EA scheitert beim Jugendschutz?

(chip.de) Bei chip.de wird EA vor dem Hintergrund des aktuellen Betatests von „Battlefield 3“ scharf angegriffen: „[…] EA […] scheitert mit einem längst als unwirksam bekannten System“. Zentraler  Kritikpunkt hierbei ist, dass „ein Jugendschutz-System angewendet wird, das von den entsprechenden Behörden schon in den 90er und 2000er Jahren für unzureichend erklärt wurde„. Es wird nun so dargestellt, als ob EA bewusst ein offiziell als mangelhaft bewertetes System für beim Jugendschutz für „völlig ausreichend“ halten würde. Das System von SeZeBe.de erlaubt den Zugang zu entwicklungsbeeinträchtigenden Angeboten erst ab 22 bis 23 Uhr oder verlangt die Eingabe einer Personalausweisnummer. Sowohl der Umstand, dass sich die Nummer mit Programmen generieren lasse, als auch die Tatsache, dass die Inhalte ab 23 Uhr frei zugänglich sind, werden kritisiert.

Sofern ich mich irre bitte ich um einen Hinweis, doch nach den JMStV sieht das Verhalten von EA nicht so dilettantisch aus, wie man nach dem Artikel von chip.de glauben mag. Nach § 5 Abs. 2 JMStV gibt es zwei Wege, mit denen Anbieter von jugendbeeinträchtigenden Angeboten „dafür Sorge […] tragen [können], dass Kinder oder Jugendliche der betroffenen Altersstufen sie üblicherweise nicht wahrnehmen„:

1. Durch Sendezeitbeschränkungen: „Ab 16“ Inhalte nur zwischen 22 und 6 Uhr anzubieten und solche „Ab 18“ nur zwischen 23 und 6 Uhr.

2. Durch ein technisches Mittel, welche „die Wahrnehmung des Angebots durch Kinder oder Jugendliche der betroffenen Altersstufe unmöglich macht oder wesentlich erschwert„. Dies sind nach § 11 Abs. 2 JMStV solche Programme, die durch die KJM anerkannt worden sind.

Da „Battlefield 3“ nach der der USK „ab 18“ freigegeben wurde und somit jugendbeeinträchtigend ist, ist es keine Schnapsidee von EA den Download zwischen 23 und 6 Uhr zu ermöglichen. Es ist vielmehr genau das, was der JMStV vorschreibt. Ähnlich verhält es sich mit der Möglichkeit sich vor 23 Uhr durch den Personalausweis Zugang zu verschaffen. Denn SeZeBe.com wurde zumindest nach der KJM am 26.02.2010 als „technisches Mittel“ anerkannt:

Es wurde für den Einsatz im Bereich der entwicklungsbeeinträchtigenden Inhalte für unter 12-, 16- und 18-Jährige konzipiert […]. Die KJM ist der Ansicht, dass „SeZeBe“ damit bei entsprechender Umsetzung den gesetzlichen Anforderungen an ein technisches Mittel im Sinne des JMStV genügt.“

Zusammengefasst benutzt EA somit zwei gesetzlich bzw. durch die KJM anerkannte Maßnahmen um den Anforderungen des JMStV zu genügen. Bei chip.de hat man möglicherweise jugendbeeinträchtigende mit jugendgefährdenden Angeboten verwechselt – eine Anfrage von uns an die Redaktion blieb unbeantwortet. Ich wäre im Übrigen für die Information dankbar, ob SeZeBe.com auch mit der Nummer des neuen Personalausweises funktioniert. Ich habe es nicht auf die Reihe bekommen und musste bis 23 Uhr warten.

Chip.de-Artikel
USK-Freigabe
SeZeBe.com
Pressemeldung der KJM
JMStV

12 Gedanken zu “EA scheitert beim Jugendschutz?

  1. Ja, der JMStV gibt das auch aus meiner Sicht genau so vor – umgesetzt wurde der bislang aber eher doch nur selten. Bei der Deutschen Telekom (Gamesload), GamersGlobal, ja. Allein wenn Spielpresse-Organe alle auch online wirklich nur solche Inhalte bringen würden welche auf ihren Cover-Scheiben im Print etwa Jugendfreigaben über die DT-Control erhalten. Wie könnte dann überhaupt noch über Erzeugnisse aus dem Ausland berichtet werden? Mit Links?
    Bezeichnend finde ich, gerade in Hinblick auf die Diskussion zur letzten News, welche Initiativen da noch von Technikaffinen so zumindest indirekt gefordert werden: letztlich läuft das für mich ganz klar gegen das Medium Internet hinaus. Und für sozusagen ein (eigenes) Deutschland-Netz. Mit Sendezeiten wie es das Konzept Rundfunk kennt –
    Hier in Österreich herrscht keine Ausweispflicht und ich besitze gar keinen Personalausweis, geschweige denn eine Nummer die ich da hier im Ausland für mich tagsüber so verwenden könnte. Ausländer wie ich haben da wohl von vornherein eben schon das Nachsehen, wenn vorher meine IP-Adresse nicht geprüft werden sollte und ich darüber durchgewunken werde. Für mich bleibt dieses Netz dann sozusagen gleich finster – im Sinne von „Jugendschutz“…

  2. @Pyri
    – Die Frage über Berichte aus dem Ausland verstehe ich nicht ganz. Falls du meinst, dass die möglicherweise noch nicht von der USK bewertet wurden und nie bewerden werden würden: Für den JMStV ist keine Einstufung von USK etc. nötig, sondern die Altersfreigabe muss vom Jugendschutzbeauftragten geschätzt werden, denen sich größerer Onlineunternehmen zu halten verpflichtet sind^^.
    – Ich finde ja die Perspektive des „Kindernetzs“ bedrohlich (http://dialog-internet.de/dokumente/unterarbeitsgruppen/sitzung/Leitlinienpapier.pdf).
    – Bei SeZeBe.de wird geschrieben dass man daran arbeitet, dass eine Authentifizierung nur von Deutschland aus nötig ist und Ausländer wie du ohne jede Prüfung auf Inhalte zugreifen können.

  3. Nachtrag @Chip-Artikel: ich glaube mich mit der Geschichte der Erotikindustrie im Internet einigermaßen gut auszukennen und was da in dem Artikel steht, davon habe ich ehrlich gesagt noch nie etwas gehört. Den JMStV gibt es afaik ja auch erst seit weniger als zehn Jahren, frühestens seit der Umstellung im Jugendschutzgesetz 2003 glaube ich. Ich kenne schonmal keine einzige über Deutschland laufende Erotikseite mit jugendbeeinträchtigenden, also nicht-pornografischen, Inhalten, die den JMStV so umsetzen würde. Beim Spiegel wurde das glaub ich jedoch auch mal behauptet, dass Angebote unterhalb einer „Schwelle zur Pornografie“ da bevorzugt werden würden. Vielleicht soll dieses Gerücht auch hier so weitertransportiert werden –

  4. @Rey Alp
    Danke für den Hinweis wegen der Auslandspraxis dort. Ich weiß etwa, dass Du hier keine direkten Links auf SB.com setzt – wohl gut begründet. Genau kenne ich mich mit der Rechtsprechung bei Linksetzungen nicht aus, aber das mit der Berichterstattung meinte ich eher dahingehend: das betrifft auch Videos, etwa bei YouTube, neue Trailer etc. Afaik wird YouTube in Deutschland nicht im Sinne des Jugendschutzes zensiert, sondern nur im Sinne des Urheberrechts – wie in anderen Staaten auch üblich. Falls ich mich da irre bitte ich um Aufklärung! Gewaltdarstellungen sind auf YouTube so ja eher kein Problem – YouTube orientiert sich an US-amerikanischen Normen und schränkt so eher nur Sex und Nacktheit ein.

  5. @Pyri
    Das mit den Links ist ein schwieriges Thema, das ich auch nicht ganz durchschaue. Auch wenn ich eigentlich ein Link nicht als Zugänglichmachung ansehe, scheint das nicht ganz so klar zu sein. Letztendlich bräuchte man um sich auf der sicheren Seite zu wissen als Presse wohl ein berechtigtes Interesse um darauf verlinken zu dürfen:
    http://www.heise.de/heisevsmi/19_Urteil_Oberlandesgericht_Muenchen_2008-10-23.pdf

    Daher bin ich in der Angelegenheit etwas zurückhaltend. Das größte Problem ist übrigens wenn man Inhalte per iframe oder z.B. Youtube-Videos direkt auf der eigenen Seite einbindet, da kann man dann schnell belangt werden.

  6. Das dich bei Chip.de wirklich mal so einen Müll schreiben und kaum mit der gesetzlichen situation auskennen, dass finde ich auch interessant. Zudem ist BF3 nicht indiziert, was wohl ein wichtiger Unterschied zu einigen pornorgraphischen Materialien ist und dann natürlich (wenn man der Idiotie soweit folgen wollen würde) dazu führt, dass eine Personalausweisnummer nicht mehr ausreichen sollte (laut unseres tollen Staates… Freiheit und Liebe für alle… sofern es unter der Beckdecke und christlich geschieht!), wenn man Zugang zu indizierten Materialien haben will.

    Naja Chip ist mMn auch schon leider fast die BILD im IT-Raum.

  7. Chip.de schreiben selten was vernünftiges und auch deren Magazin ist nicht mehr als bedrucktes Klopapier, auf das was diese Kasper sagen sollte EA und wir gar nichts groß eingehen, das sind diese Schmierenkomödianten gar nicht wert.

  8. naj ich muss sagen das das system wirklich sehr leicht zu umgehen war man brauchte nochnichteinmal einen proxy. man konnte die beta einfach downloaden indem man den us link vom origin store gefolgt ist und dann auf get it (ich glaub das stand da) geklickt hat, dann musste man sich mit seinem ea account anmelden und schon ist origin gestartet und hat es runtergeladen. hier nochmal der link: https://www.origin.com/us/freegames#

  9. @Epicus
    Falls das in den USA liegt und sich von der Aufmachung her (nicht in Deutsch) auch nicht an Deutsche richtet, unterliegt das möglicherweise nicht dem deutschen Jugendschutz. Wäre somit auch völlig legal.

  10. Jugendschutz hin oder her. Sensibel wie EA zu seinen Kunden immer ist hat man sie mit einem System allein gelassen, wo schon von vornherein hätte klar sein müssen, dass dies nicht funktionieren konnte. Das Formular war so gut wie den ganzen ersten Tag nicht zu erreichen. Als ich dann einmal zu dem Formular der SeZeBe durchkam gab ich meine Daten ein und kam dann trotzdem nicht zu einem Betakey. Das war alles etwas enttäuschend.

  11. Muss ganz ehrlich sagen, dass mir das System einfach nur auf den Geist geht. Sie sollten es einfach so machen, dass man seinem Konto eine Ausweisnummer hinzufügen kann. Danach hat man – sobald man eingeloggt ist – freien Zugang (auch zu den Downloads). Wenn dann doch z.B. die eigenen Kinder darüber etwas sehen oder runterladen, liegt die Verantwortung eindeutig nicht mehr bei (hier z.B.) EA, sondern beim Kontoinhaber. Mir geht diese ganze Gängelung einfach viel zu weit. Nun kann man ja wohl wie’s aussieht nicht einmal mehr tagsüber vorbestellen und muss erst einmal seine Daten auf einer Drittanbieterseite (hallo, Datenschutz?) preisgeben. So ganz kann das ja auch nicht Sinn der Sache sein. Genauso kann man den Download erst zu nächtlicher Stunde starten. Ich mein, wie stellen sie sich das bei der normal arbeitenden Bevölkerung eigentlich vor? Fehlt ja nur noch, dass das eigentliche Spiel auch nur noch nachts gestartet werden kann. .(

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