Presserat: Verbreitung von Verschwörungstheorie zulässig

(VDVC) Der Verband für Deutschlands Video- und Computerspieler (VDVC) hat seinen Tätigkeitsbereicht 09/10 veröffentlicht, in dem unter anderem die zurückliegenden Aktivitäten dargestellt werden. Hierzu gehört auch die Beschwerde über einen Artikel der Südwest Online Presse, die beim Deutschen Presserat eingelegt wurde. Unter der Überschrift „Extra-Steuer auf Killerspiele“ hatte sich der Autor Christoph Mayer mit dem angeblichen Hintergrund von „Killerspielen“ auseinandergesetzt. Diese würden, dem Neurologen Manfred Spitzer zu folge, auf vom US-Militär zur Senkung der Tötungshemmung von Soldaten entwickelte Killerspiele zurückgehen.

Festgemacht wurde die Beschwerde an zwei Punkten: Zum einen an der in indirekter Rede wiedergegebene Äußerung Spitzers über die Entwicklung und Nutzung besagter Spiele Anfang der 90er Jahre durch die US-Armee, zum anderen aber auch an den weiteren Ausführungen des Autors, wonach diese Spiele die Vorläufer der heute kommerziell vertriebenen Ego-Shooter seien.

Zum ersten Punkt:

Zwar schreibt Grossman in „Wer hat unseren Kindern das Töten beigebracht?“ dass „Marine Doom“ vom USMC genutzt worden sei um „den Willen zu töten auszubilden“, aber ob dies zutrifft darf bezweifelt werden. Hartmut Gieselmann widerspricht in „Der virtuelle Krieg“ dieser Behauptung vehement:

„Jedoch diente diese Version nicht, wie die Autoren es darstellen, für Zielübungen und zur Desensibilisierung der Rekruten […].“

Auch sonst wird Grossmans Buch in wissenschaftlichen Kreisen eher kritisch beurteilt. So ist es nach Prof. Dr. Thomas Hausmanninger „von einer geradezu drastischen Unkenntnis“ und „zeigt sich […] als ausgesprochen undifferenziertes, um nicht zu sagen: ideologisches Werk. Es sollte seinem Untertitel entsprechend bewertet und behandelt werden: als „Aufruf“ – also als Pamphlet“. Prof. Dr. Michael Wagner findet nicht weniger kritische Worte:

„Zusammengefasst sei hier festgestellt, dass die derzeit im Umlauf befindlichen Aussagen zur Reduktion der Tötungshemmung auf Arbeiten basieren, die einer üblichen wissenschaftlichen Kritik in keiner Weise standhalten können. Hier werden Militärsimulationen mit Computerspielen in einen Topf geworfen und Korrelationen kausale Zusammenhänge zugestanden, die teilweise an den Haaren herbeigezogen sind. Es handelt […] sich hierbei ganz klar um einen Mythos auf Basis der Medieninkompetenz seiner Verbreiter.“

Zum zweiten:

Bei der Frage, ob militärische Tötungstrainer die Vorläufer kommerzieller Ego-Shooter sind, liegt es einfacher. Für diese Aussage existiert schlicht keine Quelle, die nicht auf ein Missverständnis zurückzuführen wäre, weshalb diese schon offen als „Antiamerikanische Verschwörungstheorie“ bezeichnet wurde. Oft wird hier wieder auf Grossman verwiesen, der in einem Interview aber selbst angibt, dass Ego-Shooter durch private Unternehmen unabhängig vom Militär entwickelt wurden sowie „die erste wirkliche Vermischung kam, als das Militär diese Spiele aus der zivilen Welt wieder zum Training der eigenen Leute heranzog“. Militärisch genutzte Videospiele sind also sogar nach Grossman nicht Vorläufer der kommerziellen Spiele, sondern das Gegenteil trifft zu: Die militärischen Spiele basieren auf den kommerziellen Shootern.

Vom VDVC wurde in Bezug auf beide Punkte moniert, dass bei der Recherche offenbar die journalistische Sorgfalt verletzt wurde (Ziffer 2 des Pressekodex) und im Nachhinein keine der beiden Fehler richtig gestellt wurden (Ziffer 3 des Pressekodex):

„Ziffer 2 – Sorgfalt
[…] Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben. […] Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen sind als solche erkennbar zu machen.“

„Ziffer 3 – Richtigstellung
Veröffentlichte Nachrichten oder Behauptungen, insbesondere personenbezogener Art, die sich nachträglich als falsch erweisen, hat das Publikationsorgan, das sie gebracht hat, unverzüglich von sich aus in angemessener Weise richtig zu stellen.“

Der Deutsche Presserat ist hier jedoch anderer Auffassung und hat die Beschwerde bereits im Vorverfahren als offensichtlich unbegründet zurückgewiesen. Auf die Wahrheit stellt der Presserat dabei gar nicht ab. Die Beschwerde müsse in Hinblick auf den ersten Punkt schon deswegen ohne Erfolg bleiben, da es sich um ein Zitat handele, das „als indirekte Rede dem Hirnforscher Manfred Spitzer zuzuordnen“ sei. Beim zweiten Punkt werden die Bedenken des VDVC ebenfalls entkräftet. Es könne die „Äußerung „diese Army Spiele sind die Vorläufer […]“ […] auch gelesen werden als allgemeine Aussage über zeitliche Abläufe“. Da die Behauptungen somit nach den Maßstäben des Presserats zulässig sind, entfällt offenbar auch das Erfordernis einer Richtigstellung.

Zusammenfassend ist die Bewertung des Deutschen Presserates für nicht-Journalisten nur schwer nachzuvollziehen. Auch wenn mir die Auslegung von „Vorläufer“ durch den Presserats neu ist, hat diese Alternative ebenfalls einen Haken: Selbst als „allgemeine Aussage über zeitliche Abläufe“ wäre die Behauptung falsch, da – wie bereits ausgeführt – die zivilen Videospielen vor den militärischen existierten. Wobei die Südwest Presse Online ihrerseits dann doch Unstimmigkeiten entdeckt haben muss. Nach der Entscheidung über die Zurückweisung der Beschwerde wurden zwei Änderungen in dem Artikel durchgeführt. Es wurden jedoch nicht etwa die falschen Aussagen korrigiert, sondern der zweite Punkt ist nun als indirekte Rede Spitzer untergeschoben worden. Da der Presserat keine Verletzung der Sorgfaltspflicht ausmachen konnte muss man für diese „Korrektur“ aus „Kulanz“ wohl auch noch dankbar sein.

Zum Tätigkeitsbericht (pdf)
Zum SWP-Artikel

34 Gedanken zu “Presserat: Verbreitung von Verschwörungstheorie zulässig

  1. Ich glaube dass das Denken hier dabei viel zu kurz greift: ich habe etwa erlebt, dass nicht nur (einige) Videospiele unmittelbar als ursprünglich mit Militär in Verbindung stehend geglaubt werden, sondern etwa „Computer“ allgemein. Als „militärisch“ UND „männlich“. So wie der Kaptitalismus, (Waren-)Fetische und andere Gewalt auch. Als patriarchal etc. Und da ist ja auch etwas dran: Männer führ(t)en Kriege, Männer spielen so am Computer usw. Gerade bei Leuten wie Maria Mies scheint das doch im Zentrum einr jeglichen Technikfeindlichkeit zu stehen.
    Und es ist ja auch nicht von der Hand zu weisen, dass diverse technische Errungenschaften militärischen Anstrengungen mit zu verdanken SIND. Ich denke man sollte diese Ausführungen von Grossmann etc. auch so verstehen und keineswegs wortwörtlich nehmen. Das ist aus meiner SIcht auch völlig irrelevant was der da konkret im Einzelfall alles behaupten mag…

    Grossmans Zugang ist dabei ein eher Konservativer, für Polizei und Staatsgewalt stehend. Die Unterhaltungsindustrie KORRUMPIERT demnach (auch) diese. Unterschiedliche Interessen finden so jedoch zusammen, wobei ich wirklich den Sinn dessen in Frage stellen möchte da einzelne Zitate zu vergleichen – das Wesentliche UND Interessante ist doch nicht was da jemand jeweils sagt, sondern welche Grundlage(n) diese „Kritik“ hat.

  2. D.h. ein sogenannter Journalist darf die Lügen und Hetze von jedem dahergelaufenen Idioten verbreiten, ohne irgendwelche Konsequenzen fürchten zu müssen? Geniale Sache. Damit hat sich der Presserat gerade als das entlarvt was er ist: Ein überflüssiger Haufen Wichtigtuer.
    Was macht der Presserat denn schon tolles? Gegen die meisten Methoden muss man einfach klagen und sogar wenn man vor Gericht recht bekommt, dann spricht der Presserat bestenfalls eine Rüge aka „dudududududu!“ aus, wie man bei der BILD in der Vergangenheit hin und wieder mal sehen durfte.

  3. @maSu:
    „D.h. ein sogenannter Journalist darf die Lügen und Hetze von jedem dahergelaufenen Idioten verbreiten, ohne irgendwelche Konsequenzen fürchten zu müssen?“
    .
    Nope, nur „Experten“, die vorgeben sich mit einem Themen auszukennen und mit denen der Journalist seine Aussagen belegen kann. ;)
    .
    @The_Real_Black
    Sind wir Gamer von den subversiven Botschaften in Spielen nicht soweit indoktriniert bzw. von süchtig machenen Inhalten abhängig, dass wir solche Theorien nur deshalb andauernd kritisieren? ;) Wer glaubt schon verblendeten Junkies? *sarkastisch*

  4. Das mit den zeitlichen Abläufen ist jetzt eine, naja, interessante Interpretation.
    Aber: Wenn der Presserat Maßnahmen gegen Journalisten verhängen würde wären wir gaanz nahe an Zensur. Und seht’s mal andersrum: Wenn die Presse nur berichten dürften was sie zweifelsfrei belegen kann (was ist das überhaupt?) dann könnte die Mafia ja fast komplett unbeobachtet bei uns wüten…

  5. @Mars
    Wenn man aber im Nachhinein erfährt, dass man was falsches geschrieben hat, wäre es doch nicht zuviel verlangt darauf hinzuweisen, dass es falsch war. Und nicht stattdessen aus der Aussage nur eine indirekte Rede zu machen.

  6. Mars… X_X
    Die Presse muss nicht alles hieb und stichfest belegen können, das ist klar, ABER alles, was hieb und stichfest widerlegt werden kann, das muss(!) korrigiert werden und das hat null komma gar nix mit Zensur zu tun. Es hat einfach damit was zu tun, das Journalisten in ihrem Berufsleben soviel Anstand haben sollten, keine Lügen bewusst und absichtlich zu verbreiten.

  7. @Rey: dito, ich hätte hier eine Rüge des Presserates angebracht gefunden.
    @MaSu: naja, so lange das Pentagon nicht alle Akten offenlegt wird das mit dem Hieb und Stichfest ein Wunschtraum bleiben.

  8. Was sollte das Pentagon da belegen koennen??? So etwa wie „ja, uns gehoert EA“…
    Wenn ueber die echten Kreativen berichtet wird, wird doch sowieso anders geschrieben, dann ist Max Payne ploetzlich kein Selbstjustiz verherrlichendes „Killerspiel“ mehr. Nicht richtig oder falsch, sondern gut oder schlecht – schoen oder haesslich.

  9. Alice S. hat schließlich auch niemand daran gehindert zu schreiben , dass BDSMlerinnen Kollaborateurinnen wären… Und Killerspieler geniessen als potentielle Massenmoerder so halt auch keinen Schutz. Und der interessiert auch keiner sauberen Medienpädagogik im Land. Godwin lässt schön grüssen!

  10. Mars, was du da geschrieben hast ist auf einem Niveau mit dem folgenden:
    „Der Pluto besteht aus Frischkäse! Das ist Fakt, solange niemand da war probiert hat!“

    Solange es keine(!) echte Quelle FÜR etwas gibt, aber nahezu unendlich viele, die dagegen sprechen, kann ich erwarten, dass Menschen, die des Denkens fähig und willens sind, in der Lage sind, aus diesen Dingen die richtigen Schlüsse zu ziehen.

    Praktisch kann dann auf die FAZ schreiben, dass G.W.Bush den Anschlag am 11. September selbst geplant hätte und sich dabei auf die Meinung eines desinformierten und aufgehetzten Bauern aus der Arabischen Welt berufen. Macht niemand, weil dafür sind sogar Journalisten idR zu klug. Die Killerspielverschwörungstheorien sind aber nur die Breite eines Sandkörnchens von dem 9/11 Scheiss entfernt…

    Da kann man auch einfach mal behaupten, Schokolade wäre eine Erfindung der Moslems um die Menschen der westlichen Welt wehrdienstuntauglich, als fett, zu machen. Solange irgendeine Regierung aus dem Bereich nicht ALLE Akten offen legt ist das ja auch fakt. Und dann werden alle Akten offen gelegt und dann findet sich dazu kein Hinweis. Hmm na dann MUSS die akte ja erst recht existiert haben und man hat sie wegen ihrer Brisanz vernichtet….

    Sorry Mars aber du bewegst dich da aktuell auf dem gleichen Niveau wie irgend so ein Ufo-Spinner, dessen Entführung ja auch solange als „Fakt“ gilt, bis die Aliens ihre Entführungsprotokolle offenlegen!

  11. Oder Frau Pfeiffers Maxime: „Wenn zwei unterschiedliche Meinungen existieren, liegt die Wahrheit mit großer Wahrscheinlichkeit in der Mitte.“. Es genügt ihrem Verständnis nach also, dass man einfach das Gegenteil behaupten kann, um schon einmal die aufgestellte These um 50% zurückfahren zu können.

  12. @Masu: Du hast Talent, du solltest Kabarettist werden … wobei, manchmal fürchte ich, du meinst den Scheiß ernst. Bist du eigentlich selbst davon überzeugt nicht genügend Argumente zu haben wenn du immer versucht deine Kontrahenten so fertig zu machen?

    Aber gut: Du schreibst, dass es „hieb und stichfest“ ist. Hm, ich erinnere mich an all die verzweifelten Versuche von dir, sämtliche wissenschaftlichen Hinweise mit dem ARgument zu widerlegen, es wäre ja nicht alles 100% sicher…
    Der, der hier zitiert wurde ist auch kein arabischer desinformierter Bauer sondern ein Professor, der meines Wissens nach auch mal in Harvard gelehrt hat. In dem Fall bin ich auch der Meinung dass er falsch liegt, aber selbst du solltest so fähig sein anzuerkennen dass das jetzt nicht gerade die vertrauensunwürdigste Quelle ist für einen Journalisten der sich nicht wie hier alle seit Jahren zu Spielen informiert (und wenn die FAZ sowas schreiben will dann soll sie, nennt sich Meinungsfreiheit).
    Ja, ich halte die These für falsch, grottenfalsch. Aber wenn es klar als Meinung eines Dritten wiedergegeben wird (was im rechten Bild der Fall ist) und nicht zweifelsfrei widerlegt werden kann, dann stellt sich mir doch glatt die Frage wo soll die Korrekturmacht des Presserates aufhören? Bei all dem was MaSu für richtig hält? Oder 5 Wissenschaftler? Nobody knows.
    Ich habe nie behauptet dass Spitzers Aussage Fakt ist, ich sage nur: keine erzwungene Korrektur…
    Wer meine Aussagen für beleidigend hält der achte auf das, auf was ich reagierte ;-)

  13. @Mars und maSu
    Woher kommt eigentlich der Drang immer etwas Richtiges oder Falsches finden zu wollen?
    Mich amüsieren so ja eher beide Positionen…

    Die Herkunft eines Professors ODER Landwirtes wird des weiteren erstmal auch kaum etwas über dessen Interessen aussagen…
    Was in beiden Fällen vergessen zu werden scheint ist auch das worauf der Presserat hier schon ganz richtig hingewiesen hat, dass nämlich die Äußerungen dabei in jedem Fall interpretierbar bleiben: um die Wiedergabe falscher Sachverhalte geht es doch nur sehr selten.
    Mir fällt eigentlich gar kein Beispiel dafür ein: nicht einmal die angeblichen Vergewaltigungen in GTA San Andreas, weil aus Myriaden pornografiefeindlicher Literatur mittlerweile bestens bekannt ist wie da alle möglichen sexuellen Handlungen als Gewalt, Missbrauch und/oder Ausbeutung angesehen werden können. Ja, „Killerspiele“ werden auch „Nazis und Familienväter“ spielen – das ist in der Sache auch nicht falsch, so perfid es auch sein mag. Was eines wäre ist das Spiel das Bosbach nicht nennen wollte, doch der wollte es eben auch nicht nennen.
    Ich glaube vor Gericht würde nicht einmal standhalten jener Fall, wo „Edna bricht aus“ von einer Wiener U-Bahn-Gratiszeitung mit Josef Fritzl in Verbindung gebracht wurde, und das finde ich schon äußerst arg. Was sind dagegen schon diese Bezugnahmen zum Ami-Militär – als dieser Crytek-Vertrag in diesen Tagen bekannt wurde wird man auch nur in – und das sage ich ganz bewusst jetzt – ideologisch absolut EINSCHLÄGIGEN Publikationen, von Heise angefangen, da auf einhellige Empörung stoßen. Wo Verbindungen zur US-Armee praktisch mit dem Bösen bereits leider synonym geworden sind. Ich würde Frankfurt dazu eher gratulieren, der Frankfurter Zukunftsrat wirds aber wohl ebenfalls anders sehen…
    Und letztlich scheint mir eine deutsche Öffentlichkeit den Pluralismus so immer noch nicht akzeptiert zu haben.

  14. Mars: in deinen Augen ist er kein arabischer Bauer – gut, dass jeder andere Augen hat ;)

    Der Herr Spitzer redet im Bezug auf Videospiele unsinn und seine Ideologie sollte jeder Medienerfahrene Mensch durchschauen können. Es ist völlig egal wo er mal geleert haben soll – ich verwende bewusst „ee“ statt „eh“. Auch sein Titel ist mir völlig egal, er labert einfach dummen Mist.
    Darüber hinaus kann jeder, der Wikipedia bedienen kann, fundierteres herausfinden, als der Herr Spitzer jemals von sich geben wird. Mit ein wenig Recherche kann jeder herausfinden, dass die ersten Videospiele nicht vom US-Militär entwickelt wurden.

    Und zu dem sogenannten Journalisten ein kliner Exkurs: jeder der seinen Namen schreiben kann, kann sich Journalist nennen und das spürt man auch immer dann, wenn man eine Zeitung aufschlägt oder Online Artikel liest – vom Fernseher rede ich da noch gar nicht.

    Was geschieht also? Ein Journalist fährt zu einem desinformierten arabischen Bauern und schreibt: „9/11 sei von G.W.Bush geplant“. Konjunktiv. Alles super. Der sogenannte Journalist verbreitet Lügen, da er es versäumt, zu prüfen, welche persönlichen Interessen, welcher Hintergrund zu dieser Aussage führte.

    Was habe ich in der Schule in Deutsch gelernt? WER sagt WAS? Das WER ist auch wichtig, denn jeder Mensch hat Motive. Herr Spitzer will seine Ideologie „an den Mann bringen“ und geht dabei ähnlich „nett“ vor, wie manche Verkäufer auf Kaffeefahren: keine Lüge wird ausgelassen, solange sie zum Erfolg führen kann und ängstliche Menschen glauben alles!

    D.h. ein menschliches Wesen, dass den Journalismus auch nur Ansatzweise ernst nimmt, muss zumindest schauen, mit wem er da redet, sodass er ausgewogen berichten kann und keine einseitigen Märchen verkauft. Und Herr Spitzers Meinung so dermaßen unreflekttiert und unkommentiert stehen zu lassen, das ist schon eine dreiste Leistung.

    Ich wette der gleiche Journalist würde auch in den Iran fahren, dort einen hohen Beamten fragen, ob Steinigungen ein Markenzeichen eines Rechtsstaates ist und sein Artikel würde den folgenden Satz enthalten: „Steinigung ist das Markenzeichen eines Rechtsstaates“ – das würde dann korrigiert in „Steinigungen seien das Markenzeichen eines Rechtsstaates“ – oh yea. Der Dorfpöbel liest das, weiß nicht wer Müller ist und schluckt das.

    Sogar wenn man den Müll mit der Tötungshemmung stehen lassen wollen würde, so ist spätestens die Herkunft der „Killerspiele“ glatt gelogen und hier hätte der sogenannte Journalist darauf hinweisen müssen, dass dies nicht stimmt oder es zumindest weglassen müssen.

    Als Presserat würde ich zudem einfach Quellenangaben verlangen. Der Journalist soll dann Spitzer fragen woher er das weiß, Spitzer wird auf den good old Dave verweisen und entlarvt sich damit selbst als Lügner, da Grossmann dies so nicht gesagt/geschrieben hat. An dieser Stelle müsste der letzte begriffen haben, was da abging und tätig werden, da die Quelle als Falsch entlarvt wurde. Wenn keine weitere Quelle existiert und der ganze Mist den Spitzer da erzählt hat, auf eine falsche Quelle zurückzuführen ist, dann ist der ganze Artikel als solches zu entfernen und richtig zu stellen.

    Darüber hinaus ist „ich behaupte, die US-Regierung hat folgendes gemacht: …“ KEINE Quelle. Für alles muss es zumindest Indizien geben, da die „Journalisten“ ja sonst Märchen erzählen dürfen … oh das machen sie ja schon, weil der Presserat im bestenfall eine zahnlose Babyrobbe ist, vor der alle Journalisten wirklich ganz doll große Angst haben.

    Außerdem macht der Artikel nichts anderes, als unbewiesene Verschwörungstheorien als Fakten darzustellen – mittels des Autoritätsarguments „Dr. Dr. Manfred Spitzer hat gesagt…“. Wenn man schon Theorien im Artikel behandeln will, dann müssen diese auch entsprechend kenntlich gemacht werden. Hier liegen einige Versäumnisse vor. Solche Versäumnisse, die einem Schüler in der 9. Klasse in einer Klassenarbeit angestrichen würden. Da darf man als Presserat doch mindestens genauso kritisch sein, wie ein Deutschlehrer in der 9. Klasse oder?

  15. @Masu: hübsch, aber … so what? Wenn du dafür plädierst dass der Presserat eingreift hatte ich dich um objektive Kriterien gebeten. Das steht nach wie vor komplett aus.

    @Pyri: Oh, klingt nach relativ philosophischer Frage.
    Was wäre denn die Alternative? Ich denke die Frage ob der Presserat eingreifen sollte ist eine Frage die ein Ja oder Nein erfordert. Ein „jeder hat halt seine Meinung“ führt trotzdem dazu dass sich der Presserat entscheiden muss. Deshalb diskutieren wir das hier. War das das auf was du hinaus wolltest?

  16. Mars:
    objektive Kriterien = offenlegung der Quellen, was in diesem Fall harmlos ist, da es nciht um einen geheimen Informanten geht, sondern nur um einen Typen, der die dummen Ergüsse eines anderen Typen gelesen und nicht so recht verstanden hat.

    Wenn man dann nachvollziehen kann, dass die Quellen nicht stimmen, falsch interpretiert wurden usw, dann ist eine Richtigstellung abzudrucken und der Journalist muss ermahnt werden, eine gewisse Sorgfalt an den Tag zu legen!

    Wie gesagt: zu solchen Leistungen muss jeder Depp in der 9. Klasse schon fähig sein – damit meine ich Schüler und Lehrer. Da wird man sowas doch wohl von einem Journalist und erst recht vom Presserat erwarten können, sowas ist simpelste Allgemeinbildung!

  17. @Masu: ok, wie viele Quellen? Der Journalist legt seine Quelle offen, Spitzer. Das reicht dir nicht, du erwartest eine mehr (Grossman). Warum bei 2 aufhören? Wie viele Quellen muss man zurückgehen bis es ok ist? Das meine ich. Und das hast du nicht gebracht. Und da helfen auch diese hilflosen 9.Klasse Vergleiche nicht, die sind hier echt schlecht.

  18. @maSu
    Inwiefern sollte dabei etwas „falsch interpretiert“ worden sein?
    Nochmal: wenn man etwas sieht das einem nicht gefällt und dann meint, dass das irgendwie mit irgendetwas zu tun hat in der Welt (noch), dann ist das keine Frage von richtig oder falsch, sondern ein Werturteil. Es geht doch letzten Endes auch dabei immer darum Werte zu vermitteln, und das sind jeweilig entweder die Richtigen oder halt die Falschen. Objektiv ist so gar nichts, sondern das geht alles je nach Gusto.
    Und so verstehe ich auch den Presserat.

    Vielleicht schon noch zur Erklärung: eine falsche Sachverhaltsdarstellung wäre etwa bloß, wenn behauptet werden würde John Carmack habe bei seiner Software-Pioniertätigkeit für die US-Armee gearbeitet. Das ist meines Wissens nach eine Unwahrheit. Aber nicht solche Sachen…

  19. Nachtrag: ich hab das auch hier im Forum schon oft erlebt. Zum Beispiel definiere ich „Rassismus“ wohl gänzlich anders als Viele hier, ich etwa nicht nur auf Hautfarben bezogen.
    Doch ist das eben auch keine Frage von richtig oder falsch (definiert)
    Ein Beispiel noch: in der Mathematik ist 1+1 2. In der Lyrik nicht unbedingt…

  20. @Mars: es reicht schon, wenn man Spitzer fragt, woher er seine „Informationen“ hat, dann sieht man schon, was für ein Kompost die Ursache dafür ist. In diesem Fall reichen 2 Ebenen. Allgemein ist das eine Frage der Verhältnismäßigkeit und wenn der Presserat nichteinmal in der Lage ist, zu erkennen, das ein ideologisch verblendeter Typ als Experte hergezogen wurde, der sich auf falsche Quellen beruft, dann kann man den Presserat auch gleich ganz abschaffen, denn:

    „Journalist Meier“ zitiert „Dummbeutel Müller“, der seine blutarme Tante Sissi gefragt hat, die von ihrem Cousin Fritz-Walter gehört hätte, man müsste bei Counterstrike kleine Kinder vergewaltigen.
    Ist es da zuviel verlangt, a) zu erkennen, dass es sich dabei nicht um die Wahrheit handelt b) ruhig einmal nachzuforschen, ob das ganze auf einer fundierten Quelle basiert?!

    Natürlich ist das Beispiel einfach. Aber ebenso einfach ist es bei der Behauptung, dass die Videospiele von der US-Armee „erfunden“ wurden. Dieser Punkt ist eindeutig absolut falsch. genauso falsch, wie die Behauptung in meinem Beispiel.

    D.h. wenn der Presserat mit dieser gigantischen Rechercheleistung von 2 Minuten bei Wiki suchen schon hinreichende Zweifel hat, dann kann, nein, dann MUSS genauer nachgeforscht werden und dann MUSS auch bemerkt werden, dass sich Spitzer auf grossmann bezieht und dass dieser alles andere als eine glaubwürdige Quelle ist. Außerdem muss dann erkannt werden, dass Spitzer selbst ebenso extrem einseitig ist, was auch zweifelhaft ist.

    Spätestens auf einen fundierten Antrag sollte oder eher: MUSS der Presserat doch auch mal in der Lage sein, genauer zu recherchieren und nicht direkt das Handtuch werfen. Wenn der Presserat so unfähig ist, wie er sich hier geoutet hat, dann kann er abgeschafft werden, da so wirkliche Handlungen bzw. Sanktionen ziemlich unwahrscheinlich werden.

  21. hihi, wie geil. Wie ich oben bereits dargelegt habe das mit dem Militär und erfinden eben nicht „eindeutig“, wie du behauptest. Es ist hoch wahrscheinlich, dennoch wird deine Behauptung auch durch 3maliges wiederholen nicht wahrer, das sieht man z.B. auch an gewissen Hypothesen bezüglich des US-Militärs…
    MaSu, insgesamt solltest du einfach nur einsehen dass sich nicht jeder so wie du viel mit Games beschäftigt, also sind gewisse Dinge, die für dich klar und einfach sind das für Andere noch längst nicht. Außerdem schau dir nochmal an, wie der Presserat argumentiert hat: er hat nicht gesagt dass die Behauptung wahr ist…
    Und all deine Beispiele haben nur ein Problem: du redest die ganze Zeit von ideologisch verblendet (das bist du nicht?) bzw. fundiert, drückst dich aber ständig darum mal klar zu bekennen was fundiert oder so heißt. So wird dat nix :-)

  22. Videospiele wurden nicht vom Militär erfunden. Wie findet man das heraus? Der der behauptet, Videospiele wurden vom Militär erfunden, soll sagen welches und ich sage darauf eines, dass zuvor entwickelt wurde oder sage, wer es wirklich entwickelt hat.

    Und der presserat ist wohl offensichtlich geistig und/oder körperlich nicht in der Lage oder nicht willens, Wikipedia zu bedienen. Spitzer hat dort eindeutig die Unwahrheit gesagt und der Journalist hat dies ohne es zu hinterfragen übernommen.

  23. @masu: lassen wir das, Argumente sind ausgetauscht. Nur so viel: Jeder neuntklaessler weiss inzwischen dass Wikipedia keine wissenschaftliche Quelle ist. Du kannst mit Wikipedia nicht die Wahrheit belegen, schlag dir das Maerchen aus dem Kopf.

  24. Ich weiß dass man mit Wikipedia nicht die Wahrheit belgen kann, weil dort jeder editieren KANN. Aber ich weiß, das Wikipedia ausreicht, um begründete Zweifel zu haben, sodass man genauer recherchiert. Und DAS sollte man dem presserat zumutun können, aber dazu sind die Damen und Herren sich dort wohl zu fein…

  25. Ich denke, dass das worüber der Presserat allein bestimmen kann etwaige Eingriffe in Persönlichkeitsrechte oder die von eben bestimmten Gruppen wären: Gamer gehören da leider nicht dazu. Finde das zwar naturgemäß auch nicht in Ordnung, aber so ist das nunmal.
    Soll heißen: der Presserat braucht überhaupt nicht recherchieren dabei, sondern nur abwiegen was jeweilig gesagt wurde und ob das solche Eingriffe eben betrifft.
    Um Wahrheitsfindung kann und sollte es aus meiner Sicht dabei gar nie gehen: ich denke da zum Beispiel an rechtspopulistische Verhetzung hier in Österreich, wenn etwa behauptet wird Mohammed sei pädophil gewesen, etc. Es ist völlig irrelevant ob Mohammed als historische Person, oder nicht einmal das, nun pädophil gewesen ist oder nicht – über Verhetzung bestimmt so Anderes. Das Einzige was es dabei gibt ist als Ausnahme bekanntlich die „Auschwitz-Lüge“, obwohl es auch da umstritten ist inwiefern die Leugnung einer Historizität ein Tatbestand sein kann beziehungsweise sollte. In der Nachkriegszeit hat sich das zunächst ja eher nicht durchgesetzt, wodurch Rechtsextreme womöglich gar erst auf den Trichter mit gekommen sind da etwas zu leugnen – ein heute bekannter Typ wie David Irving, in Österreich unlängst verhaftet, war zur Schande meiner historischen Profession etwa bis in die Siebziger Jahre hinein respektiert worden, obwohl er sich gelegentlich auch noch gerühmt hat dafür gar kein Akademiker zu sein. Ich fürchte dessen frühen Werke finden sich noch immer an Bibliotheken meiner Universität – und zwar nicht in einer Abteilung Rechtsextremismus, sondern bei vermeintlich ordentlichen Handbüchern zum Nationalsozialismus…

  26. Pyri also ich finde es nicht in Ordnung, wenn Journalisten Typen wie Spitzer befragen, um populistische Hetze zu veröffentlichen, die dem Ansehen von Gamern wie auch der Industrie erheblich schaden. Und wenn dies auf Lügen basiert, die wider der journalistischen Sorgfaltspflicht entstanden sind, dann muss der Presserat, der für diese Sorgfaltspflicht zuständig ist, auch eingreifen.

  27. @Pyri: was für einen Eingriff des Presserates würdest du eigentlich akzeptieren? Denn beim Thema Eingriffe ist man eigentlich doch ziemlich nahe an Zensur. Wenn ich nämlich Richtigstellungen verlangen kann dann kann ich eigentlich auch bestimmen was die Presse als wahr verkauft. Insofern tue ich mich da schwer. Was denkst du?

  28. @Mars
    Ich würde mir halt wünschen, dass auch Gamer als Gruppe geschützt werden würden (in Deutschland). Wie das in anderen Ländern ist wage ich schonmal nicht so zu sagen, aber ich denke mal dass dort – wie hier in Österreich – vielleicht hoffentlich doch Skrupel bestehen, zumindest Bedenken, allzu arg gegen Games zu hetzen wie ein Fromm oder „wissenschaftlich“ auch ein Spitzer.
    Wenn etwa ein Boulevard, und den Boulevard-Begriff würde ich tendenziell auch sehr weit dehnen – bis etwa zur Huffington Post -, gegen Games schreibt, dann braucht man das nicht sonderlich ernst nehmen. Niemand braucht es ernst nehmen, wenn der Roland Näf sich womöglich noch darüber freut, dass er Artikel bei 20min.ch lancieren konnte.

    Grundsätzlich wäre ich da aber schon sehr vorsichtig, weil es eben auch eine Form der Zensur ist da einzugreifen.
    Doch geht es hier schließlich um Deutungshoheiten und nicht etwa Zensur dahingehend anderes zu verbieten, sondern dass diese Andere nicht mehr so zum Verbieten schreien dürften.
    Weiß nicht ob das verständlich ist, weil mir schonmal vorgeworfen wurde ich würde fordern dass man nicht mehr sagen dürfte: Leistung soll sich lohnen. Das ist aber etwas gewesen, dass ich nie getan habe – mir geht es eigentlich immer nur um ein möglichst viel zulassen. Also dass man etwa sagen können dürfen sollte: Leistung soll sich nicht mehr lohnen. Andere können, nein besser SOLLEN das natürlich auch (weiterhin) anders sehen dürfen.

    Ich sehe das halt ähnlich wie wenn Gesetze gegen andere Formen der Intoleranz bestehen. Da bin ich sehr für: unsere deutschsprachigen Demokratien halte ich noch nicht für so weit entwickelt, dass sie undemokratischen Angriffen standhalten würden. Im angloamerikanischen Raum ist da wohl mehr möglich und ich habe dort medial auch keineswegs das Gefühl von Bedrohungen wie ich sie hier wahrnehme. Aber eben: alles subjektiv.
    Um es noch ein wenig zu illustrieren: ich habe nichts gegen die amerikanische Armee zum Beispiel. Dennoch nehme ich da schon so etwas wahr wie dass man diese synonym zu einer verbrecherischen Organisation gebraucht. Das hab ich auch zuletzt wieder erlebt, als da diese Crytek-Lizenz-Geschichte aufkam. Mir macht so etwas Angst. Und somit macht mir in gewisser Weise auch die Friedensbewegung im Land Angst. Beziehungsweise deren Macht und Einfluss(gebiet).
    Dass gerade diese Armee Demokratie in Deutschland dereinst erst ermöglicht hat – daran scheint mir heutzutage oft kein Gedanke mehr verschwendet zu werden, und da scheint mir gerade eine politische Linke Viele rechts längst überholt zu haben. Auch was Antipathien zu Israel betrifft bereitet mir das große Sorge. Ein Kummer den ich unmittelbar mit der „Killerspiele“-Debatte in Verbindung stehen sehe.

  29. @Pyri: danke. Ich moecht mal noch eins zum Bedenken geben: Wenn du nur eingreifen wolltest wenn zu Verboten aufgerufen wird (so verstehe ich dich hier eigentlich) dann muesstest du die beiden Ausschnitte oben voellig akzeptieren – diese kritisieren zwar Games, aber fordern in den Abschnitten kein Verbot. Wenn man das selbst ablehnt, dann ist das fuer mich schon Zensur (wenn es durchgesetzt werden soll), nur dass halt Meinungen und nicht Lebensweisen zensiert werden, ich sehe da eine Art Trade-Off, also entweder man zensiert das Eine oder das Andere, bzw. ist zumindest in der Gefahr. Das ganze Zensur-Thema scheint mir auch laengst nicht so eindeutig wie es auf den ersten Blick scheint.

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