„Tipps für die Presse“ überarbeitet

Um es Journalisten zu erleichtern die Berichterstattung über Videospiele etwas ausgewogener zu gestalten, sammeln wir auf der Seite „Tipps für die Presse“ einige Hinweise zu vermeidbaren Fehlern. Während dabei ursprünglich überwiegend Hintergründe dargestellt wurden, waren Abschnitte zu konkreten Falschinformationen etwas mager ausgefallen. Der Text ist nun überarbeitet und damit hoffentlich etwas übersichtlicher, präziser und auch mit ausreichenden Quellenangaben ausgestattet. Vorallem sollte sich nun auch die Tiefe der Erläuterungen an der Relevanz der Punkte orientieren. Über Kritik und Verbesserungsvorschläge würden wir uns natürlich nichtsdestotrotz weiterhin freuen.

Tipps für die Presse

Ein Umstand, der während der Überarbeitung überraschte: Auch wenn SPON Artikel normalerweile transparent korrigiert – wie z.B. hier bei einem Artikel über die griechische Finanzkrise, ist dies bei „Killerspielen“ offenbar nicht immer der Fall. Zum „negativen“ hin konnten wir eine Berichtigung finden, doch Artikel, die Videospiele fälschlicherweise schlecht darstehen lassen, bleiben unangetastet.

So ist dort immer noch zu lesen, dass Tim K. den Vorabend der Tat mit „FarCry 2“ verbracht habe, es wird aus der Nutzung von Shootern durch Minderjährige ein Defizit des Jugendschutzes gefolgert, man spekuliert weiterhin darüber, ob „Counter-Strike“ das Lieblingsspiel von Steinhäuser gewesen ist, bezeichnet den Täter von Emsdetten als fanatischen „Counter-Strike“-Spieler und es werden mehr oder weniger konkret die Ursprünge von Shootern beim Militär sowie die Nutzung zur Desensibilisierung vermutet. Bezüglich der letzten Punkten ist man zwar offiziell in dem Glauben über Quellen zu verfügen, die Grossman zugeschriebene Äußerungen abdecken, doch zumindest Christian Stöcker bezeichnet diese Zusammenhänge als „nachweislich erfunden„. In einem anderen Artikel weist er ferner darauf hin, dass nach der mit der Aufarbeitung des Amoklaufs von Erfurt betrauten Untersuchungskommission „Counter-Strike“ kein Dauerbrenner von Steinhäuser war.

Pluralität finde ich im Grunde ja gut und es ist auch äußerst sympathisch, wenn ein Verlag den Redakteueren bei Artikeln nicht reinredet… Aber ab einen gewissen Punkt wird es dann doch etwas verwirrend: Meinungsvielfalt gerne, aber kann man sich beim Spiegel jetzt auch noch die einem passende Wahrheit aussuchen? Dass einige der Artikel nicht mehr taufrisch sind mag stimmen, doch insbesondere dann, wenn das Archiv der Öffentlichkeit zugänglich ist und von dieser wohl auch für Recherchen genutzt wird, könnte auch bei älteren Artikeln ein Hinweis auf mittlerweile entdeckte Fehler hilfreich sein.

9 Gedanken zu “„Tipps für die Presse“ überarbeitet

  1. Sehr gute und viele Bereiche abdeckender Überblick, der mir gut gefällt. Beim Lesen sind mir zwei Sachen aufgefallen, die fachfremde Leser verwirren könnte.
    1. (Formulierung):
    „‚Ego-Shooter‘ sind Spiele, in denen die Kamera aus der „Ich“(=Ego)-Perspektive, der des Protagonisten, gesteuert wird und der Inhalt maßgeblich kämpferischer Natur ist.“
    Habe mich dabei gefragt, ob Presse-Leute wissen, was hier a) mit „Kamera“ gemeint ist und b) ob klar ist, dass nicht NUR die Kamera gesteuert wird, sondern auch die Bewegungen und Handlungen der Spielfigur. Würde den Satz ändern in:
    „In „Ego-Shootern“ wird das Geschehen durch die „Augen“ einer bestimmten Spielfigur erlebt, also aus der „Ich“(=Ego)-Perspektive. Typisch für dieses Spielgenre sind kampfbetonte Szenarien, in die der Spieler als handelndes Subjekt eingebunden ist.“
    .
    2. Lesbarkeit
    Ich habe mich beim Lesen oft dabei ertappt, dass ich einen Moment suchen musste, wo der Satz weitergeht, wenn er von (längeren) Quellenangaben unterbrochen wurde. Hier würde ich vorschlagen Fußnoten unter dem jeweiligen Absatz anzulegen und im Text einen entsprechenden Verweis einzufügen. So blieben die Quellenangeben vorhanden und die Sätze wären auch für Nichtwissenschaftler leicht lesbar.

  2. Ich bin etwas über den Satz „Es ist somit mitnichten der Fall, dass Ego-Shooter auf militärische Trainingsprogramme zurückzuführen seien beziehungsweise deren Vorläufer darstellen würden, sondern das Gegenteil trifft zu.“ gestolpert.(8.Verwechslung mit der RealitätLetzter Satz)
    Die Bedeutung von „deren“ ist meiner Meinung nach nicht eindeutig erkennbar. Damit könnten sowohl die Trainingsprogramme als auch die Ego-Shooter gemeint sein.(Aus dem Kontext ist es ersichtlich, aber diese Hilfestellung soll ja kein herumdeuten erfordern)
    Ich würde einfach eins weg lassen oder als beispiel für das Gegenteil verwenden, zb: „Es ist somit mitnichten der Fall, dass militärische Trainingsprogramme Vorläufer von Ego-Shootern darstellen, sondern das Gegenteil trifft zu, einige militärische Trainingsprogramme sind auf Ego-Shooter zurückzuführen.“

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  4. „Killerspiel:

    Dysphemismus wie seinerzeit “Negermusik” für Blues und Jazz.“

    Ich finde den Vergleich etwas unangemessen, da hinter dem Begriff „Negermusik“ ein Menschenbild und eine Zeitgeschichte steht, deren Gleichsetzung mit „Killerspielen“ recht anmaßend ist meiner Meinung nach.

    MfG, Hejoba
    (Aber natürlich, großes lob für die Mühen!)

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