USK veröffentlicht interne Leitlinien

(USK) Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) hat zum ersten mal ihre internen Leitlinien veröffentlicht, anhand derer die Einstufung von Videospielen vorgenommen wird. Nach Wolfgang Hußmann, dem Vorsitzenden des USK-Beirates, sollen hierdurch „die USK-Prüfverfahren noch stringenter und transparenter“ gemacht werden. Auch wenn dieser Schritt begrüßen ist, beinhalten die Leitlinien keine größeren Überraschungen. Ziel ist es das Recht Minderjähriger auf eine möglichst ungestörte Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu gewährleisten, wobei Videospiele betreffend „Interaktivität und Selbstwirksamkeitserleben“ besonders berücksichtigt werden. Wie auch den Grundsätzen entnommen werden kann, wird hierbei der Prüfmaßstab nicht an durchschnittlichen Vertretern der jeweiligen Altersgruppen festgemacht-

„Dabei ist nicht nur auf den durchschnittlichen, sondern auch auf den gefährdungsgeneigten Minderjährigen abzustellen, Extremfälle sind auszunehmen.“

Hinsichtlich der Beeinträchtigungen wird nicht nur allgemein auf Glaubwürdigkeit, Spielmechanik und Atmosphäre abgestellt, sondern auch einzelne Komponenten wie die Darstellung von Gewalt, Sexualität, Krieg, Drogen und Sprache berücksichtigt. Für erwachsene Gamer, die in der Regal nicht daran interessiert sein werden welche Kennzeichnung ein Spiel erhält, sondern vielmehr ob es überhaupt gekennzeichnet wird, dürften die Leitlinien jedoch weitgehend uninteressant sein. So gibt es zu dieser Frage lediglich zwei kurze Absatze. Während in dem einem festgestellt wird, dass „Spiele, bei denen die Prüfgremien der USK vermuten, dass Indizierungskriterien der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien erfüllt sein könnten, […] kein Alterskennzeichen“ erhalten, wird in dem anderen in Hinblick auf die hierfür maßgeblichen Kriterien auf die BPjM verwiesen:

„Bei der Bewertung dieses Sachverhalts sind die Indizierungsgründe der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) Verstöße gegen § 15 Absatz 2 (Schwere Jugendgefährdung nach JuSchG) zu identifizieren.“

Zur Aufklärung darüber, warum gewissen Spielen eine Kennzeichnung verweigert wird, tragen die Leitlinien daher nur bedingt bei. Von daher wäre es wünschenswert, wenn die Prüfberichte selbst öffentlich zugänglich gemacht werden würden, so dass die Begründung konkret nachvollzogen werden kann. Zumindest hinsichtlich der Visualisierung von Gewalt wird jedoch auch in den Leitlinien angedeutet, dass diese unter Umständen für die Verweigerung einer Kennzeichnung entscheidend sein kann:

„Sind die Folgen der Gewalthandlungen detailliert umgesetzt und beinhalten dabei die Darstellung von Blut, Verletzungsfolgen (z. B. Wunden, Verbrennungen, akustische Umsetzung von Knochenbrüchen usw.) oder gar die Möglichkeit, Gliedmaßen von Gegnerfiguren abzutrennen bzw. vergleichbar drastische Visualisierungen, so ist dies im Hinblick auf die Einschätzung einer Beeinträchtigung oder sogar Gefährdung von besonderer Bedeutung.“

USK-Leitlinien (pdf)
Indizierungsgründe der BPjM

24 Gedanken zu “USK veröffentlicht interne Leitlinien

  1. … und es sind und bleiben kollektive Willkürentscheidungen; russisches Roulette für die Antragsteller, ohne jede Planungssicherheit u.ä.. Ein enumerativer, objektiver Kriterienkatalog ist aber auch keine Alternative und erscheint kaum möglich, würde man so doch die Besonderheiten des Einzelfalles außer Acht lassen und den sog. ganzheitlichen Ansatz mit Füßen treten. Abgesehen davon, dass das ganze dann – wie seinerzeit beim KFN – bzgl. Gewaltdarstellungen in sog. „Leichenzählerei“ abdriften würde und es bei Kontextkriterien ohnehin i.d.R. nciht möglich ist, diese zu objektivieren (und deren Wahrnehmung und Wertung wieder von den Prüfgremien abhängen würden). Abgesehen davon leiten sich auch aus einem starren Kriterienkatalog keine objektiven Zuordnungen zu den Altersklassen des § 14 Abs. 2 JuSchG ab, weder aus dem Gesetzestext, noch kann die Forschung hierzu beitragen. Man müßte sich also wieder intern auf Zuordnungen oder einen Zurodnungsschlüssel einigen, wobei das alles dann aber – wie auch jetzt – begründungsdürftig bleibt.

    Aber nicht falsch verstehen: Dabei ist prinzipiell nichts gegen so einen Kriterienkatalog einzusetzen, wenn denn das Gesamtkonzept passt. So trifft die oben genannte Kritik zwar auch auf das PEGI-System zu, der entscheidende Unterschied ist aber, dass man sich hier primär nicht in die Hände fremder Instanzen begibt und Leute die wertungsbedürftige, enumerative Liste ausfüllen müssen, die nicht über Intentionen und Gesamtkonzeption spekulieren müssen, sondern dafür verantwortlich sind. Insb. wird hier eine Planungssicherheit generiert, die klar zu bevorzugen ist.

  2. „… akustische Umsetzung von Knochenbrüchen usw.“ – wenn ich da an das Fantasy-Football aus „Blitz: The League“ 1+2 denke. Alles USK-16 –

  3. Wenn die Alterseinstufungen empfehlenden Charakter hätten, könnte ich damit leben, nicht aber, wenn ein Trupp Tester in seiner Sichtweise Gesetzeskraft verkörpert. Allein Punkt 4.12 – wann haben die das letzte Mal mit einem Kind über Sexualität gesprochen?
    Weg damit!

  4. Mir ginge es schlicht darum, dass es ERWACHSENEN ermöglicht wird, ohne große Probleme, an „Ab 18 Spiele und Filme“ zu gelangen. Und zwar ungeschnitten. Ich habe absolut NICHTS gegen Jugendschutz. Aber es sollte GENAU dabei bleiben. Jugendschutz. Nicht Erwachsenenbevormundung aus Gründen des Jugendschutzes.

    Prinzipiell habe ich auch nichts gegen Importieren aus England oder der Schweiz (bin Grenzgänger), jedoch sind Läden wie Steam in dieser Beziehung sehr unflexibel gestaltet. Es ist (mit ein wenig Ellbogenfett) möglich auch bei Steam uncut einzukaufen, aber so müsste es für Erwachsene imho einfach nicht sein… denn wie gesagt, es geht hier um JUGENDschutz. Auch ist Einkaufen von „Ab 18“ Titeln bei Amazon usw. recht problematisch gestaltet. Entweder man muss sich vorher (meist teuer oder aufwändig) registrieren, oder es kostet eben extra, durch die eigenhändige Auslieferung.

    Zusätzlich führt importieren (speziell auf Konsolen) zu ganz anderen Problemen, wie man am Beispiel von Mortal Kombat 9 sehen konnte… denn hier ist es für deutsche Spieler legal unmöglich online zu spielen, da der Online Pass nicht im deutschen PSN akzeptiert wird. Und das Erstellen eines Auslandsaccounts verstösst gegen die AGBs von Sony. Sony macht nichts dagegen, jedenfalls im Moment, jedoch kann dies nicht Sinn und Zweck dieser Maßnahmen sein.

  5. Ohne Zensuren und Freigabeablehungen könnte unser Jugendschutz ein Beispiel für die Welt sein so aber ist er nur ein abschreckendes Mahnmal.

  6. Ich wundere mich dass die USK Call of Juarez: The Cartel freigegeben hat, weil man sehen kann wenn man auf Gang Boys geschossen hat, dass ihr weisses Hemd voll mit roten Blut ist. XD

  7. Die USK hat durch die Jugendfreigabe für Gears of War 3 ihre Glaubwürdigkeit verspielt, gibts eigentlich ne USK Fragerunde auf der gamescom oder wieder nur das grenzdebile Quiz-Spiel?

  8. @ Darkfire:
    Warum?

    1.) Der Fall war ein sog. Zweifelsfall i.S.d. § 14 Abs. 4 JuSchG: „Ist ein Programm für Bildträger oder Bildschirmspielgeräte mit einem in die Liste nach § 18 aufgenommenen Trägermedium ganz oder im Wesentlichen inhaltsgleich, wird es nicht gekennzeichnet. Das Gleiche gilt, wenn die Voraussetzungen für eine Aufnahme in die Liste vorliegen. In Zweifelsfällen führt die oberste Landesbehörde oder eine Organisation der freiwilligen Selbstkontrolle im Rahmen des Verfahrens nach Absatz 6 eine Entscheidung der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien herbei.“ Die USK hat eine Entscheidung der BPjM (d.h. eine gutachterliche Stellungnahme) herbeigeführt, die dem Spiel keine Jugendgefährdung attestierte; ergo lagen die Voraussetzungen für eine Aufnahme in die Liste nicht vor und der Trägermedium mußte von Gesetzes wegen gekennzeichnet werden.

    3.) Die USK (resp. die OLJB) haben das Spiel gem. § 14 Abs. 2 Nr. 5 JuSchG gekennzeichnet: „Keine Jugendfreigabe“! Jugendfreigaben sind alle anderen Kennzeichnungen (§ 14 Abs. 2 Nr. 1-4 JuSchG), das Spiel gilt i.d.S. als Kinde rund Jugendliche beeinträchtigend.

    2.) Glaubwürdigkeit? Wie haben sie denn dir gegenüber vorher ihre Glaubwürdigeit bewahrt? Indem sie zufällig Spiele so klassifizierten, dass du dieser Klassifizierung zustimmen konntest? Jetzt, wo du eine (oder von mir aus auch mehrere oder gar alle) Kennzeichnungen nicht nachvollziehen kannst, sind sie unglaubwürdig geworde? Also bitte… etwas mehr Selbstreflexion und mal über die Problematik des ganzen System nachdenken, anstatt Defizite an den konkreten kennzeichen festmachen zu wollen. Das sind und waren Willkürentscheidungen.

  9. Korrekturen:
    – „das Trägermedium“, nicht „der Trägermedium“…
    – „Kinder und Jugendliche“, nicht „Kinde rund Jugendliche“…
    – „Kennzeichen“, nicht „kennzeichen“…
    ^^

  10. Es ist einfach wenig glaubwürdig, dass GoW 1+2 zu hart für Deutschland waren, GoW 3, das keinen Deut weniger brutal als seine Vorgänger ist, aber in Ordnung geht.
    In der Regel sind die Kennzeichnungen ja nachvollziehbar, meist ahnt man schon vorher welche Spiele ungeschnitten erscheinen und welche nicht.
    Die USK arbeitet ja auch mit den Herstellern zusammen, sodass diese nicht von einer einsamen „Willkürentscheidung“ abhängig sind, sondern es selbst in der Hand haben, ob ihr Spiel hierzulande erscheint oder nicht.

  11. „Jugendfreigaben sind alle anderen Kennzeichnungen (§ 14 Abs. 2 Nr. 1-4 JuSchG), das Spiel gilt i.d.S. als Kinde rund Jugendliche beeinträchtigend.!“

    Ja, stimmt. Bring das immer durcheinander.

  12. Die ersten beiden Teile wurden der USK nicht präsentiert – es existierten keine Prüfanträge -ergo waren sie nicht gekennzeichnet, konnten indiziert werden (und wurden indiziert); u.U. hätte die USK die beiden Spiele gekennzeichnet – das ist eine Frage der kollektiven Willkür der Gremien, ergo eine Glücksfrage (so wie auch die Möglichkeit bestand, dass die BPjM die Spiele nicht einkassiert… das ist aber zumidnest bei Spielen, denen die Kennzeichnung explizit versagt wurde, seit 2003 erst 4 Mal passiert; i.d.S. kann man hier von einem faktischen Idnzierungsautomatismus bei Nichtkennzeichnung sprechen)… Das eine Gremium kennzeichnet ein Spiel, das andere nicht und vice versa; das eine Gremium kennzeichnet das Spiel an/zu Tag/Stunde X und dasselbe Gremium würde es an/zu Tag/Stunde Y nicht kennzeichnen und vice versa; das eine Gremium kennzeichnet ein Spiel ab X Jahren und das andere ab Y Jahren und vice versa – etc.. Um das HBI zu zitieren: „Derartige Unterschiede in der Beurteilung durch verschiedene Tester und Gutachter können unterschiedliche Gründe haben […]. Maßstäbe des Jugendschutzes, die auf ein Medium angewandt werden, eröffnen typischerweise Beurteilungsspielräume. Diese sind im Hinblick auf die Frage gegeben, welche Kriterien heranzuziehen sind, um ein bestimmtes gesetzliches Merkmal als erfüllt anzusehen, aber auch im Hinblick auf die Gewichtung unterschiedlicher Ausprägungen eines Kriteriums bei einem Prüfungsgegenstand und schließlich die Gewichtung unterschiedlicher Kriterien zueinander.“ Und damit haben wir schon eine der Erklärungen für das ganze Problem…

    „In der Regel sind die Kennzeichnungen ja nachvollziehbar […].“ Meinst du? Ich meine nicht; russisches Roulette. Ich weiß auch nicht, wie bei so einem subjektiven Geschäft eine Nachvollziehbarkeit gegeben sein sollte, da gibt es ja nicht ansatzweise so etwas, wie einen objektiven Orientierungspunkt (s.o.).

    „Die USK arbeitet ja auch mit den Herstellern zusammen, sodass diese nicht von einer einsamen “Willkürentscheidung” abhängig sind, sondern es selbst in der Hand haben, ob ihr Spiel hierzulande erscheint oder nicht.“
    Nein: Die USK bietet seit dem 01.02.2011 eine sog. Anbieterberatung (http://www.usk.de/extramenue/login/publisher/weitere-leistungen/anbieterberatung/) als eigenen Bereich (bis dato war das eine der Aufgaben des Testbereichs), die explizit „keinerlei Einfluss auf mögliche Entscheidungen in einem Kennzeichnungsverfahren nach dem JuSchG“ hat: „Damit können Anbieter vor und während der Entwicklung ihrer Spiele die in Deutschland relevanten Jugendschutzaspekte noch besser berücksichtigen und diese auch in ihre Vermarktungsplanung einbeziehen. Es können Videos, Gameplay-Material oder Konzepte in Bezug auf ihre Jugendschutzrelevanz begutachtet werden.“ Die Hersteller können i.d.S. z.B. während der Entwicklung ihre potenziellen Prüfgegenstände i.S.d. Beratung zensieren u.ä., eine Kennzeichnungsgarantie ist das nicht. Die Kennzeichnung ist letztlich eine Frage der unabhängigen Gremienwillkür; die Gremien können selbst einem i.d.S. zensierten Torso eines Prüfgegenstandes die Kennzeichnung verweigern – russisches Roulette.

    Das die „Hersteller“ es selbst in der Hand hätten, ob ein Spiel hirzulande erscheint oder nicht, ist übrigens – wie die in diesem Zusammenhang regelmäßig auch von Spielern vorgetragene Apologie, die USK zensiere nicht, dies bestellten die „Hersteller“ ja selbst – zynisch über alle Maße: Die Publikation einer ungekennzeichneten Version ist faktisch russisches Roulette mit einem sechsschüssigen Revolver… einem aufmunitionierten; ein wirtschaftlicher Suizidversuch. Die Kennzeichnung hängt bei Erwachsenenspielen oft von Zensuren ab, so dass die „Hersteller“ nur die Wahl haben, ihr Werk zu zensieren oder erst gar nicht zu veröffentlichen.

  13. Pingback: USK-Leitlinien "Treffervisualisierung spielt eine zentrale Rolle" | Computerspielberatung.de

  14. @Theredbull: verstehe ich nicht. Was würde es ändern wenn es als Kunst anerkannt wäre? Dennoch könnte man bestimmte Extreme verbieten laut unserem Recht, oder täusche ich mich?
    Man wäre vielleicht insgesamt offener, ok, aber selbst das ist nicht sicher. Denn wer soll Kunst anerkennen? Ist nicht das eigentlich eine subjektive, selbst zu treffende Entscheidung?

  15. @Vic: in der Einschätzung hier würde ich dir widersprechen. Russisch Roulette hat das Feature, dass du zwar die Wahrscheinlichkeit kennst, aber überhaupt keine Ahnung hast wo du stehst. Bei Games kennt man zwar die Wahrscheinlichkeiten nicht genau, aber du kannst ja subjektiv ähnliche Games suchen und schauen wie die geratet wurden. Klar, da ist einiges an Unklarheit drin, aber bei der Entscheidung ob das ab 18 oder ab 6 sein wird dürfte die Treffsicherheit relativ hoch sein. Russisch Roulette beinhaltet da imho eine andere Qualität der Unsicherheit, da du für den konkreten Fall gar keine Anhaltspunkte hast.

  16. OK… wenn du das gesamte Prüfspektrum betrachten willst, kann man sich ganz grob orientieren, aber das macht ja gar nicht die Problematik des Verfahrens aus, welche konkrete Alterskennzeichnung man bekommt – das ist einfach nur Roulette; das Problem ist die Frage, ob ein Erwachsenenmedium eine Kennzeichnung bekommt und wenn ja, welche… darum auch russisches Roulette (keine Kennzeichnung -> marktwirtschaflticher Tod).

    Und jetzt rate mal, warum ich das als russisches Roulette bezeichne: Weil man im fraglichen Erwachsenensegment, bzw. (insb.) der Palette „Ab 16“ bis „u.U. strafrechtlich relevant“, in einem USK-Prüfverfahren überhaupt keine Ahnung hat, wo man steht.

    Aber auch unterhalb der Schwelle: Ob ein Medium eine „Keine Altersbeschränkung“- oder „Ab 6“-Kennzeichnung bekommt, eine „Ab 6“- oder „Ab 12“-Kennzeichnung, ist auch etwas, was man nicht wirklich kalkulieren kann… welche objektivierbaren Variablen will man da auch nutzen? Subjektive Ählichkeiten der zu klassifizierenden Prüfobjekte mit gekennzeichneten Objekten? Da muss man sich nur mal klarmachen, dass Nuancen schon mal den Unterschied zwischen einer „Ab 16“-Kennzeichnung und einer Nichtkennzeichnung wegen strafrechtlicher Relevanz ausmachen können.

    BTW: Die USK nimmt Spiele bereits (auch von Gesetzes wegen) als Kunst wahr.

    Ähnlich

  17. Das Problem ist aus meiner Sicht auch eine systematische Anschauung von Personen hinter Inhalten und WIE diese daherkommen: gerade in Hinblick auf „Kunst“ – dass etwa beim Film Oralsex bei Vincent Gallo ab 16 durchgeht, anders aber indiziert wird. Und da gibt es ueber den Jugendschutz ja auch noch eigene Begriffe dafuer mit denen da so gearbeitet wir, und dass es eben schon darauf ankommt wer wo wie was darstellt. Anders als in den USA beispielsweise, wo es eher nur darauf ankommt was gezeigt wird.

  18. @Vic: Ok, bei der Palette von 16 bis strafrechtlich relevant, naja, da würde ich das noch halbwegs akzeptieren.
    Ansonsten ist mein Problem Folgendes: Russisch Roulette ist extremste Unsicherheit und dabei geht es ums Leben, das wertvollste überhaupt.
    Unsere Umwelt ist jedoch notorisch und fast immer notwendigerweise unsicher und menschliche Entscheidungen und Gesetze damit immer subjektiv. D.h. die USK-Bewertung unterscheidet sich vom Prinzip her also nicht von irgendeiner x-beliebigen anderen Enscheidung (wenige objektive Dinge abgesehen). Deshalb finde ich die Frage, welche „objektivierbaren Variablen“ man nutzen möchte auch, mit Verlaub, völlig irrelevant.

    Und hier geht es nicht um Leben und Tod sondern um Games und wirtschaftlichen Erfolg. Wichtig ja, aber doch qualitativ etwas völlig anderes. Außerdem ist ob 0 oder ab 6 1. nicht so relevant und 2. doch halbwegs abschätzbar. Selbst ab 16 ist doch halbwegs einschätzbar was da rauskommt. Dass ein C&C nicht indiziert wird ist jetzt für mich zumindest nicht so unglaublich unvorhersehbar vom Himmel gefallen :-)
    Wenn du das als russisch roulette bezeichnest dann machst du damit nichts falsch und du selbst kannst das einordnen, aber für mich ist das schon Wortverdrehung, mit einem Touch zur Verleumdung, einfach weil das Beispiel eine Dimension transportiert die für mich da nicht drinsteckt. Insofern machst du hier für mich etwas ähnliches wie Kritiker mit einem überzogenen Vergleich. Und das finde ich nicht fair. Bei aller berechtigten Kritik, solche Vergleiche mag ich nicht, egal auf welcher Seite.

  19. „Und hier geht es nicht um Leben und Tod sondern um Games und wirtschaftlichen Erfolg.“
    Das ist m.M.n. zynisch: Um wirtschaftlichen Erfolg geht es, wenn das Spiel eines Antragstellers „Ab 18“ gekennzeichnet wird und eine Selbstzensur in einer lukrativeren „Ab 16″–Kennzeichnung resultierten würde und der Antragsteller alleine deshalb das Spiel zensiert. Hier geht es aber um die Frage, ob ein Spiel gekennzeichnet wird oder nicht, also mithin um die Frage, ob ein Spiel überhaupt realistisch publiziert werden kann oder nicht; eine Nichtkennzeichnung ist u.U. der wirtschaftliche Tod des Antragstellers (und auch darum die Rede vom russischen Roullette, welches i.d.R. das Dahinscheiden eines Spielers als Möglichkeit beinhaltet – die Metapher ist nicht ohne Grund gewählt, ganz abgfesehen davon, dass das eine geläufige Metapher für Prozesse ist, die eines hohen Einsatzes bedürfen… auch darum erschließt sich mir deine Indignation ob der Metapher nicht; hast du etwa ein besseres Beispiel, für ein existenzgefährdendes Glücksspiel? ^^): Spiele ohne Kennzeichnung sind vogelfrei und werden i.d.R. indiziert (bis dato wurden seit Inkrafttreten des JuSchG erst 4 Spiele, die der USK vorgelegt und nicht gekennzeichnet wurden, von der BPjM explizit nicht indiziert)… und das die Indizierung i.d.R. der wirtschaftliche Tod für ein Spiel ist, darüber müssen wir nicht diskutieren (da fehlen dann nicht nur die Einnahmen, sondern auch die bis dahin erbrachten Ausgaben waren umsonst). Einen großen, internationalen Konzern mag das ja durchaus kratzen und es mag für ihn auch noch nicht lebensbedrohlich sein, einheimische Entwickler und Publisher gehen so ein Risiko aber wohl lieber erst gar nicht ein. Das System führt letztlich dazu, dass das Geistesleben, die Kreativität gelähmt wird, da bestimmte Projekte erst gar nicht finanziert werden, weil man nie weiß, was am Ende der Geschichte bei rumkommt. Damit geht es übrigens auch nicht nur um das Problem des wirtschaftlichen Erfolgs, sondern auch bereits um die Kunstfreiheit und Kommunikationsfreiheit… und ganz davon ab, ist es da auch äußerst fragwürdig, den finanziellen Interessen der Antragsteller mit dem in der Realität marginalen bis nicht existenten Phänomen der Jugendgefährdung Steine in den Weg zu legen.

    „Deshalb finde ich die Frage, welche “objektivierbaren Variablen” man nutzen möchte auch, mit Verlaub, völlig irrelevant.“
    Mit Verlaub, mich dünkt, du hast meine Implikation nicht verstanden: Du hast der Kennzeichnungspraxis eine gewisse Kalkulierbarkeit attestiert; man man ein Prüfobjekt habe, müsse nur bereits gekennzeichnete, „subjektiv ähnliche Games“ suchen und könnte dann eine gewisse „Treffsicherheit“ generieren (oder wie du zuletzt geschrieben hast – in bestimmten Alterssegmenten – „halbwegs abschätzbar“)… das habe ich in Frage gestellt. Das war eine Generalkritik am „Bauchgefühl“ als hinreichende Beruhigung der Antragsteller, als Rechtssicherheitsersatz.
    Klar sein sollte auch, dass es mir gar nicht darum geht, einen „objektiven“ Kriterienkatalog o.ä. zu fordern (ich kritisiere ja fortwährend, dass so etwas nicht möglich ist), sondern darum, den Antragstellern ein mindestens hinreichendes Maß an Rechts- und damit Planungssicherheit zukommen zu lassen (ein Grund, warum ich das PEGI-System – so wie es im Rest Europas zum Einsatz kommt, also ohne Indizierungen z.B. – befürworte).

    „Unsere Umwelt ist jedoch notorisch und fast immer notwendigerweise unsicher und menschliche Entscheidungen und Gesetze damit immer subjektiv.“
    Wird das wieder so ein „In anderen Bereichen wird auch subjektiv geurteilt“-Pseudoargument“? Bitte nicht… erstens hatten wir so eine Diskussion bereits und zweitens ist das auch wieder eine primär juristische Problematik (Bestimmheitsgebot und Co.), die man nicht einfach so in den Wind schlagen kann.

    Ich finde es übrigens sehr interessant, dass du C&C erwähnst, sind doch C&C: Generals, resp. C&C: Generäle und C&C 3: Tiberium Wars Paradebeispiele für die Problematik, auf die ich hinaus will…

  20. @Vic: damit du mich nicht falsch verstehst, ich habe nichts an deiner Kritik auszusetzen, die ist ja inhaltlich richtig. Wo wir differieren ist die Bedeutung, die schwere der Kritik. Und ich habe einfach nur begründet dass dein Vergleich in meinen Augen völlig überzogen ist und ein falsches Bild vermittelt.
    Und ich finde es erschreckend wenn hier sich so ausgedrückt wird als wären Leben und wirtschaftlichen Erfolg irgendwie gleichzusetzen. Das Leben ist unersetzbar, da ist ein Vergleich völlig daneben. Und ja, ich weiß nicht wie das bei dir ist, aber ich bin gerade in so einer wirtschaftlich schwierigen Situation mit der Firma, aber dennoch: absolut kein Vergleich. Und diesen Unterschied zu marginalisieren finde ich schon bedenklich.
    Und ich habe ein 2. Problem: Ja, ich nutze das „Pseudoargument“. Warum? Vielleicht ist dir das klar, aber ich bin mir nicht sicher wie du von anderen verstanden wirst. Unsicherheit ist nun mal normal, und insofern muss man in der Tat deine Kritik hier im Vergleich mit anderen Dingen sehen. Dass du dir dessen bewußt bist glaube ich dir sofort, aber die Frage ist: Wie verstehen das Anere? Da habe ich meine Bedenken, die habe ich artikuliert. Und deshalb ist das in meinen Augen auch absolut kein Pseudoargument. Als Menschen bewerten wir Dinge immer im Vergleich mit anderen Dingen. Insofern ist eine Argumentation, die keinen Vegleich mit anderen Dingen zulässt, auch unzureichend. Als du deine Diss angefangen hast wusstest du überhaupt nicht ob du sie schaffst oder nicht (sonst war es imho keine wissenschaftliche Arbeit, Wissenschaft enthält immer das Risiko zu scheitern). Dennoch hast du es gemacht. Nennt sich „unternehmerisches Risiko“. Dass eine Firma eben auch mit Risiko konfrontiert ist ist normal. Klar macht es die Indizierungspraxis schlimmer, aber es schafft keine völlig neuen Probleme. Auf diesen Unterschied (den du vorhin auch artikuliert hast) wollte ich hinaus.

  21. @TheRedBull

    Videospiele gehören zu unserer Kultur dazu. Ob Videospiele mit gewaltätigen Inhalten ein erhaltenswertes Kulturgut sind, steht auf eine anderen Blatt und ich persönlich kann das mit „nein“ beantworten.

    Erst wenn das erste gewaltätige „Videospiel“ erscheint, welches den Spieler anstatt zu unterhalten gegenteilige Emotionen und Reaktionen auslöst, sprich beim töten virtueller Gegner Ekel, Verstörung, Abscheu etc. auslöst, nur dann werden sich Videospiele tatsächlich 100% Kulturgut etablieren können. So ein Game muss so „derbe“ gestaltet sein, dass der „Spieler“ freiwillig die Auseinandersetzung mit dem Inhalt verlässt. Denn genau liegt die „Kunst“ dahinter.

    Den Spieler zum lachen zu bringen, Spannung zu erzeugen, das ist eine reine Unterhaltungsform, aber genau das Gegenteil zu bewirken, und ihm klarzumachen, welches Sinnlosigkeit in seine tun und handeln, und besonders in der abverlangten Art, das ist ganz anderes Terrain. Und so ein „Spiel“ muss gleichzeitig, bei aller Abscheu die Schlussfolgerung bewirken; Es ist grässlich/widerlich, aber wichtig.

    Erst wenn das eintritt, sind wir einen Schritt weiter. Weil damit bewiesen werden wäre, dass „Games“ der filmischen „Kunst“ als Ausdrucksform in nichts nachsteht.

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