Was das Fernsehen nicht zeigt:

Nur ein Spiel from Michael Schilhansl on Vimeo.

(facebook, Michael Schilhansl)

„Warum hab ich den Film gemacht?

Ich wollte eine Dokumentarfilm machen, der die Faszination von Fantasyrollenspielen erklärt.
Anders als sonst im Fernsehen üblich, wollte ich keine Freaks zeigen, die von Verwahrlosung, Gewalt und Sucht bedroht sind, sondern „normale“ Menschen, die von ihrer Leidenschaft erzählen.

Warum läuft der Film nicht im Fernsehen?

Damn – i tried really hard. Als ich vor ein paar Jahren die ersten Ideen für den Film hatte, begab ich mich brav zu Vorgesprächen mit Fernsehredakteuren. Die Gespräche verliefen abgekürzt immer so: „Ah sie wollen was über Computerspieler machen. Wollen sie es mehr unter dem Suchtaspekt betrachten, oder mehr unter dem Gewaltaspekt?“ – „Ähm – Nein, ich wollte die zunehmende Popularität und Faszination des Spielens erklären.“ „Achso, also, wenn das nicht unter dem Thema Amok oder Sucht läuft, weiß ich nicht, ob das wer sehen will.“

Nach einiger Zeit beschloß ich den Film selbst zu produzieren. Mit dem fertigen Film bin ich dann zu etlichen Fernsehsendern gegangen. Die Dialoge verliefen dann meist so: „Ah – Computerspiele. Da machen wir gerade eine eigene Produktion. Die zeigt (Sender X) die Suchtgefahren der neuen Medien, oder (Sender Y), wie Computerspiele die Gewaltbereitschaft von Jugendlichen erhöhen…Experten…Verwahrlosung…AMOK!!!“

Leider bleibt deshalb Oma Erna im Musikantenstadelsumpf stecken und wird beim Wort Computerspiele weiterhin Herzflimmern bekommen oder an Kinderpornographie denken.

Menschen die durch das Internet sowieso schon gefährdet sind, können sich dafür meinen Film hier angucken:

http://vimeo.com/16064142

Viel Spaß. :)

Noch mehr Infos?

Wie der Film entstand:

Vor vielen vielen Jahren…als ich Gothic2 spielte, dachte ich mir, dass es inzwischen auch in Deutschland Spielentwickler gibt, die gute Spiele für Erwachsene machen. Und dass ich darüber eine Doku machen könnte. Erste Gespräche mit Fernsehredakteuren verliefen erstaunlich monoton (siehe oben).

Deshalb entschloß ich mich den Film selbst zu produzieren, in der Annahme, es würde den Fernsehredakteuren einfach an der Fantasie fehlen, sich eine Doku über Computerspiele vorzustellen, die nicht automatisch vom Niedergang der Kultur erzählt.

Zunächst nahm ich Kontakt zu den Piranha Bytes auf und dokumentierte bei mehreren Besuchen die Entwicklung von Gothic 3. Meine Idee war es, die Entstehung einer virtuellen Welt als roten Faden durch den Film zu ziehen.

Da ich selbst leidenschaftlich gern das noch relativ frische World of Warcraft spielte, lernte ich die Spieler der Wiener Gilde „Sturmwölfe von Azeroth“ kennen, die ich später für den Film interviewte.

Statt das obligatorische Thema Amok mit in den Film zu nehmen, entschloss ich mich lieber nach den Vorläufern der Computerspiele zu suchen. Deshalb die Besuche bei den Pen&Paper Spielern und den Live-Rollenspielern. Ich fand sie sehr gut geeignet, die Grundlagen des Rollenspieles so zu erklären, dass es auch Nichtspieler verstehen können.
Außerdem wollte ich den „Oh mein Gott – ein Computerspiel!!!“-Reflex der klassischen Zielgruppe des öffentlich-rechtlichen Fernsehens umgehen.

Die Liverollenspieler haben wir einige Tage auf der Burg beobachtet, als sie die Kampagne „Finsterkamm“ auf der Grundlage der Regeln des Schwarzen Auges spielten.
Die Hauptschwierigkeit fand ich dabei, dass die Spieler nicht für ein Publikum (oder eine Kamera) spielen, sondern für sich selbst. Sie selbst sind Darsteller und Publikum zugleich. Die Kostüme sind deshalb nicht hollywoodreif und die Darstellung ist nicht für eine Kamera gedacht. Wir zeigen deshalb im Film vor allem Interviews und Bilder, die die Atmosphäre vermitteln sollen.

Mit dem Erscheinen von Gothic3 wollte ich dann Spieler zeigen, die leidenschaftlich über das Spiel erzählen. Da aber das Spiel, sagen wir, nicht ganz den Erwartungen gerecht wurde, war es schwierig, Spieler zu finden, die bereit waren, gern über das Spiel zu reden.

Das war ein herber Rückschlag für den Film, deshalb hab ich ihn erstmal auf Eis gelegt, bis ich auf einen Artikel von Cornelia Kurth gestoßen bin (http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2006/11/27/a0119), die mit dem erforderlichen Feuer von Gothic1 erzählte und mich auf die Idee brachte, Leute zu interviewen, die einfach die ersten beiden Teile von Gothic gespielt hatten.

Während ich den Zusammenhang zwischen Amokläufen und Computerspielen als deren Hauptursache völlig angemessen für die verzerrte Wirklichkeitsdarstellung des Boulevards und der sogenannten Nachrichtensender hielt, erschien mir der Zusammenhang zwischen Onlinerollenspielen und der Suchtgefahr einer genaueren Betrachtung wert. Deshalb traf ich mich für ein Interview mit der damaligen Leiterin der Suchtabteilung der Berliner Charité.

Umgekehrt wollte ich dem Thema keine zentrale Rolle im Film einräumen, denn je nachdem welche Studie man zitiert, sind 3 bis maximal 10 Prozent der Spieler suchtgefährdet. Ich wollte meine Betrachtung auf die 90 bis 97 Prozent der Spieler konzentrieren, die spielen und trotzdem nicht süchtig sind.

Als ich den fertigen Film in der jetzigen Form den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern vorstellte, war ich überrascht, wie sehr diese (immer noch) nur den Boulevardstandpunkt einnehmen konnten. Inzwischen denke ich, dass sie es tatsächlich als ihren Bildungsauftrag ansehen, das Computerspielen pauschal zu stigmatisieren und so die Jugend vor Unheil zu bewahren.
Und natürlich ist es viel gemütlicher, sich von sogenannten Experten erklären zu lassen, warum die Menschen spielen und welch böse Auswüchse das immer nimmt, als den Spielern zuzuhören und sich selbst eine Meinung zu bilden.
Zum besseren Verständnis zwischen den Generationen wird diese Perspektive wenig beitragen.“

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55 Gedanken zu “Was das Fernsehen nicht zeigt:

  1. @Rey:
    Naja die Sendung ist alle Tage der gleiche Mist, denn egal welcher „Star“ dort gerade sitzt oder was gekocht wird, da kann ich mir gut vorstellen, dass man „gut“ über diese Sendung spricht, aber als Gamer könnte da einen das große Kot**** kommen.

    Oder haben die auf Twitter explezit den Killerspiel Menschenfetzen CS Amoklauf Teil gelobt?
    .
    Happy Coding.

  2. @Rey ich finde es zum aufregen, dass man im Begleittext es tatsächlich geschafft hat neutral und objektiv zu berichten aber in der Show selbst musste man von Killerspielen sprechen und die MENSCHENFETZEN bei CS nicht zu vergessen. Wenn das Video zum Begleittext gepasst hätte, dann hätte ich die Show auch gelobt so aber bleibt ein mieser Nachgeschmack, dass man bei den Öffentlich Rechtlichen neutral sein könnte aber für die Quote „wieder Lügen muss“.

    Happy Coding.

  3. Pingback: PL (8)

  4. also echt genial das auch mal das gezeigt wird was soein spiel wirklich aus macht –
    der spaß und NICHT die sucht !
    ich hab selber wow gespielt und zwar sehr lange aber ich hab nich aufgehört weils nachher nix mehr gibt was man erreichen kann sondern weil es viel wichtigere dinge gibt ^^

    ps. „nur ein spiel“ passt so perfekt , echt genial dazu
    danke dafür , finds echt nur gut gemacht und endlich in die richtige richtung angesprochen

    mfg Kanischta

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