„Postal 3“ – Releaseparty in Köln

(pc games via vdvc) In Deutschland bemüht sich die Politk um die Förderung von „pädagogisch und kulturell“ wertvollen Videospiele um den Absatz von gesellschaftlich unerwünschten Titeln zu schmälern, weshalb unter anderem der „Deutsche Computerspielpreis“ initiiert wurde. International wird man damit jedoch kaum einen Effekt erzielen, was nun das Entwicklerstudio „Running with Scissors“ demonstriert.

Der First-Person-Shooter „Postal 2“, sinngemäß übersetzt „Amoklauf 2“, stellte bereits in der Vergangenheit den Albtraum eines jeden Jugendschützers dar. Obwohl es möglich ist das Spiel ohne auch nur einen virtuellen Mord verübt zu haben zu beenden, werden dem Spieler andere Lösungsstrategien nahegelegt. Es ist daher wenig überraschend, dass das Spiel auf dem Index gelandet ist und ein Addon von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) sogar als gewaltverherrlichend und somit als verboten eingeschätzt wurde. 

Diese Spieleserie wird nun um einen Nachfolger, „Postal 3“, reicher, der demnächst erscheint. Es dürfte angenommen werden können, dass der Inhalt sich an dem des Vorgänger orientiert und daher die Kennzeichnung ausscheidet. Der offene Verkauf des Spiels dürfte wahrscheinlich auch ohne eine Indizierung durch die BPjM verboten sein, da gewaltbeherrschte bzw. offensichtliche jugendgefährdende Spiele auch ohne Listeneintragung bestimmten Beschränkungen unterliegen.

Ausgerechnet bei diesem Spiel, das indiziert oder sogar verboten werden dürfte, wird die „Release-Party“ in Deutschland stattfinden. Nach Vince Desi, dem Chef von „Running with Scissors“, hat man Köln als Ort ausgewählt, an dem der Titel vorgestellt werden wird. Das Jugendschutzgesetz verbietet jedoch eine öffentliche Ankündigung oder Anpreisung von schwer jugendgefährdenden Medien, so dass es wohl auf eine geschlossene Veranstaltung hinaus laufen wird. Bedenklicher sieht es bei einem Fan aus, der mit einem „Postal 3“-Logo an seinem Wagen durch Deutschland kurvt. So dürfte die Sorge von „Running with Scissors“, dass die Aktion nicht ganz legal sein könnte, angesichts der gesetzlichen Vorschriften durchaus berechtigt sein: 

„Trägermedien, deren Aufnahme […] bekannt gemacht ist, dürfen nicht […] öffentlich […] angekündigt oder angepriesen werden […]. Den Beschränkungen des Absatzes 1 unterliegen, ohne dass es einer Aufnahme in die Liste und einer Bekanntmachung bedarf, schwer jugendgefährdende Trägermedien, die […] besonders realistische, grausame und reißerische Darstellungen selbstzweckhafter Gewalt beinhalten, die das Geschehen beherrschen […].“

9 Gedanken zu “„Postal 3“ – Releaseparty in Köln

  1. Nach dem ganzen Gameplaymaterial ist meine Freude auf das Spiel doch sehr begrenzt, sah auch alles nicht so „extrem“ aus wie der teils doch recht spaßige vorgänger, kann mir also kaum vorstellen dass das Spiel Beschlagnahmt wird und solange die Veranstaltung keinen Zutritt für Minderjährige zulässt, sollte das doch eigentlich okay sein, oder?

  2. @thanatos
    Ohne da jetzt Experte zu sein: Afaik schon, wobei das auch nicht einsehbar sein dürfte. Müsste also wohl nach außen komplet abgeschottet sein und nach draußen dürfte keinerlei Werbung (Logos, Banner, Plakate) erkennbar sein.

  3. Hat Capcom auf der letzten gamescom nicht Dead Rising 2: Off The Record gezeigt? Das müsste dann doch auch so eine geschlossene Veranstaltung gewesen sein.

  4. Ich denke ein Medium kann vor erscheinen gar nicht indiziert oder beschlagnahmt werden? Zumal solche Maßnahmen sich doch auf den Datenträger beziehen.
    Falls die BPjM also Postal 3 nicht schon am Releasetag blitzindiziert könnte das klar gehen.

  5. @Hybris
    – Neben der Indizierung durch die BPjM bei „nur“ jugendgefährdenden Medien gibt es bei schwer jugendgefährdenden Medien auch die automatische Indizierung kraft Gesetzes. Die sind dann ohne Entscheidung der BPjM genauso wie in die Liste eingetragene Medien zu behandeln.
    – Beschlagnahme (allgemeine Einziehung der Datenträger) geht erst nach einer gerichtlichen Entscheidung, Verbote (die Menschen können für die Verbreitung der Datenträger bestraft werden) greifen aber schon vorher kraft Gesetzes. Im 131 StGB steht ja auch nichts von Beschlagnahme oder gerichtlichen Entscheidungen drinnen.

  6. Dass weiß man nicht – wenn man dann verurteilt wird, weil es indiziert/verboten war, hat man Pech, wenn sich herausstellt, dass es das nicht ist, hat man Glück.

  7. @Yoshi: Vermutlich zum Release am 10. Dezember, wo genau kann ich dir aber nicht sagen, wirst dich wohl in den nächsten Wochen selbst mal etwas umhören müssen, kannst ja mal jemanden von Running with Scissors anschreiben ^^

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *