Die „nötige Grundhärte“ mit „World of Warcraft“ antrainiert?

(Nachdenkseiten) Der ehemalige SPD-Politiker Wolfgang Lieb Götz Eisenberg hat sich in einem Text mit der Tat Breiviks auseinandergesetzt, in dem er auch auf die Rolle der Videospiele eingeht. Hierbei gibt es erwartungsgemäß eine Reihe von Aussagen, bei denen die Quellen interessanter als der Inhalt sein dürften. So sind mir nur wenige Belege dafür bekannt, dass sich Breivik oder andere Täter mithilfe von Videospielen das Mitleid abtrainierten. Auch zeugt es nicht unbedingt von Fachwissen wenn angenommen wird, dass „World of Warcraft“ zur Desensibilisierung tauge:

„Wie viele zeitgenössische Massenmörder und Amokläufer trainiert auch Anders Breivik sich an der Spielkonsole beim Spielen von Ego-Shootern das Mitleid ab. Auf die Anschläge bereitet er sich mit dem Kriegsspiel „Modern Warfare 2“ vor. Mit 25 nimmt er sich eine Auszeit und spielt intensiv „World of Warcraft“. Auf diesem Weg verschafft er sich die nötige Grundhärte für das geplante Massaker. Während des systematischen Tötens auf der Insel trägt Breivik einen Stöpsel im Ohr und hört über einen iPod Musik. Er hat sich in eine Gamefigur verwandelt und auch die Choreographie seines Vorgehens scheint von Ego-Shootern inspiriert.“

Zum Artikel

(Dank an Gast.)

42 Gedanken zu “Die „nötige Grundhärte“ mit „World of Warcraft“ antrainiert?

  1. Normalerweise sind die Leute auf der Website ziemlich vernünftig, hatte ich bisher den Eindruck. Ich habe an die Redaktion mal eine Mail mit Hinweis auf den Artikel, auch mit diesem Blog als Angabe für Quellen angegeben. Mal sehen, was daraus wird.

  2. Och, lustig ein SPDler der mit dem Blut seiner norwegischen „Genossen“ Werbung für seine Bücher macht und um Parteispenden bittet, das überrascht oder schockiert aber niemanden mehr, nach Schröder, Sarazin und Pfeiffer.

  3. Ich bin ja dafür, dass man Parteien auflöst und nur noch sich selbst verantwortliche Politiker zulässt. Ob das wirklich sinnvoll ist, wage ich nicht zu behaupten, aber es ersparte uns eine Menge unsinniger Internet-Forenbeiträge.

  4. Pingback: Die Menschenverachtung des Wolfgang Lieb | Der Almrausch

  5. Mir wird immer Angst und Bange, wenn ich lese „Politiker hat sich mit X auseinandergesetzt“. Das heißt doch im Umkehrschluss meist entweder „hat Aussagen gegoogelt, die seine Meinung stützen“ oder „hat auf dem Weg zur Kantine ein Memo überflogen.“ Ich weiß, ich verallgemeinere, doch mit meinem Bild der Politik steht es einfach nicht zum Besten.

  6. Bitte daran denken, dass es sich hier nicht um einen aktiven Politiker handelt. Die Weltanschauung bleibt dabei sicherlich erhalten, aber der Fraktionszwang zu einer bestimmten Meinung fällt weg und der Zwang, sich zu unbeliebten Themen eine Meinung bilden zu müssen, ist sicherlich auch geringer.

  7. Das Fürchterliche an diesem Textabschnitt ist aus meiner Sicht womit eine Desensibilisierung hier konkret in Verbindung gebracht wird: nämlich genau mit diesem Gewaltverbrechen in Norwegen. Für gewöhnlich sehe ich diese Ideen nämlich eher abstrakter gehalten, andere Vorstellungen scheinen so jedoch eher zu verschwinden: das Spiel würde die Tat bedingen, die Tat sei dadurch entstanden, sie würde jedenfalls dem Spiel (choreographisch) folgen, der Täter wäre in ihr bloß zu einem weiteren Spieler geworden. Also Videospiele weniger als Ursache denn als Auslöser betrachtet. Das entscheidende Wort ist hierbei „Choreographie“: im Grunde genommen unterstellt der Abschnitt Games so, dass sich darin quasi zum Gewaltverbrechen hinbewegt wird. Vermutlich auch als bewusst. Der Abschnitt rückt die Millionen zufriedener RezipientInnen demnach unumwunden in die Nähe einer Gedankenwelt von diesem Täter. Sie werden letztlich zumindest als gesinnungsähnlich vorstellig gemacht. Das ist zwar nur ein kleiner Teil in dem ganzen Text, aber alles andere mag so auch unter den Tisch fallen – ich sehe solche Gedankengänge als logische Folge von Vorstellungen wie sie ein Carsten Görig beim Kulturspiegel in Hinblick auf „Black Ops“ gemacht hat, wo es etwa geheißen hat, dass da etwas auch gar nicht mehr anders gedacht werden könnte als für Krieg, Gewalt und (einseitige) FeindInnenbilder. Und das was Lieb hier tut ist eben dieses zumindest richtigere (Nach-)“Denken“ und diese angeblich so berechtigte „Kritik“ – alles was die Plattform halt mit so vorgibt an Ideen. Ein anderes Denken kann so praktisch gar nicht mehr interessieren, wird wenn dann nur mehr als Verblendung konsumorientierter Unreifer wahrgenommen werden, usw. http://almrausch.wordpress.com/2011/10/18/die-menschenverachtung-des-wolfgang-lieb/

  8. Hätte jemand etwas anderes von einer derart linken Seite erwartet? ^^
    Gleich auf der ersten Seite wird die Kommunistin Sahra Wagenknecht erwähnt.
    Diese Leute hassen den Kapitalismus und das Militär, Computerspiele wie Call of Duty sind für sie ein rotes Tuch, das sofort die altebekannten Beißreflexe provoziert.

  9. @Rayman
    Ob nun Links, Rechts, Konservativ oder was weiß ich was es noch alles gibt, letztlich kommt doch bei allen der gleiche Mist raus und Unterschiede im Verhalten kann man mit der Lupe suchen.

  10. Äh, kleiner Hinweis: Der Text ist nicht von Wolfgang Lieb, welcher in der Tat Betreiber und Hauptverantwortlicher der Nachdenkseiten ist, sondern der Autor ist ein gewisser Götz Eisenberg.

  11. Aber der betreffende Textabschnitt ist mir auch übel aufgestoßen, allerdings muss ich hier auch Lieb verteidigen, der sich meines Wissens auf jeden Fall schon mehrmals gegen simplifizierte Erklräungsschemata für Gewalttaten durch Videospiele ausgebsprochen hat. Ich weiß nicht, wie Lieb persönlich zu solchen Spielen steht, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass für ihn andere Faktoren, wie die fotschreitende Spaltung der Bevölkerung in Arm und Reich, der verschärfende Wettbewerb, der in alle Lebensbereiche eingedrungen ist und der wegbrechende Sozialstaat, viel bedeutender sind, um solche Gewaltausbrüche zu erklären.

  12. Am Ende des ersten Absatzes:
    „Zur Erinnerung: Am 22. Juli 2011 zündete der 32-jährige Norweger Anders Behring Breivik zunächst im Regierungsviertel in Oslo Bomben, wobei sieben Menschen ums Leben kamen. Dann fuhr er zur Insel Utoya und eröffnete das Feuer auf Jugendliche, die dort ihre Ferien in einem Lager der Norwegischen Arbeiterpartei verbrachten. Im Laufe von 60 Minuten erschoss er 69 Jugendliche. Ein Deutungsversuch von Götz Eisenberg“

  13. @SkycladGuardian
    Ja danke. Schon gesehen – habs geändert… Zunächst dachte ich dieser Deutungsversuch bezog sich auf den vorherigen Satz mit den Zahlen oder die Frankfurter Rundschau, mit diesem Eisenberg als Interviewer von Gaarder. Das Nachfolgende ist ja nicht als Zitat gekennzeichnet worden –

  14. „die fortschreitende Spaltung der Bevölkerung in Arm und Reich, der verschärfende Wettbewerb, der in alle Lebensbereiche eingedrungen ist und der wegbrechende Sozialstaat, viel bedeutender sind, um solche Gewaltausbrüche zu erklären“

    Dumm nur das diese Erklärungsmuster genauso simpel sind wie „Videospiele sind Schuld“…

  15. Naja, dass es noch mehr Faktoren gibt ist ja klar (psychische Verfassung des Täters, sein unmittelbares soziales Umfeld, Kindheit usw). Aber es ist schon nicht mehr monokausal, und es ist auch eine Binsenweisheit, dass Armut und Persepektivlosigkeit Kriminalität und Gewaltbereitschaft fördert.

    Übrigens, wenn man den Artikl objektiv betrachtet, dann ist der Absatz über die Videospiele recht unbedeutend für die weitere Argumentation des Textes. Das macht natürlich die Aussagen nicht weniger falsch und haarsträubend, aber im Gesamtkontextes des Artikels betrachtet ist der Absatz nicht besonders wichtig.

  16. Die komplexe Wahrheit ist natürlich, dass sozial schwache Menschen von Natur aus schlechter sind. Sonst wären sie ja erfolgreich und gesetzestreu.

  17. Die komplexe Wahrheit ist, das Terroristen selten arm und perspektivlos sind.
    Weder die Terroristen der RAF, noch die Terroristen der Al Kaida und auch nicht der Terrorist Anders Breivik sind arm oder perspektivlos gewesen, um mal drei populäre Beispiele zu nennen.

    Natürlich könnte Anders Breivik für sich in Anspruch nehmen das er mit seiner direkten Aktion für die Menschen gekämpft hat, welche durch die Politik der Norwegischen Regierung immer mehr unter Armut und Perspektivlosigkeit leiden.

    Das war ja auch die Begründung von Ulrike Meinhof für den Terror der RAF.
    Das mag nun jeder gelten lassen wie er will, meiner Meinung nach ist das nur eine Ausrede um dem eigenen Fanatismus einen sozialen Anstrich zu geben und um Zustimmung zu gewinnen.

    Und wenn es nun um schlechtere Menschen geht:
    Was bitte soll sozial schwach sein ?
    Ich kenne soziale Randgruppen (Minderheiten wie Zigeuner* oder Obdachlose), die tatsächlich unter Armut und Perspektivlosigkeit leiden.
    Ich kenne auch ökonomisch schwache Personengruppen wie Alleinerziehende und ungelernte Arbeiter.
    Warum sollen das in irgendeiner Form schlechtere Menschen sein ?

    Wenn jedoch ein gut ausgebildeter Bauingenieur aus reichem Elternhaus Terrorgruppen organisiert die dafür kämpfen das ein mittelalterliches Regime durchgesetzt wird, oder eine Journalistin aus gutbürgerlicher Herkunft Gewalt gegen Polizisten damit rechtfertigt das „Der Bulle kein Mensch, sondern ein Schwein ist“ halte ich das für moralisch fragwürdiges verhalten.
    Auch wenn man es mit der Armut und Perspektivlosigkeit anderer Menschen rechtfertigt.


    *Natürlich müsste es Sinti und Roma heißen, aber diskriminiert werden sie als Zigeuner.

  18. @Alreech: ich bezog mich in meinem Post auch nicht unbedingt Breivik und auf Terroristen, sondern auf Schul-Amokläufe.

    Und Hybris‘ Kommentar war wohl auch eher ironisch gemeint.

  19. Lies den Abschiedsbrief des Schulamokläufers von Emsdetten.
    Auch der war nicht arm und auch nicht perspektivlos.

    Er wollte jedoch mit seiner Tat ein Zeichen gegen ein als Unrecht erkanntes System setzen.
    Das ist eine politische Tat, und damit Terrorismus.
    Was spricht dagegen solche Amokläufer als kleinste mögliche Terrorgruppe einzustufen ?
    http://www.heise.de/tp/artikel/24/24032/1.html

    Auch der Artikel bei den Nachdenkeseiten macht nicht Armut und Perspektivlosigkeit für Amokläufe verantwortlich:
    Zitat
    Man kann auch so denken, ohne zum Massenmörder zu werden, und man kann zum Massenmörder werden ohne jeden rechten und menschenverachtenden Begleittext. Das politische Handeln ist mitunter nur die Maske eines seelischen Geschehens, oder wenn man lieber will: Der militante Anti-Islamismus ist in diesem Fall das Mittel, eine unerträgliche innere Leere und Strukturlosigkeit zu überwinden und ein an seiner männlichen Identität zweifelndes Milchgesicht zum Mann zu machen.
    Zitat

    Götze Eisenberg bezeichnet den Antrieb dafür als Faschismus, aber sein Faschismusbegriff scheint weiter zu gehen als das was allgemein üblich ist (alles Nazis ausser Mutti ;-) ):

    Zitat:
    Die Erzeugung des Menschlichen ist das Kriterium von Emanzipation, weniger die abstrakte politische Entscheidung zwischen links und rechts. Geschichtliche Erfahrungen haben uns schmerzhaft darüber belehrt, dass auch vermeintlich linke Entwürfe in den Sog einer tödlichen und todbringenden Produktionsweise geraten können, wenn sie sich von der regulativen Idee der Emanzipation als der Erzeugung des Menschlichen allzu weit entfernen. Es gibt in Gestalt des Toten in uns einen fortdauernden Faschismus weit unterhalb des Kopfes, einen Faschismus der Gefühle oder der Gefühllosigkeit, der uns zu einem lebenslangen Austrag des Kampfes nötigt.

    Allerdings ist spätestens sein Klassenkampfbegriff schon JVD… Die Grenze verläuft eben immer noch zwischen Klassen, und wenn das Bürgertum seine Privilegien verteidigt ( Studium für den Nachwuchs auf Staatskosten, längerer Bezug von Arbeitslosenhilfe ) dann geschieht dies eben auch in Abgrenzung zu anderen Klassen innerhalb der Gesellschaft.

  20. @Alreech: in dem Zitat oben geht es um Gewaltausbrüche, das in „schlechte Menschen“ umzuwandeln (ich habs zumindest im Text nicht gefunden) ist natürlich ein geschickter Schachzug um das Gegenüber anzugreifen aber falsch. Niemand sagt dass alle Terroristen arm sind, aber es gibt gewisse Merkmale, die das Risiko erhöhen dass jemand Gewalttätig wird. Damit sagt niemand dass man das automatisch wird oder nur deswegen, aber soviel Mitdenken finde ich darf ein Wissenschaftler oder Journalist schon voraussetzen. Wir können nur zu einem korrekten Verständnis und zu hilfreichen Ratschlägen gegen Gewalt kommen wenn wir alle Punkte diskutieren und evtl. auch mal mit was anfangen was leichter zu beeinflussen ist, sonst enden wir in völliger Tatenlosigkeit. Hier immer von „verantwortlich“ zu sprechen finde ich deshalb schon daneben, weil man dann immer so tut als würde das Gegenüber behaupten es wüsste alles und hätte die Weisheit mit Löffeln geschluckt. Nein, das ist es nämlich nicht. Wir verstehen Amokläufe nicht, deshalb finde ich wir sollten anerkennen dass jemand versucht, sich dem Akt zu nähern, und dabei auch mal Schwerpunkte setzt.

  21. Indem eindeutig ideologische Positionen vertreten werden wird sich jedenfalls keinem Akt so angenähert werden können. Und das hat mit Wissenschaft auch herzlich wenig zu tun: „gegen Gewalt“ heißt so nämlich schonmal, dass „Gewalt“ ausgeblendet, weggeredet werden soll, dass das erwünscht ist was eine Kamera zum Beispiel sich davon abwenden, drehen, lässt, weil Nähe als unkritisch diesbezüglich etwa wahrgenommen wird. Involvierung keine legitime Konfrontaion wäre, etc. Über einen Realismus Genre „Lüge“ usw. Dabei ist das konkret nicht einmal eine politisch artikulierte Position, nicht einmal Ideologie die sich sonst so gern doch auch als Wissenschaft verkauft, sondern eigentlich nur mehr Ästhetik. Ein ästhetisches Ideal – man befindet sich da schon eher bei einer aristotelischen Befindlichkeit, solcher „Kritik“, als irgendwo sonst – bei Erkenntnisgewinnen etwa: höchstens in einer Einbildung welche die eigenen Vorstellungen unkritisch tunlichst (mit) ausblendet.

  22. @Pyri: wenn du tatsächliche Gewalt nicht für unerwünscht hältst tut es mir Leid für dich, aber das ist pure Menschenverachtung die mal wieder aus dir spricht.
    Und was an: Menschen aus niederen sozialen Schichten sind eher gewalttätig“ ideologisch sein soll? Nein, das hat was mit Beobachtung und Fakten zu tun. Schade dass du sowas einfach nicht begreifen magst.
    Das was Eisenberg sagt ist was Anderes, aber hier geht es um Alreechs Aussagen.

  23. @Mars
    Denke, dass auch Alreech von Eisenberg sprach: darüber hinaus bezog ich mich wohl ausdrücklich auf Ästhetik, sprach gar von nichts anderem, das heißt kritisierte ein „gegen Gewalt“ als gegen Gewaltdarstellungen (bei Eisenberg): dass man mir daraus ein „für Gewalt“ sozusagen dreht ist eben genau das. Gerade diese Perfidie welche Menschen die Freude an Gewaltdarstellungen empfinden gleich mit MassenmörderInnen zusammenbringen lässt. Also danke für die indirekte Bestätigung!
    Wenn der Satz „Menschen aus niederen sozialen Schichten sind eher gewalttätig“ des weiteren noch etwas mit „Beobachtung und Fakten“ zu tun hätte, sowie nichts mit Ideologie, dann bezweifle ich, dass ein Gedanke an Ideologie so überhaupt noch aufrecht erhalten werden kann: dann ist nämlich nichts mehr das und wären auch ähnliche Aussagen über bestimmte Hautfarben „Beobachtung und Fakten“. Also alles wie gehabt – vielleicht lässt Du den Comment auch wieder entfernen, keine Ahnung. Also so wie beim Gewaltdarstellungsverbot: aus den Augen aus dem Sinn.
    Und ja, dafür kann ich wirklich nur Verachtung übrig haben – höchstens.

  24. @Mars:
    Die Schlechten Menschen gehen auf Hybris Posting, die Armut als Antrieb für Täter wie Breivik auf das Posting von Skyclad zurück.
    In Eisenbergs Text ist davon nichts zu finden.

    Worauf ich in meinem vorherigen Posting hinaus wollte ist:
    1.) das es keinen Sinn macht wie Skyclad Armut und Perspektivlosigkeit für Amokläufe verantwortlich zu machen

    2.) das man Amokläufe IMHO eher als Terroranschläge deuten sollte, die von der kleinsten möglichen Terrorgrupper verübt werden können

    3.) das Terroranschläge (und somit auch Amokläufe ) als politische Tat und damit als radikalste Form der Gesellschaftskritik gesehen werden sollten

    4.) Eisenbergs Meinung teile ich insofern das ich auch glaube das Ideologie nur Rechtfertigung, aber nicht Grund für Terror ist, und der Grund eher in der Psyche des Täters, seinem Mangel an Menschlichkeit als in der Verfassung der Gesellschaft in der er lebt zu suchen ist ( ohne das ich den Täter für psychisch krank halte ! )

    5.) Eisenbergs Meinung das der Klassenkampf zwischen Menschen und Unmenschen abläuft und es egal ist welcher gesellschaftlichen Schicht die Menschen angehören teile ich nicht,
    weil ich keinen Sinn darin sehe die Theorie des Klassenkampfes die immer noch nützlich ist um Gesellschaftliche Konflikte zwischen unterschiedlichen Schichten zu deuten so aufzuweichen.

    Nachtrag zur Gewalt:
    Auch ich halte tatsächliche Gewalt nicht für unerwünscht. Wenn mich beispielsweise jemand schädigt (Betrügt, Beklaut, Beleidigt oder körperlich verletzt ) halte ich es für sehr wünschenswert wenn der Staat in dafür zu Rechenschaft zieht, notfalls unter der Ausübung von Gewalt.
    Und um ein klassisches Totschlagargument ( Verbale Gewalt ! ;) ) zu zitieren: Ich glaube nicht das die Offiziere die im NATO Hauptquartier die Bombenangriffe auf Libyen koordiniert haben ( ziemlich gewalttätig ) aus niedrigen sozialen Schichten stammen ;)

  25. @Pyri: Hm, wieso reduzierst du jede Diskussion auf die Darstellung? Es gibt auch Dinge neben der Darstellung, nur so zur Info. Der Rest von deinem Posting ist krank. Sorry. Pure dämliche Unterstellungen, reine Spekulation über Andere. Du sprachst von „gegen Gewalt“, wenn man das aufgreift ist man der Mops, Pyri hat ja wie immer nix falsch gemacht. Was soll die Scheiße?

    @Alreech:
    zu 1. Wieso macht es keinen Sinn? Warum ist es falsch Dinge zu identifizieren die solche Ereignisse wahrscheinlicher machen? Bzw. jetzt werd mal konkret: was verursacht dann Amokläufe? Nur die aktuelle Gesellschaftsform?
    zu 2+3: AMokläufe bzw. Gewalt nur als politische Tat zu sehen ist einfachste Monokausalität und wird insofern der Wirklichkeit in meinen Augen eben gerade nicht gerecht, auch wenn es für die meisten Amokläufe der Hauptgrund sein dürfte.
    Zu deinem Nachtrag: ok, soweit würde ich Gewalt auch für akzeptabel halten, aber stell dir vor es gäbe keine Gewalt, dann wäre diese Gewalt nicht nötig und allen ginge es besser. Insofern halte ich Gewalt tatsächlich für unerwünscht, aber manchmal (leider) gerechtfertigt.

  26. @Mars
    Achte mal etwas auf deine Wortwahl. Ja, Pyri hat zwar geschrieben, dass er Vorbehalte „gegen Gewalt“ kritisiere, er meinte aber wohl Vorbehalte „gegen Gewaltdarstellungen“. Gerade der Punkt, dass Gewaltdarstellungen nicht mit Gewalt gleichzusetzen sind und eine Auseinandersetzung mit Gewaltdarstellung vielleicht zwar ein Gefallen ein ästhetisierten Gewaltdarstellungen, jedoch nicht an realer Gewalt indizieren muss, ist ja Kernstück seiner Ausführungen.

    Zu den sozialen Schichten noch was von mir: Reale Gewalt ist vielschichtig. Dass Frauen weniger körperlich aggressiv sind als Männer liegt wohl auch weniger an einer friedlicheren Persönlichkeit sondern daran, dass sie aufgrund ihrer Konstitution andere Wege bevorzugen. Giftmischerin, Intrigen etc. Ähnlich ist es wohl auch bei dem Vermögen. Wer nichts außer seinen Handne hat muss sich prügeln um Gewalt auszüben. Wer an der Börse arbeitet kann Getreide durch Spekulationen verteuern und somit Millionen von Menschen verhungern lassen – ist das keine Gewalt?

  27. Jetzt ist der School-Shooter, der gestern noch Amokläufer sein durfte, heute schon Terrorist und rechtfertigt damit natürlich alle Überwachungsmaßnahmen des Staates. Kriminelle als Zugpferde der eigenen Ideologie.

  28. Ich denke, dass wenn es um diese politische Dimension geht erstmal berücksichtigt werden sollte worum es sich beim „Amok“ überhaupt handelt. Jörn Ahrens sagte im Interview bei Telepolis über eine Bedingung dafür folgendes: ‚Der Amok kündigt den „Gesellschaftsvertrag“ über die Anerkennung einer allgemein geteilten Normalität auf, in der sich so etwas wie sozialer Alltag abspielen kann, worin Individuen sich als handlungsmächtig erfahren können und worin vor allem eine Art von Berechenbarkeit des Wahrscheinlichen in einem Umfeld der Kontingenz herrscht. Der Soziologe Heinrich Popitz hat einmal gesagt, Normativität sei zwar eine wesentlich Voraussetzung für das Gelingen von Gesellschaft, aber dass sie verwirklicht werde, sei eine durchaus merkwürdige Leistung. Denn es gibt ja keinen Grund dafür, keine Notwendigkeit, keine Bedingung, außer vielleicht die hobbessche Frage des wer frisst wen. Aber de facto ist diese allgemein gültige Normativität sozialer Verhältnisse eine rabiate Konstruktion, artifiziell und imaginär – eingebildete Realität, die trotzdem wirksam wird. Und das wissen die Leute eigentlich auch, müssen es aber vergessen, wenn sie innerhalb einer gesellschaftlichen Normalität siedeln wollen. Und das wollen wir natürlich auch.‘ http://www.heise.de/tp/artikel/32/32971/1.html
    Die Frage wäre demnach schonmal mit weniger welche Ursachen Wirkungen auf Amokläufe haben, sondern wieso Gesellschaft ansonsten überhaupt erst funktioniert diesbezüglich. Also so, dass man sich einigermaßen sicher jedenfalls fühlen kann. Das was auch hier scheinbar als sehr selbstverständlich angenommen wird. Aber was schafft das? Ich denke, dass über kurz oder lang man beim Nachgehen dieser Frage halt leider wieder auf das Phänomen Gewalt ja stoßen wird müssen: und dazu muss man glaub ich auch gar nicht so universell vorgehen brauchen wie Foucault mit seiner Disziplinargesellschaft und dem architektonischen Bild eines Panoptikums, indem jemand unter ständiger Beobachtung stehen kann. Da kann man wohl auch pragmatischer an die Sache ran gehen – niemand hat hier meines Wissens nach das Gewaltmonopol je in Frage gestellt, aber dafür – wie purchaser meines Erachtens nach sehr richtig sagte – dass da jemand vorne hin gespannt werden könnte, eignet sich das auch nicht. Also das Gewaltmonopol eines Staates, von Gesellschaft. Polizei, Militär, etc. Sondern das sind dann eben andauernd Instrumentalisierungen von Anderen oder Anderem, das Instrument Breivik, Breivik als Instrument. Das was ich da bei einer Rede von Menschlichkeit und Emanzipation angreifen wollte. Und dazu gehört dann auch die Frage welche Utopie das eigentlich wäre indem so jemand dann mal plötzlich nicht mehr auftauchen könnte, das Verbrechen „Amoklauf“ zumindest – kriminologisch oder sonstwie – verhindert worden wäre, unmöglich gemacht, und was diese Utopie wiederum bedingen würde. Welche Gewalt darin. Also was für ein Erfolg wäre das dann?
    Ich habe davor ja auch große moralische Bedenken, als Antirassist und Feminist, jemanden wie Breivik überhaupt für irgendetwas die eigene Sache betreffend zu verwenden, so wie es Eisenberg offensichtlich tut.

  29. @Rey: Jep, ok. Ich seh’s nur nicht ein warum Pyri hier alles schreiben darf und, wenn es ihm nur um Darstlelungen geht als Doktorand hier die Freiheit hat dann so undeutlich zu schreiben bzw. uns unsere Worte einfach im Mund rumzudrehen. Von dem, mit Verlaub, beleidigenden Inhalten seiner Comments sonst abgesehen.

  30. @Mars
    Also dass er „alles schreiben darf“ habe ich jetzt nicht gesehen. Ja, es ist teilweise „undeutlich“, was er schreibt, aber anders als bei dir habe ich jetzt auf die schnelle vom ihm nicht eindeutig beleidigendes gefunden – falls doch was da ist, bin ich für jeden Hinweis dankbar.

  31. @Rey: gut, was beleidigend ist ist Ansichtssache (auf Pyri bezogen, dass meine Worte nicht nett waren keine Frage), und ich werd mich bemühen drüber zu stehen. Ich frage mich nur ob es so ungewöhnlich in der Situation angegriffen zu sein? Pyri spekuliert hier ständig über fremde Leute die sich nicht wehren können. Ich hab das einmal (oder 2 mal) gemacht über Leute die sich hier wehren können und Pyri hat mich deswegen angegriffen weil spekulieren wohl nicht geht. Jetzt spekuliert er wieder über mich, und zwar unzutreffend („Also alles wie gehabt – vielleicht lässt Du den Comment auch wieder entfernen, keine Ahnung. Also so wie beim Gewaltdarstellungsverbot: aus den Augen aus dem Sinn.“), um dann seine Verachtung auszusprechen („Und ja, dafür kann ich wirklich nur Verachtung übrig haben – höchstens.“). Vielleicht hat er das ja auch anders gemeint, mag sein, aber ich sehs auch nicht wirklich ein Kindergärtner für einen Doktoranden zu sein der nicht in der Lage ist schriftlich klar zu machen ob es um Gewalt oder deren Darstellung geht, und das passiert ja öfters. Ich weiß dass ich Pyri oft missverstehe – deshalb frag ich auch öfters nach -, und wenn du der Meinung bist dass hier alles in Ordnung war und ich völlig daneben reagiert habe entschuldige ich mich auch gerne. Aber selbst im Nachhinein beim x-ten lesen ist das schwerer Tobak für mich. Ich habe mich hier in der Tat ziemlich beleidigt gefühlt und reagiert. Danke für dein Eingreifen, falls das überhaupt nicht nachvollziehbar ist wäre ich auch für Rückmeldung dankbar.

  32. @Mars
    Es macht keinen Sinn Armut und Perspektivlosigkeit für Terroranschläge und Amokläufe verantwortlich zu machen, wenn die meisten Täter weder Arm noch Perspektivlos, sondern im Gegenteil meist sogar relativ Wohlhabend gewesen sind und viele Chancen hatten.

    Hm, was bedeutet Monokausal ? Die Tat selber mag politisch sein, die Art und Weise wie der Täter die Welt wahrgenommen hat kann sich aber drastisch von der Bevölkerungsmehrheit unterschieden haben.
    Auch hier lohnt sich ein Blick in den Abscheidsbrief des Täters von Emsdetten.

  33. Lege wert darauf festzustellen, dass ich bei „Und ja, dafür kann ich wirklich nur Verachtung übrig haben – höchstens“ eben von keinem (!) Menschen gesprochen habe, sondern von einer Sache, das heißt für etwas (sic!) Verachtung empfinde – wie ich es unmittelbar vorhergehend auch ausführte. Im übrigen wurde im Gegenteil mir ursprünglich hier Menschenverachtung vorgeworfen, wohl weil ich das Eisenberg bezüglich dessen medienfeindlicher Äußerungen bezüglich einer Millionenschaft von „Call of Duty“-Gamern vorwerfe. Und das habe ich dann als TäterInnen-Opfer-Umkehrung identifiziert, ganz einfach weil ich keineswegs wüsste wo ich da menschenverachtend vorgegangen wäre – was ich Negatives über andere Menschen gesagt hätte. Und da wäre ich für Aufklärung auch dankbar: ja, ich analysiere mitunter Beweggründe anderer Menschen, deren politische Absichten, betrachte das auch als meine Aufgabe, aber wieso sollte das menschenverachtend sein?
    Bloß weil ich nicht in allen Menschen das beste annehme, Äußerungen so beschwichtigen möchte, etc.? Sorry, aber das kann ich gerade als Mensch nunmal nicht verantworten. Dafür glaube ich die Geschichte der Moderne auch zu gut zu kennen –
    Im Übrigen wüsste ich nicht welche weitere Bewandtnis es hier haben sollte, dass ich „Doktorand“ bin. So dass noch mehrmals darauf hingewiesen wird: das betrachte ich auch als persönlichen Untergriff und ungeheure Infamie. Aber wenn „Ego-Shooter“ identifiziert werden, die „das Mitleid“ abtrainieren würden, dann soll das mit „Beobachtung und Fakten“ zu tun haben – tut mir leid, aber wenn ich mich als dadurch doch relativ positiv gestimmter Rezipient dieser Titel nicht noch dagegen wehren darf, dann muss ich das als äußerst problematisch ansehen. Wie gut Mars „Modern Warfare 2“ und dessen Geschichte um einen gewissen Makarov kennt kann ich zwar nicht sagen, aber ich denke nicht dass das so in Ordnung geht.
    Auch denke ich, dass ich mich noch nie über reale Gewalt so geäußert habe, dass da etwas missverständlich wäre: wenn ich von Gewalt spreche meine ich eigentlich immer die unerwünschten, noch fiktionalen Gewaltdarstellungen. Ansonsten spreche ich ausdrücklich von realer Gewalt, dem Gewaltmonopol eines Staates, Gewaltverbrechen die darauf bezogen werden, etc.

    Dass ich darauf hingewiesen habe, dass in der Vergangenheit einmal ein Comment hier gelöscht wurde und dann eine Reaktion meinerseits blöd dastand, wenn das jetzt schon eine üble Nachrede sein soll, dann weiß ich auch nicht: das war eher ein Hinweis zu meinem Schutz, dass mein Comment einigermaßen verständlich bleibt – was er so oder so aber wohl nicht ist.
    Wenn man mich nicht versteht ist das eine Sache, eine andere ist es mir Menschenverachtung, Gutheißen von realer Gewalt etc. vorzuwerfen – das Thema dieser Seite sind schließlich Videospiele.

  34. @Mars
    Mir geht es mit Pyri’s Texten ähnlich – deswegen ignoriere ich sie wenn ich meine nicht genug Zeit zu haben um mich an einer Entschlüsselung zu versuchen. Pyri hat in dem von dir monierten Satz soweit ich das verstehe kritisiert, dass du eine höhere Gewaltbereitschaft unterer Schichten als Fakt ansieht – bzw. bezweifelt, dass diese Aussage tatsächlich auf Tatsachen basiert, sondern vielmehr ein ideologisches Statement ist, was er als solches eben verachtet. Wie z.B. rassisstische Aussagen über die Arbeitsmoral von Ausländern. Das ist zugegebenermaßen auch hart, hät‘ ich aber noch ausgehalten. Wenn es dir gegen den Strich geht sag es ruhig, aber ich kann hier nicht den Aufpasser spielen. Wenn dir Pyri dumm kommt komm‘ ihm nicht dümmer, sondern ignorier ihn einfach.

    edit:

    @Pyri

    Mars hat ebenfalls nur den (von ihm missverstandenen, da von dir ungenau formulierten) Inhalt deines Postings als krank bezeichnest, wie du seine potentielle Ansicht über die Unterschicht als verachtenswert charaktersiert hast. Da gebt ihr euch beide nicht viel. Und ja – ich habe mir bei deinem Posting gedacht, dass du dich verschrieben hast, aber bei dem Schwierrigkeitsgrad deines Stils und angesichts des Umstands, dass Mars und Du recht unterschiedliche Auffassungen über viele Dinge habt, hat er es wohl nicht in Erwägung gezogen. Wie auch immer – ich finde, dass das langsam etwas zuviel Diskussion über ein Missverständnis ist.

  35. @Rey Alp
    Ich meinte nicht, dass ich „krank“ wäre – dass ich nicht gesund bin ist mir ohnehin klar und würde ich bei meinem Gesundheitszustand auch niemals behaupten – sondern schrieb ausdrücklich wieso mehrmals auf meinen akademischen Hintergrund verwiesen wurde. Aber anscheinend ist das schon zu schwierig gewesen um es zu verstehen.
    Die Sache hat sich wie mein Engagement hier für mich damit so oder so jedenfalls für allemal erledigt. Genug ist genug – so braucht Ihr mich auch nicht mehr ignorieren. Und keine Sorge wegen falscher Versprechungen: von mir lest Ihr hier schon nichts Neues mehr.

  36. @Alreech: Ich habe schonmal klar gemacht, dass Armut und Perspektivlosigkeit zwei Gründe von vielen sein können (zudem kann ein Mensch materiell gut ausgestattet sein, aber dennoch subjektiv an Perspektivlosigkeit leiden, z. B. wegen einer Depression). Wobei ich in den Amokläufen eher die Symptome einer Gesellschaft sehe, die um das goldene Kalb der Leistung und des Egoismus tanzt. Leistungsdruck bereits in der Schule; wenn die Eltern ebenfalls unter solchem Druck im Beruf stehen geht vllt. eine Vernachlässigung des Kindes einher (auch wenn es ihm materiell noch so gut gehen mag); hinzu kommen die schwierigen und komplizierten sozialen Verhältnisse in vielen Schulen: Ausgrenzung, Mobbing usw.: kommt das alles bei einer Person zusammen, die zudem aus irgendwelchen Gründen psychisch instabil ist, wird es gefährlich.

    Einen Amoklauf als politisch zu bezeichnen, setzt eine großzügige Definition des Begriffs „Politik“ voraus, die aber im alltäglichen Diskurs eher ungewöhnlich ist. Solch eine Definition ginge dann in die Richtung, dass alle Handlungen im öffentlichen Raum, politisch sind. Ein Amokläufer mag in seinen Abschiedsschreiben auf gesellschaftliche Bedingungen hinweisen, die ihn zu seiner Tat getrieben haben, aber er verfolgt ja mit seiner Tat kein politisches Ziel (eher mediale Glorifizierung), wie dies eine terroristische Vereinigung tut (in diesem Sinne kann auch ein Selbstmordattentäter ein politisches Ziel verfolgen, eben als Mitglied einer Terrororganisation).

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