Newsschwemme #3

– „Laut Bartels waren bei allen bekannten Amokläufern 42 Faktoren identisch. Nur einer davon war der Konsum des Spiels CSS.“, swp.
– „Etwa bei […] Killerspielen. Sie finden sich in praktisch jedem Profil eines Amokläufers„, ntv.
– Bei den meisten der Taten wird CSS noch nicht veröffentlicht gewesen sein. Auch der Vorgänger wurde nicht von jeden Amokläufer gespielt. Schließlich hatten in den USA nur 12 % der Amokläufer überhaupt ein Interesse an gewaltdarstellenden Videospielen. In Deutschland haben nur 4 von 7 Tätern große Teile ihrer Freizeit mit solchen Spielen verbracht. Wohl notwendig wie eh und je:
– Infostand auch zur „ Diskussion über das Verbot von Ego-Shootern„, piraten.
– Spieleindustrie startet Diskussionsangebot www.spielen-verbindet.de, biu.

26 Gedanken zu “Newsschwemme #3

  1. NTV
    Experten sind sich einig, dass die Vorschriften bereits restriktiv genug sind. Zudem ist unter Fachleuten die Erkenntnis gereift, dass gewalttätige Spiele zwar Inspiration oder Vorbild für ein so genanntes School-Shooting sein können. Die Ursache sind sie aber nicht. Wären sie der Auslöser, müssten hunderttausende männlicher Computerspieler quer durch die Republik Gewalttaten verüben.

  2. Ich fürchte nur, dass diese Ansichten nicht populistisch genug sind, denn man kann sich nur durch Aktionismus profilieren und politisch nach oben bewegen resp. schlicht und ergreifend Geld verdienen. Dazu braucht es pauschale Urteile und Schaffung von greifbaren Feindbildern.

  3. Was ich trotz allem bisher gut finde ist die Tatsache, dass sich die Tagesschau aus den ganzen bisher rausgehalten hat. Hatte die letzten Wochen nichts über „K-Games“ auf deren Seite gelesen, auch nicht in den Artikel zum Jahrestag des Verbrechens der heute veröffentlicht wurde.
    Vielleicht hat das alles ja wirklich nur mit „Marketing“ zu tun, da ja mehrere an diesen Ereignis mitverdienen. Mir würde es als Elternteil nicht gefallen, wenn man aus der Sache Profit macht – aber leider verdienen die ja selbst mit zum Teil.

  4. 11. März – ein Tag an dem sich deutsche Gamer für ihr Hobby hassen sollten, wenn’s nach den unzähligen Kritikern geht… :(
    .
    @The_Real_Black
    Heute schießt der von dir genannte Sender den Vogel ab und bringt viele Stunden Material zu dem Thema, Live Übertragungen von Trauerfeier, Berichte, Reportagen,… das verspricht gruselig zu werden. Die Farce bei solchen Sachen ist immer wieder, dass sich diese Leute auch noch Journalisten schimpfen, obwohl sie doch nach dem Kodex zu sorgfältiger Arbeit verpflichtet sind. Scheinbar wird der nach der Ausbildung in den nächsten Schredder geworfen.

  5. Und Horst Köhler forderte gerade in seiner Ansprache die Medien auf, zurückhaltender zu berichten, da die ganze Hochstilisierung Nachahmungstäter schafft.
    Mit Leid macht man aber Schlagzeilen und Auflage, da verpuffen solche Appelle schnell.

  6. Nachdem ich mich mal bei tagesschau.de ein wenig schlau gemacht habe, glaub ich sogar, dass es vielleicht doch eher neutral werden könnte (die Berichterstattung), da nur best. Journalisten die Erlaubnis haben darüber zu berichten. Darüber hinaus dürfen auch keine Bilder von weinenden Trauernden gemacht werden, was ich sehr gut finde, da so der Abstand gewart bleibt und die Opfer der Angehörigen somit nicht als Vorzeigematerial missbraucht werden können.
    Wenn man sich mal an letztes Jahr erinnert gab es ja, was die Berichtserstattung betraf überhaupt keine Einschränkungen. Vielleicht kommt man ja auch mal soweit von den üblichen Verdächtigungen / Beschuldigungen abstand zu nehmen. Im Moment hab ich eh eher das Gefühl, dass eher die Printmedien Hetze betreiben und nicht die ÖR und die Politik (von ein paar Blindgängern mal abgesehen).

  7. Dafür werden die ganzen alten Dokus wieder ausgekramt wie etwa bei Phoenix („Killerspiel WoW, wo die Menschenfetzen fliegen“, „Spiele von der US Armee entwickelt“).
    Diejenigen, die alles darauf herunterbrechen, dass Videospiele an allem schuld sind, haben ihre Plattform.

  8. Gut, war ja abzusehen, dass die alten Sendungen wieder ausgestrahlt werden, aber glaub kaum, dass die Leute jetzt noch darauf hereinfallen, weil sich ja seit dem letzten Jahr einiges getan hat… die Gamer hatten ja einige schöne Aktionen zusammengebracht – dazu zähle ich auch die Gegenveranstaltung zu der Containeraktion, trotz der negativen Presse, aber die Berichterstattung war ja soo einseitig, da muss sogar ein Unwissender gemerkt haben, dass da was nicht stimmt. Früher oder später wird das ganze eh ausgelutscht sein und im Prinzip ist es das ja auch schon, da ja die Verbotsforderer auch ruhig geworden sind… jetzt sehn sie halt wieder ihre Chance in die Presse zu kommen, aber diesmal gibts zumindest auf Bundesebene keine Partei, die alles mitmacht, wie damals die SPD. Find die FDP immerhin ein wenig besser, da die ja nicht alles mit sich machen lässt – auch wenn man sie dafür kritisiert -es sagen ja immer alle, dass die Koalition schon gescheitert sei, weil es zu viele Streitthemen gäbe… ich find des ehrlich gesagt ganz gut, da so nicht alles von einer Partei gesteuert wird – wie halt in der Vergangenheit soo oft.

  9. Immerhin wird inzwischen Counterstrike: Source gespielt. Fast alle Medien machen ja das uralt CS verantwortlich (siehe Videobeiträge) :p

  10. Kurz noch ein Wort zu unserem „Qualitätsjournalismus“:
    Anlässlich des Jahrestages der Bluttat von Winnenden berichten die Medien natürlich über Horst Köhlers Rede. Dabei fielen mir zwei Dinge besonders auf:
    Erstens berichtet der FOCUS in seiner Unterüberschrift, Köhler „sprach () sich für eine Verschärfung des Waffenrechts und einen Schutz der Jugendlichen vor Gewaltspielen aus.“ Im Artikel selbst findet sich kein Wort mehr zu „Gewaltspielen“, Vergleichbares findet sich auch in keiner anderen Zeitung. Dass sich das Journalismus nennen darf, wenn solche dreisten Behauptungen völlig aus der Luft gegriffen und Politikern in den Mund gelegt werden! Hier behauptet eine Zeitung, unser Staatsoberhaupt hätte etwas gefordert, das er gar nicht erwähnt hat! Meinungsmache pur, das ist für mich kein Journalismus mehr, und mit Qualität hat das überhaupt nichts mehr zu tun.
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    http://www.focus.de/panorama/welt/winnenden/amoklauf-koehler-fordert-schaerferes-waffenrecht_aid_488649.html
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    Zweitens, und das nur am Rande: Der zweite Absatz des FOCUS-Artikels („Köhler appellierte… an Ihrer Seite.“) ist mit einem Wort Unterschied identisch zum vierten Absatz des zugehörigen WELT-Artikels („Er appellierte… an Ihrer Seite.“)
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    http://www.welt.de/vermischtes/article6728800/Koehler-fordert-Verschaerfung-des-Waffenrechts.html
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    In der Schule kriegt man für’s Abschreiben eine Sechs, weil man das später im Beruf ja auch nicht mehr darf. Im Beruf kriegt man für’s Abschreiben dann Geld und man darf seine Abschreiberei dann „Qualitätsjournalismus“ nennen. Verquere Welt.
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    @JM:
    Abwarten, bei Selbstmorden halten sich die Zeitungen auch daran, nicht zu berichten, außer es handelt sich um eine Person öffentlichen Interesses. Die Berichterstattung einzuschränken halte ich angesichts der Berichte, wie damals auf Teufel komm‘ raus O-Töne eingefangen worden sollen, und der Möglichkeit, damit Nachahmungstäter zu beeinflussen (wir erinnern uns an Sebastian B.’s Abscheidsbrief, in dem er sich eindeutig auf Edward Harris vom Virginia-schoolshooting bezieht, diesen gar als „Gott“ bezeichnet), nicht unbedingt für die Schlechteste Idee. Einzuschränken, nicht abzuschaffen.

  11. Warnung: Bitte lesen Sie diesen Kommentar nur, wenn Sie nichts allzu ernstes erwarten. Es handelt sich um den spontanen Humor eines Genervten.

    “Laut Bartels waren bei allen bekannten Amokläufern 42 Faktoren identisch. Nur einer davon war der Konsum des Spiels CSS.”

    Ich würde sogar von 43 ausgehen, wenn man Brotkonsum berücksichtigt. Auch verbieten! Außerdem versteh ich nicht, was Politiker gegen Cascading Stylesheets (CSS) haben. Ich wette, das benutzen auch einige von denen. Moment.. 42 Faktoren, 42 Taten.. Verschwörung? o.0 Ein kleiner Insider noch zum Schluss: Fehlen noch 5 andere Zahlen und das ganze wird zur Marketing-Kampagne für die Insel. Den zu offensichtlichen Anhalterwitz spare ich mir.

  12. Also was die Rede des Herrn Köhlers betrifft… bei mir kam vor einer Std. im Radio, dass er die Medien ermahnt habe, Amokläufer als Helden hinzustellen (was ja in der Vergangenheit immer wieder geschehen ist; wenn auch nur unwissentlich). Die einzige Forderung die er stellte waren klare Regeln für die Berichterstattung nach solchen Taten um zu vermeiden, dass neue Nachahmer zu ähnlichen Taten verleitet / annimiert werden. Soweit meine neuen Infos zu dieser Sache. Hoffe ich konnte damit ein wenig Licht ins Dunkel bringen, auch wenn dies natürlich nicht alles gewesen sein muss – vielleicht hat er ja noch mehr gesagt, aber der Beitrag schien dann nach diesen Aussagen zu enden… hab Extra an der Ampel gewartet, damit ich nichts verpasse – währe nämlich noch knapp durchgekommen :) .

  13. Solange sich der werte Köhler nicht wieder auf Sachen rumhackt von denen er keine Ahnung hat und seinen Vorgänger nur zitiert um ihn zu wiederlegen. -_-

  14. @The_Real_Black:
    Das ist echt, ja, darüber hatte ich mich schon vor Monaten ausgelassen weil in den anschließenden „Empfehlungen“ trotzdem verschärfte Regeln für Videospiele gefordert werden (obwohl klar festgehalten wird, dass es keine Erkenntnisse gibt, polizeiliche oder von wissenschaftlicher Seite, dass es irgendetwas positives bewirken würde), zusätzlich Netzsperren à la „Zensursula“ für den Jugendschutz und eingeschränkter Datenschutz für „auffällige“ Schüler – als „auffällig“ zählt man bereits bei einem alternativen Musikgeschmack oder Kleidungsstil.
    Link zu meinem damaligen Kommentar: http://stigma-videospiele.de/wordpress/?p=2861#comment-20364

  15. @GreenNinja: das Gesetz. Darf der Bundespräsident, nur weil ihm das Gesetz nicht passt, eine Unterschrift verweigern obwohl seine Bedenken ausgeräumt sind? Oder ist er verpflichtet es dann irgendwann zu unterschreiben? Denn die Koalition hatte ja soweit ich weiß zwar mal gesagt sie wolle das Ding nicht mehr, aber haben die auch förmlich das Gesetz zurückgezogen?

  16. @Mars
    Natürlich darf er seine Unterschrift verweigern, eine Zwangsverpflichtung zur Unterzeichnung eines Gesetzes existiert nicht, zumindest nicht in einer Demokratie, wenn der Bundespräsident sagt ich unterschreibe das nicht ist das sein gutes Recht anders herum darf man natürlich keine Gesetze nach Gutdünken erlassen.

  17. Ich kenne mich nicht wirklich gut in dem Gebiet aus, aber ich glaube nicht, dass der BuPräd gezwungen ist, es zu unterschreiben. Wo läge denn da der Sinn darin.
    Was mich halt so anpisst, ist das er das Gesetz unterzeichnet hat, nachdem nicht nur die Regierung gesagt hat, die lassen das jetzt mal sein, sondern auch sein Gästebuch Tagelang voll von Kommentaren gegen das Gesetz waren.

  18. In einem Kommentar schrieb jemand: „Der Bundespräsident MUSSTE das Gesetz unterschreiben. Wie Juristen es so schön sagen, hat er nämlich kein materielles Prüfungsrecht bei vom Bundestag verabschiedeten Gesetzen. Er darf lediglich prüfen, ob das Gesetz formfehlerfrei erlassen wurde.“ Wenn er tatsächlich nicht unterschreiben müsste hätte er ein uneingeschränktes Veto-Recht, das wäre auch ganz schön krass, denn dann wäre der Bundespräsident extrem mächtig.

    http://www.bundespraesident.de/Amt-und-Funktion/Wirken-im-Inland-,11047/Amtliche-Funktionen.htm ist die offizielle Seite, was da steht würde ich auch so interpretieren.
    (sorry, hätt ich vorher nachgeguckt hätt ich eigentlich hier nicht fragen brauchen)

  19. Dort steht aber explizit der Bundespräsident hat nicht nur ein formelles sondern auch ein materielles Prüfungsrecht. Super jetzt bin ich vollkommen irritiert.

    Zitat:?Nach der Staatspraxis und der herrschenden Meinung umfasst dieses Prüfungsrecht sowohl formelle Gesichtspunkte (Zuständigkeits- und Verfahrensvorschriften) als auch materielle Fragen (Grundrechte, Staatszielbestimmungen, Staatsorganisationsrecht).?

  20. Das Netzsperrengesetz war mangels Gesetzgebungskompetenz des Bundes ohnehin formal verfassungswidrig. Das Gesetz fällt unter die Gefahrenabwehr, die Ländersache ist, das Wirtschaftsministerium aber gehört zum Bund.
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    Meinen scharfen Angriff auf den FOCUS oben nehme ich zurück, Herr Köhler hat das tatsächlich gesagt.

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