Antisemitismus in GTA IV?


(rp) In der Diskussion um fragwürdige Inhalte bestimmter Videospiele hatte sich Regine Pfeiffer zuletzt mit einem Beitrag bei FrauTV zurückgemeldet. Darstellung und Bewertung der angesprochenen Beispiele sind bei vielen Gamern und auch bei fersehkritik.tv auf wenig Begeisterung gestoßen. Eine gewisse Überspitzung erfuhr der Clip auch dadurch, dass relativierende Aussagen es nur in die Begleitlektüre geschaft haben. Nichtsdestotrotz ist unter anderem zwischen GreenNinja und Frau Pfeiffer ein Dialog über den Beitrag entstanden. Nun wurde eine Stellungnahme zu der im Gästebuch von FrauTV veröffentlichten Kritik veröffentlicht.

Hierbei wird auch auf eine Thematik eingegangen, mit der sich Frau Pfeiffer bereits in der Vergangenheit beschäftigt hat: Antisemitismus in GTA IV. Als Beispiel hierfür wird unter anderem ein auf einer Mauer sitzender Jude angeführt. Dieses Arrangement lässt sich offenbar nur dadurch erklären, dass hier „gezielt Gewalt gegen Juden ausgeübt“ (von der Mauer stoßen) werden soll:

„[…] Auch wenn Sie beteuern, dass Spieler nicht gezielt Gewalt gegen Frauen ausüben. Schon allein die Option reicht. Sie halten es ja auch nicht für möglich, dass gezielt Gewalt gegen Juden ausgeübt wird. Wird es aber doch. […] Ich habe kürzlich weitere gefunden, aber leider die Links nicht archiviert.

2. Der alte Jude auf der Brücke

http://www.youtube.com/watch?v=Ktch-4G4Yws&has_verified=1

Sie hatten verschiedene Erklärungen dafür gefunden, dass der alte Jude hier auf dem Brückengeländer sitzt. Ohne, dass Sie das Bild gesehen hatten, waren Sie der Meinung, hier würde sich jemand ausruhen. Schauen Sie es sich an und geben Sie mir EINEN vernünftigen Grund für das Arrangement. Der Jude sitzt hier ausschließlich, um rassistische Gewalt zu ermöglichen. Welchen realistischen Grund sollte es sonst für diese absurde Platzierung geben? Offensichtlich fanden auch andere YouTube Nutzer diese Szene anstößig: Heute liest man auf der entsprechenden Seite: „ Dieses Video bzw. diese Gruppe enthält möglicherweise Inhalte, die für einige Nutzer unangemessen sein können, und wurde daher von der YouTube-Community gemeldet. […]“

Wie es der Zufall so will hatte ich mir fünf Jahre keinen neuen PC mehr gekauft, so dass ich seit einer Woche mit einem neuen Rechner (fast noch) aktuelle Titel spielen kann. Darunter befindet sich auch GTA IV, so dass ich mich nach dem entsprechenden Hinweis im Forum auf die Suche nach dem alten Juden auf der Brücke gemacht habe. Die richtige Stelle – keine Brücke, sondern eine Mauer am Meer – konnte ich finden, aber ich habe anfangs keine Person angetroffen. Auch Nachts war niemand zu sehen, so dass ich den Versuch schon aufgegeben hatte. Als ich gerade einen Auftrag erledigen wollte, saß aber plötzlich doch jemand auf der Mauer: Ein weißer etwas korpulenter Mann. Durch meinen waghalsigen Fahrstil aufgeschreckt sprang er jedoch runter und suchte das Weite. Bei späteren, etwas vorsichtigeren Annährungsversuchen, konnte ich aber doch einige Screenshots schießen, die oben angesehen werden können. Freilich bin ich beim dritten Versuch auch einen Juden begegnet (2. Bild), ansonsten waren aber auch alle möglichen anderen Personen anzutreffen. Geladen wurde immer derselbe Spielstand.

So macht es auf mich nicht den Eindruck, dass hier „gezielt Gewalt gegen Juden ausgeübt“ werden soll. Selbst auf allgemeine Gewalt – die Idee mit dem Herunterschubsen – wäre ich nicht gekommen. Angesichts dieser Ergebnisse Frage ich mich, wie oft von Frau Pfeiffer verifiziert wurde, dass an dieser Stelle immer und nur ausschließlich ein Jude anzutreffen sei. Des Weiteren wirft auch die von ihr als einzig möglich erachtete Schlussfolgerungung doch einige Fragen bezüglich der Perspektive auf, mit der sie sich durch die virtuelle Welt von Liberty City bewegt. Frau Pfeiffer habe ich meine Erkenntnise geschildert, was sie interessiert aufgenommen hat.

Zur Stellungnahme

58 Gedanken zu “Antisemitismus in GTA IV?

  1. @ Booomboy
    Ich könnte mir vorstellen, dass er das getan hat und die Polizei ihm sagen musste, dass die getätigten Äußerungen nicht für eine Strafverfolgung reicht. Ist ja auch immer Interpretationssache. Kann mir vorstellen, dass Herr Berg in so manche zweifellos unagebracht formulierte Äußerung einiges reingelesen hat. Aber das ist alles Spekulation.

  2. 1. Um ein geflügeltes Wort einzubringen: Es stellt sich auch die Frage, was man sieht, wenn man jemanden sieht: Ist beispielsweise der jüdische Arzt in erster Linie ein Arzt, der zufällig jüdisch ist, oder ein Jude, der den Beruf des Arztes ausübt?
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    2. Im Hinblick darauf glaube ich, daß Regine Pfeiffer zumindest einen deutlichen Tunnelblick an den Tag legt. Sie folgt dabei Mechanismen, die tatsächlich auftreten, wenn Menschen als Minderheiten wahrgenommen und ausgegrenzt werden. Nämlich: Man beobachtet „den Anderen“, den man als „fremd“ wahrnimmt, ganz genau, achtet peinlich genau auf jede Äußerung, und interpretiert diese stets seine erste Einschätzung bestätigend: man habe es doch gleich im Gefühl gehabt. Also in dem Zusammmenhang, den man selbst als am schrecklichsten ansieht, etwa: das sei Antisemitismus.
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    So lief es im kleinen wie im großen immer: Auf dem Dorf war es zum Beispiel erforderlich, eine gewisse Fassade von Moral aufrechtzuerhalten. Jemand, der nicht Mitglied des Schützenvereins war, nicht in die Kirche ging, oder dessen Tochter ein uneheliches Kind erwartete, wurde als „Fremdkörper“ oder als „unmoralisch“ wahrgenommen, schief angesehen oder geschnitten.
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    3. Man kann das Ganze sogar noch aus der Sicht anderer Medientheorien, etwa der Theatertheorie betrachten. Als Vorbild hierfür könnte man vergleichende Betrachtungen verschiedener Medien oder Kunstformen nennen, die in der Vergangenheit betrieben wurden, beispielsweise zwischen Oper und Roman. Und in Schillers Theatertheorie („Die Schaubühne als eine moralische Anstalt betrachtet“) heißt es eben auch, daß sich handelnde Figuren keineswegs nur moralisch verhalten dürften. Auch die Wahl unmoralischer Handlungsmöglichkeiten sei moralisch, bzw. sagt ja auch diese etwas über das Menschsein aus.

  3. Gott das ist doch nurnoch lächerlich… wofür wurden hier eigentlich wochen an zeit verschwendet mit ihr im forum zu diskutieren?

    Das grenzt doch schon an fanatismus wie sehr man hier den eigenen pornografischen blick verteidigt und als „einzig wahre meinung“ darstellt. Eine mauer auf der zufällige NPC’s sitzen, manchmal sitzt nunmal auch eine „jüdisch aussehende“ person an dieser stelle. Der erste gedanke? Die kann man runterschubsen! Das ist ja total antisemitisch! Das dies aber ein random spawnpunkt ist wo so ziemlich jedes charakter model sitzen kann wird einfach mal ignoriert.

    Ich finde man sollte diese dame einfach boykottieren… keine news mehr über das geschwaffel. Dann bleibt der blödsinn zumindest in ihren eigenen fanatischen kreisen und bekommt keine publicity.

    Hatte ja die hoffnung das hier jemand ernsthaft diskutieren will und alle seiten sehen will, aber in letzter zeit zeigt sich wohl doch das Frau Pfeiffer weder diskutieren noch alle seiten sehen will. Es geht hier nur darum ihre eigene übertriebenen moralvorstellungen anderen aufzuzwingen.

  4. Als Frau Pfeiffer hier im Forum unterwegs war, ging es ihr hauptsächlich um MMORPGs und deren Suchtpotenzial, und besonders um WoW.
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    Mir drängt sich der Verdacht auf, sie hoffte hier ein Forschungsobjekt zu finden. Irgendein etwas unbedarftes Kiddy was sinngemäß sagt: „Ich zocke täglich 12 Stunden WoW, ist aber alles kein Problem, ich bekomme das mit der Schule und dem Rest vom RL schon irgendwie gebacken. Meine Freunde sind ja auch alle bei WoW.“

  5. Ich musste bei Ninjas 10. Punkt lachen. xD
    „10. Die BPjM würd ich gerne mal besichtigen gehen. Mit einem Einkaufswagen.“

    Kleines Toy R Us vermute ich für so manchen titel ;)

  6. Mich erinnert Frau Pfeiffer in ihrer Methodik etwas an Tipper Gore in den Achtzigern. Frau Gore (Ehefrau von „Eine unangenehme Wahrheit“ Gore) hat damals mit ihrer Organisation PMRC versucht die Zensur von „unmoralischer Musik“ durchzusetzen (was damals überwiegend Heavy Metal und Rap, aber auch z.b Madonna war).
    Sie suchte derart verbissen nach schlimmen Inhalten dass sie sogar in Songs über Halsoperationen Anleitungen zum Sado-Maso Sex sah.
    Das zeigt mir doch deutlich, das derjenige das findet was er auch verbissen sucht. Genau wie viele ständig nach UFOS aussch halten sie auch finden.

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