Ein Museum – Zwei Besuche

Dem einen oder anderen mag es entgangen sein, aber seit letztem Freitag hat das „Computerspielmuseum“ in Berlin seine Türen wieder für Besucher geöffnet. Zur Eröffnung habe ich es leider nicht geschafft, war dafür aber gleich zweimal – Samstag und Sonntag – vor Ort. Das liegt weder daran, dass die Sammlung für einen Besuch zu umfangreich wäre noch daran, dass ich nach dem ersten Besuch so begeistert gewesen wäre, dass ich unbedingt ein weiteres Mal vorbeischauen wollte – beides ist übrigens nicht der Fall gewesen.

Bereits in der U-Bahn finden sich die ersten Spuren des Museums.

Der eigentliche Grund für den zweiten Abstecher wär wohl eher ein mentales Problem meinerseits. Ich habe mir die Webseite des Museums vor meinem Besuch angesehen – sicher, aber darüber, was mich erwarten würde, hatte ich mir nicht wirklich Gedanken gemacht. Im ersten Moment war ich nur glücklich, dass ich es in Berlin überhaupt geschafft hatte mit S- und U-Bahn ans Ziel zu gelangen. Der erste Eindruck war dabei auch gar nicht übel. An der Kasse konnte ich auch als Bremer Student unproblematisch den ermäßigten Preis zahlen (5 € für das Ticket) und in einem kurzen Gespräch wird man noch über einige Punkte aufgeklärt. Gegen Pfand ist die Nutzung eines Schließfaches möglich, für die „Painstation“ (dazu später mehr) müsse man eine Einverständniserklärung unterschreiben und das Machen von Fotos ist gestattet. Ich verzichte sowohl auf das Schließfach als auch auf die Erklärung und behalte auch für mich, dass es rechtlich nicht mehr möglich ist seinen Ausweis – wie es einer Person vor mir angeboten wurde – als Pfand zu hinterlegen.

„Wall of Hardware“ und der Beweis: Spieleverfolgung in Deutschland schon seit 1561!

Sobald man den ersten und praktisch einzigen Raum der Ausstellung betritt, finden sich zunächst Informationen zur Entwicklung des (Video-) Spiels, von denen einem auch das ein oder andere bereits bekannt sein könnte. Während mir der „Schachtürke“ und seine dann doch nicht so faszinierende Funktionsweise ein Begriff war, ist der „Spielteufel“ – ein während der Hexenverfolgung verfasstes Werk, das „das Spiel“ dämonisiert, neu gewesen. Hinter den ersten Tafeln finden sich dann auch direkt die ersten beiden nutzbaren Spiele. Eine Tic-Tac-Toe-Varianten – möglicherweise sogar das berühmte „OXO“ – und das „Nim“-Spiel, dessen Regeln ich immer noch nicht verstanden habe. Beide im Übrigen bereits „besetzt“, so dass ich erst einmal weiterziehe.

Zu meiner Rechten sind unzählige Heimcomputer und Konsolen aufgereiht, von denen ich aber schnell abgelenkt werde: Auf einem Bildschirm meine ich „Zaxxon“ zu erkennen. Davor steht eine junge Frau, die zu meiner Überraschung das Spiel mit einem Joystick scheinbar souverän zu steuern scheint. Ich warte geduldig und nachdem sie den Level beendet hat möchte ich mich versuchen. Das Spiel beginnt und ich hantiere hektisch mit der Steuerung – schaffe es jedoch nur zu Pausieren oder Abzubrechen. Ich bin zunächst ratlos, fange aber nach einigen Sekunden zu verstehen an: Der Joystick ist nicht zum Steuern des Spieles dar – es gibt gar kein Spiel – sondern man kann lediglich einen Würfel auf dem Monitor drehen und auf dessen Seiten verteilte Videos anwählen und abspielen. „Maze War“, „Zaxxon“ und „Battlespace“ – alles nur als Filmschnipsel und nicht zu Steuern. Ich möchte nicht wissen, was für ein Gesicht ich in diesem Moment gemacht habe. Das nächste „echte“ Spiel – irgendein „Wipeout“ – ist leider schon in Gebrauch und ich widme mich dem nächsten interaktiven Exponat. Ein Kunstprojekt, in dem Elemente verschiedener Spiele willkürlich kombiniert werden. Alle paar Sekunden wechselt das Szenario und man findet sich dann als „Space Invaders“-Kanone in einem Jump’n Run Spiel wieder oder muss als Mario vor Geistern flüchten. Auch wenn ich es ein paar Mal auf die Reihe bekomme die Situation zu begreifen und das Level, bevor es gewechselt wird, zu gewinnen (Als Mario eigentlich einfach nur allem auf den Kopf springen und wenn keiner da ist dahin, wo er sein sollte), bin ich in erster Linie frustriert.

Historisches Gaming-Mag mit Hitliste – sowie heißumkämpfter Automat.

Ich wende mich ab und entdecke einen „Space Invaders“-Automaten, der zu meiner Überraschung – anders als der „Pong“-Spielautomat und diverse andere Gerätschaften, tatsächlich bespielbar ist (Wie ich erst im Nachinein erfahren habe: „Pong“ funktionierte eigentlich – wurde aber am ersten Tag kaputtgespielt.). Das haben aber leider auch andere mitbekommen, so dass er von einer Menschentraube umlagert ist. Ich ziehe nun weiter und entdecke neben einem Film von „Riverraid“ auch die dazu passende Indizierungsentscheidung. Die ominöse „Painstation“ ist derzeit unbesetzt – wie auch jetzt auch „Space Invaders“! Ich möchte die Chance ergreifen, scheitere aber zunächst am ersteren Schritt: Der Bildschirm fordert mich auf Geld einzuwerfen. DM – angesichts der Umstände wenig wahrscheinlich. Nach etwas rumprobieren findet sich ein kleiner roter Knopf, nach dessen Betätigung ich den Einzelspielermodus wählen und starten kann. Anders, als bei diversen Flashumsetzungen, stellt sich die Steuerung als etwas behäbig heraus, so dass es langsam knifflig wird. Ich verliere alle Leben und werde am Ende von zwei Raumschiffen erwischt. Ich starte erneut und versuche es nun mit Taktik – wenn sich da nicht gerade mein Handy melden würde. Ich versuche es zu ignorieren, bin aber aus dem Konzept und bringe nichts mehr zustande. Etwas enttäuscht und nach mehr als einer Stunde Aufenthalt entscheide ich, dass es Zeit fürs Mittagessen ist.

Mit dem Tag und mir bin ich jedoch etwas unzufrieden, so dass ich Sonntag erneut das Museum ansteuere. Eine Änderung Seitens des Museums: Ich werde nicht mehr gebeten eine Einverständniserklärung für die „Painstation“ zu unterschreiben. Eine Änderung auf meiner Seite: Ich habe mir diesmal vorgenommen wirklich alle Exponate anzusehen und das „Computerspielmuseum“ als Museum und nicht als Arcade zu begreifen. In manchen Themengebieten mache ich langsam ein kleines Problem aus: Auch wenn ich mich eigentlich nicht als fanatischen Gamer betrachte, der blind im BIOS navigiert und ohne Selbstzweifel CPU und Kühler selbst zusammenschraubt, sind mir viele Informationen nicht wirklich neu. Auch wenn ich die Demoszene nur oberflächlich kenne sowie von der Modifikationen- und eSport-Community nur am Rande etwas mitbekomme, gehen die entsprechenden Informationsangebote nicht wirklich in die Tiefe. Neben vielleicht 4 Plaketten pro Themenwand, die – da auch englischsprachig – jeweils nur zur Hälfte (in Deutsch) beschrieben sind, finden sich meist nur noch zwei oder mehr Filmchen, die manchmal auch nur unkommentiert Spielszenen zeigen. Im Fall von Gamern allgemein nicht unbekannten Titeln wie „Anno 1602“ hält sich dann die Begeisterung in Grenzen.

Andere, mir weniger bekannte Bereiche, wecken dagegen mein Interesse umso mehr. So zum Beispiel wenn der Entwickler der „Brown Box“, Vorläufer des „Magnavox Odyssey“, sein Produkt höchstpersönlich in einem Spot anpreist und das Spiel vorführt, dass Atari später als „Pong“ vermarktet hat. Auch sonst sind für mich als zu spät geborenen die Anfänge neu. So werden beispielsweise frühe Versuche dargestellt das Fernsehen zu einem interaktiven Medium zu machen, auch wenn es letztendlich nur das ohne Wirkung bleibende Bemalen der Mattscheibe ist. Selbstverständlich mit zuvor aufgebrachter Folie, damit das Gerät danach noch zu gebrauchen ist. Auch deutsche Fernsehsendungen wie „Telespiel“ mit Thomas Gottschalk, die ich als Kind noch nicht wirklich wahrnehmen konnte, waren einen Blick wert.

Ein weiteres (für mich) spannendes Thema: Das „Bewahren“ von Videospielen. Angesichts neu aufkommender und wieder verschwindender Trägermedien und Hardware klagt so zum Beispiel der für die Sammlung von Videospielen Verantwortliche der französischen Nationalbibliothek sein Leid: Bei der letztendlich nicht unbegrenzt instandhaltbaren Hardware sei man auf OpenSource-Emulatoren angewiesen, um auch zukünftig noch den Gebrauch älterer Werke gewährleisten zu können. So dürfte es auch kein Zufall sein, dass es sich bei dem zweite Videoschnipsel zu diesem Thema um ein Interview mit demjenigen handelt, der mit M.A.M.E. ein hier durchaus brauchbares Instrument geschaffen hat.

In Bezug auf die DDR ist es ja gefährlich zu behaupten, dass nicht alles schlecht gewesen sein. Deswegen hier etwas vorsichtig ausgedrückt: Der Informatikunterricht an den Schulen scheint etwas weniger schlecht als der Rest gewesen zu sein. Auch wenn es die DDR – wenn man der Ausstellung Glauben schenken darf – wohl nur auf einen Spieleautomaten gebracht hat, liefert ein Video doch ein ganz interessantes Bild vom Lernen. Schüler werden durch Spiele an die Informatik herangeführt, die wiederum von ihren Mitschülern entwickelt wurden.

Das Thema der „Serious Games“ bzw. das Lernen mit Spielen darf natürlich auch nicht fehlen. So findet sich neben eine auf „Full Spectrum Warrior“ aufbauende Spielvariante zur Traumabewältigung auch der Einsatz der Wii im Seniorenheim. Skandale sind hier natürlich auch nicht weit: Von den Anfängen mit „Death Race“ ist über „Zaxxon“, „Maze War“ und das schon erwähnte „RiverRaid“ das Wesentliche dabei. Etwas lieblos präsentiert wird das Thema der Sucht, das mit dem Interview eines Betroffenen abgehandelt wird. Um Computern aus dem Weg zu gehen hat er u.a. den Ausbildungsplatz gewechselt und versucht sich nun als Altenpfleger. Selbst „1378 (km)“ hat es in die Ausstellung geschafft, dessen Vorstellung aber im Wesentlichen aus einem Video von SpiegelTV stammt. Auch anderes Material stammt z.B. von neues und so doch durchaus bekannten Formaten. Das soll nicht als Makel erscheinen – Im Gegenteil: Es ist durchaus interessant zu sehen, zu welchen Darstellungen unser Fernsehen über Videospiele fähig ist.

Kontroverses: Indizierungsentscheidung von „River Raid“ und Infos zu „Death Race“.

Neben diesen Aspekten werden auch solche präsentiert, um die ich normalerweise einen Bogen mache: Tanzmattenhüpfspiele, Bowlen mit der Wii und MMORPGs. Wobei es sich auch hier lohnen kann, sich an die jeweiligen Informationstafeln zu wagen. Dass beispielsweise das von Spielern pro Kopf in „EverQuest“ erwirtschaftete BIP höher als z.B. das in Paraguay ist, kann doch nachdenklich stimmen. Ebenso, dass die Währung zum Zeitpunkt der Untersuchung mehr Wert als der Yen hatte. Spätestens beim finanziellen Aspekt leuchtet es einem dann aber doch ein, dass es sich lohnen kann diese Entwicklungen ernst zu nehmen – wenn vielleicht auch mehr als Publisher.

Was dagegen weniger einleuchtet ist die Auswahl der Spiele, die tatsächlich genutzt werden kann. So gibt es unter anderem einen späteren „Monkey Island“-Teil, der genau wie ein vorhandenes Textadventure wohl weitaus mehr Zeit beansprucht, als der durchschnittliche Besucher aufbringen kann. Hier wäre „Zaxxon“ oder „River Raid“ zumindest in Hinblick auf die benötigte Zeit die bessere Wahl gewesen. Nun aber zu den Spielen, die auch der Besucher nutzen konnte. Neben dem bereits genannten „OXO“ und dem „Nim“-Spiel sowie „Asteroids“ und „Space Invaders“ als Arcade finden sich vor allem „experimentelle“ Spiele. So beispielsweise ein früher Chatbot, der bereits nach einigen Zeilen Konversation zielsicher meine negative Grundeinstellung feststellt oder ein Spiel, in dem man sich auch anhand von Tönen orientieren können soll. Ich bin bereits daran gescheitert diese vor dem Hintergrund der Geräuschkulisse zu hören. Ein Weiteres Spiel war ein Ego-Shooter, bei dem man anstelle seines eigenen Blickfeld nur das seines Gegners sieht. Gescheitert bin ich aber schlussendlich daran, dass ich nicht herausfinden konnte, wie ich meine Figur um die eigene Achse drehen kann.

Ein Highlight der Ausstellung dürfte die bereits schon mehrfach erwähnte „Painstation“ sein. An einer Art „Pong“-Tisch müssen Spieler jeweils die linke Hand auf eine Platte legen und dürfen diese nicht entfernen. Wer es dennoch tut verliert. Grund hierfür bietet eine Art Peitsche, etwas Hitzeentwicklung sowie Elektrizität. Ausgelöst werden diese Mechanismen, wenn einem Spieler der Ball entgeht und dieser auf ein entsprechendes, weiter hinten liegendes, Kästchen trifft. Das Publikum war durchaus gemischt: So spielten Freund gegen Freundin und auch Vater gegen Mutter, während der Sohnemann sich bereits freut, dass es den Richtigen treffen wird. Bemerkenswert auch das maliziöse Grinsen des Vaters, wenn es mal wieder seine Frau erwischt. Die Einverständniserklärung ist wie gesagt offenbar aufgegeben worden. Stattdessen verlässt man sich auf die angebrachten Warnschilder, die u.a. auch 18 Jahre als Mindestalter für die Benutzung festlegen. Ein Junge, der dieser Anforderung augenscheinlich nicht wirklich entspricht, wurde nach einigen Minuten entdeckt und zum Aufhören bewegt. Einstecken musste ohnehin eher sein Gegenspieler. Wobei gerade die männlichen Kontrahenten einen ungewöhnlichen Ehrgeiz entwickeln. Die Frauen geben wenn nicht schon bei der ersten Unannehmlichkeit zumindest bald darauf auf – wohl vernünftiger, während männliche Jugendliche auch mit bereits zentimeterdick geschwollenen Handrücken und blauen Verfärbungen zum nächsten Spiel antreten. Dass ich es noch erleben darf, dass auch Gamer mit ihrem beim Wettkampf erworbenen Blessuren Eindruck schinden können…

„Painstation“ in Aktion.

Selbst bin ich natürlich so vernünftig gewesen mich nicht an das Spiel zu wagen. Stattdessen habe ich mich erneut an „Asteroids“ und „Space Invaders“ versucht. Während ich ersteres wegen offensichtlicher Unfähigkeit schnell wieder habe sein lassen (Massenträgheit ist doof), konnte ich bei „Space Invaders“ gute Fortschritte machen. Wenn denn da nicht plötzlich eine Frau mit Mikrophon mit Mann im Schlepptau gekommen wäre, die offenbar Aufnahmen für einen Radiobeitrag gemacht haben. Nicht, dass ich durch Leute unruhig werden würde, wenn diese hinter mir stehen. Aber wenn dann auch noch untereinander diskutiert wird, was das Ziel des Spiels sei – Mensch, das ist SPACE INVADERS! – fällt es schwer mit den Händen nicht am Controller zu verkrampfen. Als mir dann auch noch das Micro nehmen die Hand geschoben wurde um das Klackern am Automaten aufzunehmen war die Konzentration vollends hinüber und das Spiel verloren. Auf weitere Versuche habe ich dann mit Rücksicht auf die nächsten Wartenden verzichtet.

Zusammenfassend dürfte es von der Person des Einzelnen abhängen, wieweit sich ein Besuch für ihn beim Computerspielmuseum lohnt. Als potentielle Besucher würde ich weder „Hardcore“ Gamer noch Laien ausschließen. Während für Letztere sicher die allgemeinen Ausführungen über das Phänomen Computerspiel von Interesse sein werden, dürfte niemand die ausgestellten Heimcomputer – vom Atari bis zum Saturn – mehr zu schätzen wissen als diejenigen, die damit aufgewachsen sind. Angesichts der zahlreichen und verschiedenen Angebote, die mit einem überdimensionalen Joystick und anderen Spielereien auch Kinder ansprechen, sollten Familien wohl die ideale Zielgruppe darstellen. Bei dem aktuellen Alter der Gamer der ersten Stunde wohl keine unglückliche Konstellation. Ich selbst habe mich letztendlich nun doch noch gut mit dem Museum anfreunden können und werde wohl noch mindestens einmal wiederkommen und mich Eindringlingen aus dem All stellen müssen. Die Frage, ob für die Geräte Vergnügungssteuer gezahlt werde, konnte mir vor Ort leider keiner beantworten. Zumindest bei der „Painstation“ dürfte man angesichts der Beträge froh sein, dass diese keine Gewalt gegen Menschen darstellt, sondern nur Gewalt gegen Menschen ausübt.

Zum Museum

18 Gedanken zu “Ein Museum – Zwei Besuche

  1. Gab´s da einen Amiga? Sonst fahr ich da nicht hin. :D
    Oben dachte ich noch an political-correctness-abzocke-für-DAUs, hat sich aber im laufe des Textes gebessert.
    Asteroids und Space Invaders, purer Kult, wenn nicht eine 100klm zwischen mir und Berlin liegen würden, dann wäre ich schon nur für Space Invaders hingefahren.

  2. Klasse Report, danke dir! Da bleibt zu hoffe, dass das Museum in Zukunft konsequent erweitert wird und ordentlich Zulauf bekommt.

    „Dass beispielsweise das von Spielern pro Kopf in „EverQuest“ erwirtschaftete BIP höher als z.B. das in Paraguay ist, kann doch nachdenklich stimmen. Ebenso, dass die Währung zum Zeitpunkt der Untersuchung mehr Wert als der Yen hatte. “

    Der Artikel zu diesem Thema ist zwar schon älter, aber immer noch genial, finde ich: http://www.walrusmagazine.com/articles/2004.06-economics-game-theories/

  3. Hi,

    ich habe am Aufbau und der Technik des Museums mitgearbeitet, betrachtet meinen Kommentar aber bitte trotzdem als inoffiziell.

    Besten Dank zunächst mal für deinen ausführlichen Bericht.

    Du hast ja schon erwähnt, dass das Museum recht klein ist. Dadurch muss man sich bei der Auswahl der Exponate leider stark beschränken, und es dürfte einleuchten, dass am Wochenende direkt nach der Eröffnung ein Riesenandrang von Publikum und Presse herrscht. Da kommen dann auch eher fach- und weltfremde Journalisten, die so über Computerspiele berichten wie wir vielleicht über die mesopotamische Antike. ;)

    Natürlich hast du völlig recht: idealerweise wäre in einem Spielemuseum jedes Exponat spielbar. Und jeder langjähriger Gamer wird zig seiner eigenen Lieblingsspiele vermissen. Es ist aber schlicht unmöglich, allen — sowohl spielefremden Erstkontaktbesuchern als auch erfahrenen Spielern — gerecht zu werden. Und die Exponate bloß nach dem möglichst einfachsten Einstieg auszuwählen, wie du vorgeschlagen hast, halte ich nicht für soooo sinnvoll. Es soll ja gerade keine Daddelhalle sein. Klar kann man ein Textadventure „Zork“ nicht im Museum durchspielen, dazu fehlen ja schon die ganzen Feelies. Aber zur Demonstration eines Interfaces, das heute beinahe komplett vergessen ist, finde ich es trotzdem ausstellungswürdig.

    An der Meilensteine-Wand werden ausgewählte Spiele nur als Video gezeigt, da hast du recht. Erstens wäre es eine ziemliche Herausforderung, alle Spiele dort komfortabel spielbar zu machen (andere Controller, andere Steuerkonzepte, teils komplexe Einführungen per Handbuch erforderlich), zweitens würden sich gerade dort die Zocker festsetzen und anderen Besuchern kaum Chancen mehr bieten, sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Genau dafür wurde die Wand geschaffen: für einen knappen Überblick über die letzten Jahrzehnte Spielegeschichte.

    Wipeout HD samt 3D-Fernseher wird ausgestellt, um den aktuellen Stand der 3D-Technik zu zeigen. Das Indiegame namens „ROM CHECK FAIL“ hat für recht positive Wellen gesorgt, und zumindest ich finde es ein brillantes Hommage-Mashup. Mal zuhause ausprobieren? Bitte. Übrigens endet ein Level nicht mit der Neuzusammenstellung der Grafik, sondern erst, wenn alle Gegner tot sind.

    Von Monkey Island wird tatsächlich das erste, nämlich „The Secret of Monkey Island“ ausgestellt, und zwar in der Special Edition. Dort kann man einfach per F10 zwischen alter und neuer Musik und Grafik umschalten — sehr praktisch für ein Museum. Das steht auch so in der Texttafel direkt daneben.

    Zu jedem spielbaren Spiel gibt’s außerdem noch eine Kurzanleitung direkt an der jeweiligen Station, so auch zum „2nd Person Shooter“ (sich drehen = Mausbewegung, deswegen liegt ja eine Maus dort) und zum Audiospiel „Terraformers“. Leider sind diese Anleitungen etwas versteckt zum Herausziehen angebracht, das war vielleicht etwas zu sehr um die Ecke gedacht, ja.

    Grüße,
    Matthias

  4. Danke für den Bericht, sollte ich mal irgendwann in Berlin sein werd ich mir das Museum wohl mal anschaun.

    Übrigens wer mal alte Arcarde- Automaten spielen will, dem kann ich Retrogames e.V in Kalsruhe empfehlen. Gegen nen kleinen Obolus (3€) kann man Samstags den ganzen Abend die Automaten kostenlos spielen.

  5. Oh, die feine Ironie zum Schluß: lol @ „[…]dass diese keine Gewalt gegen Menschen darstellt, sondern *NUR* Gewalt gegen Menschen ausübt.“ Was natürlich viel weniger verwerflich ist und deshalb nicht indizert, verboten, weggeschlossen werden muß.

  6. http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2788823_0_9223_-plochingen-bruder-fordert-waffenverbot.html

    „Wenn unsere Forderungen damals durchgegangen wären, wäre die Tat in Plochingen nicht geschehen“, mutmaßt Schober. Seiner Meinung nach könnten Sportschützen ihr Hobby genauso gut ausüben, wenn die Waffen in den Sportstätten aufbewahrt würden. Natürlich müssten sie dort gesichert werden.
    Ja, aber dann wäre sie vllt mit dem küchenmesser auf ihn losgegangen oder hätte ihm den schützenpokal über die rübe gezogen. die frau war ohnehin bescheuert, sie hätte auch einfach die polizei rufen können. aber dann hätte er ihr vltt etwas getan. ich gebe dem aaw in dem punkt recht, dass kein schütze die waffen daheim braucht und dass man diese im verein sicher aufbewahren kann, was dann auch kontrollierbar wäre. allerdings ist es nach wie vor blödsinn zu behaupten, durch waffenverbote lassen sich solche taten verhindern und erst recht amokläufe.

  7. Die Landesoberschützenmeisterin des Württembergischen Schützenverbands, Hannelore Lange, sagte, „das beste Waffengesetz schützt nicht vor menschlichen Tragödien“. Aus ihrer Sicht seien die Forderungen des Aktionsbündnisses nicht praktikabel. „Wir müssten unsere Schützenhäuser in Festungen verwandeln – wer soll das bezahlen?“
    Ach, und wie bewahren sie dann die waffen daheim auf?

  8. @Matthias

    Sry, das ich den Beitrag erst jetzt freigeschaltet habe – hatte davor nicht nachgesehen, ob was in der Warteschlange festhängt.

    Ich habe vollstes Verständnis für die räumlichen und sicher auch finanziellen Grenzen, die es verhindern, dass jedes Spiel auch spielbar ist. Nur es wäre nicht schlecht, wenn der Besucher dies auch wissen würde. Die Enttäuschung, wenn man es nämlich erst annimmt, kann einen ziemlich runterziehen. Wahrscheinlich steht es sogar irgendwo, aber ich habe die Handhabe der Videoauswahl per Controler nur auf dem virtuellen Würfel selbst erklärt erfunden. Dort kommt man aber gar nicht zwingend hin – so dass zumindest diese Bedienungsanleitung vielen verborgen bleiben wird. Ich hatte zumindest nicht das Gefühl, dass viele Besucher das Prinzip verstanden hatten. Viele haben es auch nicht einmal geschafft den Würfel zu drehen und Videos zu starten – einigen habe ich dabei dann weitergeholfen. Falls ihr die Anleitung nicht auch irgendwo schon versteckt habt: Warum unter den drei großen Tafeln mit „homo ludens“ etc. am Eingang eine große Tafel ranschrauben, die die Steuerung der Videowürfel erklärt und darauf hinwesit, dass diese Filmchen nicht interaktiv sind? Die Anleitung zu dem akustischen und 2nd. Person Spiel habe ich tatsächlich nicht bemerkt. Warum ich das mit dem Drehen nicht hinbekommen habe kann ich mir gerade nicht erklären – wenn da eine Maus gelegen haben sollte…

    Zum Monkey Island – Schande, dass ich das nicht gemerkt habe^^.

  9. Stimmt, zu den Videostationen gibt es tatsächlich keine gedruckten Anleitungen, soweit mir bekannt. Wahrscheinlich hielten das die Planer für selbsterklärend. ;)

    Die Anleitungen zu den Spielen sind alle in den Würfel unter dem jeweiligen Monitor eingelassen. Besonders schlau finde ich das nicht, denn erstens übersieht man sie, wenn sie nicht herausgezogen sind, und zweitens werden die mit Sicherheit schnell abgebrochen, falls sie herausgezogen sind.

    Ansonsten wird bereits daran gearbeitet, noch mehr Spiele wirklich spielbar zu präsentieren. Aber bitte auch bedenken, dass ein echter Spiele-PC oder eine spielbare Konsole erheblich mehr Wartungsaufwand bedeutet als ein automatisierter Videoplayer-Barebone. Die Dinger stehen ja schließlich nicht sicher zuhause, sondern im öffentlichen Raum.

  10. @Matthias

    Man sollte wohl auch im RL immer mit dem Dümmsten annzunehmenden User rechnen^^. Ich wünsche mir jetzt zumindest eine Arcade hier in Bremen: Angesichts der Steuern aber wohl unwahrscheinlich – wie sieht es da jetzt eigentlich bei euch aus? Eine kleine Frage noch: Was macht man beim OXO falsch, wenn man ein Spiel startet und auch per Wählscheibe Kreuze setzen (und verlieren) kann, aber auf dem „Bildschirm“ weder Raster noch Kreuze oder Kreise angezeigt werden? Bei anderen habe ich mal ziemlich zerfetzte Muster gesehen, aber mit Tic Tac Toe hatte da snicht viel zu tun – eher mit Matrix.

    edit:

    Ich fand es übrigens ganz interessant, wie bei wohl Zork nach mir der nächste weitergespielt hat (Ich hatte etwas aus einer Truhe geholt und eingesteckt, von dem ich nicht wusste, was es ist – Vokabel). Könnte man da nicht den Spielverlauf live auf die Webseite des Museums „twittern“? Dummerweise wird man dabei dann aber leider nicht verfolgen können, wann ein Spielerwechsel stattgefunden hat.

  11. Pingback: darktiger.org

  12. @Rey Alp: aber auch der dümmste anzunehmende User darf z.B. sein Programm beenden, neue starten, den Rechner runterfahren wann er möchte oder seine Konsole durch Knopfdruck einschalten statt durch externe Stromgeber, während das im Museum eher unvorteilhaft wäre. ;)

    OXO: da wird ein kompletter Edsac-Rechner emuliert, dessen „Memory Tanks“ auch anders eingestellt werden können, wodurch das Spielfeld verschwindet. Ist eben ein Kompromiss. Zeigt man OXO einfach nur so als nachprogrammiertes Spiel, verlöre es seinen Reiz. Das ist ja nix besonderes. Würde man ein Edsac-Handbuch beilegen, müssten die Besucher erst 50er-Jahre-Informatik studieren. Ein bisschen mehr Text in der Anleitung wäre aber schön, das stimmt. Ich reiche das mal weiter.

    Zork: interessante Idee, danke! Derzeit nicht machbar, aber eventuell in Zukunft mal.

  13. Hmmm… Spielwährung mehr als Yen wert? Das ist in keinster Weise ungewöhnlich.
    Ein Yen ist weniger Wert als ein Cent, da es in Japan keine „Pfennige“ (mehr) gibt.

    Wenn man sich also die Preise anschaut die Gold zB auch in WoW kostet wenn man es (illegalerweise) kauft, dann kommt man darauf dass vor der Inflation durch Cataclysm etwa 20€ für 5000 Gold bezahlt wurden. Das sind 250Gold/€, und wenn man so manche Währungen der Welt anschaut, dann kommt man da sicher auf weniger als ein Gold pro Währungseinheit.
    Von „mehr wert“ würde ich dabei allerdings nicht wirklich sprechen.

    Zusätzlich ist das ganze natürlich extremen Schwankungen unterworfen.

    Gruß
    Aginor

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