Offener Brief an Frau Pfeiffer

Eigentlich könnte man sich angesichts des Ausmaßes mancher Reaktionen die Frage stellen, ob Kritiker von Videospielen nicht mehr Aufmerksamkeit erhalten, als sie verdienen. Allein durch mehr oder weniger erboste Zuschriften können sie sich gegenüber der Öffentlichkeit als couragierte Bürger profilieren, die trotz aller Widrigkeiten an einer besseren Gesellschaft arbeiten. Die Alternative – nämlich nichts zu tun – könnte jedoch nicht weniger gefährlich sein. So würde nicht nur das Bild eines gesellschaftlicher Konsens über die Berwertung mancher Darstellungsformen entstehen, sondern die Bildung der öffentlichen Meinung würde ohne jeden Widerstand den Anklagen der Kritiker überlassen werden – mit allen Absurditäten. Patrick – Vicarocha – Portz hat sich dagegen entschieden und in unserem Forum einen offenen Brief zu der Sendung von „FrauTV“ verfasst:


„Frau Pfeiffer,

mit Mühe und Not konnte ich mich selbst hindern, Ihnen einen Kommentar bzgl. der fraglichen frauTV-Sendung zu schreiben. Es rumorte in mir, die Sendung war eine unsägliche, bigotte, dekontextualisiernd-pornographische (und z.T. faktisch falsche) Diabolisierung diverser Spieleinhalte. Ich litt gar psychische Schmerzen… aber ich hinderte mich. Ihr aktueller Kommentar läßt mir aber keine andere Wahl, als Ihnen einen offenen Brief zu schreiben. Die Unzahl der Probleme und Mängel Ihres Kommentars läßt in mir die Frage keimen, wo und wie ich anfangen und was ich alles thematisieren soll… oder ob ich mir überhaupt die Mühe machen soll. Aber „Hier stehe ich und kann nicht anders!“, ich muss Ihnen einfach antworten, möchte meinen Brief aber auf die Thematisierung der eklatantesten Defizite reduzieren…

Zum Thema GTA IV:

Natürlich ist es z.B. in GTA IV möglich, bspw. gezielt „Gewalt“ gegen Frauen, Juden, Afroamerikaner, Asiaten, bärtige Männer oder behutete Rentnerinnen auszuüben. Aber keine der Verhaltensweisen wird spielintern „forciert“, zu keiner wird der Spieler spieleimmanent motiviert. Wie der Spieler im Spiel agiert, obliegt dem Spieler selbst. Das z.B. ein antisemitischer Spieler u.U. gezielt „Gewalt“ gegen Juden ausübt (s. die youtube.com-Videos), ist nicht das Problem und kann es nicht sein; das ist eine mögliche virtuelle Verhaltenskonsequenz einer Prädisposition der Spieler, keine spezifische Problematik des Spieles, seiner Inhalte und Aktionspotenziale. Es ist z.B. auch möglich, zu versuchen Fahrzeuge gem. der dt. StVO im Straßenverkehr zu manövrieren, von Hochhäusern zu springen, mit Hand- und Faustfeuerwaffen in die Luft zu schießen oder den eigenen Avatar vor einer Wand zu „parken“. Das sind die Potenziale und Konsequenzen einer u.a. an Immersion orientierten virtuellen Realität (man mag es nicht glauben, aber auch Frauen, Juden und gar jüdische Frauen bevölkern US-amerikanische Großstädte). Sie argumentieren pauschal (d.h. ohne Würdigung und Differenzierung ästhetischer, narrativer, symbolischer Funktionen und Kontexte der Verhaltenspotenziale), dass diverse Verhaltenspotenziale illegitim seien; bzgl. GTA IV bspw. die Möglichkeit, gezielt „Gewalt“ gegen Frauen auszuüben. Bzgl. Bioshock monierten Sie, dass die Spieler die Qual der Wahl einer moralischen Entscheidung haben: Die Little Sisters „ernten“ oder „befreien“………
Was wären die Alternativen? Frauen, Juden, Afroamerikaner, Asiaten, bärtige Männer und behutete Rentnerinnen etc. in GTA IV „löschen“, die „Befreiung“ der Little Sisters in Bioshock als einzige „Option“. Das würde in ersterem Fall die Immersion ad absurdum führen; in beiden Fällen ist das Postulat einer Verhaltensoptionsreduktion ein Plädoyer eines naiven Medienpazifismus, der jede moralische Ambivalenz und Kontroversität, jede „Irritation“ subjektiver Normen der sich Empörenden in Spielen eliminieren will. Die Postulierung von (wenn nicht gesetzlichen, dann z.B. moralisch oktroyierten) Thematisierungs- und Darstellungsverboten [die nicht auf Kinder und Jugendliche beschränkt sind, wie Sie bzgl. Heavy Rain (s.u.) demonstrieren]… der Tod eines kreativen Mediums. Und ein Zeugnis einer extrospektiven Orientierungslosigkeit in den Referenzkosmen der Computerspiele, ihrer narrativen, symbolischen, ästhetischen und spielmechanischen Funktionen, sowie der mangelnden Prospektion in die Potenziale des Mediums Computerspiel. Es ist (simpel formuliert) absurd, die Gültigkeit „unserer“ Normen, Werte, Moral, Ehtik, der (dt.!) Gesetze u.ä. in fiktionalen Realitäten forcieren zu wollen. Man fordert z.B. von Dystopien, dass sie nicht dystopisch sein sollen, von historischen Szenarios, dass in diesen z.B. aktuelle Standards des Rechtsprechung gültig sein sollen… etc.; heile virtuelle Welten. Das ist der Tod der Fiktion.

Einem Medium Restriktionen oktroyieren zu wollen, weil es in einer fiktiven, virtuellen Realität z.B. Verhaltenspotenziale bietet, die in der Realität praktiziert den zivilisatorischen Konsens gefährden würden, aber als virtuelles Verhalten in einer fiktionalen, virtuellen Realität keine (vergleichbaren) Konsequenzen für die Realität bieten, ist m.M.n. absurd und gefährlich und de facto eine Gefährdung einer liberalen, demokratischen Gesellschaft.

Den (ironischerweise) der exponierten Kritik der Option „Gewalt“ gegen Frauen und Juden in GTA IV ausüben zu können inhärenten Sexismus und Rassismus möchte ich selbst nicht isoliert thematisieren, sondern sie (abermals) zur Selbstreflexion animieren; quasi eine Sakrosanz von Frauen und Juden in Spielen zu propagieren, „Gewalt“ gegen sie exponiert zu kritisieren, wo „Gewalt“ gegen sie im Spiel selbst nicht exponiert ist, ist eine eigene Form von Sexismus/Rassismus…

Bzgl. des Themas Rassismus bieten Sie selbst den Absatz „Der alte Jude auf der Brücke“ und schreiben: „Sie hatten verschiedene Erklärungen dafür gefunden, dass der alte Jude hier auf dem Brückengeländer sitzt. Ohne, dass Sie das Bild gesehen hatten, waren Sie der Meinung, hier würde sich jemand ausruhen. Schauen Sie es sich an und geben Sie mir EINEN vernünftigen Grund für das Arrangement. Der Jude sitzt hier ausschließlich, um rassistische Gewalt zu ermöglichen. Welchen realistischen Grund sollte es sonst für diese absurde Platzierung geben?“
Das ist eine der eklatantesten Demonstrationen einer pornographischen Perspektive, die ich bis dato lesen musste… Sie meinen, „Der Jude“ sitze ausschließlich auf der Brücke, „um rassistische Gewalt zu ermöglichen.“ In den ersten beiden Sätzen realisieren Sie selbst, dass diverse Kommentatoren in Gästebuchbeiträgen (in Ihrem Gästebuch) alternative Erklärungen, bzw. „Gründe“ für das „Arrangement“ gefunden hatten. Im dritten, vierten und fünften Satz artikulieren Sie aber, dass bspw. einer der simpelsten Gründe, das Ausruhen, unrealistisch sei und negieren pauschal-salopp jede alternative Erklärung, jede alternative Rezeption des „Arrangements“. Sie sollten sich über Phänomene wie Selektivität, Reflexivität und Konstruktivität informieren; Ihre Interpretation demonstriert ihre Idiosynkrasie, keine spezifische Problematik, keinen objektiven Interpretationswert des „Arrangements“ – für Sie mag eine andere Intention als die Ermöglichung rassistischer Gewalt nicht plausibel sein, so wie für mich (und das vermutete Gros der Spieler) ihre Perspektive unplausibel ist; eine argumentative Basis hat Ihre Perspektive in jedem Fall nicht, der im Spiel gebotene Bildwert ist einzig der eines „Juden“, der auf einer Brücke sitzt… Ungeachtet der Probleme ist außerdem die prämissive Implikation, dass „Gewalt“ die einzige Verhaltensoption sei, einfach falsch…
Obszön ist m.E. aber Ihre suggestive Diffamierung der kreativen Verantwortlichen des „Arrangements“: Sinn und Zweck des „Arrangements“ sei die exklusive Ermöglichung rassistischer Gewalt; weil das „Arrangement“ bewusst in das Spiel integriert wurde (die Prämisse ist falsch, der Nichtspielercharakter ist zufallsgeneriert und nicht immer ein Jude, dass ist für meine Argumentation aber irrelevant), sei diese Ermöglichung eine bewusste Intention der Verantwortlichen – sie kokettierten mit oder seien selbst Antisemiten. Das ist (ungeachtet der juristischen Problematik) eine pure, irrationale Verleumdung.

Zum Thema Red Dead Redemption:

Die „Szene“ in RDR, in denen der Spieler Frauen vor einen Zug werfen kann, um eine spielinterne Trophäe, resp. ein sog. achievement zu erlangen, ist tatsächlich auch keine „Szene“ im eigentlichen Sinne, sondern eine Interaktionsmöglichkeit, zu der das i.d.S. (via Trophäe/achievement) Spiel animiert. Aber: Simpel formuliert ist das eine Hommage an das Westerngenre, ein genretypisches Element, wie z.B. der showdown; ergo ein (komplexes) Symbol (RDR ist – ein Wunder! – ein Fundus an Westernreferenzen und präsentiert diese Genreversierten en masse). Die „Szene“ simpel als (frauenfeindliche) Gewalt zu diskreditieren ist exemplarisch für eine pornographische Perspektive ohne Kenntnisse/Erfahrungen bzgl. der Genrekonventionen (und der speziellen Idiosynkrasien der Spiele). Ich „wundere“ mich auch, dass sie weder den Namen (im Englischen „Dastardly“), noch das Bild der Trophäe, resp. des achivements (das Klischee von Bart und Hut eines „Dastard“) thematisieren (bzw. realisieren). Alleine Bild und Name bieten einen gewissen Referenzwert; in Kombination oder gar in Kombination mit dem damsel in distress-Motiv der eigentlichen spielinternen Aktion potenziert sich der Wert.
Die monierte „Belohnung“ ist nicht „völlig unabhängig von Kontext und Zusammenhang“! Das Szenario einer offenen „Western“-Welt bietet dem Spieler die Möglichkeit, zum Konstrukteur seiner eigenen Geschichte zu werden, eigene Kontexte zu konstruieren, die Rolle zu spielen, die er mag, z.B. die des „Dastard“…

Zum Thema Heavy Rain:

Sie schreiben, dass „die extrem unterschiedliche Reaktion von Gamern und Spiele-Laien“ Sie „außerordentlich beschäftigt“. Eine Erklärung des Differenzphänomens bietet simpel das Konzept der Medienkompetenz; ich zitiere (abermals) Thomas WILLMANN:

„Es gibt so etwas wie Lesekompetenz auch für Gewaltdarstellungen. Diejenigen, die mit den ästhetischen Konventionen einer bestimmten Schule von Gewalt-Ikonographie nicht vertraut sind, betrachten entsprechende Werke mit quasi ‚pornographischem‘ Blick – und unterstellen diesen auch dem Stammpublikum: Der dargestellte Gewaltakt wirkt als starkes Stimulanz wahrgenommen, das die Barriere zwischen Fiktion und Realität zu transzendieren scheint; das unmittelbare, körperliche Erregung hervorruft; das sämtliche Schutzwälle der distanzierten Betrachtung durchbricht. Diese Wirkung schwächt sich mit wiederholtem Ansehen einer speziellen Art von Gewalt-Ästhetik ab: Man lernt, mit der entsprechenden Darstellungsform umzugehen, ihren Inhalt nicht mehr als einzigen und unkalkulierbar starken Reiz zu empfinden. Es ergibt sich eine Normalisierung des Blicks, der gezeigte Gewaltakt wird zum Element in einem größeren, komplexeren Kontext. Das ist jedoch etwas anderes als ein ‚Gewöhnungseffekt‘ im Sinne einer Desensibilisierung – es betrifft nicht automatisch die Wahrnehmung von Gewalt an sich (und erst recht nicht realer Gewalt […]). Es ist gerade umgekehrt eine Sensibilisierung für die Regeln, Codes und Konventionen einer Darstellungsweise. Und vor allem ist es eine Sensibilisierung für die Fiktionalität der Darstellung. Oder zumindest ihre Medialität: Wir alle haben uns an den Anblick sterbender Menschen oder verhungernder Kinder in den Abendnachrichten zumindest soweit gewöhnt, dass wir diese Bilder – und auch sie gehorchen unausgesprochen genauen Abbildungsregeln – mit der überlebensnotwendigen Distanz sehen können. Das heißt nicht, das irgendjemanden von uns der reale Anblick eines sterbenden Menschen, eines verhungernden Kindes auch nur annähernd kalt lassen würde.“

Wenn Sie Leuten ohne spezifische Computerspielerfahrungen und ohne Medienkompetenz im skizzierten Sinne von dieser Szene nur erzählen, kennen sie 1.) die komplexen Kontexte der Szene nicht und haben 2.) nur Ihre (verzerrte) Interpretation der Szene als Referenzwert, nicht den konkreten Bildwert. Das Bild in den Köpfen dürfte i.S.d. pornographischen Perspektive i.d.R. intensiver, empörender und expliziter sein, als das reale Bild (ich möchte das bzgl. Dante’s Inferno konretisieren; s.u.); das ist ein simples, triviales psychologisches Phänomen…

Sie schreiben:

„Egal, ob Madison getötet wird, oder ob einem ihre Befreiung gelingt, und sie dann den Doktor tötet: Das Bild von dem Bohrer, der sich langsam auf die die Genitalien der Frau zu bewegt, dieses Bild in die Köpfe von Jugendlichen zu bringen, das ist der Skandal.“

Sie empören sich über dekontextualisierte Bilder, empfinden die Szene als traumatisierend, ergo müsse die Szene objektiv traumatisierend sein. Das demonstriert einerseits die pornographische Perspektive und andererseits den naiven Glauben an das Stimulus-Reaktions-Modell der Medienwirkungen. Der simple Fakt ist: Wie Spieler Spielinhalte rezipieren, wie sie die Inhalte interpretieren, werten und wie sie bzgl. der Inhalte empfinden, ist nicht exklusiv an Merkmalen des Medieninhaltes diagnostizierbar. Und i.d.S. ist die simple „Wahrheit“, dass die Spieler i.d.R. medienkompetenter sind, als die Schockierten, dass sie die Szene nicht als traumatisierend empfinden… skandalös und anstößig ist m.E. nur das Plädoyer einer Bewahrpädagogik, die nicht mal 16-jährige ernst nimmt.

Zum Thema Dante’s Inferno:

Sie skizzieren eine Szene, weigern sich aber, ein repräsentatives Bild in Ihren Kommentar einzufügen. Das Problematisierte nicht zu präsentieren, sondern via eigener pejorativ-emotional verzerrter Terminologie (Stichwort: „widerwärtig“) zu skizzieren, ohne Kontext, ohne Würdigung narrativer, symbolischer, ästhetischer und spielmechanischer Funktionen und Interpretationspotenziale, ist ein alter Trick: Diverse Leser werden (dank ihrer eigenen Medieninkompetenzen) u.U. Ihre Rezeption, Ihre Wertung des Inhaltes als Deskription werten und in ihrer Vorstellung ein „Bild“ formen, dass intensiver, empörender, expliziter ist, als das reale Bild. Mit Verlaub: Ich kann auch einzelne Szenen aus der Verfilmung von Günter Grass Die Blechtrommel so skizzieren, als seien sie explizite Kinderpornographie… Ich glaube Ihnen aber, dass Sie die Szene traumatisierte.

Das eigentliche Problem ist der Satz: „Wer braucht so etwas?“ Das ist eine unglaubliche Anmaßung und typisch für einen illegitimen Rechtfertigungsdiskurs (der Gefährdungsdiskurs, der negative Medienwirkungen zentriert, ist m.M.n. ein Placebo für z.B. moralische Empörungen als primärem Motiv der Problematisierung der Spiele); Erwachsene sollen sich rechtfertigen, warum sie „so etwas“ rezipieren, „brauchen“. Die Implikation ist simpel: Was niemand „braucht“, dass darf nicht sein. Ich bezweifle aber, dass Sie Erklärungen, die z.B. argumentieren, dass die Szene generell inszenatorische, ergo narrative, symbolische, ästhetische und spielmechanische Funktionen inne hat, akzeptieren, weil Sie die narrative, symbolischen, ästhetischen und spielmechanischen Konventionen, Referenzen und (potenziellen) Intentionen nicht kennen. Aber die Idee, Erwachseneninhalte (in Kunst- und Kulturwerken) rechtfertigen zu müssen, ist m.M.n. abstrus und obszön. Um die argumentative Sackgasse des Rechtfertigungsdiskurses (und des ähnlichen Notwendigkeitsdiskurses) zu demonstrieren, möchte ich einen Freund zitieren:

„Der Tenor hier ist klar: ‚Mir gefällt das nicht. Wieso lässt unsere Gesellschaft das dann zu? Wieso darfst du etwas rezipieren, was mir nicht gefällt?‘ Und das finde ich undemokratisch, widerlich und verachtenswert. Würde jemand den Penis von Michelangelos David vermissen? Wäre es ein geringeres Kunstwerk, wenn er eine Hose tragen würde? Wäre Goethes Götz von Berlichingen ein besseres Werk, wenn der folgende Satz nicht enthalten wäre? ‚Sag deinem Hauptmann: Vor Ihro Kaiserliche Majestät hab ich, wie immer, schuldigen Respekt. Er aber, sag’s ihm, er kann mich im Arsche lecken!‘ Könnte man bei Panzerkreuzer Potemkin von Sergei Eisenstein auf die Szene mit dem wegrollenden Kinderwagen verzichten und wäre es dann ein besseres Werk? Die Antwort? Keine Ahnung, denn sie sind trotz oder vielleicht sogar wegen dieser Elemente enorm wichtige Kulturdenkmäler geworden, die heute tausendfach referenziert und verstanden werden.“

Müssen Sie die Namen von Spielen kennen, deren Gewaltszenen Sie monieren? Ja, Sie müssen: „‚Wenn man sich mit etwas nicht auseinander setzt kann man es auch nicht beurteilen Also namen her…‘ fordert Christian. Ich halte das für abstrus. Wenn ich einen Verkehrsunfall melde, muss ich auch nicht die Marken der darin verwickelten Autos kennen. Und wer sagt, dass sie sich damit „auseinandersetzen” muss. Sie kann einfach mit Schrecken auf die Bilder reagieren und Schluss.“
M.M.n. demonstriert die bewusste Ignoranz bzgl. der Namen einen Mangel an (einem Minimum an) Respekt für die kreativen Verantwortlichen und ihre Werke (aber das geht konform mit der „Schweinefirma“- und der Rassismus-Diffamierung), sowie eine Agnosie bzgl. der Inhalte: Nomen est gnomen! Die selektive, dekontextualisierte und pornographische (s.o.) Problematisierung einzelner Spielinhalte ohne eine differenzierte narrative, symbolische, ästhetische und spielmechanische, eine funktionelle Analyse (und i.d.S. auch eine Analyse der Kontexte, horizontaler und vertikaler Referenzen des Medientextes) der Inhalte, ergo die Ignorierung diverser Interpretationspotenziale ist so inadäquat, wie der Verkehrsunfallvergleich. Blinde, die über Farben philosophieren…

Ein vorletzter Kommentar…
… ich finde es bedauerlich, dass David Klinkhammer schreibt, weder er, noch sie forderten Verbote. Klinkhammer bietet ein einziges Argument gegen Verbote: „Verbote erfüllten erst dann ihren Zweck, wenn eine Einhaltung gewährleistet ist bzw. kontrolliert werden kann.“ Es ist traurig, dass ihm keine anderen Argumente gegen Verbote einfallen mögen…Außerdem ist die Aussage, Sie würden keine Verbote fordern, (bzgl. Ihrer Person) falsch: Sie proponieren sowohl Indizierungen, als auch Beschlagnahmungen (bzw. deren konsequente Anwendung); sie fordern lediglich keine neuen (gesetzlichen) Verbotsinstrumentarien.

Am Ende doch ein Kommentar zu einem Aspekt der frauTV-Sendung; sie monieren, dass der dt.(!) Jugendschutz bewirkt habe, „dass die Spielehersteller sich frei gefühlt haben in die Spiele ab 18… so viel Gewalt rein zu packen, wie sie wollen.“ Dieser Germanozentrismus ist absolut unrealistisch; als ob die Spielehersteller der Welt den Jugendschutz der BRD zum maßgeblichen Orientierungspunkt für ihre Produkte erkoren hätten. Und bitte antworten Sie nicht mit ihrem obligatorische Verweis auf die Meinungsäußerung von Craig A. ANDERSON, dass auch in den USA die (unverbindlichen) Altersempfehlungen einen Gewaltdarstellungsmaximierungseffekt hätten – die Meinungsäußerung entbehrt jeder Grundlage und ist das Argument einer subjektiv empfundenen Brutalisierung der Medien, die nicht objektivierbar ist… Als ob es das exklusive Ziel der Kreativen wäre, ein Maximum an Gewaltdarstellung zu integrieren und nicht narrative, ästhetische Werke, in denen Gewaltdarstellungen komplexe Funktionen haben. Und überhaupt: Was wäre das Schlimme daran, wenn die Spielehersteller so viele Gewaltdarstellungen integrieren, „wie sie wollen“? Wer sonst hätte da etwas zu wollen, zu entscheiden? Ich verachte die dahinterliegenden Gedankengänge!

Der Brief stahl mir einiges an Lebenszeit und ich bin mir gewiss, dass ich gegen eine Windmühle kämpfe. Aber ich fühle mich weniger als Don Quijote, mehr als Synästhetiker, der mit gehörlosen Blinden über Töne und Farben diskutiert…

~ Patrick Portz M.A.“

37 Gedanken zu “Offener Brief an Frau Pfeiffer

  1. Pingback: Offener Brief an Regine Pfeiffer veröffentlicht « Jürgen Mayer

  2. Gleich gebookmarked. Wunderschön formuliert und stringend aufgebaut. Wer wirklich wissen will worum es geht (und das tun leider die allerwenigsten derer, die in dieser Computerspiel-Diskussion so lautstark und medienwirksam mitmischen), der muss sich informieren, denn sonst kann man keine ernstzunehmende Aussagen machen.
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    Die Aussagen von Patrick Portz sind nicht nur anscheinend zutiefst qualifiziert, sie sind auch nicht nur plausibel, sie sind – im Unteschied zu so vielem das man liest – informiert!
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    Ein ganz herzliches Dankeschön für diesen offenen Brief. Es war in meinen Augen nicht nur die „Lebenszeit“ wert, die es gedauert hat, ihn zu verfassen, es ist in _jedem_ Fall auch die „Lebenszeit“ wert, ihn zu lesen – im Zweifelsfalle auch mehrmals.
    .
    In meinen Augen darf man Frau Pfeiffer vor allem eine Frage stellen: Wenn sie ernsthaft in der Sache argumentieren, aufklären und sensibilisieren will, warum wählt sie dann ein so offensichtlich ungeeignetes Forum wie die Sendung frauTV? Warum startet sie überhaupt den Versuch, ein so hochkomplexes Thema in einem Feature einer Magazinsendung mit einem so überaus knappen Zeitrahmen abzuhandeln?? Meiner Meinung nach hätte sich eine (ganze!) „ZDF-Reportage“ wesentlich besser geeignet, um den nötigen zeitlichen Umfang und damit die Seriosität zu gewährleisten, die ihrem behaupteten Anliegen gemäß dringend erforderlich wäre und die frauTV so offensichtlich nicht bieten konnte. Wieso also frauTV?

  3. „Müssen Sie die Namen von Spielen kennen, deren Gewaltszenen ich moniere?“
    Du hättest mich vorher nochmal anschreiben sollen… ^^
    Da muss natürlich stehen: „Müssen Sie die Namen von Spielen kennen, deren Gewaltszenen Sie monieren?“

  4. Patrick, ich ziehe meinen Hut vor dir.
    Musste den Text 2 mal lesen um ihn nur ansatzweise zu verstehen, aber trotzdem. Mir würde definitiv nicht einfallen, wie man gegen diesen Text argumentieren könnte ohne mindestens genausoviel Fachwissen an den Tag zu legen wie du, und ich habe ehrlich gesagt so meine Zweifel, ob unter den „Spielekillern“ so jemand existiert. Besonders beeindurckend wird diese Leistung (die ja auch mit einem gewaltigen Arbeitsaufwand verbunden gewesen sein muss) dadurch, dass du ja, wie du selber sagst, gegen Windmühlen kämpfst.
    Alles in allem aber ein großes Dankeschön dafür, ich freue mich auf die Veröffentlichung deiner Doktorarbeit, und falls es mal ein Forentreffen oder sowas gibt geb ich dir einen aus ;)

    Mfg, Scuba

  5. Hui so viele Fremdwörter ^^. Bist du ein Sprach Wissenschaftler oder woher kennst du die alle. Ohne Duden ist ist schon recht schwierig alle Sätze zu verstehen.
    Aber es stimmt es kann kein Schwarz ohne Weiß geben kein Gut ohne Böse. Man braucht einen gegen Part um den andern Part erkennen zu können. Und viele Spiele sollen eine Abbildung einer Realität oder Fiktiven Realität darstellen und es Gibt keine Situation in der Realität in der es Keinen Positiven oder Negativen Gegenpart gibt.

  6. wieso macht ihr euch eigentlich noch die mühe an solche leute noch briefe zu verfassen?
    ihr wisst doch das es sie nicht interessiert was ihr schreibt und was ihr ihnen an kritikpunkten auflistet.
    früher hätte ich sowas noch befürwortet, heute sollte man solchen leuten einfach keine beachtung mehr schenken.
    denn mit euren bewirkt ihr bei ihnen gar nichts, da sie nur das hören/lesen wollen was sie in ihrem irrglauben bestärkt.

  7. Danke, danke *sich verneig* ^^…

    @ Scuba:
    Danke! Ich trinke übrigens gerne Bananenweizen. ^^

    @ Booomboy:
    … ein offener Brief hat nicht unbedingt die Intention, den direkten Adressaten zum Umdenken zu bewegen (auch wenn ich Frau Pfeiffer abermals zur Selbstreflexion animiere). Auch ist ein offener Brief nicht unbedingt ein Diskussionsangebot an den direkten Adressaten (s. auch mein letzter Absatz). BTW: Ich fand es schon skurril, dass Frau Pfeiffer mein P.P.S., in dem ich an ihre Courage appellierte, meinen offenen Brief doch auch auf ihrer eigenen Seite zu veröffentlichen, als eine simple Bitte missverstand…

  8. sie wird sich natürlich so äußern, dass sie sich und ihre „ergebnisse“ und „thesen“ verteidigt und den/die verfasser des briefes so entgegnet, als hätten diese die gute frau pfeiffer mitverstanden bzw. würden das spiel nicht begreifen oder sowas in der art.

  9. Ich finde den Aufwand der hier geleistet wurde bemerkenswert. Leider wird auch dieser Beitrag, wie alle vernünftig geschriebenen zuvor, in Vergessenheit geraten weil die angesprochenen Menschen sich nicht dazu äußern werden.

    Ein Kampf gegen Windmühlen. Nur das die Perspektive nicht stimmt, und die Jungen aufgeschlossenen gegen die alten antreten. Also bildlich eher ein Kampf gegen zerfallende Schlösser.

    Solong Venturi

  10. Große Klasse, danke für den Brief, Patrick. Scheint, als hätte der Inhalt nicht nur mir aus der Seele gesprochen.
    Mit einer Antwort würde ich allerdings nicht rechnen…

  11. @Booomboy
    Der erste Sinn eines offenen Briefes ist es häufig nicht eine Diskussion oder Veränderung einer Person anzustreben, sondern falschen Behauptungen eine Richtigstellung gegenüber zu stellen und zu widersprechen, was bei dem medien-inkompetenten Schwachsinn den Leute wie Frau Pfeiffer verbreiten leider dringend notwendig ist.

  12. …was aber im nichts verlaufen wird, da diese leute sich nur für die jenigen und ihre argumente interessieren, die sie in ihrem irrglauben bestärken.
    gute arbeit eines solchen briefes: ja
    wird er sein ziel erreichen: nein
    vergebene mühe, leider.

  13. Lasst doch freu Pfeiffer erst mal Zeit, denn sie hat sich oft schon auf sowas gemeldet.
    In 2 Wochen könnt ihr dann weiter und zurecht über Frau Pfeffer herziehen…
    wenn sie bis dorthin nichts schreibt. ^^

    Happy Coding.

  14. Guter Brief, der die ganze Problematik an Frau Pfeiffers Kritik auf den (wenn auch sehr breiten) Punkt bringt, auch wenn ich kein Freund kumulierender Fremdwörter bin ;)
    Allerdings fürchte ich auch, dass daraufhin kein Umdenken einsetzen wird. Ich erinnere mich noch an die Diskussion mit ihr hier im Forum, da hat sie sich auch über die komplexeren (aber nicht komplizierten) Beiträge von Patrick beschwert. Anscheinend will sie sich auch nicht wirklich wissenschaftlich mit den Grundlagen der Medienkritik auseinandersetzen. Insofern ist für mich so einfach nur eine „empörte Person“, die obligatorisch in jeder Simspons-Folge „Kann denn jemand mal an die Kinder denken!“ ruft.

  15. “dass die Spielehersteller sich frei gefühlt haben in die Spiele ab 18… so viel Gewalt rein zu packen, wie sie wollen.”
    .
    Neben dem angesprochenen Germanozentrismus ist diese Aussage auch sachlich schlicht falsch, wie jeder weiß, der schonmal deutsche Ab-18-Versionen mit internationalen Versionen mancher Spiele verglichen hat. Und zwar um so wahrscheinlicher, je größer der Publisher ist.
    .
    Daß dieses Phänomen gerade Frau Pfeiffer entgangen sein soll, kann ich mir nicht so recht vorstellen. Wo sie sich doch so gerne mit der „Schweinefirma“ auseinandersetzt…

  16. @Roland_9: jep, eher das gegenteil ist der fall. also man könnte sagen „..versuchen so viel gewalt rein zu packen, dass das keine ab-16-einstufung erhält und so wenig, dass es nicht indiziert wird.“
    was die sich wohl dabei gedacht hat. ihr text ist in meinen augen ein einziger, reaktionärer RAGE-text, der mit wissenschaft nicht mal ansatzweise etwas zu tun hat. es wirkt eher wie eine paranoide hasskampagne.

  17. @“Kampf gegen Windmühlen“:
    Der Kampf gegen die hinterlistigen Winmühlen ist wichtig und jemand muss ja diesen Kampf führen, ansonsten hätten sie die Chance und würden sich überall vermehren (Siehe Links)!
    http://www.griechenland-insel.de/Hauptseiten/Mykonos_Windmuehlen.jpg
    Ohne den Kampf würden irgendwann die Windmühlen uns überrennen und nur sinnlos sich im Kreisdrehen! Immer öfter bilden die Windmühlen Gruppen und lauern nur auf uns…
    http://www.w3com.de/uwe.logemann/assets/images/kreta2002/WindmuehlenNachbau.jpg
    Also lasst und die Schlacht gegen die Windmühlen fortsetzen! Kampf den Windmühlen!
    http://www.doliwa-naturfoto.de/Bilder-Galerie/Landschaft/Deu/Nordsee/Dithmarschen/Windparks/Windpark2/wd_701166.jpg

    ok jetzt mal ernster. Ohne Protest gegen die Falschaussagen würden sich diese Menschen noch bestätigt fühlen, da ist so ein guter Brief ein Schlag für sie, denn sie müssten sich dazu äußern um nicht als „blöd“ dazustehen.

    Happy Coding

  18. Pingback: Fordert GTA IV zu antisemitiischer Gewalt auf? | worstgaming

  19. Super gemacht!!!!

    Auch wenn ich bezweifle, dass Frau Pfeifer dich auch nur ansatzweise verstehen wird. So viele Fremdwörter könnten ein bisschen viel sein, für Jemanden der sich durch Begriffe wie „Schweinefirma“ artikuliert ;)

  20. Hut ab.
    Ich denke schon ,dass ich gut mit der deutschen Sprache umgehen kann,aber eine solche Fülle an (mir unbekannten) Termini habe ich noch nie gesehen. *_*
    Ich wäre dankbar einen Bruchteil dieser Artikulierungsfähigkeit zu besitzen…
    Den Brief speichere ich ab,verbreite ihn und lerne davon. xD

    Vielen Dank für die Mühe!

    Super Leistung!
    Ich bin absolut beeindruckt.

  21. PS:
    Es ist doch egal ,ob Frau Pfeifer umgestimmt wird.
    Wichtig ist doch andere Menschen damit vor den irrglauben von der Frau zu bewahren.
    Leider interessieren sich viele Menschen nicht ernst genug ,um sich vor solch Medienenmanipulationen zu schützen.
    Ich stütze diese These einfach mal auf die Zustimmungen,die in der Öffentlichkeit zu dem Thema wahrgenommen werden können,wobei man dort wohl auch nochmals unterscheiden muss zwischen vielen Faktoren.

    Hauptsache solch ein Brief bekehrt vllt. einige ,die „Pfeifen“ und etc. glauben geschenkt haben.

    Ich hoffe es zumindest.
    Bis die sogenannten alten Schlösser fallen,dauert es jedoch noch etwas und solange muss gekämpft werden.Ignorieren können wir sie,wenn es endlich eine deutlich wahrnehmbare Mehrheit gibt,die dies gefahrlos ermöglicht.

    mhh…bissl lang fürn ps.
    ich entschuldige mich.^^

  22. Der Brief an sich hat viele rchtige Ansätze, wie ich finde. Leider verpasst es der Verfasser selbst sachlich zu bleiben und bringt eigene Wertungen über die Ansichten Frau Pfeiffer, die ziemlich polemisch geraten sind. Zudem scheint mir, er versucht so viele Fremdwörter unterzubringen, wie es ihm möglich ist. Dies macht den Brief extrem schwer lesbar und wirkt eher bemüht als kompetent. Insgesamt ist die in einigen Teilen für mich richtige Gegenargumentation dadurch schwerer erkennbar und geschwächt. Schade, aber danke für das Engagement.

  23. Der Brief ist schon eine Bombe. Ich hätte allerdings bei GTA4 noch darauf hingewiesen dass bei einer Straftat die Polizei kommt gegen die man nicht viel ausrichten kann. Denn das wird bei den Kritikern ja meist aussen vor gelassen. Jede Tat hat ihre Konsequenz. Sinnlose Zerstörung wird bei GTA4 (wie im wahren Leben) bestraft.

  24. @Cyclonos

    Es gibt einen Turm von dem man – wenn man es nicht zu bunt treibt – Leute erschießen kann, ohne dass man sich in der „Fahndungszone“ befindet. Also keine Strafe – gleiches gilt, wenn man Straftaten dort verübt, wo gerade keine Polizisten sind.

  25. ZZorrkk kennt den Vic nicht was?
    Der schreibt immer so, das ist nicht bemüht, das wirkt auch nicht bemüht.

    Und zur „Sachlichkeit“ habe ich mich schon einige Male geäußert.
    Es hat schlichtweg keinen Sinn diesen Leuten auf kooperative Art und Weise zu begegnen, da der einzige „Kompromiss“ für diese die komplette Annahme ihrer Ideen und Forderungen ist. Es geht nicht um irgendeine Form von Sorge, die haben diese Leute nicht. Es geht darum sich zu profilieren, als Schützer der Jugend dazustehen. Videospiele sind momentan etwas in den Hintergrund geraten, gerade ist wieder „Kindesmissbrauch“ ein Thema. Aber sonst ist es halt en vouge gegen Videospiele zu wettern, gibt Publicity. Das sollte man nicht vergessen.

    Im Endeffekt geht es um nichts weiter als die Freiheit der Kunst, die seit der Nazizeit (nein Godwins Law sticht nicht) in Deutschland sehr gelitten hat.
    Sieht man schön daran, dass es seit der Zeit des „German Expressionism“ in der Filmkunst keinerlei nennenswerten Durchbrüche im medialen Umfeld aus deutschen Landen gab.
    Es wird wohl auch in nächster Zeit kein weiterer Durchbruch zu erwarten sein, dafür ist das Lager der , ich nenne es mal „Medienkonservativen“ viel zu groß.
    Hier und heute geht es nur darum, dass die Kunstfreiheit nicht noch stärker eingeschränkt wird.

    Achja, wer meint ich würde übertreiben, und brutale Videospiele seien doch keine Kunst:
    Überlegt doch einmal, wo viele Filmgenres, Schauspieler, Regisseure usw. ihre Wurzeln haben.
    Sehr oft findet man diese in Billigproduktionen, Splotiationmovies, Pornos, Splatterfilmen etc.
    Bei den Videospielen ist das häufig nicht anders.

  26. @ Cyclonos:
    Danke für ’s Lob.

    „Ich hätte allerdings bei GTA4 noch darauf hingewiesen dass bei einer Straftat die Polizei kommt gegen die man nicht viel ausrichten kann. Denn das wird bei den Kritikern ja meist aussen vor gelassen.“
    Das wäre für meine Argumentation aber nicht mehr wichtig gewesen. ;-)

    @ Zzorrkk:
    „Leider verpasst es der Verfasser selbst sachlich zu bleiben und bringt eigene Wertungen über die Ansichten Frau Pfeiffer, die ziemlich polemisch geraten sind.“
    Ein offener Brief muss nicht absolut „sachlich“ sein; wichtig ist, dass der sachliche Teil korrekt ist. Ein Übermaß an Polemik kann ich nicht realisieren, insb. in Relation zur generellen Polemik Frau Pfeiffers nicht. Ich wü´te jetzt auch nicht, welche passagen denn diese polemischen eigenen Wertungen sein sollen? Das ich sie gegen Ende als Windmühle bezeichnet habe? ^^

    „Zudem scheint mir, er versucht so viele Fremdwörter unterzubringen, wie es ihm möglich ist. Dies macht den Brief extrem schwer lesbar und wirkt eher bemüht als kompetent.“
    Sorry… aber das nehme ich fast schon als eine handfeste Beleidigung wahr. Ich habe keinerlei Mühe mich so zu artikulieren; im Gegenteil, ich kann mich quasi gar nicht (noch) „simpler“ ausdrücken. M.M.n. (und da bin ich nicht alleine) ist der Text flüssig zu lesen, die „Fremdwörter“ sind sinnvoll und nicht im Übermaß integriert. Ich sehe nicht, wie hier jemand auf eine „Bemühtheit“ schliessen könnte. Ich habe mich höchstens dahingehend bemüht, den Text so prägnant wie möglich zu halten und verwend eimmer viel Zeit darauf, alles an potenziellen Zweideutig- und Unverständlichkeiten zu beseitigen. Ich habe es bereits im Forum geschrieben, aber weil das Thema ja auch hier immer wieder zur Sprache kommt:

    Beim besten Willen, ich kann nicht erkennen, wo ich eine „Fülle an Fremdwörtern“ (insb. in Relation zur Gesamtmenge des Textes) genutzt hätte. Mag mir das endlich jemand erläutern?
    Ich setze die Kenntnis von Begriffen wie „bigott“, „Kontext“ und entsprechend „Dekontextualisierung“, „Thematisierung“, „Defizit“, „Plädoyer“, „Reduktion“, „Monierung“, „Oktroyierung“, „Dystopie“, „Propagierung“, „Rezeption“, „Prämisse“, „Kokettierung“, „Hommage“ und „Suggestion“ voraus… diese „Arroganz“ nehme ich mir raus.
    Mit welchen Begriffen bestehen denn die eigentlichen Probleme; „Immanenz“, „Forcierung“, „Prädisposition“, „Postulierung“, „Extrospektive“, „Prospektive“, „Immersion“, „Exponieren“, „Deskription“ und „Agnosie“? Mit Verlaub: Das meiste dürfte sich aus dem Kontext ergeben oder bedarf nur eines kurzen Blickes in de.wiktionary.com.
    Ich habe außerdem m.M.n. prinzipiell kaum Fachtermini benutzt, die irgendwelche komplexen Phänomene in einem Wort zusammenfassen und für die die Recherche unzumutbar lang dauern würde;
    ich musste ja auch erst nachschlagen, dass der Synästhetiker auch Synästhetiker genannt wird; das Phänomen ist mir bekannt und entsprechend wußte ich, was ich ausdrücken wollte, den Begriff vergesse ich nur immer wieder. ^^
    Und das Phänomenetrio „Selektivität, Reflexivität und Konstruktivität“ habe ich ganz bewusst nicht weiter ausgeführt, da daran ja die Aufforderung an Frau Pfeiffer gekoppelt war, sich über diese Konzepte (und damit über das Phänomen Medienrezeption) selbständig zu informieren.

    Das ist nicht böse gemeint, aber ehrlich… ich fand, dass ich den Brief recht simpel formuliert habe. Jedenfalls kann ich mich nicht in eine andere Perspektive versetzen (mein „peer“ besteht quasi nur aus Akademikern, dass mag die Sicht trüben). „Fremdwörter“ habe ich ganz bewußt auf ein Minimum reduziert und den Brief jetzt immer und immer wieder gelesen. Mir fällt nicht ein, wo und wie ich da noch großartig etwas hätte verändern können, ohne an Prägnanz zu verlieren………

  27. Ich denke das Einzige wo man in dem Brief einigermaßen berechtigt geteilter Meinung sein kann ist dieses „müssen“ bei einer Auseinandersetzung, also das kennen oder gar spielen „müssen“. Da würde ich sagen: nicht unbedingt – wenn jemand nicht will/möchte, der hat wohl schon (genug)
    Aber wenn ich noch ergänzen darf: man sollte sich auch vergegenwärtigen was hier eigentlich geschieht auf einer formalen symbolischen Ebene, wogegen eine Frau Pfeiffer da etwa auftritt. Mit ihren Wertvorstellungen angewandt auf Fiktionen. Wenn schon von Unsachlichkeit gesprochen wird: ich halte es ja für höchst unmoralisch was sie tut – wie sie fremden Kreativen ins Werk spricht.
    Da darf man sich wohl selber auch empören – im Endeffekt stehen dann zwei oder mehrere Moralen einander gegenüber. Mag sein, dass es so zu keinem Ausgleich kommen kann, auch zu keinem direkten Gespräch das sich trifft, dennoch ist es doch legitim – um mal frecherweise ein Zitat von Kurt Tucholsky über anderswo zu entwenden:
    „Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“

    Fand übrigens auch, dass der Brief recht einfach formuliert wurde. Manches wenn nicht das meiste daraus wurde im hiesigen Forum auch bereits früher artikuliert so

  28. Ich kann mich für den Brief nur bedanken.
    Ich habe daran persönlich gelernt. xD

    Ich denke der Brief besitzt auch glaubwürdigkeit und es wirkt eben nicht bemüht.
    Es würde wenig Sinn ergeben einen offenen Brief mit der Absicht zu schreiben,dass niemand ihn versteht oder um Pseudo-Kompetenz zu offenbaren…

    Und naja als M.A. kann ich schon verstehen,dass man durchgehend auf solch hohem Level schreibt.^^
    (Mag subjektiv sein,da jeder das unterschiedlich sehen mag).

    Ich kann nur nochmal sagen:
    Danke für die Mühe!

    Allein der versuch egal wie gut oder schlecht er war,sollte einfach schon honoriert werden!

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