Berg: „Wozu brauchen wir diese Spiele?“

(radio bremen) Wider aller Erwartungen wurde in der Sendung „Kinderzeit“ erfrischend sachlich über das Thema der „Killerspiele“ geredet. Mat hat es lediglich versäumt über den Irrtum, dass die Jugendgewalt stetig zunehmen würde, aufzuklären. Allein der Ort der Sendung war vielleicht nicht optimal. Solch eine Sendung wäre bei NDR Info wohl besser aufgehoben, da die Diskussion – auch wenn sie Kinder betrifft – vielleicht nicht unbedingt für Kinder geeignet ist. Das Gespräch mit Christian Berg, der Stein des Anstoßes, war aufgezeichnet und leider auf dem erwarteten Niveau.

„Es gibt auch Menschen die sagen diese Spiele sind so gefährlich, dass man sie verbieten sollte. Und einer davon heißt Christian Berg, Er ist Kinderbuchautor, Schauspieler und Regisseur. Seit vielen Jahren auf der Bühne und präsentiert Theaterstücke und Musicals für Kinder. Er setzt sich seit kurzem für ein verbot von Computerspielen ein, in denen der Spieler auf andere Personen schießt. Er nennt sie „Killerspiele“ und ich habe gestern mit ihm telefoniert:

Agupyan: Guten Morgen Herr Berg.

Berg: Guten Morgen.

Agupyan: Uns hören ganz viele Kinder zu, Herr Berg, und genau bei denen haben Sie in den letzten Jahren eine Veränderung festgestellt. Was ist Ihnen aufgefallen bei Ihren Lesungen und Schulaufführungen?

Berg: Naja ich bringe ja seit ganz vielen Jahren ganz viele Musicals für Kinder auf die Bühne und ich stelle dort fest, dass die Kinder immer größere Schwierigkeiten haben zuzuhören. Eigentlich ist es dann bei Kindern aus bestimmten Gebieten, die nicht so wohlbetucht sind, dass sie oft ins Theater gehen können, auch noch so schlimm, dass sie nicht länger als eine halbe Stunde durchhalten. Und das mache ich daran fest, dass einfach zu hause immer weniger vorgelesen wird. Und heutzutage, das ist bewiesen, laut einer Studie, wird in 60 % der Haushalte nicht mehr vorgelesen. Und ich finde da tun die Erwachsenen den Kindern ganz schön was Schlimmes an.

Agupyan: Sie haben auch festgestellt, dass die Kinder sich immer mehr auf die Seite der Schurken schlagen. Warum besorgt sie so etwas?

Berg: Naja, also ich habe oft die Schurken als komische Figuren bei mir auf der Bühne um sie auch zu entzaubern. Aber wir haben bei Alice im Wunderland eine Verfolgungsjagd durch den Saal und da sind einmal vier Jungs aufgestanden und haben Alice festgehalten, damit die bösen Wachen der bösen Königin sie fangen können. Und ich glaube das liegt definitiv an dem Fernsehprogramm heutzutage, wobei ich da ausdrücklich z.B. den Kika ausnehme. Und es liegt daran, dass DVDs sehr leicht zugänglich sind mit schlimmen Filmen. Und auch sogenannte Killerspiele.

Agupyan: Was sind Killerspiele?

Berg: Für mich sind Killerspiele alles das, wenn in dem Spiel das Ziel ist, dass jemand getötet wird.

Agupyan: Sie sprechen also Computerspiele an, sogenannte Ego-Shooter..

Berg: Ja das Wort finde ich schon am allerschlimmsten.

Agupyan: Kenn Sie solche Spiele?

Berg: Ja, ich kenne CounterStrike und ich möchte aber jetzt hier vor den Kindern im Radio auch nicht so viele Spiele nennen, weil ich eigentlich keine Lust darauf habe Werbung zu machen.

Agupyan: Was ist das Schlimme an diesen Spielen?

Berg: Dass es das Ziel hat ohne wenn und aber Menschen zu zerstören, zu erschießen, zu töten, explodieren zu lassen – ohne einen Sinn dahinter. Ich finde das sollte es nicht geben. Die Gamefreunde, oder die nennen sich ja die Gamer, die schieben immer vor „Wir haben einen Jugendschutz.“. Ich kenne so viele Fälle, also ich habe ganz viel Post bekommen auf diese Aktion hin die ich gemacht habe gegen Killerspiele, wo 8-, 9-Jährige an der Schule Zugang zu diesen Spielen hatten. In dem sie sich diese Spiele von älteren besorgt haben. Und ich finde das macht gewaltbereiter im Kopf. Da gibt es ja auch Studien, dass man irgendwann gewaltbereiter ist. Und das sollten wir nicht haben. Die Welt braucht keine Killerspiele.

Agupyan: Meinen Sie, dass es wirklich keine Killerspiele, wie Sie sie nennen, mehr geben wird, wenn man sie verbietet? Heute kann sich doch jedes Kind alles aus dem Internet heraussaugen?

Berg: Naja ich wollte ja eigentlich, und das ist mir ja auch gelungen, ich wollte ja provozieren, mit meiner Aussage diese Killerspiele zu verbieten. Ich wollte…

Agupyan: Was heißt provozieren?

Berg: … eine Diskussion lostreten damit sich alle mal Gedanken darüber machen, wie man diese Spiele… weniger werden lässt. Das glaube ich nicht, dafür gibt es eine Industrie die viel Geld verdienen will. Aber wie man Wege findet, dass Kinder nicht an diese Spiele herankommen.

Agupyan: Was wäre denn so ein Weg?

Berg: Tja… das ist… sehr schwer. Weil, wie gesagt, sie haben recht, es gibt das Internet. Bei der US-Armee können sich Kinder ohne Alterszugang auch solche Spiele herunterladen von den Seiten. Und deswegen habe ich dieses Verbot angesprochen. Es wäre natürlich auch ein Weg, dass Eltern ihre Kinder mehr kontrollieren, aber ich weiß, wie schwer das heutzutage ist, wenn Eltern berufstätig sind und Kinder alleine zuhause sind. Ich glaube der einzige Weg ist es wirklich unter noch schwerere Strafen zu stellen, Kindern diese Spiele zugänglich zu machen. Oder eben diese schlimmen Spiele, von denen ich immer wieder die Frage stelle: „Wer braucht sie! Wozu brauchen wir diese Spiele? Wozu müssen wir spielen, dass wir töten.“.

Gleich hören wir mehr von Christian Berg, jetzt aber erst einmal die Frage an Ole und Daniel, beides Studenten, die diese Spiele kennen und zum Teil auch schon gespielt haben. Die Frage von Christian Berg:

Agupyan: „Wozu brauchen wir Spiele um zu töten?“. Daniel, was sagst du dazu?

Daniel: Ich finde die Frage relativ falsch vom Ansatz. Weil es ist ja niemals das Ziel, dass sich Menschen reell vorstellen andere Menschen umzubringen. Sondern es geht ja in diesen Spielen eher darum in eine andere Welt zu flüchten. Also ich finde Verknüpfung zwischen Erlebten im Videospiel und der Gewalt im echten Leben für falsch.

Agupyan: Aber warum habt ihr manchmal den Wunsch in eine Welt zu flüchten, wie du das sagt, in der man Menschen kann?

Daniel: Ich glaube nicht dass das, weil ich kann nicht für Ole reden, aber ich glaube nicht, dass das jemals meine Motivation war. Also ich kann mich noch daran erinnern, dass ich mit 6-Jahren zum ersten Mal Videospiele gespielt habe und da ging es nicht darum Menschen zu töten sondern mit einem rot gekleideten italienischen Klempner auf Pilze zu springen, was so mein erster Kontakt zu Videospielen war. Und ich glaube einfach dass man, je älter man wird sich die Spielwelten anders aussucht. Und ich gehe ja auch gerne in Kinofilme, die einigermaßen realitätsnah sind oder in Fantasyfilme, um z.B. die Brücke zu Wolrd of Warcraft zuschlagen. Und, wie gesagt, ich glaube nicht, dass man sich da großartig wegen „des Tötens“ in irgendwelche Welten begibt.

Agupyan: Ole, was sagst du zu der Forderung von Christian Berg?

Ole: Also ich möchte da weiter ansetzten, was Daniel schon sagte. Und zwar geht es wirklich nicht darum irgendwie Aggressionen oder ähnliches auszuleben. Sondern es geht eben wirklich darum mit anderen Menschen zusammen im Team zu spielen. Es geht letztendlich um einen großen Wettstreit, wenn man so will. Also einen Wettbewerb an sich.

Agupyan: Aber man kann ja auch Sportwettbewerbe mitmachen, mit dem Computer. Man kann laufen oder Diskusscheiben werfen oder was auch immer. Warum muss man Menschen erschießen?

Ole: Das ist wieder genau die Stelle: Letztendlich geht es nicht ums Erschießen, sondern es geht einfach darum, um eine Sache wo man Reaktionen ertestet, wo man Geschick ertestet. Und das Untereinander. Es geht wirklich nicht darum, dass es jetzt unbedingt ein gewaltspiel ist, sondern es geht um den Aspekt des Geschicks.

Agupyan: Markus Gerstmann ist bei uns, er ist Computerspieleexperte. Sie sind Sachverständiger Gutachter für den Jugendschutz im Bereich Computerspiele bei der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle für das Land Bremen. Mein Gott, ein langer Satz. Was machen Sie da genau?

Gerstmann: Wir gucken uns die Spiele an und wir bewerten sie, was die Spiele zeigen, wie sie wirken können auf Jugendliche. Da versuchen wir sie einzuordnen und ob sie dann für 0-, 6-, 12-, 16- oder 18-Jährige freigegeben werden. Wir hucken uns diese Spiele an, aber ich möchte noch einmal ganz deutlich betonen: Wir spielen nicht gegen Menschen, wir töten keine Menschen. Das sind Spielfiguren. Pixelgrafiken, die da sind. Das sind keine Menschen, das ist eine Spielverabredung um ein Spielziel zu erreichen. Und nur der Außenstehende, der es nicht spielt, sieht darin Menschen, weil er da in seinem Kopf zusammenfügt, das sieht ja so aus. Es ist eine Spielverabredung und es wird kein Mensch dadurch getötet, sondern es ist genauso wie bei einer Schnitzeljagd, das ist genau dieselbe Spannung, ich muss einen Ort erreichen gegen eine andere Mannschaft kämpfen, verteidigen und vielleicht den Platz zu besetzen. Das sind diese Spielverabredungen. Und wenn man das runterholt ist das eine ganz normale Spielsache und das finde ich sehr wichtig im Kopf zu behalten.

Ole oder Daniel: Ich denke ein guter Vergleich ist auch z.B. Völkerball. Völkerball ist ja letztendlich auch, dass man sich mit einem Ball bewirft, was letztendlich dann gut die Waffe darstellt, was ja auch letztendlich ein älteres Publikum ansprechen soll um so einen gewissen Realismus für die Leute reinzubringen. Aber letztendlich geht es eben darum um dieses Geschick, jemanden mit einem ball abzuwerfen.

[…] Der Grund, warum wir heute in der Kinderzeit über sogenannte Killercomputerspiele sprechen, ist Christian Berg. […] Und ich habe ihn gefragt, warum er gerade ausgerechnet in dieser Zeit jetzt fordert, dass man diese Computerspiele verbieten sollte, obwohl es die ja schon seit vielen Jahren gibt.

Berg: Weil ich feststelle, dass es immer schlimmer wird. Mit der Gewaltbereitschaft von Kindern. Ich sehe das auch vor Vorstellungen im Theaterfoyer. Oder wenn ich mit meinen Büchern, ich war heute wieder bei einer Lesung an einer Grundschule, die Kinder sind viel gewaltbereiter als früher. Ich mache das nicht allein an den Killerspielen fest. Ich mache das auch fest an Fernsehprogrammen, die zum Teil unverantwortlich sind. Und es wird immer irgendwie immer schlimmer. Wenn ich früher ein Kind auf der Bühne hatte und gefragte hatte, woher kennst du die Geschichte, dann haben die mir gesagt, ja ich habe das Buch zu Hause, meine Oma hat mir das vorgelesen, oder meine Mama. Und heute sagen die wir haben das Spieloder wir haben den Film auf DVD.

Agupyan: Das hört sich ja danach an, dass eine Gefahr ausgeht von Computerspielen. Ole und Daniel, welcher Meinung seid ihr?

Ole oder Daniel: Ich glaube nicht wirklich, dass eine Gefahr von Computerspielen ausgeht. Ich habe in letzter Zeit mich auch wieder ein bisschen mit dem Thema Killerspiele beschäftigt und ein ganz gutes Argument gehört, dass es natürlich eine kleine Zahl von Menschen gibt, die gefährdet sind, was solche Inhalte in Killerspielen oder auch in Metzelfilmen angeht, aber dass das eigentlich so ist wie mit anderen Dingen, die berauschen oder Freude machen. Wie mit Alkohol oder Zigaretten, dass eben die meisten schon damit klar kommen. Und eben einige Wenige, wo dann eben der Ursprung, warum sie nicht damit klarkommen, nicht eben in den Videospielen zu suchen ist, sondern halt in ihrem sozialen Umfeld, ihrer Psychosomatik. Die gibt es halt, aber die Mehrzahl stört es nicht.

Agupyan: Herr Gerstmann, gibt es wirklich Kinder, die, wenn sie diese Killerspiele spielen, gewaltbereiter/aggressiver/wütender werden?

Gerstmann: Natürlich, es ist eine Erregungskurve da, man regt sich auf über das Spiel, man ist dabei, man will kämpfen, aber je länger man diese Spiele spielt, umso normaler wird diese Reaktionskurve. Und man pendelt sich ein. Es ist einfach nicht so einfach, wie Herr Berg das sagt. Erst einmal der Begriff „Killerspiele“ ist ein politischer Begriff, den ein Politiker erfunden hat. Es gibt keine Killerspiele. Die werden nie so definiert. Und man muss einfach das runterholen, dass sind einfach kämpferische Auseinandersetzungen. Und ich finde einfach, das ist sehr komisch zu sagen: „Heute ist das alles so schrecklich.“. Das sagen alle Eltern, alle Erwachsenen. Ich bin auch über 40, ich könnte jetzt sagen es ist alles schrecklich und früher war es so schön. Ich habe meine Bücher gehabt, ich bin mit einem Holzgewehr über die Wiesen gerannt. Aber es entwickelt sich und die Kinder beschäftigen sich mit den Meiden, die da sind, und die Erwachsenen müssen den Zugang zu den Kindern haben, dass wir darüber reden. Und die Kinder müssen uns das erklären, was sie daran faszinierend finden. Wenn ich in die Schulen gehe, mit den Kindern darüber rede, sie wollen mit uns Erwachsenen darüber reden, sie können mir das erklären, was sie da machen, was sie da fasziniert. Und wenn die Kinder aus dem Kinderzimmer kommen und was gespielt haben, dann muss ich sie genauso fragen wie nach einem Fußballspiel: „Hast du ein Tor geschossen?“, „Hast du gewonnen?“, „Hast du dein Spielziel erreicht?“. Und dann reden wir auch mit den Kindern und kriegen auch was mit und wir könnten auch mal als Erwachsene mit den Kindern zusammen spielen. Heute ist Sonntag, warum setzen Sie sich nicht mit Ihren Kindern zusammen an den Computer und lassen sich das mal von den Kindern erklären.

Agupyan: Bleiben wir einmal bei dem Verbot dieser Baller- oder Killerspiele. Wie könnte so ein Verbot aussehen?

Gerstmann: Ein Verbot ist absolut lächerlich. Für mich sind Verbote, dass ich mich nicht mit einem Thema beschäftigen will, wenn ich es verbiete ist es weg und dann ist das Problem gelöst. Wie Sie ja schon gesagt haben, über das Internet kriege ich das, ich kann es weiter in Österreich kaufen. Wir haben in Deutschland den härtesten Jugendschutz weltweit. Wir beschäftigen uns mit diesem Thema viel intensiver als alle anderen Länder und ich finde es entscheidend, dass wir Hingucken, was die Kinder tun, mit was sie sich beschäftigen und dass wir eben […] Ego-Shooter mindestens „ ab 16“ oder „ab 18“ freigeben. Und wenn wir einfach darauf achten, dass diese nicht in die Kinderzimmer kommen, dann haben wir ganz schön viel erreicht. Und es sind 75 % der Spiele, die auf dem Markt sind, die „ bis 12“ freigegeben sind. Es gibt ganz viele Spiele, die toll sind für Kinder.

Agupyan: Daniel, Ole, was meint ihr. Wenn man diese sogenannten Baller- oder Killerspiele verbietet, wenn es sie nicht mehr gibt, löst dass irgendein Gewaltproblem unter Kindern und Jugendlichen?

Ole: Ja, wenn ich einmal anfangen darf. Und zwar mit den Verboten ist das ja sowieso bei Kindern immer so eine Sache. Genau dadurch wird es ja letztendlich auch irgendwie interessant. Ich denke eben auch dieser Ansatz, dass man so etwas gewissermaßen kontrolliert, es versteht und es nicht irgendwie dadurch noch verschlimmert, dass man sagt dass sind ganz schlimme Sachen und das darfst du nicht, sondern eben dass man mit dem Kind darüber spricht uns sagt: Mensch, die schießen sich da tot, so etwas sollte man eigentlich nicht gut finden und so etwas ist noch nichts, was du jetzt spielen solltest. Sie müssen es den Kindern halt irgendwo schon erklären, was in diesem Spiel gemacht wird, und warum es noch nicht etwas für sie ist.

Agupyan: Daniel, was würde es uns bringen, wenn wir diese Spiele verbieten?

Daniel: Ich glaube gar nichts. Ich glaube auch das Verbote und insbesondere auch die Strafe, die ja Herr Berg auch fordert, das Erhöhen der Strafen und diese Diskussion, die ist ja wirklich alt, nichts bringt. Also es ist ja mehr als erwiesen, dass Leute die Dinge tun die verboten sind, nicht darüber nachdenken, welches Strafmaß sie erwartet. Sondern die Motivation ist eine andere.

Ganz interessant, was Christian Berg übrigens genau dazu gesagt hat:

Berg: Das glaube ich nicht, das glaube ich nicht. Ich glaube, dass die ganz Gewiss einen Einfluss haben auf Kinder. Und die sind ja auch entwickelt worden, zum Teil, um Kinder oder Jugendliche ans Militär heranzuführen. Es ist ja bewiesen, dass einige Spiele extra für die US-Armee entwickelt wurden. Und das braucht es nicht. Da muss man einen Weg finden, dass Kinder wirklich nicht an diese Spiele rankommen. Aber ich weiß z.B. von einem Vater, der diese Spiele hat, und die Kinder verticken die Spiele, die verkaufen sie.

Agupyan: Welche Gründe gibt es Ihrer Meinung nach denn noch, warum Kinder gewalttätig werden?

Berg: Weil Ihnen auch immer weniger zugehört wird, auch von den Erwachsenen. Weil die Erwachsenen immer gestresster werden, weil sie in der Arbeit viel Stress haben, weil sie sich in ihrem Arbeitsplatz behaupten müssen. Weil sie darum kämpfen müssen. Und die Gewaltbereitschaft ist natürlich auch ein Ventil, um auf sich aufmerksam zu machen.

Agupyan: Jetzt hören uns ganz viele Kinder zu, was würden Sie denen gerne sagen? Es gibt viele Kinder sicherlich auch darunter, die solche Spiele, wie Sie sie meinen, spielen.

Berg: Ich würde ihnen gerne sagen, macht was mit euren Freunden, werdet selber kreativ. Nimmt euch ein gutes Buch. Spielt Theater. Macht Sport in Vereinen und dann braucht ihr das nicht.

Agupyan: Her Gerstmann, Daniel und Ole, würdet ihr auch sagen: Kinder lasst lieber die Finger von Computerspielen?

Gerstmann: Nein, auf keinem Fall. Ich finde man muss das einfach mal sehen: Er sagt ein Buch lesen. Na klar, die Jugendlichen lesen soviel wie noch nie zuvor, wenn sie […] Harry Potter gelesen haben. Das ist eine wahnsinnige Euphorie. Und die haben so dicke Bücher, allein durch gewälzt, weil sie in eine Fantasiewelt abgetaucht sind. Also die Kinder lesen. Aber das Buch hat eine lineare Story, ich kann nur dem Folgen, was der Autor mir vorgibt. In einem Computerspiel kann ich entscheiden ob ich links oder rechts gehe, ob ich das Abenteuer jetzt mache oder am nächsten Tag. Also es hat eine Faszination die Computerspiele, dass ist eine Sache, die man nicht mehr wegnehmen kann. Also man würde sagen vielleicht in 10 Jahren, das Bücher einfach langweilig geworden sind, weil ich nicht entscheiden kann, was ich tun kann. Man muss einfach die Mischung hinkriegen: Spielen, Lesen, draußen Spielen, alles Mögliche. Und das ist egal, was man extrem macht, ob es ein Bücherwurm ist oder ein Computerspieler, man darf es nicht zu extrem machen., sondern man muss einfach die Vielfalt des Lebens genießen.

Agupyan: Daniel, was sagst du dazu?

Daniel: Da würde ich mich sofort anschließen. Das ist auch das wo ich am liebsten dazwischen geschrien hätte gerade. Weil keiner der jetzt wirklich viel diese Videospiele spielt, oder wenige machen nur das, also ich meine ich bin selber nebenbei noch privat Musiker, bin noch im Sportverein tätig. Also das ist heißt nun wirklich nicht, dass man seine ganze Freizeit aufgibt. Was ich zu Herrn Berg noch sagen möchte, und das ist brennt mit extrem unter den Nägeln, ist, eine Aussage von ihm, dass es erwiesen sei, dass viele Spiele für die US-Armee entwickelt worden seien, einfach falsch ist. Und für mich wieder ein gutes Beispiel dafür ist, wie schlecht informiert die Diskussion in der Öffentlichkeit geführt wird. Und wie er dann gerade noch auf die Frage hin, oder auf seinen selber eingebrachten Punkt hin, wo e aus der eigenen Heimat herkommt oder irgendein Elternhaus, dann noch die Prise der Verzweiflung, dass die Eltern in der heutigen Zeit ihre Jobs behalten müssen und so weiter einbaut… Also ich finde diese Art und Weise, wie so etwas dramaturgisch aufgebaut wird, immer relativ schwach. […]

Wir haben ihn in dieser Sendung schon häufiger gehört, Christian Berg, den Kinderbuchautoren, Schauspieler und Regisseur. Er fordert also ein Verbot von Killerspielen, von Kriegsspielen auf dem Computer. Und seit dem er das fordert, haben sich viele Menschen bei ihm gemeldet. Und nicht alle waren seiner Meinung:

Berg: Naja, ich habe ganz viele üble Beschimpfungen bekommen. Man hat mich also verglichen mit Leuten aus der deutschen Nazi-Zeit. Also wenn eure Hörer das nicht wissen, die Nazis haben ja zum Beispiel Bücher verbannt von jüdischen Autoren oder gefährliche Bücher, wie sie das nannten. Da hat man mich mit einem Bücherverbrenner verglichen. Dann hat man mich mit dem üblen Propagandaminister von Hitler, mit Goebbels, verglichen. Dann hat man gesagt ich sollte Berufsverbot bekommen, weil ich auf Kinder Einfluss habe. Und das allerschlimmste was ich hier gehört habe war, dass ich ein Kulturfaschist bin.

Agupyan: Wie geht es Ihnen dabei, wenn Sie sowas lesen?

Berg: Ich hatte schon Angst teilweise, ich habe auch paar Drohanrufe per Telefon bekommen. Ich hatte schon ganz schöne Angst. Aber die Lobby derer, die auf meiner Seite waren, die war mindestens genauso groß. Und es gab ja letztes Jahr diesen schrecklichen Amoklauf in Winnenden. Ich bin mit diesen Eltern in ständigem Kontakt, ich habe eine Mutter kennen gelernt vor einem dreiviertel Jahr, die ihre Tochter in Winnenden verloren hat. Die haben auch eine Unterschriftenaktion gehabt gegen Killerspiele. Und auch diese Eltern wurden auf ihrer Homepage bedroht. Also ich finde das ganz schön schlimm, wenn Eltern das Liebste auf der Welt genommen wird, wenn die dann von solchen Menschen auch noch bedroht und beschimpft werden. Da frage ich mich wirklich, in was für einer Zeit wir leben.

Agupyan: Herr Berg, ich finde ja jeder sollte seine Meinung sagen können, ohne dafür bestraft zu werden. Danke, dass Sie Ihre Meinung gesagt haben. Ihnen alles Gute.

Berg: Danke, tschüss.

Agupyan: […] Daniel, was sagst du dazu, dass er so bedroht wurde in den letzen Wochen, nur weil er ein Verbot von Killercomputerspielen gefordert hat?

Daniel: Also ich finde jemanden zu bedrohen geht natürlich überhaupt gar nicht. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Also er hat natürlich seine Meinung, die polarisiert selbstverständlich aber da mit Drohungen zu reagieren ist natürlich der falsche Weg. Allerdings glaube ich, dass die Menschen, wenn man da auch ein bisschen in Internetforen gelesen hat, die, die da am meisten Rumpöbeln, sind meistens die harmlosesten. Also ich glaube nicht, dass sich Herr Berg irgendwelche Sorgen machen muss.“

55 Gedanken zu “Berg: „Wozu brauchen wir diese Spiele?“

  1. Pingback: Stigma-Videospiele: Berg: “Wozu brauchen wir diese Spiele?” | Computerspielberatung.de

  2. „und jeder, der diesen Mann auch noch ernst nimmt, der ist einfach nur erbärmlich.“
    *
    Damit dürftest du 90% dieser erbärmlichen Website beleidigt haben.
    Ohne Stigma hätte ich nie von Herrn Berg erfahren, wäre glaube ich besser gewesen.

  3. Ich nehme mal an, das er diese Musiklehrer& Tagesmütter Klientel auf Herrn Bergs (Web)Seite meint, zumindest habe ich das so verstanden. ;)

  4. Wenn man nicht Ernst nehmen würde, müsste man ihm hier ja nicht dauernd neue News und Lebenszeit widmen. Er ist schließlich keine wichtige Person, die irgendwas zu entscheiden hat, sondern nur ein mäßig erfolgreicher Theaterautor der provozieren will und hofft, dass seine Provokation nicht ungehört untergeht.

  5. @Peter
    So unwichtig und unbekannt ist Herr Berg nicht und seine Rechnung geht auf, momentan rennt er von einer Talkshow zur nächsten Talkshow und er hat zudem zig Pressetermine und verdient gut Geld dabei.

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