Newsschwemme #11

– „Chronische“ Nutzung harter Spiele ohne Effekt auf das emotionale Langzeitgedächnis, gulli.
– KFN-Fragebögen ohne KFN: Anteil der süchtigen Gamer um ein Sechstel niedriger, spon.
– Interview mit Autoren der Studie, ea-blog.
– Evangelischer Medienverband ermuntert zum „Medienfasten“, golem.
– VGMG plant zweiten Streich: Warnhinweise für Spiele, 20min.
– GameRights eher ablehnend, GameRights.
– „R18+“ in Australien verzögert sich, GamePolitics.
– „Bulletstorm“-Kontroverse in den USA – Spiel würde zu Vergewaltigungen führen, GamePolitics.

9 Gedanken zu “Newsschwemme #11

  1. Die Warnhinweise sind doch lustig, das wird bestimmt ähnlich viele abschrecken wie beim Rauchen. Natürlich könnte es auch sein, dass einige gerade davon angesprochen werden. „Verändert den Charakter?“ „Cool, spare ich mir andere Drogen“ Doch solange Eltern damit endlich mal „klipp und klar“ erfahren, womit ihr Kiddies es zu tun haben, kann ich immerhin ruhig schlafen. *Ironie*
    .
    Was das KFN angeht, sollten die Politiker doch mittlerweile auch mal hellhörig geworden sein. Erst wird ordentlich Geld dafür verpulvert, damit Studien produziert werden, welche die Bösartigkeit von Spielen belegen sollen und dann kommen immer mehr Institute daher und decken die fragwürdigen KFN Methoden auf oder kommen mit ähnlichen Vorgehensweisen zu deutlich anderen Ergebnissen. Klingt für mich so, als ob beim KFN ordentlich Geld verbrannt worden ist. Also: Förderung zurückfahren und Geld lieber für effektivere Dinge ausgeben, wie Förderung von Medienkompetenz bereits bei Schülern. ;)

  2. Nur zwei kurze Bemerkungen dazu:

    1. Was Näfs Behauptung angeht: Das halte ich schlicht und einfach für eine Wiederauflage der sogenannten „Ritualmordlegende“, die seit antiker Zeit immer wieder gegen politische Gegner oder Mitglieder „anderer Kulte“ ins Feld geführt wird. Cicero gebrauchte diese gegen Catilina, die Römer gegen die Christen und, richtig, die Christen gegen die Juden. Wenn ein Kind verschwand oder tot aufgefunden wurde, dann „wußte“ man so bis ins 19.Jahrhundert hinein immer, wer „schuldig“ war. Es mußte schließlich nicht einmal in Wirklichkeit etwas passieren, es gab auch die Variante des „Hostienfrevels“, wobei das Brot als gewissermaßen „virtueller“ Stellvertreter für einen echten Menschen auftauchte, und der sogar als noch schlimmer gewertet wurde als der angeblich begangene „Ritualmord“. Auch hat man in der Vergangenheit beispielsweise, wenn man beispielsweise über die „Hexen“ sprach, eigentlich über „die Juden“ gesprochen, seine Vorurteile gegen die Einen aus den Vorurteilen gegen die Anderen übernommen. So etwa, wenn man den Beschuldigten als Akteur in einer großangelegten Verschwörung darstellte, die bestrebt sei, die Zivilisation zu zerstören — was für sie oder ihn zu Ausgrenzung, zu Repressalien und auch zu Schlimmerem führen konnte. Auch andere Medienkritiker (z.B. hatte Rudolf Weiß ja wohl auch gefordert, Computerspieler auszugrenzen, sie zu gesellschaftlich zu „ächten“).

    Wie sehr sich die „Argumente“ doch decken. Wohlgemerkt, ich glaube nicht, daß Näf eine antisemitische Gesinnung hat, und glaube auch, daß der Vergleich unvollständig ist, wenn man nicht auch die Unterschiede herausarbeitet. Aber es zeigt eben, daß die Denkmuster noch immer nicht verschwunden sind. Sondern sie werden noch immer gegen mißliebige Gruppen ins Feld geführt, wobei diejenigen, die das tun, wohl auch hoffen werden, daß sie noch immer abgerufen werden und zu dem entsprechenden Denken und Handeln führen können.

    2. Ich habe das hier jetzt nicht greifbar, aber soweit ich mich erinnere, haben die Autoren der KFN-Studie zur „Computerspielsucht“ in ihrem Original-Artikel sehr wohl darauf hingewiesen, daß diese „Sucht“ nicht als Krankheit im Sinne der üblichen diagnostischen Kataloge (ICD-10 bzw. DSM-IV) gilt, und daß ihre Schätzung über den Anteil der „süchtigen Spieler“ sehr wohl um eine Größenordnung (wohl also bis zum Faktor 10) falsch sein könne. Die Mitarbeiter kommen auch an anderer Stelle zu Einschätzungen, die milder sind als die ihres Chefs. Nur kommuniziert Pfeiffer das und die Beschränkungen der Aussagen anscheinend nicht. Sie tauchen auch in den Medien eher selten auf (– ich erinnere mich sogar an einen Aufsatz von so einer „Initiative“ mit dem bezeichnenden Titel „Willkommen in der Wirklichkeit“, in dem Pfeiffer mit der Behauptung zitiert wird, „ein Drittel von ihnen (also: der Spieler) (sei) süchtig“. In dem Papier steht auch sonst nicht viel Wahres). Und man kann sehr wohl argumentieren, daß das mit einer auch politischen Zielsetzung erfolgt.

    Aber mal abgesehen davon, halte ich auch ein Schätzungsinstrument für nicht sehr zuverlässig, das eine Fehleinschätzung um einen Faktor 6 liefert…

  3. P.S.: Es kann sehr wohl auch sein, daß Näf das nicht einmal klar ist, sondern er lediglich immer nach den besten rhetorischen Tricks sucht, um gegen Computerspiele(r) anzukommen. Und auch da ist man nicht unbedingt fein. Die Medienkritiker (z.B. Hardy Schober über den angeblichen Intellekt der Spieler, Hopf in „Gamer und die Wissenschaft“) bezeichnen diejenigen, die anderer Meinung sind als sie, gerne einmal als „dumm“, „ignorant“ oder „gefährlich“. Vielleicht gehört das in der „Diskussion“ auch zum „normalen Ton“, wenn man etwas erreichen will: Ein Verfechter der Eugenik bezeichnet seine Gegner so oder so ähnlich (und seine Methodik als Allheilmittel für alle gesellschaftlichen Probleme). Und der Wirtschaftswissenschaftler Ludwig von Mises gebrauchte solche und auch noch ganz andere Titulaturen für Menschen, die seine Lehre vom Kapitalismus ablehnen: Sie seien faul, nichtsnutzig, minderwertig et cetera.

  4. P.S.: Die unter (2) von mir vermerkte Quelle ist:
    Rehbein, Florian; Borchers, Moritz, „Süchtig nach virtuellen Welten? Exzessives Computerspielen und Computerspielabhängigkeit in der Jugend“, in: Kinderärztliche Praxis 80(1), 2009, S.42-49

  5. Bulletstorm ist ein Spiel was wirklich nur durch übertriebene Gewalt protzt.
    Es mag zwar hin und wieder etwas lustig sein und auch die vielen „Methoden“ einen Gegner zu besiegen ist zwar so ganz gut, aber mein Geschmack ist das nicht.
    Mich würde es also nicht wundern, wenn bald Hetzsendungen wie Frontal21 Ausschnitte aus diesem Spiel benutzen würden und diese Ausschnitte als „so geht es in jedem Spiel zu“ verallgemeinern würden.
    Und Näf…
    OMG, schlafen die Schweizer oder wurden die von Näf hypnotisiert?
    So viel Blödsinn von dem Typen durchzuwinken bzw. zu tollerieren schreit förmlich nach Dummheit.

  6. @Martin Ebers
    Vielen Dank für diese Kommentare. Vor allem den Bezug zum (mehr oder weniger überwundenen) „Hostienfrevel“ fand ich hoch interessant: ja da lassen sich auch aus meiner Sicht einige historische Parallelen sehen

    Ich denke da zwar ähnlich, glaube aber – wie auch schon angeführt wurde -, dass der Näf und Andere welche in einiger Radikalisierung so gegen Spiele auftreten einfach wirklich alles versuchen was jeweilig auch bloß „gut“ ankommen KÖNNTE.
    Dabei rufen sie in einer entsprechenden Mentalität gewisse Einstellungen lediglich ab: in Hinblick auf die Sozialgeschichte im deutschsprachigen Raum haben die aus meiner Sicht in erster Linie mit den Ständen zu tun. Ich denke da immer an die Meistersinger bei Wagner: bloß dass sich da halt weniger bei einer Tätigkeit wie Singen sondern restlicher Arbeit, Leben, Freizeitgestaltungen abgegrenzt wird.
    Und dazu gehören eben auch diese Reden von „Gewalt“ wenn einem etwas schon nicht passt, durchaus auch von Gamer- und/oder Spielpresse her. Wenn es etwa heißt, dass „Bulletstorm“ ein Spiel sei „was wirklich nur durch übertriebene Gewalt protzt“. Obwohl es eigentlich doch bloß auf Combo-Attacken basiert welche in jedem abstrakten Shoot’em Up quasi mit zum guten Ton zählen, die „Gewalt“ dieser sichtbar macht. Eine Ästhetik konkretisiert welche am Ehesten noch musealisiert wird (heutzutage) bei den Games: Stichwort 8-bit-Kunst. Denn genau da will man halt auch nicht gestört werden, damit nicht konfrontiert werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.