Carmack und Ferguson über Videospiele und Gewalt

(play3/forbes) Dass Videospiele für Gewalt verantwortlich gemacht werden ist nicht ungewöhnlich, doch dahingehende Vorwürfe werden in manchen Konstellation eher als in anderen geäußert. So verweist der amerikanische Psychologe Christopher Ferguson darauf, dass offenbar vornehmlich bei weißen Jugendlichen auf Videospiele zur Erklärung des gewalttätigen Verhaltens zurückgegriffen wird, während man bei Taten von Angehörigen einer Minderheit ohne auskommt:

“I know it’s a little controversial to say but there’s a certain type of racism in place with these killings […]. When shootings happen in an inner city in minority-populated schools, video games are never brought up. But when these things happen in white majority schools and in the suburbs, people start to freak out and video games are inevitably blamed. I think that there’s a certain element of racism or ignorance here.”

Im Übrigen würden derartige Zusammenhänge weder auf wissenschaftliche Erkennntisse gestützt werden können:

“Scientifically, the idea that video game violence, movie, or television violence contributes to mass homicides is pretty much a debunked idea that has no real basis to it. [..] I think certainly the Supreme Court case helped, especially since they were so clear in pointing out that current research was not able to support that line of reasoning.”

Noch vor dem Hintergrund, dass manche Täter Interesse an gewaltdarstellenden Videospielen hatten, Zusammenhänge konstruiert werden können:

“One thing we’ve learned from research is that approximately 95 percent of young boys have played a violent video game. […] That becomes a tricky thing when these mass homicides occur and the shooter is a young male. The odds are he’s played violent video games. […] Linking the playing of violent video games to a mass homicide when the perpetrator is a young male is like blaming the killing on the fact that he was wearing sneakers […]. The base rate of that behavior is so common that it has no predictive value whatsoever.”

Auch John Carmack überzeugen solche Vorwürfe nicht:

„Es gab tatsächlich einige Studien, die belegen, dass es Aggressionen reduziert. Wenn man die QuakeCon besucht und hindurchgeht und die Leute dort und mit einem zufälligen College-Campus vergleicht, stellt man wahrscheinlich fest, dass bei der Gaming-Convention die friedlicheren Leute sind. […] Ich habe die Debatte um Gewalt in Videospielen nie so ernst genommen. Es waren grundsätzlich nur Gesprächspunkte für die Leute um in CNN gezeigt zu werden und ihr Zeug zu erzählen.“

11 Gedanken zu “Carmack und Ferguson über Videospiele und Gewalt

  1. „Linking the playing of violent video games to a mass homicide when the perpetrator is a young male is like blaming the killing on the fact that he was wearing sneakers“
    Schöner Satz und generell ein interessanter Einblick in gängige Chlichés in der Gesellschaft. Den Gedanken im ersten Absatz fortgeführt, wären die Auslöser bei einem Farbigen in Gangs zu suchen und bei nicht-Christen in deren Religion. Bei „Weißen“, womöglich noch aus gutbürgerlichem Hause, muss es an Spielen liegen, weil die in einer heilen Welt aufgewachsen sind, in der Gewalt sonst nicht vorkommt.
    Wenn es doch nur wirklich so einfach wäre…

  2. Sagt der CSU bloß nicht die Sache mit den Sneakern… ich find die Schuhe sehr bequem und würde die eher ungerne verboten sehen…

  3. Das mit den Sneakern finde ich toll, zu meiner Jugend wurde man noch ausgelacht wenn man sowas trug und heute sind die Dinger total gefragt (Und Schweineteuer). Tja wie sich Zeiten ändern…

  4. Der Neger (darf man das überhaupt noch sagen?), Latino, Moslem… hat ein Gen für übles Tun (wissen wir Deutschen spätestens seit Sarrazin). Der Weiße hat dieses Gen nicht, er ist sauber. Also muss es in seinem Fall eine andere Erklärung geben – Videospiele beispielsweise. (Und zu dem Thema kann ich mich noch an mehrere interessante Beiträge hier im Forum erinnern.)
    Zuerst ist diese Erkenntnis da, dann kommen die Studien, die das belegen. Das ist die Reihenfolge! Und es wird mich niemand vom Gegenteil überzeugen.

  5. @purchaser:
    „Zuerst ist diese Erkenntnis da, dann kommen die Studien, die das belegen.“
    Na man muss doch vorher wissen, worauf man hinaus will! Wie sollen den sonst die Gelder bei den richten Leuten eingeworben werden. Nicht auszudenken, wenn bei einer solchen Studie mal „falsche“ Ergebnisse rauskämen – dann wäre viel Geld weggespült worden. :D

  6. Purchaser, Du solltest den Sarrazin lesen, bevor Du ihn zitierst. ;-)
    Die Gene sind laut dem Mann gerade mal zu 50% fürs Verhalten zuständig, der Rest ist gesellschaftliche Prägung, bedingt durch die Herkunft ( eben ungelernte Arbeiter vom Land ) und den Fehlern der deutschen Mehrheitsgesellschaft (das zulassen von Parallelgesellschaften ).
    Im Endeffekt ist er ein alter Sozi, der strikt in den Kategorien Proletariat, Bourgeoisie und Subproletariat denkt. Sowas ist natürlich unmodern, wenn andere Sozis erklären das es in Deutschland eine Unterschicht nur für weltfremde Soziologen gibt…

  7. Als ob es auch einen Unterschied machen würde ob da jemand 50 oder 100 „% fürs Verhalten“ zuständig sieht – jeder Punkt ist da so aus meiner Sicht bereits zuviel und spricht schon Bände über die jeweiligen gesellschaftspolitischen Vorstellungen, auch was verschiedene Herkünfte angeht. Und das ist halt auch ein Denken das in den Pfeifferschen Hirnkastl ihren originären Ursprung findet: dieser unterscheidet schließlich auch zwischen „konservativen“ (den in dem Fall unliebsamen) und anderen Muslimen. Den Anpassungswilligeren halt – das sind Gedankengänge die mir alle wunderbar kompatibel erscheinen, vor allem in den deutschen Volksparteien – die Frage ist was man aus der Unterschicht machen möchte, wie sich für ein Subproletariat einsetzen (oder eben nicht). Mit Beschimpfungen wie Hartz IV oder aufs Fernsehen bezogen geht es nunmal nicht – das betrifft im Übrigen auch Obdachlose, wo am Ende dann möglicherweise US-amerikanische Zustände herrschen wo auf diese polizeilich eingeschlagen wird bis sie tot sind http://www.vol.at/usa-obdachloser-stirbt-in-haft/apa-1144818238
    Wenn jeder Mensch überall im Nächsten nur einen Anderen sucht auf den er oder sie herabblicken kann – all jene die nie ihr Brot mit Tränen gegessen haben!

  8. @Purchaser
    Du hast ihn auch nicht gelesen, oder ?
    Und denoch weist Du, das der Sarrazin dafür verantwortlich ist das der Deutsche weis das der Neger (ja, das darf man sagen ) ein schlechtes Gen hat.
    Was unterscheidet eigentlich diese Haltung von der Meinung der Spielekritiker, das Counterstrike von den Amis erfunden wurde um unser Jugend zu verderben ?

    Es gibt genügend was man an Sarrazin kritisieren kann, z.B. das sein Buch langweilig ist und nichts wirklich neues anspricht.
    Oder seine übertriebene Polemik – die aber auch der Grund ist, warum er überhaupt wahr genommen wird.
    Bestes Beispiel ist das Interview in Letre International, von all den Themen die er anspricht wird das ganze auf fiktiven Rassismus begrenzt, gegen den man dann heroisch ankritisiert.
    http://www.lettre.de/archiv/86-Sarrazin.html

  9. Ich muss diesen Schwachkopf nicht lesen, um die Kernaussage seines Elaborats wiedergeben zu können.
    Das Geschwafel vom sarrazinschen Gen und die Behauptung, Counterstrike wurde „von den Amis erfunden“ sind in der Tat gleichermaßen Unfug. Falls du das gemeint hast: Gratuliere! … Aber das hast du natürlich nicht.

  10. Natürlich musst Du ihn nicht lesen.
    Du musst dich nur auf das verlassen was die Medien dir über „diesen Schwachkopf“ erzählen.
    Warum selber eine Meinung bilden, wenn das andere viel besser können ?

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