Auch, wenn Kultur mehr oder weniger alles umfasst, was unsere Gesellschaft ausmacht, verbindet man oft auch Kreativität mit diesem Begriff. Dass Gamedesign kreativ sein kann, dürfte kaum jemand bestreiten, doch auch als „Konsument“ endet die Kreativität nicht bei dem, was ein Spiel intendiert. Im Grunde ließe sich vortrefflich darüber streiten, ob man beispielsweise den zum Lösen von Rätseln geforderten Einfallsreichtum oder das Erdenken von Strategien zur Kreativität zählen sollte. Doch das soll jetzt nicht unser Thema sein: Denn selbst, wenn man das nicht tut, existiert sie, die Kreativität in Computerspielen. Spiele können ihre Nutzer auf neue Ideen bringen, kreativ machen.
Virtuelle Pazifisten

Dosenfußball in Counter-Strike
Ein Beispiel für sehr offensichtlich kreativen Umgang ist das Projekt „
Wir entern!“, bei dem
„Friedensaktivisten“ Ego-Shootern „spielen“ (Video), um dort nicht zu schießen. Wie lange schafft man es, ein Spiel auf diese Weise überleben? Kann man die anderen Spieler zum Mitmachen bewegen? Die Antworten sind schnell gegeben: 1.) Verstecken kann man sich sehr lange, es ist aber langweilig. 2.) In ihrem Domizil überraschte Spieler lassen sich nur bei überzeugenden Ideen auf das „falsche Spiel“ ein. So lässt sich Counter-Strike zu Online-Dosenfußball umfunktionieren, Tanzeinlagen dagegen finden kaum Anhänger. Vor allem schwierig: Verständnis statt Verwirrung schaffen. Auf einem Shooter-Server erwartet man, dass geschossen wird, einzelne „V-Pazifisten“ haben kaum die Gelegenheit aufzufallen.
Kunstkritiker

de_wanda (Pixel auf Polygon)
von Sönke ‚warby‘ Seidel, 2006
Wenn man an Kunst denkt, assoziieren viele direkt den Klassiker aller Fragen zu diesem Thema: „Was hat sich der Künstler dabei gedacht?“ Zusammen mit der schon genannten Entern-Crew habe ich mir diese Frage einmal auf einer Custom-Map gestellt. Herausgekommen ist ein
virtueller Museumsbesuch samt Stadtrundgang (Video). Ausgestellt waren der Kampf der Giganten, ein martialisches Motorrad und die Credits. Im Grunde gab es im Museum also Kunstwerke der zweiten Ordnung samt Danksagungen für das einbettende der ersten. Da wir das Gesamtkunstwerk (virtuelle Stadt samt Museum samt Inventar) betrachteten, gab es auch einige Anmerkungen zu Technik. Der Künstler bevorzugt offenbar ein (Pseudo-) offenes Layout und lebt seine Detailverliebtheit vor allem in gestalterischen, weniger in spielerischen Feinheiten aus.
… und Zensur

Videospielzensur im ZDF
Doch welche Ideen man auch hat: Wer kreativ sein will, muss sich in Deutschland an allerlei Vorgaben halten. Zumindest falls er vor hat, seine Werke zu veröffentlichen und im Idealfall auch davon
[] zu leben. Wichtig sind hier Bestimmungen, die mit dem Gedanken an den Jugendschutz entstanden sind – diesem aber mittlerweile nicht mehr dienen. Wichtig sind aber auch Bestimmungen des Strafrechts, die im Glauben geschaffen wurden, Mediengewalt führe zu realer Gewalt. Einen kleinen Einblick haben wir dem Magazin Die Pixelmacher von zdf.kultur gegeben. Die Redakteure interessierten sich vor allem für das „Wie“, dementsprechend findet man
im Beitrag (Video) einige (halbe) Vergleichsbilder: Wo der Schnitt Indizierungen vermutete
[], wurde die Kamera weg gedreht, man zeigt nur die deutschen Versionen.