US-Gamer planen Widerstand

(VGVN, via PCGames) In der Vergangenheit sind Versuche einzelner US-Bundesstaaten den Verkauf bestimmter Videospiele an Minderjährige zu verbieten regelmäßig an den jeweiligen Gerichten gescheitert. Kalifornien wollte sich damit nicht zufrieden geben und konnte eine Anhörung vor dem Supreme Court erreichen, die von Gamern, Publishern und Entwicklern kritisch betrachtet wird. Sollten Verkaufsbeschränkung zugelassen werden, könnte sich das Medium nachhaltig verändern. Warren Spector fasst die Ängste zusammen und ruft dazu auf sich am „VGVN Day of Action“ zu beteiligen:

„Dear Friends,

Computer and video games are art, a form of artistic expression deserving of and, currently, protected by the First Amendment.

That hasn’t stopped states though from trying to restrict the rights of our medium’s artists, storytellers, and technical innovators. On November 2, the Supreme Court will hear arguments on the constitutionality of a California law that would restrict the sale of video games. This is a case of great significance to you and me — to all people who play or create games and believe in the First Amendment.

Let’s not beat around the bush — if the Court’s ruling goes against us, this law could lead to the future censorship of games, could irrevocably harm developers and would validate the absurd notion that video games are somehow a lesser form of creative expression.

We must act now. On October 19, I’m asking you to join me in urging all of your friends and co-workers, real-world or virtual, to stand up for video games by joining the Video Game Voters Network, an advocacy group fighting for their First Amendment protection.

Many people, including some of my personal heroes, like Stan Lee, have already encouraged us to take a stand. Now is the time for gamers to come together and spread the word through our social networks. Now is the time to ask every gamer we can reach to stand up with us and protect our First Amendment rights.

Here’s the link: Video Game Voters Network: No Censorship

Thank you for considering this call to action.

— Warren Spector“

(Dank an Pirat72)

19 Gedanken zu “US-Gamer planen Widerstand

  1. „law could lead to the future censorship of games“
    Hippyyy… oh mist nur in den USA bei uns gibt es die Gesetze schon lange. *heul*
    Eins sollten wir bei uns auch beachten „We must act now“!

    Bei einer TV-Debatte gestern um S21 hat man einen interesanten Punkt angesprochen warum es bei uns keine Volksentscheide gibt. Viele Politiker befürchten „aufgrund der Geschichte“ Deutschlands, dass die Bürger nicht in der Lage sind etwas selbst zu entscheiden… wie dies aber dann eine kleine Gruppe von Bürgern, die Politiker, können soll ist ein Gedankenfehler welcher seines gleichen sucht. Wenn man jetzt mal von Volksentscheiden weggeht erkennt man, dass den Deutschen in allen Bereichen nicht nicht getraut wird für sich selbst zu entscheiden und auf sich selbst aufzupassen. Die Zensurbehörden sind ein daraus entstandenes Problem.

    Bach2Topic:
    Wir bräuchten auch so eine Aktion bzw eine Person die offen dazu aufruft.

    Happy Widerstand!

  2. Das eingangs ist ein Punkt den ich bemerkenswert finde und irgendwie immer noch nicht verstehe: mich erinnert das ein wenig daran wenn die USK Spiele mit Hakenkreuzen ablehnt. Weil Videospiele in Deutschland nicht unter diesem Schutz, einem wie bei Filmen, stehen würden: ich weiß schon, dass ein Olaf Zimmermann da auch etwas anderes behauptet, aber das ist aus meiner Sicht nachweislich Unsinn – es geht um diese Zeile

    „Computer and video games are art, a form of artistic expression deserving of and, currently, protected by the First Amendment.“

    Es wird sich offenbar gefürchtet, dass eine Gesetzesänderung genau daran etwas ändern könnte. Wo Videospiele genau diesen Schutz jedoch bereits inne haben ist mir weiterhin unklar. Auch wo sie ihn dadurch verlieren würden, denn auch sexueller Ausdruck steht seit den 1970er Jahren zumindest doch unter dem First Amendment – seit den Umbrüchen mit Larry Flynt zum Beispiel. Oder vorher noch mit Lady Chatterley’s Lover.
    Bestimmte Dienstleistungen können in den USA schließlich schon leichter untersagt werden als Ausdrucksformen.
    Als Europäer ist die Vorstellung Spectors für mich ergänzend dabei ehrlich schon ein wenig verlogen: aus europäischer Sicht gibt es ja einige Beispiele wo gerade US-Versionen zensiert werden mussten oder Probleme verursacht haben. Um Hot Coffee hat in Deutschland kein Hahn gekräht, wenn nicht das ZDF oder wer sich kurz mal einbilden hat müssen darin würde vergewaltigt werden… Ein Larry MCL konnte in den USA ebenso wenig einfach unzensiert erscheinen wie der deutsche „Sims“-Klon Singles keine Freigabe unter dem gefürchteten AO erhalten hat. Die Diskussionen um „Mass Effect“, „Army of Two“ etc. könnten lächerlicher kaum gewesen sein. So geben die USA auch eine Zensur-Norm schon mit vor, eine Scheere im Kopf, gerade wenn es um erotische Darstellungen geht: da gibt es dann das obligatorische Sex-Minispiel in jedem „God of War“ als das höchste der Gefühle.

  3. Schade, dass das nicht in Deutschland möglich ist, aber hier hat man ja diese Stock-im-Arsch-Mentalität.

    Ich hoffe nicht, dass das Gesetz da durchgeht.

  4. in deutschland wären aber auch kaum entwickler betroffen. wenn in amerika zensiert wird, gibt es für uns auch kein „unzensiert aus dem ausland“ mehr, macht ja sinn irgendwo.

  5. In den USA wird es keine verbindlichen Altersfreigaben für Computerspiele geben, 1.) dank des sog. „First Amendment“ und 2.) weil gem. US-amerikanischem Recht eine „Jugendbeeinträchtigung“ oder gar „-gefährdung“ nicht (wie in der BRD) simpel behauptet werden kann, sondern konkret „bewiesen“ werden muss; Albert GLASER: „Nicht das abstrakte Gut des Jugendschutzes kann da in Prozessen verhandelt werden, sondern nur konkrete Schädigungen identifizierbarer und identifizierter Personen.“
    Das ca. halbe Dutzend der Gesetze in den USA, zur Forcierung verbindlicher Alterfreigaben, wurde bis dato von den diversen Gerichten gem. 1.) als verfassungswidrig klassifiziert. Das Spiele den Schutz des „First Amendment“ genießen, bestätigte auch das supreme court selbst in einem ähnlichen Fall in Indianapolis 2001. Ich sorge mich nicht…

  6. @frontal21
    Meines Wissens nach funktioniert es bei Sexualität eben auch nicht (mehr) – dennoch frage ich mich warum dann diese Anhörung(en). Und die ganze Aufregung – bekomme ständig Post mit Hinweisen darauf.
    Alles Hysterie?
    Der Hauptgrund dagegen ist aus meiner Sicht ja, dass hier offenbar einseitig gegen Games vorgegangen werden soll – im Gegensatz zur Jugendschutznovelle 2003 in Deutschland wo FSK und USK betroffen waren sind Filme nach allem was ich weiß überhaupt nicht im Blickpunkt. Es ist ja nicht von der Hand zu weisen, dass die Videospielindustrie gegenüber der Filmindustrie in den letzten Jahren aufgeholt hat – ein Exempel gegen die Videospielindustrie kann ich mir allein deshalb schon nicht richtig vorstellen. Auch sehe ich eher mehr Anerkennung als weniger – Cliff Bleszinski stellte in einer Late-Night-Show des Fernsehens ein neues, davon theoretisch in jedem Fall betroffenes, Game vor, usw.

  7. @Vic: Ich habe den Eindruck die meisten amerikanischen Fach-Journalisten sind da deutlich besorgter. Auch angesichts der Tatsache, dass bisherige Versuche in die Richtung gescheitert sind.

  8. Das wirklich lästige an diesen Gesetzen ist die Adaption des „Miller-Test“, wie er bei Pornographie Anwendung findet (der einzigen Sorte Rede, die nicht durch die Redefreiheit voll geschützt wird). Dadurch sind die Kriterien erstens unglaublich schwammig, weil sie sich an „vorherrschenden Standards der Gesellschaft“ orientieren, und zweitens treffen sie aufgrund der Bestimmung „lacks any serious literary, artistic, political or scientific value“ sowieso auf praktisch nichts zu.

  9. @Kranki
    Danke für den Hinweis auf diesen Test. Ich dachte ja bislang, dass versucht werde – ähnlich wie es deutsche Kritiker der Ausdrucksform Videospiel auch tun – über den interaktiven oder zumindest partizipativen Charakter von Games da etwas zu erreichen. Der (historische) Miller-Test selbst geht dem hingegen aber ja auch nur über die bloße Darstellung von Unanständigkeit

  10. Die Interaktivität werden die schon noch für die Begründung heranziehen müssen, wenn sie am Equal Protection Clause (14th Amendment) vorbei wollen. Da müssen die nämlich erklären, warum Videospiele betroffen sind und alle anderen Darstellungsarten von Filmen bis zu Comics und Büchern nicht.
    Diese Gesetze sind alle so miserabel gestrickt, dass sie meist gleich an drei oder vier Stellen auf einmal haken.

  11. @ Kranki

    Im Prinzip tangiert auch der Miller-Test das First Amendment nicht, da auch dieser nicht den Besitz von Pornographie strafbar machen kann. Wurde auch schon mehrfach festgestellt.

    Abgesehen davon stellt sich die Frage, wie konkret so ein „Gesetz“ aussehen soll, falls Arni Erfolg haben sollte. Hey der Supreme Court hat auch die Jim Crow Laws abgenickt (wurden ja erst hundert Jahre später aufgehoben), man sollte also das Risiko einkalkulieren, dass hier auch gegen das 1st Amendment geurteilt wird.
    Also wie soll sowas aussehen? Ein Bundesgesetz wird es wohl nicht werden, die States würden dem Bund nen Vogel zeigen. Der Millertest gilt nur für die jeweilige „Community“, und dieser ist auch sehr spezifisch was die Auswahl des „average Citizen“ dieser Community ausmachen muss. Also ist nicht mal klar, ob es überhaupt Gesetze der States werden könnten, da analog dazu der Millertest auf Countys und Städte angewendet wird. Wie soll man denn erklären dass dies hier nicht der Fall sein soll?
    Fragen über Fragen, aber es ist doch sehr wahrscheinlich dass dieser Fall nicht eintritt.

  12. „Im Prinzip tangiert auch der Miller-Test das First Amendment nicht, da auch dieser nicht den Besitz von Pornographie strafbar machen kann. Wurde auch schon mehrfach festgestellt.“

    Natürlich berühren die Pornographie-Regelungen das First Amendment. Ich kann mich doch nicht hinstellen und sagen „das betrifft Redefreiheit nicht, weil man die Rede zwar nicht mehr äußern darf, aber immerhin noch besitzen“. In dem Moment, wo ich jemandem etwas nicht zeigen darf, wird das First Amendment berührt. Das wird auch in den USA nicht grenzenlos aufgefasst („Feuer!“ im vollen Theater ist das klassische Beispiel), aber „tangiert nicht“ ist ein wenig zu kurz gegriffen.

    Ein großer Unterschied zwischen dem deutschen und amerikanischen Verständnis von Jugendschutz ist auch, dass in den USA Jugendliche genau dieselben First Amendment Rechte haben wie alle anderen auch. Es ist dem Staat untersagt, die Redefreiheit einzuschränken. Das gilt gegenüber Jugendlichen nicht weniger als gegenüber allen anderen. Bei uns folgt nach der Meinungsfreiheit noch ein „diese Vorschriften finden ihre Schranken blabla“, in den USA ist das (klugerweise) nicht so. Da kommt danach ein Punkt. „No law means no law.“ Es steht jedem frei, bestimmte Schriften nicht an Jugendliche zu verkaufen, aber es steht keiner US-Regierung zu, Jugendlichen vorzuschreiben, was sie sehen dürfen und was nicht. Pornographie hat da momentan eine einzigartige Sonderstellung.

    Entsprechende Bundesgesetze wurden übrigens auch schonmal eingebracht, hat man aber immer in irgendwelchen Ausschüssen verhungern lassen.

  13. @frontal21
    Weil Sexualität in manchen Formen als „Obszönität“ (im rechtlichen Sinne) ausgelegt werden kann, und diese dann nicht – oder nur eingeschränkt – unter dem Schutz des First Amendments steht. Das ist eine der wenigen Ausnahmen, die aber auch sehr stark eine Auslegungssache ist. In Deutschland ist z.B. inzwischen Anschein-Pornographie illegal, wozu z.B. auch die Darstellung Minderjähriger durch Computergrafiken zählt. In den USA wurde ein Teil eines ähnliches Gesetz für verfassungswidrig erklärt, da niemand tatsächlich zu Schaden kommt.

    Und was als obszön gilt hat sich über die Jahrzehnte sehr stark geändert. Der absolut einzige Grund weshalb die FCC-Regelungen für die Fernsehzensur noch verfassungskonform sind, ist die stark gestiegene Bedeutung des Pay-TV und Kabelfernsehens in den letzten 25 Jahren. Es ist in den USA nicht unmöglich etwas zu verbieten. Was aber nicht möglich ist, sind Totalverbote wie in Deutschland. Es müssen alternative Wege existieren um an das Material zu kommen. Wenn heute jemand Gewalt und Sex im Fernsehen will, kann er ohne Probleme Dutzende TV-Sender abonnieren, die genau das bieten (und wo sowieso viele der besten Programme laufen, auch wenn sie nicht die populärsten sind). Dem terrestrischen Fernsehen wurde aber, da es frei empfangbar ist, schon immer eine Sonderstellung eingeräumt. Das wird nicht zwangsläufig immer so sein.

    Die Zensur von diversen Sex-Szenen in Spielen ist übrigens nirgends durch irgendwelche Gesetze legitimiert. Das ESRB hat das lediglich so mit Zwang durchgesetzt, da ein AO-Rating gewissermaßen einer Indizierung gleichkommt.

  14. ich bin froh, dass es bei uns keine „regulären“ volksentscheide gibt, denn sonst hätten wir bestimmt nach winnenden schon ein komplettes verbot von „+18“ games, nach all den lügen und falschen berichten über den täter und das medium videospiele an sich.
    die usa sind mit ihren urteilen eh etwas komisch und erheblich komplizierter als wir deutschen.
    zumal sie dort sehr auf das in der verfassung garantiere recht auf „meinungsfreiheit“ setzen, wo sich künstler z.B. oft berufen durften.
    allerdings garantiert dies keine freie auslebung von pornographie und extremer gewalt, weshalb man schon gespannt sein darf wie es dort ausgehen wird.

  15. Die ganzen Sachen mit Meinungsfreiheit, Due Process oder Equal Protection sind bis zu einer bestimmten Ebene gar nicht so kompliziert wenn man sich mal damit beschäftigt. Das Ganze ist unendlich strukturierter und verständlicher als die gesamte vergleichbare deutsche Rechtsprechung. Es gibt bestimmte Präzedenzfälle, die man je nach Thema heranziehen kann. Und wenn es um den Schutz von wichtigen Rechtsgütern geht, gibt es ein paar feste Standards und Tests denen ein Gesetz standhalten muss. Diese werden dann Schritt für Schritt abgearbeitet. Kompliziert wird es erst in den Details oder wenn es wirklich um Grauzonen und Grundsatzfragen geht, wo es Auslegungssache ist wie man diese Standards anwendet (oder wenn erst mal entschieden wird ob z.B. „intermediate“ oder „strict scrutiny“ anzuwenden ist). Aber wenn es um Computerspiele geht, ist die Sache eigentlich ziemlich eindeutig und die bisherigen Urteile waren alle recht ähnlich.

    Abgesehen von prozeduralen Details (die man meistens überspringen kann) finde ich US-Urteile auch viel verständlicher geschrieben als das hiesige Juristen-Deutsch. Manche Richter und Anwälte zeigen sogar Humor in ihren Urteilen und Schreiben. Manchmal merkt man sehr deutlich, wenn einem Richter z.B. die Argumenten oder das Auftreten von Anwälten nicht passt und diese im Urteil dann regelrecht eine auf die Finger geklopft bekommen.

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