwerken in Berührung zu kommen?
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    Mir erscheint die erste Argumentationsweise für den jetzigen Stand der Debatte plausibler, da man mit dem Jugendschutz als Hauptziel ein wesentlich emotionsgeladeneres Thema als Zugpferd hat.
    Wenn es um den Jugendschutz geht, dann müssen die Interessen der erwachsenen Spieler halt notfalls zurückstecken, sind ja nur Spiele und keine Zigaretten oder ähnliches (womit wir wieder bei der Anerkennung wären), die „braucht ja eh keiner“, „keiner muss sowas spielen“ etc. Die „keiner muss sowas spielen“-Platitüden treten in letzter Zeit aber nur noch in Kombination mit dem Jugendschutz auf, der scheint das neue Hauptargument geworden zu sein. Die Debatte entwickelt sich also langsam weiter.
    Gemäß Katrin Passigs Aufsatz(*) sind wir derzeit bei Argument Sieben der Technologiekritik angelangt.
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    Dass die Spieler sich hinter dem Jugendschutz verstecken würden, lässt auf ein vollkommen anderes Verständnis der Jugendschutzregeln schließen, als ich es habe. Jugendschutz wird nicht mehr als Mittel zu einem Zweck, in diesem Fall Einordnung der Geeignetheit gewisser Darstellungen für bestimmte Altersgruppen, sondern als reiner Selbstzweck verstanden.
    Was mag wohl in diesem Menschen vorgehen, wenn sie daran denken, dass Videospiele bis 2003 nur von der FSK als bloße Empfehlung ohne gesetzliche Wirkkraft eingestuft wurden? Dass andere Länder ihre Kinder verwahrlosen lassen, weil die Altersfreigaben dort ebenfalls nur Empfehlungen darstellen? Vermutlich eine Mischung aus Unwohlsein, Angst und Erleichterung, dass es heute ja besser ist, ein „ich mag da gar nicht dran denken“-Gefühl.
    Das Verständnis der Altersfreigaben hat sich in Deutschland während der letzten Jahre enorm gewandelt, eben weg von unverbindlicher Empfehlung hin zum Selbstzweck. Und ich versuche irgendwie zu verstehen, weshalb das bei Videospielen so ist, nicht aber bei anderen Medien. Und gerade dein und Booomboys Ansatz, dass Videospiele als Kindermedium angesehen werden, andere Medien aber nicht, gibt hier mehr oder minder plausible Erklärungsansätze.
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    Deinem letzten Punkt muss ich voll und ganz zustimmen, wenn allgemein anerkannt würde, dass Videospiele ein Kulturgut sind, je nach Kunstbegriff auch Kunst sein können, dann sähe die Debatte anders aus. Wenn ich mich frage, weshalb Videospielen der Rang anderer Medien bislang vorenthalten bleibt, dann finde ich mit der „Kindermediums“-Theorie eine sehr bequeme Antwort, die zwar bestimmt nicht das ganze, aber doch einen weiten Teil des Problemfeldes abdecken dürfte.
    Vor diesem Hintergrund sollte man vielleicht auch im Auge behalten, was in den Einzelfällen, in denen Spiele indiziert werden, als Begründung vorkommt – ich bezweifle, dass sich die Begründungen sehr von denen für eine Totalverbotsforderung unterscheiden, nur mit dem Hauptunterschied, dass es im einen Fall um ein einziges konkretes Spiel, im anderen um alle sog. „Killerspiele“ geht – wie froh ich wäre, diesen Begriff loszuwerden…

  6. Kindermediums-Theorie ist gut, in den 80ern hatte die Industrie selbst Spiele als Kinder und Jugendmedium vermarket, das hat sich erst gegen Mitte der 90er langsam geändert davon haben die Kritiker aber nicht viel gemerkt, für die gilt noch immer das Kinderimage der 80er.

  7. gerade in den vox-nachrichten gesehen:
    die briten haben für ihre eigenen traumatisierten soldaten aus afganistan einen simulator gebaut, indem sie wie fast bei einem schießkino vpn leinwänden umgeben sind, eine „brille“ tragen und dann dinge erleben wie schießereien, anschläge usw.
    sie werden dabei von einen psychologen betreut.
    grund dafür ist, dass viele traumatisierte soldaten sich nicht bei einem „traditionellen“ psychologen blicken lassen, weil sie sowas als „schwäche“ ansehen („soldaten sind machos“ sagte ein interviewter psychologe).

  8. @Boomboy
    Hatte ich auch schon gehört und scheint mir eine durchaus interessante Bewältigungsform zu sein. Die Kritiker werden die Nachricht wohl auf die Worte „Soldat“ und „Schießsimulator“ reduzieren und das wie üblich mit Spielen und ihrem „militärisch-industriellen Komplex“ assoziieren…

  9. Soldaten sind Machos, ja ja immer die selbe Leier. Geh mal zum Psychodoktor wenn du noch aktiv im Dienst bist und gucke mal was dann geschieht. Dann kannst du den Hut an den Nagel hängen bzw. den Kampfanzug an die Kleiderkammer zurück geben.

  10. Mein Kommentar auf der Interview Seite:
    (Populisten muß man mit Populismus angreifen)
    —–
    Warum es in Deutschland mehr Gewaltprobleme gibt als in der Schweiz soll Dr. Pfeiffer erklären?
    Dr. Pfeiffer ist kein Teil der Lösung, sondern Teil des Problems.

    Was also sind die Gründe für die Jugendgewalt in Deutschland?
    Es sind die Folgen einer linksliberalen Kuschelpädagogik gegenüber jugendlichen Gewalttätern.
    Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich bin auch dagegen das ein Jugendlicher der das erste Mal wegen eines dummen Jungenstreiches vor Gericht steht mit der vollen Härte des Gesetzes bestraft wird.

    Aber Mord und Totschlag sind keine dummen Jungenstreiche, und die wenigsten jugendlichen Gewalttäter stehen das erste mal vor Gericht, wenn sie wegen Mord oder Totschlag angeklagt werden. Die meisten werden dann mit der vollen Härte des Jugendstrafrechts bestraft: 10 Jahre Haft.

    Aber „Experten“ wie Dr Pfeiffer oder Manfred Spitzer reicht dies nicht. Häufig treten sie als Gutachter auf und versuchen den Richter davon zu überzeugen das nicht die Täter für ihre Tat verantwortlich sind, sondern die Medien: Schundromane, Negermusik oder Killergames.
    Manchmal habe sie damit Erfolg, wie 2006 in Cottbus wo ein Nazi, der enthemmt von Alkohol einen Obdachlosen zu Tode getreten hat mit nur 9 Jahren Haft bestraft wurde. Weil der Richter es nicht ausschließen konnte das ein Spiel das er vorher gespielt hat ihn dazu getrieben hat.
    Dieses Arme Opfer von Killergames wird vermutlich schon nach 6 Jahren Haft entlassen, um weiter prügeln zu können. Womöglich bekommt er noch zur Resozialisierung eine Segelreise oder ein Urlaub in Italien spendiert.

    Dr. Pfeiffer und Manfred Spitzer folgen damit der Parteiline des Kölner Aufrufs, in dem es heißt das nicht „die Kinder oder ihre Eltern verantwortlich sind“ sonder der „militärisch mediale industrielle Komplex“. Hinter diese Aufruf stecken Neosozialistische Gruppen und Personen die sonst Diktaturen wie Castros Kuba, Chavez Venezuela, Saddams Irak oder Honeckers DDR loben.

    Der Einfluss dieser Leute ist nicht zu Unterschätzen, Dr. Pfeiffer wird z.B. von Medien viel zitiert. Auch wenn er öfters mal spektakulär falsch liegt, wie im Fall der sächsischen Kleinstadt Sebnitz. Dank Dr. Pfeiffers Gutachten wurde diese Stadt als Nazibrutstätte bekannt, in der die Bürger tatenlos zuschauen wie Neonazis am helllichten Tag in einem gut besuchten Schwimmbad ein Kind ertränken.
    Bei den staatsanwaltlichen Ermittlungen konnte nichts davon bestätigt werden, Dr. Pfeiffers Ruf als Experte hat das nicht geschadet.

    Tatsächlich ist der Einfluss dieser Personen vor allem darauf zurück zu führen das es ab 1968 linksextremen Kreisen gelungen ist Medien, Hochschulen und Bildungssystem in Deutschland zu unterwandern.
    Die Verfasserin des Kölner Aufrufs hat lange Jahre an der Fachhochschule Köln gelehrt und über Ökosozialismus und Ökofeminismus geforscht. Nachdem die Fachhochschule mit der Unterstützung der Firma EA lieber die Ausbildung von Gamedesigner ermöglicht, statt das Geld in ihre Forschungen zu stecken begann sie mit ihren Kreuzzug gegen Spiele.

    Linksliberale Lehrer indoktrinieren seit mehr als 40 Jahren ihre Schüler mit dem Mantra das „Gewalt keine Lösung ist und noch niemals etwas gebracht hat“.
    Die Erfolge dieser Ideologie konnte man in der Münchner U-Bahn beobachten, wo sich die Fahrgäste wie Schafe verhalten haben, statt den bedrohten Kindern zur Hilfe zu kommen.

    Ich habe immer tiefen Respekt vor den wehrhaften Schweizer Bürgern gehabt, aber nun muss ich zu meinen bedauern feststellen das die Schweiz auf dem gleichen Weg wie Deutschland ist.
    Nur zu, verbieten sie die Killergames. Verbieten sie Negermusik und Schundhefte.
    Daran stören werden sich nur die Menschen die wissen dass das Leben kein Vorabendserie ist in der wie in der Lindenstraße am Ende immer das Gute siegt, sondern ein Ort ist in dem nicht jeder ein guter Mensch ist.

    Über ein Verbot werden sich vor allem die Jugendlichen Gewalttäter freuen und ihre Winkeladvokaten, die das Verbot wie eine „Du kommst aus dem Gefängnis frei“ Karte verwenden werden.
    „Herr Richter, mein Mandant ist unschuldig. Wie Dr. Pfeiffer und Manfred Spitzer eindrucksvoll belegt haben ist er nicht verantwortlich sondern der militärisch-mediale-industrielle Komplex der diese – in der Schweiz zu recht verbotenen – Killergames entwickelt hat um Soldaten zu enthemmen…“

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