Der große Bluff!

Spielegegner scheinen durchaus ein Faible für Verschwörungstheorien zu haben: So wähnt mit Maria Mies die Initiatorin des „Kölner Aufruf“ nicht nur den Ursprung von „Killerspielen“ beim US-Militär, sondern sprang auch Claudia von Werlhof beiseite, als sich diese Kritik an ihrer These, dass die USA das Erdbeben in Haiti künstlich erzeugt hätten, erwehren musste. Neben eher fernliegenden Zusammenhängen gibt man sich jedoch auch Analysen hin, die sich mit eigentlich offensichtlichen Zusammenhängen beschäftigen.

So liegt es auch beim jüngsten Artikel Sabine Schiffers, der Leiterin des „Instituts für Medienverantwortung“. Unter dem Titel „Der große Bluff“ wird aufgedeckt, dass „von Teilen unserer Bundesregierung […] mit starker Unterstützung der Wirtschaft […] verstärkt […] für Netze, elektronische Medien und deren Anwendungen geworben“ werde. Da „diese Partnerschaften […] jedoch neuerdings nicht mehr so stark publik gemacht“ würden, macht sich die Autorin daran die scheinbar geheimen Machenschaften ans Licht zu bringen. Akribisch werden Verbindungen bei einzelnen Projekten rekonstruiert: So würde sich unter anderem der Publisher „Electronic Arts“ an Bildungsprojekten der „Bundeszentrale für politische Bildung“ beteiligen und das „Projekt Spielraum“ an den FH Köln fördern. Auch „Turtle Entertainment“ würde mit seiner Beteiligung an „Eltern-LANs“ und der „Bundestags-LAN“ seinen Einfluss geltend machen. Auf der andern Seite würden staatliche Bildungs- und Lehrportale wie Bildungsklick.de mit der Unterhaltungsbranche kollaborieren. Der schreckliche Verdacht: Hier finden Gespräche zwischen Politik, Wirtschaft und Fachleuten statt. Namentlich wird Dorothee Bär erwähnt, die sich beispielsweise für die „Schlaumäuse“ Microsofts werbe – einem Projekt, bei dem Kinder einem verantwortungsbewussten Umgang mit Medien erlernen sollen. Schließlich wird selbst der Clan „Mousesports“ als ein Fall von Astroturfing dargestellt – Weiß Mousesports, dass sie ein Fake sind?

Neu ist diese Kritik nicht: So kritisierte bereits Christian Pfeiffer das Engagement EAs als „sehr problematisch“ und zeigte sich angesichts von 250 000 € im Jahr 2008 um die Unabhängigkeit der Wissenschaftler besorgt. Seine Schwester sprach in Hinblick auf die Aufklärungsarbeit der „Bundeszentrale für politische Bildung“ ebenfalls von einer „unheiligen Allianz“ zwischen Wirtschaft und Politik. Des Weiteren wurden Jürgen Fritz und Winfred Kaminski auf Mediengewalt.eu schon als „Lobbyisten des Geschäfts mit Computergewaltspielendiskreditiert. Selbst im „Kölner Aufruf“, der mit Schiffer, den Pfeiffers und Huber ausnahmslos von allen hier dargestellten Kritikern unterzeichnen wurde, werden die Verbindungen angesprochen:

„Die staatliche „Bundeszentrale für politische Bildung“ beteiligt sich zudem seit Jahren an der Verharmlosung von Gewaltspielen. Hier veröffentlichen nahezu ausschließlich solche „Medienpädagogen“, die der Games-Industrie nahestehen und deren Schriften offen für Gewaltspiele werben.“

Es gibt somit im Grunde drei Vorwürfe:

– „Unabhängigen“ Wissenschaftlern werde bei der bpb kein Raum geboten.
– Kooperationen zwischen Wirtschaft und Politik fehle es an Transparenz.
– Die Spielebranche würde die Vermittlung von Medienkompetenz unterstützen.

Zum ersten Punkt sollte ein Verweis auf das Dossier „Verbotene Spiele“ der bpb genügen. Hier kommt mit Matthias Kleimann nicht nur ein Mitarbeiter des KFN zu Wort, sondern auch die bei Spielegegnern gefragte Ingrid Möller kann ihre Sicht der Dinge schildern.

Der Vorwurf, dass es an Transparenz mangeln würde, ist ebenfalls nur schwer nachvollziehbar. So ist auf der Webseite der „Eltern-LAN“ die ESL mit Banner von der bpb als Partner ausgewiesen. Bei „Spielraum“ werden ebenfalls unter „Wir über uns“ EA und Nintendo als Projektpartner aufgelistet. Und „Microsoft“ macht ebenfalls keinen hehl daraus, dass es hinter den „Spielmäusen“ steht – ein Blick in den Footer genügt. Diese Verbindungen „aufzudecken“ kann daher kaum als besondere Leistung gewertet werden. Man könnte beinahe meinen, dass hier gar nichts verschleiert werde.

Was bleibt ist der Vorwurf der Nähe, den ich nicht kleinreden möchte. Sicherlich hat es ein Geschmäckle, wenn Publisher von Videospielen Kindern den verantwortungsbewussten Umgang mit Medien beibringen wollen, doch andererseits ist es genau dies, was die Politik von ihnen verlangt. Im Rahmen ihrer Unternehmensverantwortung bzw. neudeutsch „Corporate Responsibility“ soll die Branche in die Pflicht genommen werden, um einen vernünftigen Umgang mit ihren Produkten zu vermitteln. Neben EA könnte man beispielsweise auch Siemens nennen, das ebenfalls an der Informationstechnologie verdient. Bis 2009 hatte man sogar die Gelegenheit von Fujitsu-Siemens „Gaming-PCs“ zu erstehen, die für die hardwarehungrigsten Neuerscheinungen – also in der Regel Ego-Shooter – ausgelegt waren. Ebenfalls 2009 hatte ich die Chance genutzt einem Vortrag Pfeiffers beizuwohnen, bei dem er Eltern und Pädagogen über die Gefahren der neuen Medien aufklärte. Gesponsert wurde diese Vortragsreihe an deutschen Schulen ausgerechnet von Siemens. Weshalb war es noch einmal bei Fritz und Kaminski „sehr problematisch“ beim Projekt „Spielraum“ mit EA zu kooperieren, wenn sich Pfeiffer von Siemens unterstützen lassen darf? Der Vollständigkeit halber sei aber angemerkt, dass Siemens mittlerweile die Partnerschaft mit Fujitsu aufgekündigt hat. Hardware liefert man nun für andere Kriegsspiele – So hält Siemens 49 % an Krauss-Maffei Wegmann, die Kampfpanzer nach Saudi-Arabien verkaufen. Doch zurück zum Thema: Pfeiffer sah die Unabhängigkeit vom Projekt „Spielraum“ gefährdet, weil dies in einem Jahr 250 000 € von EA erhalten hat. Das KFN erhält vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur jährlich 1 191 440 € und zusätzlich Mittel von diversen Bundes- und Landesministerien – darunter auch dem Niedersächsischen Innenministerium. Trotzdem würde niemand… Ok, doofes Beispiel. Es zeigt sich aber zumindest, dass sich auch nach Pfeiffer IT-Unternehmen um die Vermittlung von Medienkompetenz bemühen dürfen, sofern sie dafür die richtige Person engagieren. Und abgesehen davon scheint es in anderen Bereichen durchaus akzeptiert zu sein, dass sich Unternehmen bei Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen um einen verantwortungsbewussten Umgang mit ihren Produkten bemühen. So hat beispielsweise der Deutsche Brauer-Bund mit „Bier erst ab 16“, „Don’t drink and drive“, „Bier bewusst genießen“ und „Prävention aus Liebe zum Kind“ diverse Angebote erstellt. Letzteres wird übrigens, wie auch Projekte zur Medienkompetenz, transparent und offen von der Politik unterstützt. Wenn das Frau Schiffer wüsste …

(Dank an Shane Fenton.)

24 Gedanken zu “Der große Bluff!

  1. Eine kurze Google-Suche spuckte als zweites! Ergebnis folgenden Link aus:
    http://www.ksta.de/html/artikel/1262688277997.shtml

    Frau Schiffer ist laut dem Verfasser des Artikels berühmt-berüchtigt für ihre „obskuren Thesen und seltsamen Kontakte“. Und ja, demnach würde ich sie ohne zu zögern als Verschwörungstheoretikerin bezeichnen. Es ist eine Jammer, dass so eine Person auch noch Gehör findet.

    Verschiedene weitere Webseiten beschäftigen sich ebenfalls kritisch mit Frau Schiffer und ihrem Institut.

  2. Mich wundert, daß die Verschwörungstheoretiker darauf verzichtet haben, einmal mehr auf die USK einzuhacken. Schließlich kann die ja gar nicht unabhängig arbeiten, weil sie ja vom Computergewaltspieleindustriemedienkomplex finanziert wird. Kein Wunder, daß die USK in diesem Jahr noch kein Spiel indiziert / beschlagnahmt hat… *augenroll*

  3. Da ich den Artikel „Der große Bluff“ nicht gelesen habe, werde ich zum diesem Absatz des Textes nicht mehr sagen als das er mein Interesse an dem Artikel geweckt hat und ein paar interessante Fragen hinsichtlich dieses Artikels aufwirft.
    Der Rest des Textes deckt sich im Großen und Ganzen mit meinen Ansichten v.a was den Kölner Aufruf angeht und die Geschwister Pfeiffer. Ich hatte auch schon das Vergnügen bei einem Vortrag von Herrn Pfeiffer anwesend zu sein. Kontakt mit Frau Pfeiffer hatte ja viele hier im Forum.

    BTW. Unterhaltsamer Text. Hat mich zum Schmunzeln gebracht.

  4. Da muss ich die staatliche ‚Bundeszentrale für politische Bildung‘ in Schutz nehmen: Ich verharmlose auch Gewaltspiele. Allerdings nenne ich sie nicht Gewaltspiele, sondern Videospiele – und sehe sie als harmlos an. Videospiele sind die Zinnsoldaten des 21. Jahrhunderts: genauso gefährlich, genauso harmlos.

  5. Wenn man den Berichten glauben darf ist Frau Doktor Schiffers Institut auch ein großer Bluff.

    Unter einem Institut versteht man eigentlich eine Forschungseinrichtung die ein gewisses Potential bietet das z.B die Institute der Frauenhofergesellschaft.
    Das Potential eines Institutes bemisst sich an der Anzahl und Qualität der seiner Publikationen, sowie seiner Anzahl an Mitarbeitern, seiner Ausstattung und den finanziellen Mitteln über die es verfügen kann.

    Allgemein geht man davon aus das ein Institut über eigenen Räume und Bibliotheken verfügt und mehr als einen festen Mitarbeiter hat.
    Das alles trifft anscheinend nicht auf Frau Dr. Schiffers Institut für Medienverantwortung zu.
    Vermutlich ist ihr als Medienpädagogin aber bewusst, das ein Institut höher angesehen ist als eine ein-Frau Beratungsfirma.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Institut#Institute_in_Lobbyarbeit_und_Public_Relations

  6. @Alreech
    Dein Link war interessant, besonders der Punkt, dass „Institut“ nicht gesetzlich geschützt ist. Leider erzeugt dieser Begriff bei vielen Personen den Eindruck, dass so eine Organisation (das ist wohl passender) eine Seriosität besitzt, die eigentlich nicht zugestanden werden kann.
    +++
    Btw: Hat sich jemand mal die Vita der Co-Autorin Fr. Augsten angeschaut? Die Dame ist gelernte Kauffrau und hat sich in 3 Monaten an eben jenem „Institut für Medienverantwortung“ in Medienpädagogik weitergebildet. Und dann darf man sich in diesem Bereich als Expertin betrachten und so einen hanebüchenen Unsinn verzapfen. *facepalm*

  7. @Alreech
    Joseph von Fraunhofer. Mit Frauen hat das so nichts zu tun ;-)
    Woher weißt Du, dass das IMV keine eigenen Räumlichkeiten hat?

    Ähnlich wie kyle_katarn es indirekt doch bereits angesprochen hat sehe ich das Problem vor allem darin liegen, dass – immer unter der Voraussetzung eines (massen)medialen Interesses – so Institute sozusagen Privatgelehrte gegen Entgelder „ausbilden“.
    Unlängst las ich, dass dort ein Seminar 50-80 Euro kostet – das ist im Verhältnis zu etwa Post-Graduate-Lehrgängen natürlich nicht viel und kann sich sozusagen auch bald jemand leisten. Und der Mensch fühlt sich dann wohl als diesbezüglich gebildet, aber dass so Expertisen auch öffentlich ankommen liegt dann eben wiederum an den (Massen-)Medien die so Leute wie die Schiffer gegebenenfalls unkritisch aufnehmen.
    Dass das keine Wissenschaft gar sein kann, darauf deutet ja schon der Institutsname eindeutig hin. „Verantwortung“. Das ist Moral und Politik und nicht einmal Ethik, weil da ist ja nicht ein Funken Reflexion dabei, wo Stefan Höltgen erst kürzlich darauf hingewiesen hat, dass in Wissenschaft gewisse Sachen IMMER diskutierbar bleiben müssen. Diskutabel. Und diskutabel ist da ja nichts, die Feindbilder der Frau Schiffer sind ja nicht einmal mehr durchsichtig, da wird ja überhaupt kein Hehl mehr daraus gemacht: „Kommerz“, „Industrie“, irgendwelche Firmen außer der Eigenen vielleicht, und alle seien irgendwie jedenfalls korrupt. Korrumpiert. Wie beim Schulze von Glaßer und seinem „Militainment“-Blog: denen fällt das ja nicht einmal auf, die leben in ihrer eigenen Welt der Ressentiments und werfen Leuten die diesbezüglich anders denken vielleicht noch vor Eskapismen zu folgen, sich Illusionen hinzugeben. Bloß weil etwas mit Militär zusammenhängt, Waffen, und nicht mit der Milchwirtschaft zum Beispiel, sei etwas ein Problem. Weil Videospiele einem etwa den Unterschied zwischen einer Beretta und einer Winchester beibringen. Wissen das so unerwünscht ist. Anders als Wissen um Molke – den Unterschied zwischen Frischkäse und Joghurt. Daran würde die Schiffer sich ja (auch) nicht stören – aber Krieg und Waffen – und so ist das alles schon von vornherein Ideologie. Nur Ideologie.
    Um dem auch nur igendetwas abgewinnen zu können muss man ja praktisch schon deren Werte und Normen (von Leben) teilen. Das ist da ja schon die Grundvoraussetzung.
    Ob dazu sich noch irgendwelche Verschwörungstheorien zusammengesponnen werden ist nebenbei bereits uninteressant für mich zu nennen: die Schiffer hat ja auch schon die Medienpädagogik mal frontal angegriffen gehabt, deren Sinn und grundsätzliche Möglichkeiten in Frage gestellt, obwohl sie ja selbst doch auch noch als Medienpädagogin ausgewiesen wird. Und war sie nicht auch noch in diesem Verein Sichtwechsel involviert?

    Ich sehe das so: im Grunde genommen handelt es sich bei diesen Leuten allesamt um RevisionistInnen der Technik. Sie wollen ihrer Profession, dem Bildungswesen, einen neuen, moralischeren Anstrich zurück-verpassen. Und das läuft, wie auch immer politisch gerichtet, unter . Der Computer ist da ein doppeltes Feindbild, doppelt weil sowohl „neoliberales“ Instrument als auch als solches einer ebenso verhassten „Globalisierung“

  8. Schöner Beitrag über den großen Bluff. Ich finde es gut, wenn die offen zur Schau gestellte Idiotie einfach mal entlarvt wird. Ich finde es aber nicht weiter störend, wenn Wissenschaftler von leuten bezahlt werden, die ein gewisses Interesse an speziellen Ergebnissen haben. Denn jeder wird von irgendwem bezahlt und jeder gibt nur Geld, weil er etwas bewiesen haben will. Niemand hat neutrale Geldgeber, außer jemand würde sich entschließen, 1 Mio Euro an irgendjemanden zu verschenken und dann wird der Zufallsgenerator eingeschaltet…

    es kommt immer auf die Qualität der Studie an und diese Qualität war bisher von absolut allen Forschern „unterirdisch“, da den zu untersuchenden möglichen Effekt gar nicht genauer definieren kann/konnte und die „Messtechnik“ dafür Fehlertoleranzen hat, die wohl niemand so recht bestimmen kann, man misst unbekannte Effekte mit unbekannten Störgrößen mit willkürlichen Methoden. Na das ist mal ein Volltreffer. Die Reize die gesetzt werden sind dann ebenfalls willkürlich und unterscheiden sich in mehr Punkten als nur Gewalt usw usf. Das ganze Forschungsgebiet ist ein Witz auf Beinen.

    Wie man da allgemein streiten kann, wer wem den Lolli geklaut hat und von wem Geld bekommt, das ist mir ein Rätsel. Btw: lasst uns doch auch ein institut Gründen. Ich bin dann „freier und ständiger Mitarbeiter“. Evt. kommt Das StigmaVideospielInstitut, kurz SVT, dann auf mehrere hundert oder gar tausend Mitarbeiter. ;)

  9. LoL seit langem selten so gelacht xD
    Für mich sieht das ganze eher so aus: „wir die spielehasser verlieren immer mehr boden bei unserem kampf gegen das ach so böse militärische-industrielle-komplex-system“
    omg wenn ea und die anderen firmen schlau sind, sollten diese mal über eine klage wegen üblernachrede nachdenken bzw. prüfen lassen ob gegen diese frau gerichtlich vorgegangen werden kann.
    diese frau ist ja echt peinlich, wenn sie eine familie hat tut diese mir echt leid.

  10. @Pyri
    laut einigen bösen, islamfeindlichen und rechtspopulistischen Webseiten ist das IMV in einem Mietshaus untergebracht.

    @kyle_katarn
    Ja, Institut ist nicht geschützt. Es gibt sogar einige Dominastudios die sich als Institut bezeichnen.
    Ich gehe mal davon aus, das diese wesentlich strenger und seriöser in ihrer Arbeit sind als das IMV ;-)

  11. @Masu: wow, dann klär mich wenigstens im Nachhinein auf welche Ergebnisse der Staat bitte von meiner Diss wollte wenn du alles so genau weißt.
    Oh, und ich warte diesmal auf ne Antwort von dir, ne vernünftige.

  12. Mars: Schon mal versucht eine Diss zu schreiben, die der Meinung deines Doktorvaters wehement widerspricht und das in einem Fall von einem Doktorvater, der ein wenig „Dickköpfig“ ist? Könnte interessant werden….

    Und zu finanzierten Studien: Der Staat vergibt auch nur Gelder in Bereichen in denen die Politik geforscht sehen will. D.h. die staatlich subventionierte Forschung ist immer stark vom aktuellen Zeitgeist abhängig. Es gibt zB Wissenschaftler, die die Theorie(!) dass CO2 für die Erderwärmung nicht so ausschlaggebend ist, wie angenommen. Diese Leute bekommen keine oder kaum Forschungsgelder, weil die CO2-Nummer einfach „in“ ist. Das ist nur ein Beispiel von vielen.

  13. @MaSu: Du hast davon gesprochen dass „jeder“ abhängig ist etc. Und das ist, mal wieder, Bullshit. Und ja, mein Doktorvater war nicht mit allem einverstanden was ich gemacht hab. Ich möchte nicht bestreiten dass das bei vielen Studien ne Rolle spielt, welche Ergebnisse gerade in sind etc., aber nicht bei allen wie du es mal wieder laberst.
    Deine Einschätzung der Forschung, naja, aber du hast halt keine Ahnung. Das ist nicht das Problem, aber dann achte doch bitte etwas auf deinen Schreibstil.
    Es ist übrigens interessant welche Aspekte des Artikels hier wahrgenommen werden und welche nicht, worüber gesprochen wird und worüber nicht. Hat gewisse Parallelen zur Spieledebatte.

  14. Mars es geht nicht darum, bei einem einigermaßen liberalen Doktorvater bis an die Grenze zu gehen. Es geht darum, bei einem Doktorvater, der eine extreme Ansicht vertritt, etwas gegenteiliges zu publizieren.

    Nimm dir zB mal die Maria Mies vor und versuch da eine Doktorarbeit zu schreiben, die den Kölner Aufruf… äh… zumindest in Teilen widerspricht. Das geht nicht.

    Jeder Doktorrand ist vom Wohlwollen des Doktorvaters abhängig. Bei meiner Diplomarbeit war das damals ebenso und da muss man mal Murks machen, weil der Chef eben bei der Note das letzte Wort hat.

    Solche Abhägngigkeiten sind alltäglich.

  15. Masu, nein, sind sie nicht. Wie du selbst schreibst: es ist alltäglich bei Leuten mit extremen (linken oder rechten oder was auch immer) Ansichten. Du hast oben das aber gegenüber jedermann behauptet.
    Und, mit Verlaub, nur weil dir die Ergebnisse nicht passen fliegst du nicht automatisch durch, die Note, evtl, aber mehr nur selten.
    PS: Bei einer Diss gibts 2 Korrektoren, bei ner Diplomarbeit effektiv einen.

  16. Ich wüsste ja zu gerne, ob du nicht auch irgendwann am grübeln bist, ob du hier oder da ein anderes Ergebnis gehabt hättest, wenn du deinem Vorgesetzten oder Prof nach dem Mund gesabbelt hättest, obwohl keine „extreme Ansicht“ vorlag…
    …oder ob du in der DER idealen Gesellschaft lebst und ich nur vor Neid erblassen kann ;)

  17. Hihi ist das lustig. MaSu, es geht nicht darum dass es sowas nicht gibt, das habe ich nie bestritten. Es geht darum dass du sagtest „Denn jeder wird von irgendwem bezahlt und jeder gibt nur Geld, weil er etwas bewiesen haben will.“
    Ich habe das „jeder“ bestritten. Bzw. ich finde es eine Unverschämtheit einfach mal zu behaupten dass man Wissenschaft quasi darauf reduzieren kann wer Geld bezahlt. Und das hast du eigentlich. Das ist so als würde man sagen „Killerspiele machen gewalttätig“.

  18. Ich werde noch lustiger und sage: man kann alles darauf reduzieren, wer wem warum das Geld gegeben hat ;)

    Natürlich ist nicht jede wissenschatliche oder sonstige Arbeit deswegen „schlecht“. Niemand sagt, dass man gut forschen kann und das Ergebnis dem Auftraggeber zugleich zugute kommt. Man kann auch hin und wieder mal so forschen, dass der Auftraggeber sich angepisst fühlt, man riskiert damit aber weitere Aufträge. Oder gewisse Forschungszweige werden, weil sie dem Zeitgeist nicht entsprechen, ignoriert. Solche Probleme gibt es. Überall. Sie betreffen nicht die Qualität _jeder_ Arbeit, aber _jede_ Arbeit kann in Situationen geraten, darunter zu leiden.

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