Studie: Keine Belege für Zusammenhänge

(sd) Ferguson hat offenbar erneut eine Studie vorgestellt, die Zweifel an der These – wonach gewisse Videospiele Aggressionen fördern würden – aufkommen lassen. Nachdem er bereits Mitte des Jahres zu ähnlichen Ergebnissen gekommen war, schreibt er nun:

„The current study finds no evidence to support a long-term relationship between video game violence use and subsequent aggression. Even though the debate over violent video games and youth violence will continue, it must do so with restraint.“

Ende Oktober hatte auch eine Studie an der Universität Köln festgestellt, dass nur nicht-Spieler mit Begriffen wie „Ego-Shooter“ negative Konzepte assoziieren.

9 Gedanken zu “Studie: Keine Belege für Zusammenhänge

  1. Na ja, in einer Medienwirkungsforschung (MWF) geht es doch um ein Denken an gefährliche „Auswirkungen“ von Spielen, das heißt um einen gesellschaftlichen Schaden durch Spiele – während ein „negatives Konzept“ weit eher auf (ethisch-moralische) Werturteile (allein) hinweist: in der MWF, deshalb auch Termini bis in den medizinischen Bereich hinein dort, soll über „Wissenschaft“ ja auch eine rationale Legitimation für (negative) Vorstellungen erfolgen und eben keine bloß moralische Instanz sich konstituieren.
    Zwar ist die Moral durchsichtig, wenn etwa ein Ch. Pfeiffer noch offen gegen „Killerspiele“ (tatsächlich in Kirchen) predigt, dennoch gibt es in einer säkularisierten Welt wie der Unsrigen kaum eben die Absicht so durchzudringen, sondern vielmehr über „Fakten“, eine eingebildete „Realität“ halt, Realismen, und dem vermeintlichen Erkenntisgewinn aus diversen „Studien“ in Hinblick auf „Gesundheit“ gegen die „Gedankenlosigkeit Killerspiele“ wie sie der Starpianist Lang Lang artikuliert hat. Das heißt mehr oder weniger schwerwiegende negative Gefühle als „Kritik“ dagegen um so sowohl strukturelle Macht gegenüber einem „Ego-Shooter“-affinen Geschmack zu bewahren, als auch Deutungshoheiten diesbezüglich zu erhalten. Das sind so auch alles zutiefst konservative Konzepte – selbst wenn sie über einen Perfect Storm der Interessen von Leuten vorgetragen werden die sich für mehr oder weniger radikale Linke halten, „GlobalisierungskritikerInnen“ welche dem Konsumismus meinen damit (auch) zu entsagen – die Welt womöglich gar leider bloß in „Konsumierungen“ und „Antikapitalismus“ einteilen während Games eben gar nicht anders gedacht werden können anscheinend denn als verwerflich wenn „kommerziell“ – oder gegen den „Neoliberalismus“ – was immer das sein soll – aufzutreten.

  2. @frontal21

    Ich kans net mehr hören es ist kein spiel es ist eine gotverdammte (schlecht gemachte) hl2 dm mod. Gott! Und die bild fragt sich warum das „Spiel“ so beliebt ist?.. Hat bestimmt garnix mit dem hype, den die bild drum gemacht, hatt zu zun wie denn auch?

  3. Wird das jetzt Standard in den news-Kommentaren, diese mit themenfremden Kommentaren zu entern? :-/

    BTT: Eigentlich habe ich Anfang November den Teil der Zusammenfassung des Forschungsstandes in meiner Dissertation fertiggestellt (irgendwann muss das ganze ja auch ein Ende finden), diese Studie habe ich jetzt aber doch noch vorgemerkt und sie wird wohl in das Schlusswort zum Thema Langzeitforschung einfließen; weniger als „Beleg“ einer „Nichtwirkung“ (das wäre wissenschaftstheoretisch auch Quatsch), sondern als weiteres Beispiel für einerseits absolut divergierende Studienergebnisse (bei gleichen o.ä. Studiendesigns) und andererseits für den (lange bekannten) Umstand, dass die Verbindung zwischen Mediengewaltexposition und realer Aggression (etc.) mit zunehmender Beachtung von z.B. anderen Prädiktoren aggressiven Verhaltens (etc.) abnimmt…

    Wobei ich ungeachtet dessen auch wieder die üblichen Defizite im Studiendesign (z.B. bzgl. der Eruierung der Mediengewaltexposition) vermute, was in diesem Fall aber positiv ist (um einen gleichen Ansatz mit den Studien zu schaffen, die negative Effekte nachgewiesen haben wollen).

    Bislang war so ziemlich alles von C. J. Ferguson zu diesem Thema überaus brauch- und zitierbar (da wollte ich glatt mehrfach einfach auf ihn verweisen oder habe ganze Zitatblöcke von ihm übernommen, weil ich es kaum besser hätte ausdrücken können).

  4. @Vic: dir gegenüber kann ich mich eines Comments nicht erwehren (du weiß wie du’s einzuordnen hast):

    dass die Verbindung zwischen Mediengewaltexposition und realer Aggression (etc.) mit zunehmender Beachtung von z.B. anderen Prädiktoren aggressiven Verhaltens (etc.) abnimmt…

    So wie du das hier ausdrückst ist das eine statistische Trivialität und hat nichts mit Aggressivität zu tun :-)

    Bislang war so ziemlich alles von C. J. Ferguson zu diesem Thema überaus brauch- und zitierbar

    Meinst du die Formulierungen oder die Studien? Die meisten Studien leiden doch unter genau den Problemen wie der Rest der MGWF. Wenn man deine Kritik konsequent anwendet skind auch Ferguson’s Studien nonsens^^ (abgesehen davon dass er die Kritik auch erwähnt, aber lösen kann er sie genauso wenig und baut die Probleme ja auch mit ein)

  5. Es ist aber schon viel Wert wenn einE ForscherIn sagt, dass das was er oder sie tut eigentlich so problematisch ist – betrifft ja auch nicht nur Ferguson sondern etwa ebenfalls Kutner und Olson mit ihrer Metaarbeit – als wenn jemand völlig unkritisch politische Vorgaben und Ideen übernimmt, diese noch verlängert, weiter ausbaut, etc. Aus ihren jeweiligen „Studien“ tatsächlich glaubt so eindeutige Erkenntnisse gewonnen zu haben – im Sinne des politischen Drucks für eine gegen Medien mit Ressentiments beladenen Öffentlichkeit und/oder Politik auf eine (vermeintliche) Minderheit bezogen welche Freude an Gewaltdarstellungen hat und/oder gerne inkriminierte Medien nutzt.

  6. @ Mars:
    „Meinst du die Formulierungen oder die Studien? Die meisten Studien leiden doch unter genau den Problemen wie der Rest der MGWF. Wenn man deine Kritik konsequent anwendet skind auch Ferguson’s Studien nonsens^^ (abgesehen davon dass er die Kritik auch erwähnt, aber lösen kann er sie genauso wenig und baut die Probleme ja auch mit ein)“
    Ich meine beides.

    „Die meisten Studien“ FERGUSONs (und seiner Co-Autoren) leiden nicht unter den Problemen, die ich regelmäßig skizziere… das Gros seiner Studien sind metaanalytische Kritiken, Methodenkritiken, Dekonstruktionen banaler Studien. Aber ja: Die Wirkungsstudien FERGUSONs leiden (zwangsläufig) unter genau denselben Prämissen- und design-Problemen etc.; ich selbst schrieb ja extra: „Wobei ich ungeachtet dessen auch wieder die üblichen Defizite im Studiendesign (z.B. bzgl. der Eruierung der Mediengewaltexposition) vermute, was in diesem Fall aber positiv ist (um einen gleichen Ansatz mit den Studien zu schaffen, die negative Effekte nachgewiesen haben wollen).“ Die kritisierten Studien werden so prägnanter dekonstruiert – das Prinzip der Desavouierung, der Ridikulisierung via Demonstration.

    „So wie du das hier ausdrückst ist das eine statistische Trivialität und hat nichts mit Aggressivität zu tun“
    Ja, „dass die Verbindung zwischen Mediengewaltexposition und realer Aggression (etc.) mit zunehmender Beachtung von z.B. anderen Prädiktoren aggressiven Verhaltens (etc.) abnimmt…“, ist eine Trivialität (ohne das Adjektiv „statistische“).

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