Newsschwemme #14

– Friedensaktivisten entern Shooter (Auch per Proxy unvollständig), vdvc.de.
– Von EA unterstütze Studie: Virtuelle Gewalt lässt Gamer härter zupacken, ea-blog.
– GreenNinja in Sorge: Jugendschützer der Zensur überdrüssig?, Windmühlen? Zum Angriff!!!.
– Smithsonian American Art Museum widmet sich Videospielen, GameRights.ch.
– Studie: Bildschirmmedien bereiten Kindern Schlafprobleme, GamePolitics.com.
– Satire: 4 von 5 Killerspiele-Spielern zu fett für Amoklauf, Der-Postillon.
Wikipedia-Artikel zur Computerspielsucht von Klinikmitarbeitern erstellt – Diskussion, wikipedia.
Norbert Sievers 2007: „Rechte sind für höhere Werte reserviert“, kupoge.de.

42 Gedanken zu “Newsschwemme #14

  1. … manchmal bin ich des Kampfes, der Argumentation, der Zurückhaltung leid und würde gerne mit allen Keulen losschlagen… geht es nochjemanden so wenn der Texte wie vom Norbert Sievers liest?

    *insert into ZitatDB*
    Happy SQL

  2. Also dieser Norbert Sievers hat ja einen ausgeeichneten Verbaldurchfall mit leicht säuerlicher Note. Er kann zu keinem Zeitpunkt irgendwie Objektiv begründen, dass „Killerspiele“ nicht Kunst und Kultur wären, er kann ja noch nicht einmal sagen, was ein Killerspiel ist.
    Immer wenn jemand von „Killerspielen“ redet, aber keine absolut klare Definition dieser Spiele geben kann, eine Definition, die auch realen Fallbeispielen standhalten würde, dann labert dieser jemand einfach nur grotesken Unsinn.
    Im Prinzip schreibt der Herr Sievers ja nur, warum er Videospiele nicht mag und warum seine Meinung einfach viel wichtiger ist, als die von anderen.

    Ziemlich erbärmlich.

  3. Der Wiki Artikel ist zum Teil echt abenteuerlich, was auch in der Diskussion dazu kritisiert wird. Immer super, wenn Wissenschaftler etwas unkritisch übernehmen und dann auch noch stolz darauf sind. Bleibt zu hoffen, dass die vielen Anmerkungen bei der Diskussion berücksichtigt werden oder das Ganze Ding gleich von Nutzern umgeschrieben wird.

  4. „… anstatt ein Recht auf Schund zu behaupten. Rechte sind für höhere Werte reserviert.“

    Das ist echt schlimm. Schlimm deshalb, weil Herr Sievers glaubt, er könne die Kennziffern für Schund und höhere Werte vorgeben.

  5. Zum Thema Gears of War 3:

    Die bisherigen Gears of War Teile wurde doch von Microsoft gar nicht erst zur Prüfung bei der USK vorgelegt oder?

  6. @UncutGamer
    Ich glaube so genau wissen das nicht viele Leute – die USK kommuniziert ja bloß positive Prüfungen über ihre Datenbank im Einzelnen. Produktpolitik von MS ist und wird wohl bleiben, dass Titel ohne USK-Kennzeichen in Deutschland nicht (mehr) veröffentlicht werden, aber irgendwie auf die Trichter kommen, dass etwas kein solches Kennzeichen erhält werden sie wohl schon müssen…

  7. @maSu und purchaser
    Leider ist der feine Herr ja nicht alleine mit dieser Art, von denen gibt es sehr viele und leider sitzen viele von denen in Positionen wo sie einen gewaltigen Schaden anrichten können (Wissenschaft, Vereine, Schulen, Behörden, Medien und Politik etc. sind überschwemmt mit solchen Menschen wie den Sievers).

  8. Das Thema Videospiele und Kultur ist (bei mir?) gerade sehr präsent. Schön war auch ein Vortrag von Jens Stober mit dem Titel „Videospiele, Kunst oder Kunsthonig?“. Er hat darin den Medienrummel um 1378(km) Revue passieren lassen und auch über seine persönlichen Gefühle, zum Beispiel durch die die Morddrohungen gegen ihn, gesprochen. Der Vortrag wurde auch aufgezeichnet, das Video habe ich aber leider noch nicht bekommen. („Kunsthonig“ ist ja mittlerweile fast ein Running Gag.)

  9. 1. Wer ist überhaupt dieser Norbert Sievers?
    und
    2. Was schreibt der eigentlich für sinnlosen Mist?
    Ich dachte dafür haben wir die Bild Zeitung?!

  10. @ rey

    Habe den Zeit-Artikel auch schon gelesen. Ganz schön deftig fand ich die Art, wie Hochkultur dargestellt wird. Als Kultur der Elitären, der Intellektuellen, die allein die Bedeutung der Hochkultur zu verstehen glauben. Für mich ist Hochkultur dagegen keine Frage des Mediums. Hochkultur fragt nach Ideen, die in Medien umgesetzt werden. Sie ist hochgehoben vom Festen, losgelöst von der Gestalt. Für mich kann sowohl Beethoven, als auch Dieter Bohlen etwas Hochkulturelles haben. Und für mich kann jeder auch dieses Hochkulturelle erfühlen. Die einen sagen bloß: „Wie geil ist das denn?“, während die anderen sich mit einem erweiterten Wortschatz ausdrücken.

  11. „Die einen sagen bloß: “Wie geil ist das denn?”, während die anderen sich mit einem erweiterten Wortschatz ausdrücken.“

    Und deshalb schlägt meine Oma die meisten „Wissenschaftler“ um Längen.

  12. @Patrick: klingt ziemlich persönlich, an manchen Stellen nicht wirklich Lexikonartig, aber ganz gut. Nur ein Kritikpunkt: Gleich der erste Teil „Von exzessivem Spielverhalten spricht man im Zusammenhang mit Computerspielen, wenn der Spieler einen großen Teil seiner (Frei-) Zeit in virtuellen Welten verbringt. Exzessives Spielverhalten wird oft als Computerspielsucht bezeichnet“ stimmt so imho nicht. Zumindest in der Forschung soweit ich sie gerade kenne wird Computerspielsucht immer mit mehreren Kriterien und eben nicht nur mit dem Zeitaufwand gemessen. Das machst du im weiteren Artikel auch schön klar, aber hier schreibst du das explizit anders. Wie wärs wenn du den 2. Satz abänderst in die Richtung von „Unter vorliegen von weiteren Anzeichen kann exzessives Spielverhalten in Computerspielsucht umschlagen“ (naja, bin nicht wirklich zufrieden aber als Idee)

  13. @Mars: Mit „wird als (…) bezeichnet“ will ich die Bezeichnung nicht gutheißen, sondern nur sagen, dass viele das halt miteinander vermischen. Bin jetzt bei „wird oft fälschlicherweise mit (…) gleichgesetzt“, damit sollte es deutlicher werden.

  14. Also man unterscheidet sicher schon zwischen stoffgebundenen Abhängigkeiten und „Computerspielsucht“, das ist aus meiner Sicht aber auch nicht das zentrale Problem, sondern WIE da ein Gift als Gegenstand verortet wird:
    warum Computerspielsucht eher öffentlich kommunizierbar ist als scheinbar Anderes. Weil man im Computerspiel ein leicht(er) artikulierbares Gegenbild zu Beschäftigungen in einer erwünschten Gesellschaft hat, deshalb auch die Rede von „Verhalten“ dabei. Anders als Arbeit, Schule, usw.
    Ich kann dazu immer wieder (offenbar vergeblich) nur auf diesen Vortrag des mittlerweile leider verstorbenen Herrn Rudas verweisen: http://www.youtube.com/watch?v=uYkvZBNAJzM
    Bevor sich über „Computerspielsucht“ unterhalten werden kann muss man sich nunmal erst vergegenwärtigen worüber da eigentlich gesprochen wird, sonst sitzt man sofort den jeweiligen IdeologInnen doch auf: man glaubt scheinbar, anscheinend auch hier, immer schon alles zu wissen und über diese Dinge nicht aufgeklärt werden zu brauchen wenn man so mit „Fakten“ aus „Studien“ operiert, aber genau darum geht es! Und da hilft keine Ignoranz oder Überheblichkeit.

    Die Frage ist wie man an eine Sache herangeht und mit welchen Interessen man versucht diese abzudecken: gibt es einen ähnlichen Artikel über Sexsucht? Ich glaube nein. Waschsucht? Fehlanzeige. Da komm ich über Google eher zur „Naschsucht“, also wiederum eher zur Fettsucht, etc.
    Problematischer finde ich da schon, dass etwa zwischen Gaming und Gambling da scheinbar nur wenig Unterschied gesehen wird. Aus der Glücksspiel-Industrie weiß ich, dass dort unter Gaming auch schonmal Glücksspiel verstanden wird und nicht Videospiele. Und soweit ich weiß ist die Glücksspiel-Sucht international auch vollständig anerkannt.
    Man redet bei den Video-Games zwar vielleicht viel über Zigaretten, aber das eigentliche Anliegen scheint mir Videospiel-HerstellerInnen ähnlich in die Pflicht zu nehmen wie Leute von der Glücksspiel-Industrie. Und um etwas gegen einen (subjektiv zunehmend schädlicher werdenden) Einfluss von Games zu unternehmen erscheint mir das auch eine bessere, mehr Erfolg versprechende Strategie zu sein als gegen die inkriminierten Gewaltdarstellungen darin zum Beispiel: man überlege sich mal in wievielen Ländern Glücksspiel wenn schon nicht verboten ist, verfolgt wird, so doch teils drastischen Regulierungen unterworfen. Genau dort möchte imo eine Disziplinargesellschaft dabei ansetzen.

  15. „@patrik
    dabei auch interessanr:
    http://www.zeit.de/2011/28/Hochkultur

    Klingt für mich alles ganz nachvollziehbar. Die Hochkultur ist das Erbe der Gesellschaft und sollte von dieser gefördert werden und sich nicht ausschließlich ökonomischen Zwängen unterliegen. Nur das sichert es jedem einen Zugang zu der Kultur seines Landes zu finden. Wäre das ganze nur noch was für Reiche, würde bestimmten Gesellschaftsschichten für immer der Zugang dazu verbaut werden.
    Der weiter oben erwähnte Bohlen ist eher das Gegenteil der Hochkultur, da er nichts eigenes erschafft, sondern sich recht schamlos bei anderen popkulturellen Werken bedient.
    Die modernen Theatermacher setzten leider meist nur noch auf eine möglichst spektakuläre Inszenierung und der Inhalt wird vernachlässigt. Das ist dann mehr Überlegenheitsdünkel als wahres Talent, da wäre ein wenig mehr Demut angebracht.
    Computerspiele sind noch zu jung, daher findet man sie nicht in Museen (von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen), aber sowie ein Charlie Chaplin auch hundert Jahre später nicht vergessen ist, werden auch ein Super Mario Bros., Grand Theft Auto und Metal Gear Solid in 100 Jahren nicht vergessen sein. Charlie Chaplin gilt heute als große Persönlichkeit, damals wurde er wahrscheinlich als Komiker belächelt, in der Retrospektive werden sicherlich auch Computerspiele besser wegkommen und ihr Schmuddelimage verlieren.

  16. Dieter Bohlen ist ebenso wenig Hochkultur für mich, wie es Mozart ist, Triforce. Ich frage bei Hochkultur nicht nach dem Medium, sondern nach der Idee, die im Medium umgesetzt wird. Da ist die Art des Mediums völlig egal. Alles was das Volk konsumieren kann, egal wie intelligent dieses Volk auch ist, ist für mich Massenkultur, Kultur für die Massen. Hochkultur hingegen sehe ich losgelöst von der Materie. Auch ein Dieter Bohlen kann solch einen hochkulturellen Gedanken haben.
    Dem verlinkten Artikel gebe ich Recht. Ideen müssen für die Nachwelt erhalten bleiben, was ich daran kritisiert habe, ist nur, dass der Autor, nur aus meiner Sicht (Ich weiß nicht, ob er das so meinte), glaubt, Hochkultur hätte etwas mit Intelligenz zu tun. Dass vermeintlich weniger intelligente Menschen sich nicht oder nicht angemessen mit Hochkultur beschäftigen könnten. Aber ich kenne viele Menschen, die zwar nie ins Theater gehen, aber Theateraufführungen für wunderschön halten, ebenso kenn´ ich Menschen, die man vielleicht als intelligent bezeichnen kann, sich aber dennoch an „Trivial-Kultur“ erfreuen.

  17. Mit Klassik kenn ich mich zu wenig aus um zu sagen, wer wirklich bedeutend und wer nur populär ist.
    Natürlich können nicht nur intelligente und moralisch einwandfreie Menschen kulturell wertvolles kreieren. Wagner war ein widerlicher Antisemit, dennoch ist seine Musik zeitlos. Ein DSDS-Superstar ist hingegen nach zwei Monaten schon wieder vergessen.
    Ich kenn unzählige intelligente Menschen, die sich nichts aus Kultur machen. Das hängt wohl mehr mit der Erziehung und Bildung zusammen, ob man sich für sowas begeistern kann oder nicht.

  18. @Triforce
    Das fände ich aber sehr traurig, wenn (immer?) etwas erst in einer Retrospektive so zur Geltung käme.
    Dabei bezieht sich der Zeit-Text auch noch ausdrücklich auf Gegenwartskultur wie Roth-Literatur oder Henze-Opern
    Dass Roth „höher“ sei als Brown, weil weniger kommerziell schonmal, und Henze etwa „höher“ als Bohlen, dito. Das alte Schema zwischen E und U, zwischen Ernst und Unterhaltung das in Deutschland imo immer noch eine ungeheure Gewalt ausübt.
    Nein: der Zeit-Text kann so bloß eine gewisse Distinktion meinen, wodurch man sich mit dem Begriff „Hochkultur“ halt von vermeintlich Minderwertigerem abgrenzen möchte

    Das was dabei unter Hochkultur verstanden wird ist zudem offensichtlich ein kollektivistisches, kanonistisches Programm: es geht um Aufführungen oder Veranstaltungen, Einrichtungen im öffentlichen Raum womit eine Gemeinschaft oder Gesellschaft erhalten werden möchte. Dadurch womöglich auch repräsentieren, identitätsstiftend. Das ist schonmal ebenfalls naturgemäß gar nicht mal so weit weg von einem „Leitkultur“-Begriff bei diesen Reden auch, usw. usf.
    Und genau dort, an dieser Schnittstelle zum Privaten, sehe ich auch das „Stigma Videospiele“ vorhanden. Bedrückender Weise.

  19. Richtig schlimm wird es wie in dem Zeit-Text dann, wenn Zivilisation noch so zu bestimmen gesucht wird: es wird ja nicht unbedingt dazugesagt, das wird man sich schon dazudenken müssen, aber das was man sich dagegen denkt ist nunmal immer wieder „Barbarei“. Man vermutet das Barbarische im Anderen, Fremden, wenn man es nicht bereits als Gefunden ausgemacht zu haben glaubt.

  20. Bohlen und Henze sind letztlich beides Menschen und Musiker: wenn Bohlen Urheberrechtsverletzungen begeht, dann gibt es auch Gesetze die für beide gelten. Ebenso wie wenn Henze etwa Persönlichkeitsrechte verletzen würde. Das Gleiche gilt in der Literatur zum Beispiel zwischen Martin Walser und Wolfgang Hohlbein – mit dem Unterschied, dass Bohlen wohl noch häufiger als Musiker durchgeht als der Schrifsteller Hohlbein als Literat. Weil vor „Literatur“ schon eine ähnliche Mauer ist, eine Schwelle liegt, wie bei Hoch-„Kultur“ – das übrigens ähnlich wie mit „Kunst“ nicht nur in Deutschland.
    Vicarocha könnte Euch da sicher auch noch was über das Recht diesbezüglich erzählen, weil im Recht geht das ja auch nicht in Deutschland – dieses „Hochkultur“-Gerede hat ja auch in Deutschland eigentlich längst keine rechtliche Grundlage mehr, sondern das sind doch alles feuchte Träume von BildungsbürgerInnen, im politischen Spektrum rechts wie links.

    Das was so passieren soll (normativ) ist jedoch, dass der Ausdruck des Einen gegenüber dem Anderen ausgespielt wird – exemplarisch. Und das ist zumindest aus meiner Sicht undemokratisch. Das steht einer Idee von Demokratie für mich diametral entgegen. Genau so wie es das ist wenn kanonisch vorgeschrieben wird, dass man von Goethe oder Mozart viel zu halten hätte und das würde ich alles zusammen weit eher als kulturell vorzivilisatorisch bezeichnen, als archaische Muster einer Tyrannei des Guten und Schönen, von Moral und Geschmack. Sorry fürs Triple-Posting.

  21. Nochmal zum Thema Computerspielsucht:

    Das größte Ärgernis an der Suchtdiskussion ist meines Erachtens, dass die „Erkenntnisse“ des KFN als Fundament dienen und für bare Münze genommen werden.
    Ich habe mich in meinen Studien kritisch mit genau dieser Arbeit des Instituts auseinander gesetzt und mit einer eigenen empirischen Erhebung widerlegt.
    Das KFN benutzt in ihrer Arbeit nämlich Erhebungsbögen, die eigentlich auf stoffgebundene Süchte angewendet werden.
    Der Denkfehler an der Sache ist, dass Computerspiele, im Gegensatz zu stoffgebundenen Süchten, eine beliebte und ungefährliche Freizeitbeschäftigung darstellen, die viele Menschen mit großer Leidenschaft betreiben.
    In meiner Arbeit habe ich also die selben benannten Fragebögen benutzt, nur den Faktor „Computerspiel“ durch „liebste Freizeitbeschäftigung“ ersetzt.

    Das Ergebnis ist: Ich habe nahezu die selben Zahlen wie das KFN erhalten, nur dass „meine“ Jugendlichen süchtig (oder suchtgefährdet) nach Fußball, Reiten und anderen Freizeitbeschäftigungen sind.

    Wer möchte kann dies mal nachlesen:

    http://www.amazon.de/Spielregeln-f%C3%BCr-virtuelle-Welten-Computerspielen/dp/3863067584/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1311072607&sr=8-1

  22. @Gnolf: da ich dich im Bib-Katalog nicht finden konnte gehe ich davon aus es ist keine Diss? Schade, denn 50€?
    Wenn ich mich nicht täusche gibt es die Diskussion viel länger als die Studie. Die Studie war nur die erste (?) die versucht hat die Größe des Problems abzuschätzen. Und ob da 2 oder 8% rauskommen ist empirisch auch quasi egal…
    Ohne deine Studie zu kennen ist es irgendwie schwer das zu beurteilen, auch wenn der Ansatz nett zu sein scheint.
    Aber: „Der Denkfehler an der Sache ist, dass Computerspiele, im Gegensatz zu stoffgebundenen Süchten, eine beliebte und ungefährliche Freizeitbeschäftigung darstellen“ Ähm, Studien sollten Ergebnisoffen sein. Dein Satz lässt macht die Vermutung quasi unmöglich. Denn wenn du von „Denkfehler“ sprichst dann behauptest du man hätte das vorher wissen müssen, es ist also kein Ergebnis deiner Studie. Das macht es mir jetzt irgendwie schwer deinen Ergebnissen wirklich zu glauben.

  23. Ich würde das nicht einmal als „Denkfehler“ bezeichnen, sondern da eine bewusste, kalkulierte Irreführung oder Manipulation von Öffentlichkeit unterstellen wollen: in Videospielen ist nämlich gleichviel oder gleichwenig Giftstoff enthalten wie zwischen zwei Buchdeckeln, in der Archtiektur, Musik etc. Und das ist keine Meinung, sondern ein Sachverhalt. Der Stoff kommt da wenn dann erst von außen gedanklich hinein, als (wiederum) Ausdruck bezüglich unerwünschtem Ausdruck. So spannend kann gar kein Roman geschrieben werden, als dass da tatsächlich so ein Stoff entstehen würde – und darum geht es hier, um nichts anderes. Dass gerade das noch Leute so akzeptieren wollen die (ansonsten) gern „Fakten“ in „Studien“ haben kann ich dabei nur mehr als besonders bedenklich bezeichnen – bei diesem ganzen Hokuspokus gedanklich.
    Ja es mag Design-Formen geben die Suchtverhalten mittels Flow, Persistenz und Involvierung ähnlich wie Arbeitsprozesse in der „realen“ Welt evozieren, aber das könnte man dann auch der Romanform gewissermaßen vorhalten beziehungsweise vorwerfen. „Ohrwürmern“, etc.
    Lesesucht wird gegenwärtig jedoch etwa nicht so problematisiert wie das Spiel-„Verhalten“.

  24. @Pyri: Auch wenn du es nicht gerne hörst, aber: Nein. Es ist und bleibt eine Annahme. Egal wie logisch oder unlogisch man das auch findet, aber es ist einfach eine Annahme.

  25. „Nein“ – „ist“ es da jetzt wirklich nötig zu erklären welche grundlegenden Eigenschaften ein Videospiel hat?

    Also gut: ein Videospiel ist immateriell und mittelbar – wie alle Medien. Daher auch Medien ^^ Spritzt sich jemand Heroin, der Spitzer-Vergleich, „konsumiert“ der Mensch kein Medium, sondern unmittelbare Materie die in Körpern direkt wirkt.
    Ein Videospiel kann so höchstens indirekt wie derlei durch chemische Reaktionen entstandene Stoffe wirken, aber nicht „als“. Und das „ist“ ein Sachverhalt. Wenn das bloß eine „Annahme“ wäre, dann ist es auch nur eine „Annahme“ dass ein „Baum“ kein „Meer“ ist, dann redet man von verschiedenen Dingen oder weiß eben nicht was unter dem einen oder anderen so verstanden wird.
    Der Spitzer mag zwar behaupten, dass in Gehirnen beim „Western“-Schauen immer das gleiche ablaufen würde, wobei ich ja vermute dass er selbst dabei keinen „Euro“- von einem „Italowestern“ unterscheiden würde, und vielleicht meinen so ein „Western“ wäre „wie Gift“, doch dabei nichts „als“ schädlichen Stoff direkt ausmachen können. Das ist bestenfalls Alchemie
    Tatsächlich ist so ein Denken gerade in Deutschland historisch massivst belastet.

    Wenn jemand tagtäglich Alkohol zu sich nimmt mag sich das auf die Gesundheit eines Menschen nicht unbedingt nachweislich negativ auswirken, dennoch nimmt so jemand mit dem Alkohol als Sachverhalt Gift zu sich, so wie ständig in geringen Dosen auch die unterschiedlichsten Stoffe zu sich genommen werden die mitunter höher dosiert absolut tödlich sind.
    Und darum ging es hier: es ging auch nicht um irgendwelche „Ergebnisse“ von Forschung, sondern im Gegenteil um Herangehensweisen an Forschung (!). Grundlagen – wenn jemand Videospiele konsumiert, und deshalb wohl eindeutig diese Rede davon, dass das eine ungefährliche Beschäftigung ist, dann heißt das nicht, dass Videospiele nicht gefährlich sein können, genau so wenig wie bei einem Taschentuch, das auch tödlich sein kann, sondern dass es in einer üblichen Verwendung das nicht ist und da im Unterschied zu einem Glas Bier auch nichts direkt so einwirkt.
    Es ist ja nicht einmal möglich ein Videospiel eindeutig zu definieren: so finden sich in vielen Spielen virtuelle Bücher, vielleicht mit genau diesem Text hier drin, ist der dann das Gift, oder ein Glas Bier abgebildet. Hat das Videospiel dann Alkoholgehalt?

    Grotesk und alles nicht zu fassen.
    Es scheitert bei diesen EInschüben anscheinend schon an Vorstellungen von „Gefahren“, auch weil von „Ergebnissen“ gesprochen wird: mich interessieren diese „Ergebnisse“ zum Beispiel schonmal überhaupt nicht und für mich kann ein Videospiel gar nicht „gefährlich“ genug sein. Genau so wie Literatur auch – welche Literatur hat sich in der Weltgeschichte denn auch schon gehalten die nicht zumindest so „gefährlich“ gewesen ist, dass sie anderes nicht verdrängt hätte. Deutschsprachig zum Beispiel Grimmelshausens barocker Roman oder Goethes „Faust“ zum Beispiel, der eine absolute Gefahr für den Text von Marlowe gewesen ist, ein Stoff der es auch populärkulturell schon weit gebracht hat bis mit Goethe die vermeintlich „höhere“ Bearbeitung erfolgte.
    Genau da setzen diese ganzen Forschungen jedoch an zum Beispiel: an einem negativen Bezug zur „Gefahr“.
    Um Ergebnisse kann es so für mich schonmal überhaupt nicht mehr gehen. Die sind dabei wahrhaft irrelevant.

  26. @Mars

    Natürlich ist mir bewusst, das Studien und besonders Theorien Annahmen sind, die darauf warten widerlegt zu werden^^
    Vielleicht war „Denkfehler“ das falsch gewählte Wort. Ich wollte in meinem Post lediglich ausdrücken, dass das KFN eindeutig ungeeignete Methoden verwendet, um ihre Annahme zu begründen. Das ist ein Unterschied! Ich will damit nicht sagen, dass meine Ergebnisse fakt sind (um Himmels Willen^^), jedoch stellen sie einen guten Ansatz dar, die Befunde des KFN massiv zu kritisieren.

    Im verwendeten Fragebogen kommen Fragen vor, wie z.B.: „Denkst du ans Computerspielen, wenn du gerade nicht spielst? (sinngemäß)“
    Um Alkoholismus zu diagnostizieren mag solch eine Frage Sinn machen, jedoch nicht bei einer Freizeitbeschäftigung, der ca. 80% aller Jugendlichen, teils mit viel Leidenschaft, nachgehen.

  27. @Gnolf
    So würde ich das auch nicht festmachen wollen. Auch wenn jemand zum Beispiel ausdrücklich keinen Alkohol trinken will wird er etwa durch Werbung damit vielfach konfrontiert. Selbst in öffentlichen Räumen wie über Plakaten – was bei Videospielen vielleicht weniger der Fall ist, aber so auch sein kann. Vor allem dann wenn man sich in einer soziokulturellen Sphäre, einem Milieu bewegt indem ansonsten viel Videospiele gespielt werden. Auch wenn man da selbst nicht spielen will wird man es mit dem Medium medial zu tun bekommen, also daran denken obwohl man es eigentlich nicht möchte.
    Müsste nicht eher schon auf die Eigenschaft hingewiesen werden, dass hier wenn dann eine psychische oder soziale Abhängigkeit zu etwas eintritt das als Gegenstand von sich aus nichts dazutut – in einem Körper zum Beispiel -, sondern dass es darauf ankommt was jemand daraus, aus der Möglichkeit Videospiele zu spielen, macht. So wie im Beispiel des von mir verlinkten Vortrags der internetsüchtige Mensch oder einer mit einer anderen „Verhaltensstörung“, der etwa an seiner Kleidung zupft usw. Internetsucht ist da vielleicht noch das beste Beispiel da das Internet ja auch in solcher Forschung viel verwendet wird.
    Ich sehe das ja eher so, dass als Vorwurf gerade diese „Leidenschaft“ „Leiden“ schaffen würde…

  28. … und am Ende kommt ein PFEIFFER daher und argumentiert da delirant, man solle „Lust auf Leben“ schaffen, als expliziter Gegenentwurf zur Medienrezeption, insb. des Spielens. Als sei Computerspielen eine Art Un- oder Antileben; aber genau das ist ja auch seine Meinung, wenn er ganz explizit formuliert: „Das ist ein krankes Leben.“
    Am Ende geht es doch nur um Lebensstilvorstellungen, die man nicht nur ex cathedra verkündet, sondern auch noch mit aller Gewalt (soziale Ächtung, Verbote etc.) durchsetzen will… dabei würde ich gar behaupten, dass die Lebensstilvorstellungen eines Christian PFEIFFER ja ganz bestimmt nicht die populären sind, hier ja quasi shcon eine Midnerheit der Mehrheit etwas aufzwingen will.

  29. @Vic: du solltest bei all dem nicht vergessen dass es (zumindest inzwischen) um exzessiven Konsum und nicht um den Konsum an sich geht. Das ist ein Unterschied.
    @Gnolf: Die Frage macht Sinn wenn du dir vergegenwärtigst dass man im KFN-Fragebogen von 12 Fragen nur 3 nicht mit dem Maximum beantworten durfte um schon aus der Sucht-Definition rauszufallen. Wenn das KFN natürlich allein an der Frage schon bei einem JA ne Sucht diagnostiziert dann hättest du Recht. So finde ich die Frage sehr sinnvoll. Eben weil sie im Zusammenhang steht.

  30. @Pyri: Der Sinn der Literatur ist es herauszufinden ob insgesamt von Spielen ein negativer Einfluss ausgeht. Ob der jetzt alle betrifft oder nur 10% (wie du das oben auch zulässt) ist dabei egal. Natürlich drücken die sich nicht so aus, was aber auch damit zu tun hat dass man zwischen dem forschungsdesignmäßig meiner Meinung nach nicht trennen kann. Das wird so auch in quasi jeder Disziplin gehandhabt. Diese aggregierten Effekte wollen die Wissenschaftler (sagen wir mal die Meisten :-) den wenigsten Elterninitiativen geht es um die exakten Dinge sondern um die gesamtgesellschaftlichen Effekte) herausfinden. Das hat dann auch nicht unbedingt was mit Ressentiments oder so zu tun sondern mit wissenschaftlicher Neugier, mit dem Drang Erklärungen für Beobachtungen zu finden etc.

  31. Naja… ich würde schon sagen, dass es speziell bei PFEIFFER um den „Konsum“ an sich ging und immer noch geht, wie so bei einigen anderen Nasen auch. Sieht man von solchen radikalisierten, fanatischen Meinungsäußerungen aber ab, störe ich mich bereits an Begriffen wie „exzessiv“ u.ä., ohne das da Relationswerte geboten werden (von Normen will ich erst gar nicht reden). Da könnte ich dir aus der MGWF so einiges flüßtern; schon bei der TV-Forschung schwangte da die Verordnung eines „Konsumexzesses“ wenigen Minuten in der Woche, bis zu mehreren Stunden am Tag. Exzess ist in der Praxis ein (perjorativer) Blankettbegriff… und da kommen dann noch die vielen, vielen, vielen Unterschiede in Alter, Sozialkosmos (Kultur, Land etc.) usw. hinzu, die meist nicht beachtet werden: Was an diesem Ort und für diese Gruppe als Exzessiv gewertet wird, ist woanders bei der gleichen oder einer andere Gruppe etc. schon wieder die Norm.

  32. @Mars
    Bist du sicher das die Wissenschaft bei zumindest dem Thema um das sich hier alles dreht durch Neugier, Drang zu Erklärungen und Beobachtungen angetrieben wird und nicht nur aus der Gier nach Aufmerksamkeit, Geld und Macht heraus?

  33. @Trask: Ja! Ich habe zwar gegenüber vielen Wissenschaftler einige Vorurteile und da werden auch Ergebnisse gedreht, aber das war sicher nicht der ursprüngliche Ausgangspunkt. Weißt du, wenn Eltern sich wegen Internet sorgen dann hat das weniger mit Konservatismus zu tun als mehr mit einer aufrechten Sorge um die Kids (der Konservatismus ist dann das was das Internet in den Fokus rücken lässt). Und ich glaube ehrlich gesagt dass die Sorgen der Eltern vor den Wissenschaftlern da waren. Klar, es gibt Ausnahmen und nicht jeder, der Vorträge hält tut das aus ehrlichen Motiven, aber jedem Wissenschaftler Gier zu unterstellen, dafür könnte ich keine Begründung sehen. Klar, bei Huber oder Anderson würde ich von Kreuzzug sprechen, aber das sind jetzt auch nicht unbedingt mein Maßstab für Wissenschaft. Und das sind auch nicht die die von der Politik oder der Erwachsenenwelt wirklich ernst genommen werden.

    @Vic: Ich würde noch weiter gehen: Was exzessiv ist ist individuell. Aber es ist mir lieber wir reden einfach unbestimmt von exzessiv und erläutern den Eltern auf Vorträgen eben dass was jeder wissen muss (bzw. schauen nach Erfahrungswerten von Mitarbeitern in Suchtstellen oder anderen Leuten die mit Kindern zu tun haben um so grobe Anhaltspunkte zu geben) als nichts zu sagen. So lange die Leute in ihren Studien angeben wo sie konkret die Grenze gezogen haben ist da nicht viel auszusetzen.

  34. Naja… ich halte die Warnung vor Computerspielsucht ja für eine Phantomdebatte, aber ungeachtet dessen: „So lange die Leute in ihren Studien angeben wo sie konkret die Grenze gezogen haben ist da nicht viel auszusetzen.“ Prinzipiell würde ich ja zustimmen, wenn sich 1.) solche Zeitangaben in den Studien denn auch wirklich aus den Ergebnissen filtrieren lassen würden, was all zu oft nicht der Fall ist (da werden kritische Zeitpensen einfach ad hoc mit Bauchgefühl bestimmt) und 2.) entsprechende Relativierungen und Einordnungen erfolgen würden, die ganz klar machen, dass es immer ein multifaktorielles Phänomen ist und sich nicht auf den Faktor „Medium“ reduzieren läßt… so als Mindestanforderungen.

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