Origin: EA-Mitarbeiter hören zu und notieren Forderungen

EA hatte aufgrund anhaltender Kritik an seiner Online-Plattform Origin für heute Abend zu einem runden Tisch geladen. Man räumte Fehler ein, wenn auch von einer Entschuldigung kein Wort zu hören war. Und wie es sich für ein solches Treffen gehört, ließ man uns Gamern ausreden.

Ob unseren Worten auch die erhofften Taten auf Seiten von EA folgen werden, steht leider noch auf einem anderen Blatt: Die erste Ankündigung von EAs Deutschlandchef, Herrn Coenen, war, dass man an diesem Abend selbstverständlich keine Entscheidungen treffen könne. Das wir keine erwarten konnten, war uns insofern ohnehin vorher klar, als dass wir nicht mit den CEOs des Mutterkonzerns an einem Tisch saßen – so wichtig sind die Rechte deutscher Kunden dann doch nicht.

Die Teilnehmer (Quelle: Gamestar)

Es folgte eine kurze Vorstellungsrunde bei der die erste Überraschung des Abends präsentiert wurde: EA hatte einen auf der Gästeliste nicht erwähnten Anwalt auf seine Seite des Tisches gesetzt, der alle Teilnehmer in rechtlichen Fragen aufklären solle. Da Matthias für den VDVC mit dabei war, hatten wir allerdings juristisch gar keine Probleme. Und so kam es auch wenig verwunderlich dazu, dass irgendwann im Gespräch von den unterschiedlichen Seiten mehr oder weniger verbraucherfreundliche Gesetzestexte zitiert wurden. Es ist fraglich, ob EA damit gerechnet hatte, dass wir eine rechtlich so gut informierte Person auf unserer Seite haben würden.

Und so konnte uns der EA-Anwalt schlussendlich vor allem mit der Aussage dienen, alle fragwürdigen EULAs, AGBs, Datenschutzerklärungen, etc. befänden sich in der Überarbeitung. Das sei aber ein Prozess und Resultate seinen nicht von heute auf morgen zu erwarten. Auch über Formulierungen in der aktualisierten Origin-EULA, die weniger dreist daher kommen als ihre Vorgänger, sei man noch am debattieren. Angesichts der Abmahnung durch die Verbraucherzentrale ist EA das auch zu raten.

Überhaupt gestand man in diesem überschaubaren Kreis viele Fehler ein, die man aber zum großen Teil schon beseitigt habe. Vor allem die mutmaßlichen Festpalttenscans wurden argumentativ in eine Ecke mit Sicherheitslücken und anderen Bugs geschoben, an deren Beseitigung natürlich auch EA interessiert sei. Wer sachdienliche Hinweise habe, solle zur Verbesserung beitragen. Und überhaupt sei der runde Tisch Beleg, dass man die Forderungen der seiner Kunden ernst nehme und künftig offener kommunizieren wolle.

In der Tat ist dieser erste Schritt sehr löblich, denn man scheint erkannt zu haben, dass man das Vertrauen der Spieler braucht, um am Markt bestehen zu können. Um als Kunde vertrauen zu können, muss man sich ernst genommen fühlen und so hörte man sich unsere Punkte an. Auch die Aufforderung, nur die für vom Konsumenten gewünschte Leistungen wirklich nötige Daten zu erheben, wurde aufgenommen. Wobei hier aufgenommen wieder explizit nicht angenommen heißt. Irgendwo für brauche man die Daten schon. Wofür genau denn der Nutzer zum Spielen seinen Namen hinterlegen muss, konnte uns aber niemand sagen. Irgendwie lief es auf Marketingzwecke hinaus, aber eine wirkliche Antwort, was EA genau mit Name und Anschrift der Spieler anstellt, wurde nicht genannt.

Das Thema der Vergänglichkeit und Accountsperre war den Betroffenen offenbar relativ unangenehm. Bisher ist es zum Teil so, dass Forennutzer und Spieler, die sich auf die ein oder andere Weise daneben benehmen, kurzerhand ihre teuer bezahlte Software weggenommen bekommen. Und auch wenn das Wort „Entschuldigung“ an dem Abend kein einziges Mal gefallen ist, kam die Erklärung, das ganze sei so nicht geplant gewesen und überhaupt habe man nicht vor, überhaupt jemandem seine Spiele wieder zu nehmen. Eine Garantie, dass das auch so bleibt, wollte man uns zwar nicht geben – auch nicht nach dem Hinweis, dass es ein ähnliches Versprechen von Valve bezüglich Steam gibt – aber selbst Cheater sollten zumindest offline weiter spielen können. Der Hinweis, dass ältere über den EA Dowload-Manager gekaufte Spieler faktisch verfallen, sei angekommen und man arbeite an der Sache.

Zusammenfassend ist vor allem zu sagen, dass sich die EA-Mitarbeiter fleißig Notizen gemacht haben. Wer aber Zusagen oder auch nur eine Entschuldigung erhofft hatte, der muss vorerst enttäuscht sein. Wir werden ab jetzt regelmäßig überprüfen, ob man sich unsere zusammen mit theorigin.de aufgestellten Forderungen zu Herzen nimmt oder ob die vermeintlich offenen Ohren in Wirklichkeit auf Durchzug geschaltet waren. Hoffen wir für EA, dass sich unter den Notizen mindestens die folgenden befinden:

  • „Rechte der Verbraucher achten.“
  • „Bei Spielern entschuldigen.“

10 Gedanken zu “Origin: EA-Mitarbeiter hören zu und notieren Forderungen

  1. Ich hab es bisher nur auf theorigin.de verfolgt. Ich möchte Eure Euphorie nur ungern bremsen, aber bisher sehe ich keinen Erfolg in dem Gespräch.

    1. Warum überhaupt das Treffen, wenn dort nichts entschieden werden kann? Die Frage der Entscheidungsfähigkeit der Teilnehmer war die erste, die es zu stellen galt, gefolgt von der Frage, warum die Fragen des Briefes nicht auch mit einem Brief beantwortet werden konnten, statt ein Gespräch hinter verschlossenen Türen zu führen, damit Zeit zu schinden und die Thematik den Augen der Öffentlichkeit möglichst weit zu entziehen.

    2. Natürlich hatten die einen Anwalt dabei, bereits die vorveröffentlichte Gästeliste legte den Verdacht nahe, dass dieser „vergessen“ wurde seitens EA. Das sollte also wahrlich keine Überraschung gewesen sein. Ich weiß nicht, wie fachlich versiert „Matthias“ ist, aber ohne Experten für IT- und Verbraucherprivatrecht auf so ein Treffen zu gehen ist fahrlässig.

    3. Ein Anwalt, der über Dinge aufklären soll, die (erst noch) einen langen Prozess durchmachen müssten (und über die man jetzt noch nicht entscheiden kann) – an der Stelle sollte man bereits aufwachen; unterm Strich dient er mit der Auskunft, dass die EULA überarbeitet wird, aber immerhin kann er auch Normen vorlesen.

    4. Wer sachdientliche Hinweise habe, solle diese beitragen. Der CCC war bereits bei der Podiumsdiskussion an dem Quellcode interessiert – es liegt also nur an EA, sich diese sachdienlichen Hinweise auf dem Wege einzuholen.

    5. Einladung an den runden Tisch sehr löblich, Vertrauen der Kunden. Ja, wirkt gut, aber auf sachlicher Ebene gebracht hat es genau was? Außer der positiven Außenwirkung für EA hat dort was stattgefunden, was nicht auch schon längst in Textform hätte passieren können?
    Denn genaue Auskünfte zu den erhobenen Daten gabs nicht, statt dessen haben die viel mitgeschrieben. Natürlich – denn je weniger sie reden mussten und je mehr ihr reden konntet, desto einfacher der Abend für sie.

    6. Zu den Accountsperren kam ebenfalls nichts rum.

    Es ist exakt das, was ich schon erwartet hatte und im Vorfeld im Forum auf thorigin andeutete: Das ist reine Zeitschinderei seitens EA, aber sie können sich dafür nochmal selbst loben und sich auf dem Weg das Engagement der Community gegen EA als Lob und Ernst auf die eigene Fahne schreiben. Taktisch so simpel und vorhersehbar wie kaum etwas anderes.
    Nach dem, was ich bisher hier als Zusammenfassung lese, hat man Euch schlicht vorgeführt. Auf der Ergebnisebene steht nichts – außer natürlich Eures Urteils, dass EA die Community ernst nehmen würde. Es ist schleierhaft, wie ihr darauf kommt, denn zu diesem Urteil sollte durch sachliches Entgegenkommen seitens EA gefunden werden. Davon ist jedoch bisher nichts erkennbar.

    • Euphorisch fühle ich mich gar nicht – aber entsprechend meinen ohnehin niedrigen Erwartungen bin ich auch nicht enttäuscht. Dass im Endeffekt an dem Abend nichts passiert, war mehr oder weniger klar, und ich hoffe, das ist in meinem Text auch so rüber gekommen. Ebenso wie der Punkt, dass EA sich auch nach dem Gespräch gestern weiterhin in Zugzwang befindet und sich in der Tat bisher nur wenig gerührt hat.

  2. @Chris
    Ich bin Diplomjurist und hatte Datenschutz- sowie Verbraucherrecht in meinem Schwerpunkt. Als Experte wird man mich sicherlich nicht bezeichnen können, aber ich denke, dass wir wohl die meisten unzulässigen Klauseln als solche erkennen können.

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