Pressestimmen

Angesichts der Ausführungen des Täters kann man der Presse kaum einen Vorwurf daraus machen, dass in manchen Artikeln nun geschrieben wird, er habe „sein blutiges Attentat offenbar anhand eines Computerspiels“ geplant (dnews), Modern Warfare 2 „als beste „Militärsimulation„“ bezeichnet (welt), sowie dass „Ego-Shooter als Massaker-Vorbereitung“ dienten (Süddeutsche). Wünschenswert wäre jedoch eine kritische Reflektion darüber, was an der Aussage, dass sich der Titel als „Schießübung“ eigne, tatsächlich dran sein kann. Stattdessen wird darauf hingewiesen, dass entgegen der Jugendschutzbestimmungen  „jeder, der einen Internetzugang besitzt, […] diese Spiele auf verschiedenen Plattformen illegal herunterladen“ könne.

Auch in Deppendorfs Woche kommt man angesichts der Anschläge auf „Killerspiele“ zu sprechen, mit denen Deppendorf offenbar ein Problem zu haben scheint:

Ulrich Deppendorf:

„Ich habe noch eine andere Geschichte – da sollte man vielleicht mal drauf schauen: Wir haben unglaublich viele Killerspiele, die auch im Internet sind. Hier müsste man …“

Corinna Emundts:

„Wurde auch schon politisch diskutiert.“

Ulrich Deppendorf:

„… auch schon politisch diskutiert. Aber hier passiert nichts. Da gibt es ja richtige Kriegs- und Ballerspiele – ich glaube hier sollte man auch noch einmal schauen. Und es ist natürlich auch ein bisschen in der Verantwortung der Internetbetreiber, die machen es sich manchmal sehr sehr einfach.“

Weitere Zitate – auch zu Videospielen – finden sich bei Fernsehkritik.tv.

(Danke für die Hinweise.)

19 Gedanken zu “Pressestimmen

  1. Ich mache der Presse einen Vorwurf, schließlich besteht das „Manifest“ aus 1500 Seiten und nicht bloß aus ein paar Zeilen zu zwei Videospielen. Wenn man jetzt die Ursache in den Spielen finden will, muss ein gewichtiger Teil Breiviks Motivation untergehen.
    Dass Deppendorf in diese Richtung schießt, überrascht nicht. Seine Hörigkeit gegenüber der herrschenden Politik lässt sich in allen seinen Kommentaren verfolgen. An Ursachen, die eventuell noch politisch begründet sind, wird er nicht rühren.

  2. Was für ein blödsinn schon wieder.. ich hasse diese selektive wahrnehmung mancher medien. Das Breivik regelmässig ins ausland geflogen ist für sein schiesstraining wird mal gekonnt unterschlagen um den eindruck zu vermitteln der typ wäre allein durch MW2 so gut im umgang mit waffen geworden.

    Allein die tatsache das sich die medien auf jeden mist stürzen der ihr weltbild unterstreicht wärend gekonnt andere themen ignoriert werden die nun etwas kontrovers sein könnte. Da wird auf videospiele gezeigt in einem der wohl auffälligsten und eindeutigsten fällen von „homegrown terrorism“. Aber wäre ja auch peinlich darauf einzugehen nachdem man kurz nach dem amoklauf selbst dazu beigetragen hat indem man das ding fröhlich islamisten in die schuhe geschoben hat ohne das es auch nur einen vernünftigen hinweis darauf gab.

  3. Kleiner nachtrag zu dem was purchaser geschrieben hat: So weit ich das mitbekommen habe hat Breivik nur auf 2 seiten von diesen 1500 seiten irgendwas über videospiele geschrieben.

    Nur hoffen das er nicht irgendwo brot erwähnt hat auf den restlichen 1498 seiten ;)

  4. Also ist festzuhalten, dass Games dieses Mal kaum eine Rolle in den Medien und bis dato gar keine in der Politik spielen. Das ist doch wunderbar! Über Games wurde ja selbst beim Amoklauf von Ansbach fabuliert, obwohl der Täter gar kein Gamer war.

    Natürlich sind einige der genannten Beispiele unterirdisch, das will ich gar nicht abstreiten…

  5. Was die Internetspiele angeht haben die ja nicht ganz unrehct, es gibt viele Aktionspiele mit den unterschiedlichsten Szenarien und Blutig sind einige davon auch und die allermeisten haben immer noch keine Freigabe. Die Frage ist nur wie soll hier geprüft werden, was ist mit denen die schon draußen sind und wie sollen die geprüft werden die aus dem Ausland stammen und was passiert mit ungeprüften Titeln und können die Seiten indiziert werden und was passiert danach, kann man die Seiten wo es die Spiele zum Downlaod dann noch als Erwachsener ansteuern?

  6. Naja, dass Journalisten im Durchschnitt nicht intelligenter sein können, als die sonstige Bevölkerung dieses Landes, das dürfte hinreichend bekannt sein. Leider hat der Beruf aber wohl die Nebenwirkung, dass die schlimmsten Verteter dieser Berufsgruppe auch immer am lautesten schreien können und ihnen niemand Einhalt gebieten kann.
    Hin und wieder frage ich mich, ob es bei diversen zeitungen keine Redaktionsmeetings gibt, bei denen mal Fakten auf den Tisch kommen und nicht halbgare Verschwörungstheorien einiger Spinner. Denn wenn ein Redakteur bei der Süddeutschen der Meinung ist, er müsse schreiben, dass mit Videospielen die treffsicherheit trainiert werde, einfach weil es in so einem lächerlichen Dreck wie dem Manifest des Attentäters steht, dann müsste doch jedes intelligente Lebewesen im Raum anmerken, dass man bestenfalls auf diese Wirre these des Attentäters eingehen kann, diese aber so nicht stehen lassen kann, da eine Maus und eine echte Waffe durchaus „gewisse Unterschiede“ aufweisen.
    D.h. wenn ich einen Artikel schreiben würde, dann würde ich mir Thesen aus dem Manifest suchen, die eben den hochgradig „bekloppten“ Geisteszustands des Attentäters belegen. Da kann man dann auch anführen, dass er sogar so dämlich war, dass er meint, mittels Videospielen das Schießen zu lernen, bzw. seine Fähigkeiten zu verbessern und dass zwischen kommerziellen Videospielen und den Schießkinos der Bundeswehr erhebliche(!) Unterschiede bestehen.

    Aber stattdessen heißt es: Hirn aus! Copy and Paste aus dem Manifest und der Attentäter lacht sich schlapp. Evt. war diese Realsatire auch eines der Ziele des Attentäters: Die Medien und auch die sogenannten Experten sollten mal wieder die Hosen herunter lassen. Aber wenn das ein Ziel des Attentäters war, dann hätte er bedenken müssen, dass kaum ein Mensch die Peinlichkeit dieser Experten und Journalisten bemerkt und diese Leute, die im wahrsten Sinne des Wortes da einen Striptease aufführen noch – trotz aller Peinlichkeit – bejubelt werden.

    Ich schäme mich einfach für die Medien dieses Landes (und auch anderer Länder). Ich halte selbst den dümmsten Menschen dieser Erde für fähig, etwas besseres zu erzeugen. Aber es liegt wohl nicht im Intellekt der Menschen, sondern an ihrem Willen ihr Hirn auch zu benutzen. Es ist wohl einfach bequemer Dünnpfiff abzudrucken. Und da wundern sich die printmedien, dass ihnen die Leser weglaufen…

  7. Deppendorf ist schon ein echter Spaßvogel. Neben Spielen scheint er auch von modernen Medien nicht viel zu verstehen. „unglaublich viele Killerspiele, die auch im Internet sind“ Help! We’re dooooomed! ;)
    Wo ist der Bezug zur Realität? Die Verbreitung von Spielen über das Netz ist de facto nicht nennenswert begrenzbar. Darum sollte er, statt das zu kritisieren, lieber mal sagen, wie ein künftiger Umgang mit dieser Tatsache möglich wäre, der sich nicht auf die oft geschwungene Verbots-Keule beschränkt. Die ist nur ein Alibiwerkzeug mit der Politiker und Co. so tun können, als hätten sie was getan.
    .
    Generell bin ich allerdings auch überrascht, dass es bisher kaum Aussagen in den Medien zu den Games gibt. Ob unser Protest Wirkung zeigt oder ob der Breivik einfach nicht in das klassiche Bild des Gamers passt, dass bei den Schoolshootings gezeichnet wurde?

  8. @maSu
    „Leider hat der Beruf aber wohl die Nebenwirkung, dass die schlimmsten Verteter dieser Berufsgruppe auch immer am lautesten schreien können und ihnen niemand Einhalt gebieten kann.“
    …oder zumindest oft bei den Verlagen oder Sendern arbeiten, die täglich ein Millionenpublikum erreichen. Und weil jeder, der die Arbeit von Journalisten kritisiert, gleich als böser Angreifer auf die Pressefreiheit (aka Narrenfreiheit) dargestellt wird, wird sich in absehbarer Zeit nichts ändern.

  9. @Crusader
    Kaum würde ich nicht sagen, es gab schon ziemlich viele Aussagen aber viele wurden Sang und Klanglos wieder „entfernt“ (Online), weshalb man erst über Games herzieht und dann diese Aussagen dann ohne Kommentar wieder entfernt weiß ich ehrlich gesagt nicht.

  10. @Trask
    IMO weil es peinlich für eine Zeitung oder einen Redakteur ist, wenn offenkundig falsche Aussagen von Laien aufgedeckt werden können. ;)

  11. @Crusader
    Möglich aber der Schaden ist trotzdem da weil bis dahin viele die Texte gelesen haben und Korrektur gibt es ohnehin nur Online, bei einer gedruckten Meldung geht das ja nicht bzw. wird das nicht im Nachhinein gemacht.

  12. Herr Deppendorf sagt lediglich man müsse genauer hinsehen bei radikalen Gruppierungen im Netz allgemein und auch in Bezug auf Ballerspiele. Von Verbot keine Rede.

  13. @Sunstar
    Schon einmal auch überlegt was „Verbote“ gegebenenfalls denn alles wären? Darunter kann man auch sehr verschiedenes verstehen…
    Ich denke solche Vorstellungen gehen negativ sogar noch wesentlich weiter als dass sie sich nur für „Verbote“ einsetzen würden.

  14. Wenn 14 Jaehrige Kinder im Internet unterwegs sind, dann stimmt da etwas nicht.
    Das Internet ist fuer Erwachsene, ergo muss auch das Angebot nicht beschnitten werden. Das Fernsehen ist fuer jeden erreichbar – das Internet verlangt eine Anmeldung, man muss dafuer extra bezahlen. Klar, ich habe mit 14 auch schon gesurft, aber im grunde ist das nicht richtig.

    Dass man mit der Mouse zielen lernt kann ich als Schuetze nur immer wieder verneinen. Es ist zum Facepalmieren, was mal wieder in deutschen Presse und auch in der deutschen Politik ablaeuft. weitere Terrorgesetze, Zensur, böse Computerspiele, böse Waffen […]. Das eigentliche Problem – naemlich das ein rechter, konservativer Christ die Moeglichkeit hatte, sich eine Bombe zu bauen, sich zurueck zu ziehen ohne das Nachbahr Volk sich gefragt hat, was los is. Mehr Offenheit, mehr Demokratie: Das brauchen wir Deutschen nochmehr als Norweger.

  15. @kuemmel:
    Ich denke da möchte ich widersprechen. Der Umgang mit dem Internet sollte meines Erachtens frühzeitig gelernt werden. Ich meine ich kann es nicht so richtig sagen, denn es gibt das Internet noch nicht lange genug (also in der Ausprägung dass nicht-ITler damit was anfangen können und was geboten bekommen) dass ich noch so jung gewesen wäre, aber ich finde es gilt wie bei allen Medien dass ein frühes heranführen an die Möglichkeiten nicht falsch ist.
    Klar, es gilt wie immer: Unter Aufsicht und auch nicht ewig lang. Ich bin z.B. gegen den PC im Kinderzimmer. Ich hatte glaube ich auch erst einen als ich 16 wurde oder so. Ohne Internet.

    Aber ich finde es peinlich wenn jemand in der Mittelstufe einer Schule nicht in der Lage ist Recherchen im Internet zu machen. Also zumindest Google (und zwar richtig bedienen! Lernen wie man Suchen formuliert, das können die meisten Leute heute immer noch nicht!), Wikipedia und die grundsätzlichen Probleme sowie Verhaltensweisen im Netz sollte man einfach früh lernen finde ich. Dazu gehört z.B. auch das Einschätzen der Glaubwürdigkeit von Quellen. Filtern ist das schwere im Internet, nicht das finden.

    Ich kriege Anfälle wenn ich Leute Doppelklicks im Internet machen sehe (wahre Geschichte, und zwar eine junge Frau, kein Opa oder so wo mans noch verstanden hatte, sondern jemand aus der Generation der ersten sogenannten „Digital Natives“), und Leute die irgendwelchen Mist nachplappern den man im Internet in 2 Minuten einfach korrekt nachlesen kann, mit Quellen und so. Der Witz ist dass das sogar im Internet passiert. Wie viel Mist muss ich in Forenbeiträgen jeden Tag lesen weil da jemand vor dem Internet sitzt, aber nicht damit umgehen kann… Ich raffs teilweise nicht. Da hat wohl jemand nie gelernt wie man das Netz nutzt. Ich klinge jetzt bald wie so ein pseudo-elitärer Möchtegernhacker-Opa, aber was können die Jugendlichen denn im Internet noch, außer Facebook, Twitter und ein bisschen Wikipedia? Teilweise echt schlimm. Liegt aber auch daran dass es in der Schule nicht wirklich rübergebracht wird, die meisten Lehrer könnens halt auch nicht….

    Gruß
    Aginor

  16. @Aginor
    Ich glaube er will damit sagen das man unter 18 Jährige (oder zumindest keine Kinder) wohl nicht alleine mit dem Internet hantieren lassen sollte.

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