Symposium im sächsischen Landtag

(cdl-online) Am 22.06.2011 wird im sächsischen Landtag ein Symposium mit dem Titel „Bindung – Bildung – Gewaltprävention“ stattfinden. Neben dem prominenten Ort konnte direkt auch der passende Redner gewonnen werden: Der Ministerpräsident Stanislaw Tillich wird persönlich das Grußwort sprechen. Unter anderem Rudolf Hänsel wird einen Vortrag halten, dessen Kurzfassung bei Zeit-Fragen eingesehen werden kann. Dort heißt es:

„Killerspiele und andere Formen von Mediengewalt machen unsere Kinder aggressiver und oft auch süchtig. […] Der American Way of Life hat uns eine ganze Palette von elektronischen Spielprogrammen beschert, die unseren Kindern und Jugendlichen keine konstruktiven Werte vermitteln, sondern amoralische und asoziale Un-Werte […]. Die Politik ist aufgefordert, vor der Spiele-Lobby und den mächtigen Wirtschaftsinteressen nicht zu kapitulieren. Sie soll […] die Herstellung […] von Spielprogrammen verbieten, in denen grausame Gewalttätigkeiten gegen Menschen und menschenähnliche Wesen zum Spielerfolg beitragen. Eine internationale Ächtung von Killerspielen könnte sich daran anschliessen.“

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(Dank an Shane Fenton.)

66 Gedanken zu “Symposium im sächsischen Landtag

  1. Ich denke niemand ist bei dieser Sache klüger als ein Anderer. An dumme Menschen glaube ich schonmal gar nicht – worum es hier geht sind doch immer verschiedene Zugänge zu ein und demselben Gegenstand: die einen können da etwas oder halt vieles bis alles daran nicht leiden, von der Gewaltdarstellung her, und suchen diese Haltung mehr oder weniger zu legitimieren, durch politische und/oder wissenschaftliche Unterstützung – die Anderen sträuben sich dagegen.
    Und „Jugendschutz“ ist da letztlich ein Teufelskreislauf, ein Rad das sich selbst antreibt, bei den bereits vorhandenen strengen Gesetzen und Vorschriften in Deutschland und der Schweiz, auf welchen eine Intoleranz der Einen dahingehend was Anderen gefällt stets aufbaut: ich finde es grundsätzlich ja bemerkenswert, dass der Hänsel in Sachsen so einen Vortrag hält. Musste das auch erst einmal kapieren: er bezieht sich mit dem obigen Zitat offenbar in erster Linie auf sein Land die Schweiz, wo er das deutsche Gewaltdarstellungsverbot 1:1 (oder mehr) umgesetzt sehen möchte –

  2. Wenn man sich mal von den ganzen vorgefassen Meinungen und Vorurteilen distanziert, dann erscheint diese Debatte schlicht überflüssig. Wissenschaftlich konnte bis jetzt noch kein eindeutiger, negativer Einfluss gewaltdarstellender Videospiele auf Jugendliche und Erwachsene festegestellt werden. Mal hieß es, Spiele würden aggressiv machen, dann war von keinem Unterschied zur Vergleichsgruppe die Rede, und manchmal, wenn auch selten, wurde als Ergebnis der Studie angeführt, die Spiele würden Aggressionen abbauen. Ein eindeutiges Ergebnis fehlt also. Und dennoch versuchen viele Politiker, Jugend’schützer‘ und andere die Freiheit und persönliche Entfaltung, obwohl sie im Grundgesetz fest steht und jedem Menschen eingeräumt wird, aufgrund persönlicher Vorlieben und Meinungen einzuschränken. Wenn jemand es für falsch hält, dass in Medien, ob Bücher, Filme oder Videospiele, Gewalt explizit dargestellt wird, oder irgendeine andere Handlung den eigenen Moralvorstellungen wiederspricht, dann ist es das Recht desjenigen, diese Medien nicht zu nutzen. Doch in die Freiheit anderer einzugreifen und ihnen die eigenen Gedanken aufzwingen zu wollen, hat schlicht keine Grundlage und sollte in unserer Gesellschaft nicht geduldet sein.
    Wenn von jenen also an die Politik diese Forderung gestellt wird, und die Politik dem nachgibt, dann läuft, so sehe ich es, etwas mächig falsch.

  3. Von der verlinkten Zeit-Fragen Seite:

    „Eine internationale Ächtung von Killerspielen könnte sich daran anschliessen. Dies entspricht nach einer Erhebung des Instituts für Demoskopie Allensbach der Meinung von zwei Dritteln der deutschen Bundesbürger im Alter ab 16 Jahren: Sie sind dafür, Gewaltdarstellungen im Fernsehen oder in Videospielen sowie Killerspiele komplett zu verbieten.“

    Weiß jemand genaueres zu der Erhebung?
    Sind Medien und Besucher am 22.6. im Dresdner Landtag zugelassen oder ist das eine nicht-öffentliche Infoveranstaltung?

  4. @boomboy
    was soll man mit menschen die ein auto anzünden sonst machen ausser in den knast stecken ?
    eventuell könnte man eine geldstrafe geben
    aber das man für das anzünden eines autos ins gefängnis kommt halte ich für gerechtfertigt

  5. es dreht sich eigentlich darum, dass es dem schünemann schlicht weg egal ist weshalb die das machen.
    festnehmen und wegsperren, mehr will er nicht.
    und genau das ist ein problem, wenn ein politiker so denkt.
    schließlich muss ein politiker wissen was die gründe dafür sind, damit man diesen taten auch besser entgegen kommen kann.
    nur leider denkt er eben nicht so und macht mir eher den eindruck, als wolle er einen polizeistaat mit ihm an der spitze.
    killerspiele will er verbieten, aber kinder sollen ruhig weiter mit echten waffen in kontakt kommen.
    und seine ansichten zur vorratsdatenspeicherung… also mal ehrlich: wie soll die vorratsdatenspeicherung ein verbrechen verhindern?
    für mich klingt das einfach nur nach überwachung, denn die bräuchten viele viele viele viele leute, die sich sämtliche daten angucken.
    und wie will man ein verbrechen verhindern, wenn die daten schon 5 monate alt sind und die potenziellen opfer schon opfer sind?
    also hier fängt der hamster an zu humpeln.
    darum bin ich froh, dass die schnarrenberger nicht so ein tiefes niveau hat und die datenspeicherung nur für einzelfälle die auch begründet sind und von einem richter erlaubt wurde zulässt.

  6. Thomas: Ah so hast du das gemeint… nun, mal ehrlich: Wenn mir jemand sagt, ich wäre „dumm und aggressiv“ weil ich „Videospiele spiele“, dann ist das ein anderes Niveau, als wenn ich die Äußerungen einer Person lese und aufgrund dieser Äußerungen über eine Person urteile.
    Und wer sowas wie den Kölner Aufruf unterschrieben hat oder vergleichbares (oder schlimmeres) verbreitet, der handelt entweder in böswilliger Absicht oder ist völlig unfähig selbst einfachste Dinge wahrzunehmen (zB sinkende Jugendgewalt, nur seltene Amokläufe, die sich als Einzelphänomen nicht durch ein Massenphänomen erklären lassen usw).
    Wer in böswilliger Absicht Lügen verbreitet und meint, damit irgendwas verbessern zu können, dem ist ebenfalls nicht mehr zu helfen, denn für solche Leute heiligt der Zweck die Mittel und dies ist eine Einstellung, die mMn deutlich auf „gewisse menschliche Defizite“ zurückzuführen ist.
    Außerdem sehe ich das so: Es ist ziemlich müßig, über die politische Einstellung von Leuten zu debattieren, die zu spontanem Verbaldurchfall neigen. D.h. statt diese Personen in politische Spektren zu sortieren, sollte man sie einfach gemäß ihrer Gemeinsamkeit (Verbaldurchfall) in eine Gruppe stecken und gut ist.

  7. Sunstar: „Sind Medien und Besucher am 22.6. im Dresdner Landtag zugelassen oder ist das eine nicht-öffentliche Infoveranstaltung?“

    Ein Blick auf die Teilnehmerliste dieser Veranstaltung wäre mal wirklich interessant.
    Womöglich das „who is who“ der Mediengewaltwirkungsapologeten.
    Das AAW hat sich auch angekündigt.
    http://www.stiftung-gegen-gewalt-an-schulen.de/index.php/aktionen/news/516-bindung-bildung-gewaltpraevention

  8. „Bindungsforschung“ – da ist irgendetwas an mir vorbeigegangen. Und nehme ich das Beklagen alleinerziehender Mütter ernst, dann scheint mir die Veranstaltung in die Tradition einer Eva Hermann zu rücken.
    Erstaunlich auch die Sitzverteilung: 80 Plätze für die Freunde des Instituts und 50 Plätze für Landtag, Ministerien, LKA, Präventionsrat… Da will man unter sich bleiben.

  9. @purchaser
    Natürlich will man unter sihc bleiben, man will gar keine andere Meinung hören aber das war bei diesen Pack schon immer so.

  10. Wir sollten allen Teilnehmern ein T-Shirt schenken… ihr wisst schon, diese mit „I’m with an Idiot!“-T-Shirts. Dann zieht jeder das T-Shirt an und die stellen sich im Kreis auf :>
    Und weiterhin wären alle unter sich, ich würde mich dann da auch nciht dazwischen drängen wollen :>

  11. das Institut welches dieses Symposium veranstaltet steht der CDU ziemlich nahe.
    Und zu den Erstunterzeichnern des Kölner Aufrufs:
    Natürlich muß man keine Böswillige Absicht annehmen, wenn Inkompetenz reicht ( Heinleins Razor ).
    Aber man sollte nicht auf Inkompetenz ausweichen, wenn eine andere Ursache genauso plausible ist.

    Die meisten Unterzeichner des Kölner Aufrufs sind nicht bösartig und auch nicht Inkompetent. Sie sind Andersdenkende.
    Sie ziehen aus den gleichen Fakten die wir haben – bedingt durch ihre politische Ausrichtung – andere Schlüsse.
    Antisemiten würden die Juden für die Killerspiele verantwortlich machen die unsere Jugend verderben und den Weltfrieden gefährden.
    Führt den Israel nicht ständig Krieg, sind die Juden nicht gerade in der Medienbranche stark vertreten, und aus welchen Grund sollten sie die Killerspiele denn erfunden haben, wenn es nicht darum geht unsere Jugend zu verderben ?

    Aber der Kölner Aufruf wurde eben nicht von Antisemiten verfasst, sondern von Antiamerikaner.
    Ein Großteil der Unterzeichner hat ihn auch deswegen unterschrieben. Sei es weil es ihrem Weltbild entspricht, sei es das sie sich davon etwas erhoffen, z.B. Wählerstimmen.

  12. @Alreech: nicht unbedingt ihre politische Ausrichtung – Lebenserfahrung, Prioritäten, es gibt hunderte Gründe. Wieso denken einige Gamer eigentlich so doch häufig ziemlich in engstirnigen Fahrgleisen (nicht nur auch das konkrete Beispiel bezogen)? Manchmal gibt es auch andere Gründe, sei es für Jugendgewalt oder die Aktionen der Kritiker.

  13. “ Das Symposium ist der Auftakt einer Serie von gleichartigen Veranstaltungen mit teils anderen Referenten und in anderen Bundesländern im Laufe der nächsten vier Jahre. Insofern kommt dieser Auftakt-Veranstaltung wegweisende Bedeutung zu und das i-DAF dankt an dieser Stelle den sächsischen Partnern für ihre tatkräftige Kooperation.“

    http://www.stiftung-gegen-gewalt-an-schulen.de/index.php/aktionen/news/516-bindung-bildung-gewaltpraevention

  14. Zitat: „Gesamtmoderation des Symposiums: Jürgen Liminski, Deutschlandfunk“

    Quelle Wikipedia schreibt über Liminski: „Zurzeit arbeitet Liminski als Redakteur und Moderator aktueller politischer Sendungen (z. B. Informationen am Morgen) beim Deutschlandfunk. Er ist ständiger Mitarbeiter mehrerer Zeitungen, unter anderem der katholischen Zeitung Die Tagespost, der Preußischen Allgemeinen Zeitung, des Westfalen-Blatts, des Flensburger Tageblatts und der in Magdeburg erscheinenden Volksstimme. Liminski schreibt mitunter auch Kommentare für die Berliner Wochenzeitung Junge Freiheit und die Onlinezeitung „FreieWelt.net“. […] Jürgen Liminski ist Mitglied der katholischen Personalprälatur Opus Dei.

    Er engagiert sich für die Belange von Familien und hat zu diesem Thema mehrere Bücher verfasst, u.a. unterstützt er das Familiennetzwerk, ein familienpolitisch, christlich-konservativer Interessenverband der sich vornehmlich gegen außerfamiliäre Kinderbetreuung engagiert. Weiterhin ist er seit Ende 2005 Geschäftsführer des im selben Jahr gegründeten Instituts für Demographie, Allgemeinwohl und Familie e.V. , der gemeinsam mit der Offensive Junger Christen und dem Deutschen Familienverband e.V. im Rahmen des „Aktionsbündnis Familie“ zusammenarbeitet.“

    Damit werden letztlich die üblichen Christlich-Konservativen mit sogenannten „Neuen Rechten“, kirchlichen Organisationen mit autoritätem Gedankengut, Evangelikalen und bibeltreue Christen verbunden. Ich denke mal, daß auf der Basis für eine entsprechende Ausrichtung (und die passende wohlwollende Berichterstattung über das Symposium) gesorgt ist.

  15. Da frage ich mich schon inwieweit das dann noch offizialisierte Politik werden soll in Sachsen – ein Grußwort des Ministerpräsidenten hört sich dabei jedenfalls ernst (gemeint) an -, weil CDU-Bundeslinie ist das ja wohl dann wirklich nicht…
    Ich kenn mich im Osten aber auch nicht so aus und weiß etwa nicht wie die einzelnen Unionsparteien dort so ticken. Jemand eine Ahnung? Dass jemand so etwas moderiert beziehungsweise im Landtag moderieren darf der sich gegen außerfamiliäre Kinderbetreuung profiliert hat… Versucht Sachsen denn nicht eine Anzahl von Betreuungsplätzen zu erhöhen?

  16. Pyri: verwirr CDu-Politiker doch bitte nicht mit Fakten, ihre Meinung steht fest.
    Mal ehrlich: ich glaube das sind so Zweckgemeinschaften: Alle hassen das gleiche, da sind sonstige Überzeugungen doch egal, solange kein rechtsradikaler dabei ist – denn letzteres würde zu schlechter Presse führen und das ist deren einzige sorge.
    Wer gestern 1gegen1 auf Sat1 geschaut hat (Sascha Lobo gegen Ingo Lenßen zum Thema „brauchen wir mehr Gesetze um unsere Kinder im Internet zu schützen“ oder so), der weiß, dass man nur ein armes Kind ans Kreuz nageln muss und dieses Kreuz so schön hoch halten muss, dass jeder das sieht und jeglicher Sachverstand schwindet…
    Das traurige an der gestrigen Veranstaltung war jedoch eher, dass der Herr Lenßen selbst nicht so recht wusste, was er fordert, wie es umgesetzt werden könnte und was es für Folgen hatte. Er erinnerte mich damit sehr an das AAW, das einfach nur laut brüllt: „Politiker, rettet uns!!! Egal wie!!!“ und die einzige Antwort der Politik ist: „Egal wie?! Ok…dann retten wir mal los…“ und bei der Antwort wird ein fieses grinsen aufgesetzt.
    Die Hilflosigkeit vieler Menschen geht einfach mit totaler Ahnungslosigkeit einher, denn: was ein Mensch kennt und versteht, das fürchtet er ja nicht mehr. Also muss man nur vor dem schützen, was niemand versteht bzw. verstehen will.

    Und mal ehrlich… wer oder was ist eigentlich dieses Internetz? Früher konnte man doch auch ohne leben und wer braucht schon Kinderpornos? Dieses Internetz ist ja anscheinend voll davon. Keine Ahnung was das Internetz ist, aber diese ganzen Kinderpornos… nenenene

    Die übliche Idiotie…

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