ESA nutzt „Counter-Strike“

(reuters) Bei Raumschiff-Besatzungen auch während längerer Flüge ein sozialverträgliches Miteinander zu gewährleisten ist ein Problem, das bei einer Reihe von Projekten eine Rolle spielt. So kam es beispielsweise bei dem „SFINCSS-99“-Projekt zu einer Schlägerei, während sich bei der „Biosphere 2“ die Gruppe in zwei Lager zerstritt. Beim „Mars-500“-Projekt wurde nun eine überraschende Lösung gefunden: Um Agressionen zu verhindern und Spannungen abzubauen griffen die Weltraumagenturen ESA und Roskosmos auf den First-Person-Shooter „Counter-Strike“ zurück: Die sechsköpfige Crew trat in 3er-Teams gegeneinander an, wobei drei Russen gegen zwei Europäer und einen Chinesen spielten:

„The all-male crew of a mock spaceship played a video action game to cool down when tensions rose during a 17-month isolation study simulating a voyage to Mars.“

Offenbar mit Erfolg:

„We are family members, we built a very close, solid relationship, we trust each other.“

9 Gedanken zu “ESA nutzt „Counter-Strike“

  1. Und da haben wir wieder die Katharsistheorie, Emotionen verarbeiten durch Ausleben, mit den Spielen als ungefährliches Ventil. Warum kriegen wir das nicht in die Medien?

    Mit verbotenen Spielen müssten die Leute wieder dazu übergehen, sich stattdessen im RL zu fetzen.

  2. Ich sehe schon die Bilder der Marslandung vor mir! Die Landefähre ist punktgenau auf der Marsoberfläche angekommen, die Luke öffnet sich, alle wundern sich warum niemand aussteigt. Die Menschheit fragt sich wo sind unsere kosmische Astronauten geblieben? Sitzen alle im Raumschiff und zocken CS….

  3. @Icarus
    Ich glaube nicht, dass zocken viel mit der Katharsistheorie zu tun hat. Ich für mich sehe Online-Shooter nicht als Weg um mich „abzureagieren“, sondern um gemeinsam mit anderen Spaß zu haben und etwas Zerstreuung zu finden. Als Eskapismus würde ich es jedoch nicht bezeichnen, da ich Video- wie Brettspiele als Teil meiner Lebenswirklichkeit betrachte und natürlich auch gemeinsam mit Freunden nutze. Katharsis scheitert für mich also schon daran, dass ich Online-Shooter nicht als Gewalt begreife und daher auch nicht durch Gewalt in Shootern bekämpfen kann.

  4. @Rey Alp:

    Nie die Neigung gehabt, nach einem Streit mal „Dampf abzulassen“, auf einen Sandsack einzuhauen, oder joggen zu gehen? Dabei stellt man sich auch nicht vor, der Sandsack oder der Boden wäre eine Person, die man fertig machen will. Psychologisches Anti-Aggressionstraining arbeitet auch gelegentlich damit, Leuten imaginär etwas anzutun, um sich zu beruhigen.

    Und ich gehe schon davon aus, dass das für viele Leute funktioniert. Mag aber sein, dass Online-Shooter mit Teams dafür nicht der geeignete Ort sind, und es hier eher der soziale Umgang miteinander gewesen ist.

  5. @Icarus
    Sich aufzuregen finde ich allgemein zu anstrengend – ich meist eher enttäuscht als wütend. Und abgesehen davon streite ich mich nur selten. Privat dürfte seit drei Wochen die einzige Meinungsunterschied in meinem Freundeskreis sein, ob wir in Hearts of Iron 2 die Schweiz vor oder nach der Sowjetunion annektieren, von einem Streit ist das aber weit weg. Abseits von meinen Privatangelegenheiten sind Dinge wie die abgelehnte Petition natürlich ärgerlich, aber da hilft es auch nicht sich künstlich aufzuregen, weshalb ich das sein lasse.

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