First-Person-Shooter als Schießtraining?

(regine-pfeiffer.de) In ihrem Blog hat sich die Pädagogin Regine Pfeiffer mit den Äußerungen Breiviks auseinandergesetzt, First-Person-Shooter würden als ein annehmbares Schießtraining nutzbar sein. Ich kann ihr dahingehend zustimmen, dass die Medien diesen Umstand nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt haben: Stattdessen wurde der Anschein erweckt Breivik habe sich mit den Spielen desensibilisieren wollen. Darüber hinaus vermisst sie offenbar auch bei Spielern eine gewisse Sensibilität für die Thematik. Dem Einwand der Gamer, „Mausschubsen“ könne nicht das „Einüben mechanischer Fähigkeiten“ beim Schießen ersetzen, weist sie zurück, da es darauf nicht ankäme:

Es gehe um das Einüben von Auge-Hand-Koordination. Diese würden auch Gamer nicht leugnen können. So wäre auch angesichts von Studien, die Actionspiele nutzenden Chirurgen weniger Fehler bei Operationen attestierten, niemand die Idee gekommen, zu sagen: „Den Umgang mit den Skalpell lernt man nicht mit Mausschubsen.“. Für Frau Pfeiffer hole ich dies gerne nach: Den Umgang mit dem Skalpell lernt man nicht mit Mausschubsen! Es ist schlicht und einfach die Hand-Auge Koordination – dabei könnte man es auch belassen. Könnte man.

Doch anlässlich verschiedener Gewalttaten werden Politiker und Wissenschaftler nicht müde zu betonen, dass First-Person-Shooter (FPS) Handhabung und Einsatz von Schusswaffen trainieren würden, obwohl am heimischen PC lediglich Tastatur und Maus zur Eingabe genutzt werden. Die dem Mausschubsen zugeschriebenen Trainingseffekte sind dabei beachtlich: Während der Facharzt für Psychiatrie Lutz-Ulrich Besser zu bedenken gibt, dass man wegen FPS „inzwischen von einem Heer gut trainierter jugendlicher Scharfschützen umgeben“ sei, kommt der mit der Aufarbeitung des Amoklaufs von Winnenden beauftragte Expertenkreis Amok zu dem Ergebnis, dass mit Videospiele wie „Counter-Strike an der Spitze, […] das Schießtraining geübt” werde:

“Man muss nicht im Schützenverein und auf dem Schießplatz sein, sondern man kann an Computerspielen […] die Treffsicherheit üben […].“

Hierdurch wird impliziert, dass in Videospielen das geübt werden könne, was eigentlich exklusiv auf dem Schießplatz bzw. nur mit einer realen Waffe trainiert werden kann. Hierzu gehört neben der Gewöhnung an die Eigenarten der Waffe (Rückstoß, etc.) auch der Erwerb der Fähigkeiten, die das Zielen und Schießen mit einer Waffe betreffen. Also Bedienung, Haltung, Bestimmung des Vorhaltepunkts etc. pp. Es wird also der Anschein erweckt, dass FPS durch die virtuelle Darstellung von Schusswaffen Erfahrungen vermitteln könnten, die man eigentlich auf dem Schießplatz erwerben müsste und das reale Schießtraining soweit ersetzen könnten.

Soweit gehen jedoch nicht alle Personen, die FPS mit Schießtraining in Verbindung bringen. So betont die Pädagogin Regine Pfeiffer, dass „es […] nicht um den Umgang mit der Waffe“ gehe. Worum soll es aber bei dem Schusstraining dann gehen, wenn nicht um den Umgang mit der Waffe? An dieser Stelle möchte ich auf die Zeitschrift Polizei & Wissenschaft zurückgreifen, bei der die nötige Kompetenz vorhanden sein dürfte, um die Tauglichkeit von Videospielen zum Schusstraining zu beurteilen (Bösche/Geserich, Nutzen und Risiken von Gewaltcomputerspielen, Polizei & Wissenschaft 1/2007, S. 45 – 66.).

Hier verweist man darauf, dass mit dem militärischen Schießsimulator AGSHP durchaus Erfolge erzielt wurden konnten: So wurde festgestellt, dass „der Munitionsverbrauch in der Allgemeinen Grundausbildung um etwa 75% sinkt“ (S. 49). Nach den Auskünften meiner Freunde, denen der Staat unbedingt das Schießen beibringen wollte, werden Schießkinos in der Allgemeinen Grundausbildung der Bundeswehr des Weiteren eingesetzt, um Haltungsfehler zu ermitteln. Gegenüber der Videospielfachmagazin GameStar skizzierte ein Ausbilder der Bundeswehr das Einsatzspektrum von Simulationen wie folgt:

„Die Übungen sind für Gruppen ausgelegt, nicht für Einzelkämpfer. […] In Schießkinos übt man »Procedures«, also standardisierte militärische Vorgehensweisen und die dazugehörige Kommunikation innerhalb des Teams.“

Glücklicherweise werden jedoch auch in der Polizei & Wissenschaft professionelle militärische Simulationen wie dem AGSHP, bei denen Soldaten mit Nachbildungen von Waffen oder modifizierten echten Waffen trainieren, nicht mit handelsüblichen Videospielen gleichgesetzt. Zu diesen, als Gewaltcomputerspiele (GCS) bezeichneten Titeln, finden sich eine Reihe interessanter Ausführungen.

Schon einleitend wird betont, dass entgegen der eine realitätsnähe versprechenden Werbung, doch deutliche Unterschiede zwischen Realität und Virtualität bleiben. So würden typischerweise bereits solche Aspekte bei der Simulation „ausgespart oder anders dargestellt, die entweder programmier- oder gerätetechnisch schwer darstellbar sind, oder die dem einfachen Spielspaß entgegenstehen“. Als Beispiel für unkorrekte Darstellungen wird unter anderem das automatische Durchladen der Waffe in „Counter-Strike“ (CS) genannt, das unabhängig davon erfolgt, ob nun eine Patrone im Lauf ist, oder nicht und auch mechanisch falsch durchgeführt wird: Die Patronen im Magazin werden von dem Vorgang nicht beeinflusst. Bei der M4 sei der Durchladevorgang im Übrigen auch „technisch falsch dargestellt“ – Es werde ein Knopf herausgezogen, der real nur hereingedrückt werden könne. Für den Spieler ist dies jedoch ohnehin irrelevant, da er ja gar nicht die Möglichkeit hat an einer Waffe herumzuhantieren, sondern mit Maus und Tastatur Vorlieb nehmen muss. So erschöpft sich das Durchführen von Nachladevorgängen und der Beseitigung von Ladehemmungen in „dem Drücken einer Taste“ (S. 49 f.). Andere Vorgänge, wie beispielsweise das Entsichern der Waffen, werden dagegen weder visuell noch sonst spielerisch dargestellt. Das Zielen mit der Waffe verkommt in FPS wie CS ebenfalls zu einem „Minispiel“: Anstatt den Lauf der Waffe hinsichtlich sämtlicher Achsen ausrichten zu müssen, entspricht das Prinzip dem aus „Der Moorhuhnjagd“ bekannten Prinzip:

„Der Zielvorgang selber ist in beiden Spielen eine zweidimensionale (2D-) Aufgabe: Mit der Computermaus muss durch Hin- und Her-sowie Auf und Abschieben auf der Mausmatte das Ziel ins Zielkreuz bzw. auf das Korn gebracht werden. Die in AA [Anm.: America’s Army] vorhandene Kimme wird dabei automatisch mitausgerichtet.“

Auch sonst ist der Zielvorgang nur bedingt mit der Realität vergleichbar: So „steht bei den meisten Waffen ein eingeblendetes, immer identisches Zielkreuz, zur Verfügung […]“. Im Übrigen ist „in CS [..] der Flug eines Projektils immer eine Gerade, unabhängig von Schwerkraft oder durchschossenen Hindernissen“. Angesichts auch abseits von Schusswaffen anzutreffender Eigenarten, wie dass es z.B. in CS genügt in knöcheltiefes Wasser zu springen, um einen Sturz aus beliebiger Höhe zu überstehen, oder dass Granaten ihre Wirkung unabhängig von Mauern oder anderen Hindernissen entfalten, kommt man in dem Artikel für die übliche kommerziellen Videospiele zu einem eindeutigen Fazit:

„Zusammenfassend stellen sich in beliebten GCS also reale Vorgänge zum einen stark in den Möglichkeiten eingeschränkt und zum anderen vereinfacht oder nahezu grotesk verzerrt dar.“ (S. 52)

Von daher bestünde bei derartigen Spielen die Gefahr, dass sich bei den Nutzern „unangemessene mentale Modelle“ von Waffen und deren Einsatzmöglichkeiten bilden – Der Artikel untersucht, ob sich FPS zur Ergänzung des Trainings für Polizisten eigenen, weshalb hier der Erwerb von Fertigkeiten erwünscht ist.

Daneben würde es aber auch Videospiele geben, die sich um die realitätsnahe Simulation einiger Aspekte bemühen. Als Vertreter solcher Spiele wird „Operation Flashpoint“ genannt, bei dem bei der Simulationen von Projektilen unter anderem die Ballistik berücksichtigt wird. Darüber hinaus werden „Weiterentwicklungen dieses Spiels für militärische und polizeiliche Übungszwecke“ angeboten. Als Vorteile des Programms werden jedoch ausschließlich Punkte genannt, die mit Schießübungen nichts zu tun haben (S. 53):

– Die kostengünstig und risikoarm realisierbaren Lernumgebungen für z.B. kognitive Fertigkeiten wie logische Denkprozesse und Fällen von Entscheidungen.
– Kennenlernen des Zielgebietes.
– Missionsplanung und -nachbesprechung.
– Strategie.
– Koordination und Kommunikation.

Was das Training tatsächlich bringt, sei nur schwer zu beziffern: So lägen kontrollierte Studien größeren Umfangs zum Erwerb und Transfer militärisch relevanter Fertigkeiten in speziell dafür produzierten FPS noch nicht vor. Auch gäbe es keine „experimentelle oder korrelative Untersuchungen der Transferierbarkeit von alleinigem Training mit GCS, wie es z.B. bei privatem Konsum der Fall ist, auf Schießleistungen und Taktik“. (S. 50). Hinsichtlich taktischer Komponenten wird ausgeführt:

„Erste Pilotstudien geben Hinweise, dass Basisfertigkeiten innerhalb eines einwöchigen Trainings erlernbar sind, aber kognitive Fertigkeiten höherer Ordnung wie Kommunikation und Teamwork innerhalb dieser Zeitspanne schlecht vermittelt werden können (Morrison, Barlow, Bethel & Clothier, 2005).“ (S. 53)

In dem Artikel findet sich auch eine etwas seltsam anmutende Aussage: Ein kommerzieller sowie unrealistischer FPS mit Maus und Tastatur könne beinahe so brauchbar wie „das militärische Ausbildungswerkzeug“ sein, das sich „nur noch an zusätzlicher Hardware […], die Maus und Tastatur […] durch Nachbildungen der real zu bedienenden Geräte“ ersetze, von der zivilen Variante unterscheide: Vorausgesetzt man würde „die […] unrealistischen Darstellungen und Vereinfachungen vermeiden“ und „unter Verwendung geeigneter zusätzlicher Hardware und begleitendem realen Schusswaffentraining […]“ üben (S. 54). Mit anderen Worten: Wenn FPS keine Unterhaltungsprodukte, sondern militärische Simulationen wären, könnte man sie eventuell zu militärischen Zwecken bzw. bei der Ausbildung der Polizei ergänzend verwenden. Dies ist jedoch gerade nicht der Fall, weshalb die Argumentation etwas von von hinten durch die Brust ins Auge hat. Andererseits ist bei der Verwendung von FPS damit zu rechnen, dass die Nutzer, wie es „bei Anfängern in der Schießausbildung […] häufig zu beobachten“ ist, „ungeeignete Haltungen einnehmen und ungeeignete Bewegungsabfolgen produzieren“ (S. 54).

Darüber hinaus ergeben sich problematische Effekte bei der Nutzung von FPS als Schießtraining nicht nur daraus, dass die Spieler keine Waffe in den Händen halten, sondern auch aus dem Umstand, dass diese vor einem Bildschirm sitzen:

Auch unterscheidet sich die visuelle Darstellung in GCS erheblich von dem, was man bei Betrachtung realer Szenen mit den Augen sieht: Die exklusiv im Nahbereich wirksamen Tiefen- und Rauminformationen gehen durch eine 2D Abbildung […] komplett verloren oder widersprechen der dargestellten 3D-Vorlage. […] Während Tiefenhinweise […] ebenso wie bei realer Betrachtung eines Objektes vorhanden sind, gehen die okkulomotorischen und […] stereoskopischen Tiefenhinweise verloren. […] Für das bei der Hessischen Polizei verwendete Deutschießen ergibt sich […] eine bedeutende Rolle dieser Tiefenhinweise, die in einem Simulatortraining nicht darstellbar sind.“ (S. 55)

In Bezug auf das Schießen ergibt sich hinsichtlich der Effekte von Videospielen somit das folgende Bild:

Negativ:

– „Unangemessene mentale Modelle“ von Waffen bzw. deren Gebrauch.
– Neigung „ungeeignete Haltungen einnehmen und ungeeignete Bewegungsabfolgen produzieren“.
– „Tiefen- und Rauminformationen gehen durch eine 2D Abbildung […] komplett verloren oder widersprechen der dargestellten 3D-Vorlage.“

Positiv:

– Schnelle visuelle Objekterkennung und räumlich verteilte Aufmerksamkeit.
– Drastische Verbesserung visuomotorische Fertigkeiten (Hand-Auge-Koordination, Reaktionszeiten).

Bei der Zusammenfassung wird der Schwerpunkt dann jedoch weniger auf diese Punkte, sondern auf taktische Aspekte gelegt: Durch FPS könne „ein militärisch relevantes Verhaltenspotential erworben“ werden. Um den schädlichen Effekten entgegenzuwirken sei aber die „Verwendung geeigneter zusätzlicher Hardware“ sowie die Begleitung durch ein zusätzliches reales Schusswaffentraining zu empfehlen (S. 54). In Hinblick auf den Amoklauf von Erfurt findet sich schließlich eine Formulierung, welche die Ergebnisse etwas verkürzt wiedergibt:

Weiterhin liegt durch bisherige Forschung nahe, dass der Täter mit dem Spielen von Egoshootern seine Trefferleistung mit der Pistole weiterverbessert haben könnte.“ (S. 63)

Schließlich kann nach den Autoren durch Videospiele an sich gerade nicht die Handhabung der Waffe trainiert werden, insoweit seien sie sogar kontraproduktiv, sondern allein kognitive Fähigkeiten werden allgemein trainiert. So werden FPS schließlich auch nur als „begleitende Trainingsmaßnahme“ (S. 53) in Erwägung gezogen um die sich „überlappende Fertigkeiten“ – womit wohl unter anderem die Hand-Auge-Koordination gemeint ist – zu verbessern. Bei Versuchen hätten sich hierbei auch erste Erfolge eingestellt:

Dieser Behauptung zum Trotz zeigt eine experimentelle Untersuchung, dass wenn begleitend zu einem regulären Schießtraining mit Faustfeuerwaffen zugleich virtuelles Schießen in GCS erfolgt, sich dadurch die realen Schießleistungen von Polizeiberufsanfängern verbessern (Hermanutz, Spöcker, Gnam & Neher, 2002).“ (S. 50)

Des Weiteren wird für möglich gehalten, dass „auch die unbeabsichtigte Schussabgabe durch GCS reduzierbar sein“ könnte, da „GCS als Desensitierrungstraining zur Verringerung von Stressreaktionen auf aggressive Reize und aggressive Situationen nutzbar“ sein könnten.

Was somit eigentlich bleibt ist die Erkenntnis, dass eine verbesserte Hand-Auge-Koordination der Zielgenauigkeit, auch wenn sie durch Videospiele erworben wird, beim Schusstraining nicht abträglich ist. Die Neigung mancher Personen in Stellungnahmen die Erwähnung des Zwischenschritts, dass FPS kein Schießtraining darstellen, ersetzen oder auch nur trainieren, sondern lediglich allgemein auch beim Schusstraining gefragte Fähigkeiten, wie die Hand-Auge-Koordination, verbessern, auszusparen, ist insoweit irreführend:

– So wird durch solche Formulierungen ein falscher Zusammenhang impliziert. Der Effekt ist nämlich nicht auf den scheinbaren Realismus der Spiele, sondern allein auf die realitätsfernen spielerischen Anforderungen zurückzuführen, die nicht nur der Reaktionsgeschwindigkeit, sondern auch der Hand-Auge-Koordination zuträglich sind. Der Gebrauch von Waffen ist dagegen weitgehend „vereinfacht oder nahezu grotesk verzerrt“ darstellt, so dass sich waffenspezifische Fähigkeiten nicht trainieren lassen: Im Gegenteil: Es werden „unangemessene mentale Modelle“ von Waffen und „ungeeignete Haltungen“ vermittelt. Entgegen der durch die Aussage nahegelegten Vermutung können FPS somit nicht wegen, sondern trotz der Darstellung virtueller Waffen die Zielgenauigkeit beim Schießtraining verbessern.

– Des Weiteren wird durch die Formulierung der Blick darauf verstellt, dass eine durch Videospiele allgemein verbesserte Hand-Auge-Koordination, eine verbesserte Reaktionsgeschwindigkeit und ein abgeklärteres Verhalten in Stresssituationen nicht nur eine erhöhte Zielgenauigkeit begünstigt. So wurde beispielsweise in einer Studie festgestellt, dass sich die Nutzung von FPS auch in der laparoskopischen Chirurgie positiv auswirkt: Chirurgen, die Actionspiele nutzen, operierten 24 % schneller als ihre nicht spielenden Kollegen und machten darüber hinaus auch noch 32 % weniger Fehler.

– Schließlich ist auch die Gegenüberstellung von FPS und realem Schießtraining willkürlich. Bzw. sie wäre es, wenn nicht hierdurch ein unzutreffender Eindruck über den Ursprung des Effekts vermittelt werden sollte, um das Genre in Misskredit zu bringen. Wie bereits festgestellt erschöpft sich die Wirkung von FPS hinsichtlich der Zielgenauigkeit weitgehend in der verbesserten Hand-Auge-Koordination. Fairerweise müsste man mit der gleichen Inbrunst, mit der FPS als Schießtraining dargestellt werden, auch Jonglieren, Tischtennis oder Klavierspielen als Schießtraining bezeichnen, da hierdurch ebenfalls die Visuomotorik verbessert wird. Tischtennis war übrigens ein Hobby des Täters von Winnenden, eine Verbesserung der Treffsicherheit wurde vom Expertenkreis jedoch allein an den FPS festgemacht.

 

27 Gedanken zu “First-Person-Shooter als Schießtraining?

  1. Es ist spät, deswegen in Kürze: Man muss doch gar nicht absprechen, dass Auge-Hand-Koordination durch Videospiele eingeübt wird. Es reicht doch schon, darauf hinzuweisen, dass dieser Effekt nicht allein von „Killerspielen“ erzielt wird. Jedes Videospiel sollte potenziell diesen Effekt erreichen können. Schließlich setzen sie eine solche Fähigkeit voraus. Wie wahrscheinlich aber auch viele Sportarten, Freizeitbeschäftigungen und andere Aktivitäten auch. Frau Pfeiffer macht in meinen Augen einen argumentativ nicht schlüssigen Rückzug, der ihr Argument dadurch schon gehörig ins Wanken bringt. Nebenbei bemerkt, sie kauft Breiviks Worte gänzlich ab. Selbst wenn er glaubte, sich durch Spiele schulen zu können, folgt daraus logisch nicht, dass er dieses Ziel erreicht hat. Noch wichtiger aber ist aus meiner Sicht, wie wenig Beachtung Frau Pfeiffer den Worten Breiviks in denselben Zitaten folgt, wo er explizit anspricht, dass MW2 auch nur eine Behelfslösung sei. Er ziehe noch immer direkte Schieß- und Zielübungen mit Waffen vor, sofern es sich realisieren ließe. Auch hier gilt natürlich nicht sofort, dass Schützenvereine aus dem alleinigen Grund abzulehnen seien, dass Menschen mit dem Ziel an sie herantreten, sie klammheimlich für ihre Zwecke zu nutzen. Das ist aber schon weit weg bon dem, was Frau Pfeiffer da impliziert. Und dennoch: Wichtig ist, dass Breivik die Tötungsabsicht schon hatte und erst mit diesem Ziel zu MW2 kam, das übersieht sie. MW2 hat diese Absicht nicht gemildert, ihn nicht sensibilisiert. Aber niemand hat behauptet, MW2 könne das. Und selbst wenn es keine Spiele gegeben hätte, es keine weiteren wie auch immer gearteten Möglichkeiten zur mutwilligen Desensibilisierung gegeben hätte; niemand kann sagen, Breivik hätte in seinem Verhalten nicht die Desensibilisierung nicht spätestens dann dort vornehmen können, wofür selbst die ausgefeiltesten Spiele noch keinen gleichwertigen Ersatz darstellen: Seiner wahnhaften Fantasie. Auch die hätte ihm alle Bilder, alle Möglichkeiten und alle Absichten geliefert. Hat sie vermutlich sogar.

  2. Mich würde mal interessieren, ob die die Personen, die stets behaupten FPS spielen wäre ein auch nur im Ansatz fruchtbares Training für den Gebrauch echter Schusswaffen, je eine echte Waffe abgefeuert haben (z.B. im Zuge des Grundwehrdienstes). Ich glaube eher nicht. Selbst mit einer rückstoßfreien, leichten Luftpistole auf dem Rummelplatz auf 1,5 Meter Entfernung wird ein echter (Vereins-)Schütze stets um ein Vielfaches besser schießen als ein hardcore FPS Spieler. Dann stelle man sich gar noch Gewicht, Rückstoß und die oft unterschätzte Lautstärke einer scharfen Waffe dazu vor und merkt schnell, dass man mit Shootern rein gar nichts für den echten Einsatz solcher Waffen lernen kann. Genausowenig wie ich mit Wii-Sports-Resort den Umgang mit einem Shinai (Kendo-Bambus-Schwert) üben kann.
    Was räumliche Orientierung anbelangt bin ich auch nach über 20 Jahren Games zocken immer noch eine Niete in der realen Welt. Außerdem steigt zwar Hand-Auge-Koordination durch das Computerspielen merklich an, aber die ganzkörperliche Wahrnehmung und Koordination sinkt in gleichem Maße, wenn nicht zusätzlich Sport betrieben wird (und das ist eher eine Ausnahme). Schon mal mit der Schulter am Türrahmen hängen geblieben…? Ist ein generelles Problem bei Virtual Reality.
    Über den aktuellen Amoklauf eines Mädchens an einer Schule schreibt übrigens keiner, weil sie statt Schusswaffen einige Messer, eine Axt und zwei Benzinkanister benutzt hat. Was hat sie wohl am meisten gespielt? Angry Birds oder Farmville?

  3. Müsste angesichts des Training der Hand-Auge-Koordination Sport Stacking (dieses sportartige Becherstapeln) nicht erst recht „Amoklauftraining“ sein, weil es die Koordination zwischen Hand und Auge bzw. Reaktionsfähigkeit und Umweltwahrnehmung noch besser trainiert als jedes Videospiel? Oder Jonglage? Ich wette hier mit jedem um 100€ (auch mit Frau Pfeiffer), dass jeder Arzt, der vernünftig jonglieren kann, eine bessere Fehlerquote hat als ein Arzt, der das eben nicht kann.

  4. Die übliche Vermischung von Halbwahrheiten, waagen Formulierungen, Behauptungen ohne Quellenangaben oder Beweisen, und reisserischer Schreibweise. Wiedereinmal ein Testament der Ignoranz und Dummheit der Regine Pfeiffer.

  5. Dank des mittlerweilen hohen Alters von Frau Pfeiffer bleiben wir wohl früher oder später von ihrem geistigen Dünnschiß verschont.

  6. “Mausschubsen” könne nicht das “Einüben mechanischer Fähigkeiten”
    und wieder zeigt frau pfeiffer, dass sie weder von games noch von echter waffenphysik ahnung hat.
    ich kann noch so viele shooter spieler, noch so heftigere filme sehen wo man mir zeigt, wie ich mit einer waffe umgehe.
    aber dennoch bin ich dadurch kein meisterschütze.
    selbst wenn ich 200 stunden skyrim mit pfeil und bogen spiele, kann ich noch lange nicht damit in der realität umgehen wie ein wahrer profi.
    hat diese frau pfeiffer vielleicht auch einmal in erwägung gezogen, dass dieser breivik nur vorgegaugelt hat sich mit games trainiert zu haben, um so vielleicht ein milderes urteil erhaschen zu können?
    „oh lieber richter, ich war von den spielen so tief beeinflusst, dass ich für meine handlungen überhaupt nichts für kann“.
    regine pfeiffer zeigt das typische bild der pfeiffers!
    kaum passiert irgendwo etwas schlimmes und es wird ein spiel gefunden oder täter >sagt< er habe damit trainiert, sofort springen die pfeiffers auf den anti-games-zug auf und lassen alle anderen möglichkeiten, selbst die, dass sie auf gut deutsch verarscht werden, ausser acht.
    traurig traurig traurig

  7. @Roland_09: Das ging mir beim Lesen auch durch den Kopf. Sie baut definitiv die verbesserte Hand-Augen-Koordination als schädliche (im Sinne von Amokläufen förderliche) Nebenwirkung von Egoshootern auf. Der absurde Umkehrschluss, dass dadurch dann auch viele andere Tätigkeiten wie die meisten Sportarten, Puzzlespiele oder das Zeichnen an einem Grafiktablet als ähnlich schädlich angesehen werden müssten, wurde schon genannt. Wieder eine schöne Demonstration, wie monokausale und selektiv interpretierende Argumentationsmodelle auch heute noch das Denken der Pfeiffers und anderer Gaming-Kritiker bestimmen, obwohl sie ja angeblich schon lange über solche Diskussionsansätze hinaus sind.

    Zwei gesunde Augen sind übrigens auch förderlich für erfolgreiches Amoklaufen. Was nun? Sollen wir Brillen verbieten oder uns alle die Augen ausstechen?

  8. Danke für die ausführliche Ausarbeitung, ich finds einen sehr guten Artikel! Nur eins ist mir aufgefallen: ungefähr in der Mitte wird folgendes Zitat gebracht: „„Das militärische Ausbildungswerkzeug“ (gemeint sind Schießkinos wie AGSHP) sei „nur noch an zusätzlicher Hardware zu erkennen, die Maus und Tastatur […] durch Nachbildungen der real zu bedienenden Geräte“ ersetze. Daher könne „durch Konsum von GCS, welche die oben erwähnten unrealistischen Darstellungen und Vereinfachungen vermeiden, […] unter Verwendung geeigneter zusätzlicher Hardware und begleitendem realen Schusswaffentraining […] durchaus ein militärisch relevantes Verhaltenspotential erworben und trainiert werden“ (S. 54.). “ Hier geht es um Verhaltenspotential, nicht Schussfertigkeit, das sind für mich 2 verschiedene Dinge. Auch die Aussagen der Ausbilder sagen ja genau das, nämlich dass es auch in Schiesskinos weniger um Schussfertigkeit sondern um Verhaltenseinübung geht.

  9. @Mars
    Danke für den Hinweis. Ich habe das Gefühl, dass das in dem Artikel allgemein etwas vermischt wird. Auch wenn die einzige Pilotstudie die Zielgenauigkeit betrifft, geht es inhaltlich doch fast ausschließlich um Verhaltensweisen. Was da noch mehr verwirrt ist, dass die Autoren offenbar meinen, dass man zum Einüben des (wohl waffenfernen) Verhaltenspotentials die Hardware durch Nachbildungen von Schusswaffen ersetzen müsse. Macht für mich auch nur bedingt Sinn. Mir kam es auch eigentlich auf die Beschreibung an, dass gesagt wird, dass eine Simulation mit Maus und Tatstatur fast so brauchbar wie eine mit Waffennachbildungen sein könnte – vorausgesetzt man ersetzt Maus und Tastatur durch eine Waffennachbildung.

  10. Das Lernen mit Maus und Tastatur geht nicht. Ich wage zu behaupten zwischenzeitlich ein guter KK(kleinkaliber)-Schuetze gwesen zu sein. Aber mit Pistolen, nach Jahrelanger Gamererfahrung, kann ich nicht all zu gut umgehen. Ich konnte es zwar recht schnell erlernen, kannte natuerlich den Zielmechanismus, wusst wie ich sichere, das Magazin entferne – aber sonst, das worauf es ankommt: Atmung, Koerperhaltung, Stand, Umgang mit dem Rueckstoß(mit der Rueckstoßangst kaempft fast jeder Schuetze! Das ist die Verkrampfung der Hand kurz vor dem Schuss. Etwas vollkommen normales, aber hinderliches) und letztendlich die Ruhe – das lernt man beim Zocken nicht. Gar nicht. Nicht im Geringsten. Wie auch?

    Das ist einfach ein Maerchen, dass sich Leute ausdenken, die noch nie eine Waffe gesehen haben, geschweige denn eine Maus fuer mehr als nur das Scrollen benutzen. Diese Vorstellung ist mehr als nur Dummheit.

    Der Vergleich mit dem OP Saal stinkt zum Himmel! Im OP Saal kommt es auf die richtigen Schnitte an und nicht darauf „zu treffen“. Ein Schuetze muss auf mehr als 50m ein Ziel treffen. Und nicht wissen welche Teile des Fleisches er trennen kann und welche nicht.

    Ein Soldat macht ja keine unwissenheits Fehler beim Danebenschießen. Er bewegt sich falsch, verkrampft sich, hat Angst zu schießen – ob nun wegen dem Schuss selbst oder weil er toeten muss.

    Kennt ihr noch diese, in Spielhallen verwendeten, Gewehre? Die gibt es jetzt auch wieder fuer Wii, PS3: Selbst diese Dinger lassen einen nicht zum Schuetzen werden. In solchen Spielen ist die maximale Distanz drei Meter + die „Distanz“ im Spiel. Auf nahe Dinge mit einer Pistole zu schießen ist keine große Aufgabe, aber je dieses Ding weiter weg dieses „Ding“ ist, desto mehr wirken sich Fehler aus. Es ist nicht die Groeße des Objektes, die Probleme beim Zielen verursachen(dafuer gibt es Fernrohre), sondern der sich bewegende Koerper. Sowas kann man *nicht* am Computer lernen. Da sind Sport und technische Arbeiten wesendlich besser. Niemand saehe aber im Joggen ein Zeichen von Militarismus! Zumindest nicht wenn dabei alte Volkslieder gesungen werden.

    Zwei Dinge sind unendlich! Das Universum und die menschliche Dummheit, wobei ich mir bei dem letzten noch nicht so sicher bin. Einstein brachte es auf den Punkt(die Anreicherung mit Stilbluete verschoent das Feeling!).

  11. Zwei Möglichkeiten:
    1. R.F. ist begnadete rabenschwarze Satirikerin, die nur deswegen solche Sachen schreibt, um ihre Mitmenschen zu erheitern.
    2. R.F. hat nie Objektivität gelernt. Sie stellt eine Theorie auf (Shooter = böser Einfluss) und interpretiert jede Aussage zu Shootern in dazu passender Weise. Was der Autor jener Aussagen selbst meint oder was andere mit dem Thema ebenfalls vertraute Menschen interpretieren, wird ignoriert, weil dies potentiell negative Auswirkungen auf ihre Theorie(n) haben und die Leser von R.F.’s Aussagen womöglich verwirren würde.
    Ich persönlich tendiere zur Möglichkeit #2.
    .
    @kuemmel:
    Grad das von Breivik genannte MW2 ist ein klasse Beispiel dafür, wie unrealistisch Shooter weiterhin sind. Habe es gestern auch endlich mal durchgespielt und fand es insgesamt klasse. Das jedoch allein auf Grund der fesselnden Inszenierung, nicht wegen dem angeblichen ‚Realismus‘. Jede Kugel trifft sauber ins Schwarze, es gibt keine Handhabungsunterschiede zwischen den Waffen einer Art (z.B. Sturmgewehr), es muss nix an den Waffen eingestellt werden, nichts klemmt oder geht kaputt, alle Soldaten und Söldner kämpfen ohne von Müdigkeit oder von Verletzungen behindert zu werden,…

  12. @Crusader: Ist das jetzt gleichzeitig ein böser Seitenhieb an MW3? :D Ich finde es sieht doch sehr nach MW2 aus!

    Du kannst gar nicht genug Unterschiede finden. Die Ansaetze an sich sind schon so grundsaetzlich verschieden. Die Fakten so ungleich verteilt. Selbst amerikanische Ausbilder beschweren sich, dass die Jugend zu viel spielt, als dass sie wie frueher wo schießen noch Tradition war, an der Waffe ausgebildet waren.

  13. Dass das nicht stimmt kann Frau Pfeiffer sich bei einem der weltweit grössten Schiessvereine bestätigen lassen, dem US marine corps. Dort wurde „marine doom“ in erster Linie dazu genutzt um die Koordination und Interaktion mit Teamkameraden zu trainieren.
    Natürlich ist es als einzelner -der Breivik nun mal war- weniger sinnvoll da er sich mit niemandem koordinieren muss.
    Ich denke eher, dass er das Spiel zu einer Art Ersatzbefriedigung genutzt hat, dass in seinem Kopf ein ganz anderer Film lief als der auf dem Bildschirm.

  14. Ist denn Breivik so eine Koryphäe auf dem Gebiet des Schießtrainings, dass ihn Frau Pfeiffer unwidersprochen zitieren muss? Ich fürchte, sie weiß gar nicht, wovon sie da spricht. Videospiele kennt sie nur vom Vorspielen ihres Adlatus‘ und mit einer richtigen Waffe hat sie wohl auch noch nicht geschossen. Nun muss man sich kein Bein brechen, um zu wissen, wie schmerzhaft so ein Knochenbruch ist, aber hier geht es um physische Erfahrungen. Maus gegen Gewehr. Da sollte man beides schon einmal in der Hand gehalten haben.

  15. Um mal die Sache aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten:
    Die im Artikel erwähnten Schießkinos werden beim Training von Polizei und Militär eingesetzt.
    Laut Dave Grossman wurden diese Schießkinos ursprünglich erfunden um den US-amerikanischen Soldaten die Tötungshemmung zu nehmen.

    Ist der Einsatz dieser enthemmenden Mordsimulatoren eigentlich der Grund für die immer wieder auftretenden Fälle von Polizeibrutalität in Deutschland ? ;-)

  16. Erstaunlich, so ziemlich alles was Breivik geschrieben hat wird zumindest kritisch betrachte, mal vorsichtig ausgedrückt. Aber Seine Aussagen zu Spielen sind der heilige Gral? Frau Pfeiffer macht sich lächerlich, das ist schon peinlich in der fremdschämen skala.

  17. @Rey: Ok, habs kapiert. Ich denke auch dass die 2 Sachen in der Diskussions ständig vermischt werden, irgendwie passiert das leider sehr häufig.

  18. Wir sind die meisten gebildete Generation aller Zeiten. Und das alles verdanken wir unseren fortschrittlichen „Lernmaschinen“

    Dank Rennspielen könnten wir alle auf dem Niveau eines Vettels fahren.
    Dank Fussballspielen kriegen wir ständig Anfragen von Bundesligavereinen um einen Vertrag zu unterschreiben.
    Wegen Spielen wie Civillisation lässt sich Frau Merkel von mir in Staatsfragen beraten.
    Einen Flugschein musste ich auch nie machen. Es reichte die Angabe das ich viele Flugsimulationen gespielt habe.

    Klingt natürlich alles reichlich absurd. Aber dass ich auf Soldatenniveau schiessen kann ist plötzlich vollkommen plausibel.
    Man möchte sich an den Kopf fassen.

  19. okay, hallo Frau Pfeiffer, ich werde nun meine Hand-Augen-Koordination absichtlich verschlechtern und das nur damit sie ruhig schlafen können…. zufrieden? Oder gleich die Hände abhacken?
    Ich bin da noch unschlüssig, schließlich werden 99% aller Straftaten unter zumindest teilweiser Verwendung von Händen durchgeführt, d.h. absolut alles was unsere Hände trainiert geschickter zu sein muss verboten werden, da es letztendlich die Durchführung von Straftaten begünstigt. Btw.: als ich in der Schule damals das Schreiben lernen musste, da habe ich meine Hand-Augen-Koordination auch verbessert. Ich finde es hochgradig gefährlich, was so in dt. Grundschulen unterrichtet wird… man trainiert da ja auch die Amokläufer von morgen… :P

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