Interview mit Dorothee Bär

Vielen Gamern dürfte Dorothee Bär mittlerweile ein Begriff sein. Schließlich ist sie eine der wenigen Politikerinnen, die sich auf vielfältige Weise für Videospiele engagieren. Die Initiierung des deutschen Computerspielpreises, die klare Absage an Verbotsforderungen sowie jüngst die LAN im Reichstag dürften hierzu Beweis genug sein. Idee von letzterer war Abgeordnete „mit Computerspielen vertraut zu machen und auf diese Weise eventuelle Vorurteile abzubauen“. Was allein etwas stutzig macht ist die Parteizugehörigkeit. So ist die CSU über Jahre hinweg Videospiele betreffend eher mit Verbotsforderung als mit dem Ruf nach Förderung und der Feststellung, dass Videospiele mittlerweile „Teil der Kultur unserer Gesellschaft“ seien, präsent gewesen.

Um hier etwas Licht ins Dunkle zu bringen, haben wir ihr einige Fragen gestellt:

stigma:

Wie sieht es eigentlich mit Ihrer eigenen Erfahrung aus. Spielen Sie?

Dorothee Bär:

Ich selbst spiele regelmäßig Computerspiele, allerdings natürlich nur in einem Rahmen, in dem es meine Zeit zulässt. Inhaltlich interessiere ich mich für Strategie- und für Sportspiele.

stigma:

Bei der Diskussion über gewaltdarstellende Videospiele wird oft von einem Generationenkonflikt gesprochen: Die Politiker seien, anders als die Jugend, nicht mit Videospielen aufgewachsen und ihnen würde hier der Zugang fehlen – können Sie das bestätigen?

Dorothee Bär:

Sicherlich hat die Be- und Verurteilung von Computerspielen auch etwas mit dem Alter zu tun. Und doch muss Politik Antworten auf die Fragen aller Generationen finden. Darum bemühe ich mich als Vorsitzende des CSU-Netzrates.

stigma:

Ich habe den Verdacht, dass viele Gamer der Politik beim Thema Videospiele Unrecht tun: Während Namen von negativ eingestellten Personen langläufig bekannt sind, fällt es manchen schwer auch nur einen Politiker zu nennen, die sich für Videospiele engagiert. Hätten Sie ein paar parat?

Dorothee Bär:

Als Autorin der netzpolitischen Leitlinien meiner Partei habe ich mich wiederholt für eine stärkere Anerkennung von Computerspielen als Kulturgut ausgesprochen. Auch mein Kollege Reinhard Brandl (MdB), und viele junge Kollegen aus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion wie der Kulturpolitiker Marco Wanderwitz (MdB) oder der Vorsitzende der Jungen Union, Philipp Mißfelder (MdB) sind prominente und laute Stimmen in der Debatte um eine stärkere Würdigung der Leistung der Computerspielbranche.

stigma:

Hierbei kommt etwas erschwerend hinzu, dass viele Politiker sich nicht „in Gänze“ hinter Videospiele stellen, sondern bestimmte Genres, wie das der Ego-Shooter, ausnehmen – „negative Nischen„, wie es Bernd Neumann ausgedrückt hat. Wie bewerten Sie es, dass hier plötzlich eine Linie zwischen „guten“ und „schlechten“ Spielen gezogen wird?

Dorothee Bär:

Die Qualität von Computerspielen muss sich, wie bei Filmen auch, an Kriterien messen lassen. Dies folgt automatisch aus der Forderung nach einer fachlich fundierten und sachlich geführten Debatte. Dabei kommt dem Deutschen Computerspielepreis eine herausragende Rolle zu, der die Kreativleistung der Branche würdigt und anerkennt.

stigma:

2008 traten Sie Verbotsforderungen der Union entgegen – es bräuchte Aufklärung statt Verbote. Zwei Jahre zuvor waren Sie dagegen beim bayerischen Verbotsvorstoß (§ 131a StGB), der das Verbot nicht nur ausweiten, sondern Personen wie mich auch einsperren wollte, anderer Überzeugung: „Ich befürworte diese Initiative, weil Killerspiele kein Spielzeug wie ein Puzzle oder ein Kartenspiel sind„. Wer sind Sie und was haben Sie mit Frau Bär gemacht?

Dorothee Bär:

Ich persönlich habe mich davon überzeugt, dass Verbote keine effektive Methode zur Nicht-Verbreitung bestimmter Spiele sind. Ich freue mich, dass es mir gelungen ist, auch meine Parteikollegen zu überzeugen, dass Verbote nicht zu den gewünschten Erfolgen führen werden.

Auf weitere Fragen, beispielsweise was Frau Bär dazu bewegt hat zu fordern auch „ab 18“-Spiele  beim Deutschen Computerspielpreis zuzulassen, ob sie sich ein „Crysis 2“ als Preisträger vorstellen könnte, weshalb sie im Vorjahr „Uncharted 2“ noch als „in keinem Fall zur Auszeichnung geeignet“ bewertet hat und in wieweit sie hinter dem aktuellen Verbot steht, haben wir keine Antwort erhalten.

11 Gedanken zu “Interview mit Dorothee Bär

  1. schön, dass sie sich auf das interview eingelassen hat, aber ein paar äußerungen lassen sie wie eine personifikation des deutschen computerspielpreises aussehen.

  2. Was sagt sie zu den Umtriebe ihres Parteifreunds Joachim Herrmanns, der zusammen mit linksradikalen Spinnern und Verschwörungstheoretikern zu den Erstunterzeichnern des Kölner Aufrufs zählt ?

  3. Die Antworten hören sich an wie: Games ja!, solange sie in unseren Kram passen. Ich bin von den Antworten enttäuscht

  4. Ihr müsst der Frau aber auch die Zeit geben ihren Weg zu gehen. Sie ist dabei umzudenken und das braucht eben.
    Ich betrachte die Antworten durchaus als erfreulich. Dass sie Fragen nach ihren Parteifreunden, linksradikalen Spinnern und Verschwörungstheoretikern unbeantwortet lässt, kann ich nachvollziehen.

  5. Pingback: Von “Stigma Videospiele” geführtes Interview mit Dorothee Bär (CSU)

  6. Ich kann’s auch nachvollziehen.
    Ich finde es aber auch wichtig Politikern wie Frau Bär klar zu machen das sich ihre Parteifreunde mit solchen Aktionen nicht umbedingt beliebt machen.

    Ausserdem ist Frau Bär noch jung, und wer weis, wenn es ihr irgendwann mal darum geht einen Parteifreund abzusägen ist die Zusammenarbeit mit linken Spinnern IMHO genauso effektiv wie eine STRG+C STRG+V Doktorarbeit ;)

  7. Na ja: hat hier jemand schon viel von Reinhard Brandl oder überhaupt dem „Kulturpolitiker Marco Wanderwitz“ gehört?
    Echt jetzt: dabei scheint es sich um genau jene Politiker zu handeln, bei denen ich von der Frau Bär jetzt schon vor Jahren glaub ich hörte, dass man sich gegen Verbote bereits da „einig“ gewesen wäre.
    Sorry, aber das ist irrelevant: Verbotspolitik mag so zwar nicht bei der CSU-Kultur gemacht werden, aber halt im Sozial-Ressort bei der Haderthauer oder gleich im Innenministerium.
    Ich sehe jetzt auch (noch) keine große Karriere für die Frau in der Partei – und wie sie sich im Fall der Fälle einer solchen verhält weiß auch niemand: mir scheint sie leider eher für jenen liberalen Flügel in der Partei zu stehen der sich sowieso nie durchsetzen wird und nach den Freien Wählen mit einer Pauli kämpfen ja jetzt auch schon die Grünen voll um bürgerliche Stimmen.
    Ich glaub in der Partei werden so in Hinkunft eher verstärkt konservative Werte und Traditionen angesprochen werden wollen – hartes Durchgreifen im Sinne von Law & Order, Zero Tolerance gegen „Killerspiele“ – der Maßkrug als Lebensmittel(punkt) und SchützInnenvereine als Lebenselixier usw.

  8. „…Auf weitere Fragen, beispielsweise was Frau Bär dazu bewegt hat zu fordern auch „ab 18“-Spiele beim Deutschen Computerspielpreis zuzulassen, ob sie sich ein „Crysis 2“ als Preisträger vorstellen könnte, weshalb sie im Vorjahr „Uncharted 2“ noch als „in keinem Fall zur Auszeichnung geeignet” bewertet hat und in wieweit sie hinter dem aktuellen Verbot steht, haben wir keine Antwort erhalten.“

    Danke für das Interview aber das gerade die wichtigsten Fragen nicht beantworten worden sind deutet für mich auf was ganz anderes hin als die Frau Bär eigentlich sagt.
    Denn warum sei es denn für jemanden der seine Vorurteile „angeblich“ abgelegt hat nun so schwer, auf Fragen für Erwachsenengames zu antworten?

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