„World of Warcraft“ als „Killerspiel“ (Update)

Breivik wird aktuell der Prozess gemacht, in dessen Rahmen auch die Nutzung von Videospielen durch den Täter thematisiert wird. Dabei hat die FAZ eine etwas unpassende Beschreibung des Spiels gewählt: Der Täter „widmete sich […] dem Online-Killerspiel ‚World of Warcraft'“. Tatsächlich hat das MMORPG recht wenig mit den ursprünglich als „Killerspiel“ bezeichneten Ego-Shootern zu tun, so dass sogar beim Focus die dem Spiel beigemessene Aufmerksamkeit hinterfragt wird:

Verglichen mit anderen Spielen sind die Gewaltdarstellungen in World of Warcraft aber weniger brutal und realitätsnah.

Gegenüber der Berichterstattung von Phoenix ist der Artikel der FAZ aber noch verhältismäßig harmlos. Dort erklärte der Moderator (Zuletzt am 16.04.2012 kurz vor 17 Uhr) „World of Warcraft“ zum Spiel, in dem der Spieler Europa gegen die Islamisierung verteidige. Des Weiteren würde der Spieler in „World of Warcraft“ auch regelmäßig schießen, weshalb die Annahme plausibel sei, dass die Nutzer entsprechender Produkte auch in der Realität eher zur Waffe greifen würden.

Update

Der Breivik hat ja sehr viel Computerspiele gespielt. „World of Warcraft“ – ein kriegstreibendes Spiel. Da schlüpfen also Spieler in mittelalterliche Heldenrollen und retten die Welt, retten Europa auch vor einen Teil der Islamisierung – in gewisser Weise. Das sind sehr kritisch zu sehende Spiele und er tauchte sehr stark in eine Parallelwelt ab, wo er auch sehr viel geschossen hat. Jetzt ist es ja landläufig einfach zu sagen: Klar, wenn der schon am Computer abdrückt, dann drückt er auch in Wirklichkeit schneller ab?

/Update

Entgegen diesen Ausführungen hat „World of Warcraft“ jedoch keinen realen Hintergrund, sondern spielt in der Fantasy-Welt „Azeroth“. Die Bekämpfung des Islams kann schon deswegen nicht die Aufgabe des Spielers sein, da er nicht vorkommt. Stattdessen müssen die Spieler gegen Hasen, Wölfe, Drachen und andere Furcht erregende Kreaturen antreten. Feuerwaffen sind in Form von Musketen zwar enthalten, doch angesichts des sehr abstrakten Kampfsystem und der cartoonhaften Spielwelt erscheint es eher als fern liegend, dass sich in diesem Fantasy-Szenario ein Killer trainieren könnte.

Links:
Staatsanwaltschaft führt WoW an
Artikel der FAZ
Artikel beim Focus
Szene bei Phoenix, kommentiert von fernsehkritik.tv (Nachtrag 27. April 20:53)

41 Gedanken zu “„World of Warcraft“ als „Killerspiel“ (Update)

  1. Käme der WoW-Bezug nicht vom Staatsanwalt, sondern von der Verteidigung, hätte ich spontan an die „Chewbacca-Verteidigung“ gedacht (=unsinnige, aber logisch klingende Argumente). Unabhängig davon sollten sich die an den Berichten beteiligten Redakteure mal angucken, was WoW eigentlich ist. Wer ernsthaft glaubt, dass es darin um Europa und den Islam geht, der denkt wohl auch, dass Kühe lila sind, nur weil das eine Werbung zeigt.

  2. Ich finde es bedenklich das man Breivik zugestehen will das ihn Computerspiele dazu getrieben hätten, es ist offentsichtlich das er eine radikale politische Agenda verfolgt und sie mit Waffengewalt durchsetzen will. Breivik gehört nicht vor ein ziviles Straftgericht sondern vor ein Militärtribunal mit anschliessender Hinrichutng des besagten Deliquenten, die Beweislast ist erdrückend und er ist geständig. Das Verfahren in seiner jetzigen Darstellung ist eine Bühne für diesen Selbstdarsteller und Terroristen.

  3. @ skully

    Und ich finde deinen Beitrag mehr als bedenktlich.
    1. Breivik ist kein Mitglied der Armee, noch hat er einen Kombatantenstatus aufgrund anderer Vorraussetzungen, also kann er nicht vor ein Militärgericht gestellt werden.
    2. Norwegen ist ein Rechtsstaat und auch wenn Breiviks Tat sehr schlimme Ausmaße hatte, hat er das Recht auf einen anständigen Prozess wie jeder andere Gesetzesbrecher
    3. Auch wenn ich Breivik und seine Tat verabscheue, hat auch er nach wie vor die Menschenrechte, die für jeden Menschen gelten. Unter diesen Menschenrechten befindet sich auch das Recht auf Leben. Das staatliche Töten eines Menschen aus Vergeltung oder Rache ist in meinen Augen daher aus in keinem Fall gerechtfertigt, egal wie schlimm die Tat ist.

  4. In World of Warcraft verteidigt man Europa gegen die Islamisierung? Das wäre mir neu. Wurde das Spiel von einem Juden entwickelt oder warum sonst verbreiten unsere Medien seit nun mehr als sieben Jahr nur Lügen über dieses Spiel? Recherche dürfte im Google-Zeitalter ja für keinen Journalisten mehr ein Problem sein.

  5. Also zu Phoenix: ohne Worte…
    Zu Skullys Beitrag: ohne Worte… (siehe Darkstars Erläuterungen)

    Und mal allgemein zu WoW:

    Ich verstehe nicht, warum das Spiel so dermaßen durch den Kakao gezogen wird und warum dem Spiel wohl demnächst noch vorgeworfen wird, es wäre am 1. und 2. Weltkrieg schuld. Ich verstehe es einfach nicht, denn:
    Bei aller Idiotie, die man so in unserer Gesellschaft erwarten kann, gehen so gewisse Behauptungen bzgl. WoW doch weit über alles hinaus, was man von einem geistig gesunden Menschen erwarten kann.

    Ich pers. verstehe ja, das nicht jeder WoW gut finden muss. Man kann das Spiel auch einfach ablehnen (ich mag es zB überhaupt nicht), aber ab dem Punkt, ab dem man mit 30sekunden „Recherche“ bereits herausfinden könnte, dass die Aussagen nicht stimmen, da beginnt bei mir einfach mein Magen zu rebellieren – das Gehirn hat an der Stelle schon lange aufgegeben.

    Was haben gewisse Personen davon, so dumme und dreiste Lügen in die Welt zu setzen und vor allen Dingen: Was für eine Bildung haben diese Leute genossen, dass sie so etwas glauben (ich gehe mal davon aus dass ein Journalist nur jene Dinge verbreitet, die er auch pers. glauben kann).

    Manche bauen riesige Teleskope, schauen ins Weltall und fragen sich: „Gibt es da draußen intelligentes Leben?“. Ich schaue aus dem Fenster auf die Straße und frage mich das gleiche…

  6. Hört sich für mich eher so an, als ob da wieder mit „Battlefield“ verwechselt wurde. Soll Ch. Pfeiffer ja auch schonmal getan haben – im öffentlich-rechtlichen Fernsehen: eine historische Wahrnehmung die sich nach kurzer Recherche bei Google im Zusammenhang mit Oslo/Norwegen auch noch bei Anderen mit „Call of Duty: Modern Warfare 2“ und dem Flughafen-Massaker dort sogar noch konkreter finden lassen sollte. Da wird scheinbar gar nicht recherchiert und bei „diesen Gewalt-Computerspielen“ eben kein Unterschied gemacht.
    Was dabei vielleicht vergessen wird ist der Umstand, dass Computer- oder Videospiele in einer Außenwahrnehmung meinem Eindruck nach oft so gesehen werden, dass alle irgendwelche gleich wären – zumindest wenn es um eine Gewalt geht die schonmal (nach dem obigen „Focus“-Zitat nur besonders) negativ aufgefallen ist: ich glaub, das muss man sich so vorstellen wie (dort eher historisch) bei der Popmusik. Hauptsache „laut“, und so heißt es hier halt: Hauptsache „Gewalt“.
    Welche „Gewalt“? Egal: wird schon passen –

  7. „Gegenüber der Berichterstattung von Phoenix ist der Artikel der FAZ aber noch verhältismäßig harmlos. Dort erklärte der Moderator (Zuletzt am 16.04.2012 kurz vor 17 Uhr) “World of Warcraft” zum Spiel, in dem der Spieler Europa gegen die Islamisierung verteidige. Des Weiteren würde der Spieler in “World of Warcraft” auch regelmäßig schießen, weshalb die Annahme plausibel sei, dass die Nutzer entsprechender Produkte auch in der Realität eher zur Waffe greifen würden.“

    Gibt es davon ein Video im Netz oder eine Quelle? Habe auf die Schnelle nichts gefunden.

    Viele Grüße,
    Jan aka MrMansionIV

  8. Ich habe den besagten Bericht gestern auf Phoenix ebenfalls mitverfolgt. Die Aussage zu World of Warcraft kam ca. um 16:57Uhr. Leider habe ich niergendwo einen Mitschnitt von dieser Szene gefunden.

    Da mich diese, nicht einmal durch Fehlrecherche erklärbaren, Aussagen sehr verwundert haben, würde ich mir den Bericht gerne noch einmal anschauen. Gibt es einen bekannten Mitschnitt im Internet?
    Falls jemand einen Link posten kann: Vielen Dank!

    Viele Grüße,
    Karl

  9. @El-Komsolero
    1. Breivik hat als asymetrischer Kämpfer den norwegischen Staat angegriffen, mir ist egal ob dabei eine Uniform trägt oder nicht.
    2. Norwegen ist ein Rechtsstaat und hat ein Miliär das auch über eigenes Rechtswesen verfügt. Leute die die Infrastruktur Norwegens angreifen kann egal ob Terroristen / Saboteure / Agenten / Verräter kann man nach Militärrecht anklagen.
    3. Das Töten von Terroristen ist absolut gerechtfertigt. Hier geht es nicht um Rache sondern um Entfernung einer Bedrohung.

    Darf ich daran erinnern, daß zum Zeitpunkt des Angriffs sich die norwegische Regierung in eine gesicherte militärische Installation zurückgezogen hat und Truppen auf den Straßen von Oslo patroulliert haben. Wenn so ein Punkt erreicht ist kann nicht mehr von einen normalen Verbrechen ausgehen und kann den Agressor nicht als solchen mehr abtun. Breivik nutzt nun das Verfahren als politisches Spektakel zu seinen Gunsten. Entweder kommt für 21 Jahre in den Knast, oder lebenslang in die Klapse. 21 Jahre sind zu mild, Klapse auch und das Beste ist das dann immer noch die Möglichkeit besteht das er ausbricht oder von potenziellen Sympatisanten befreit wird. Tribunal und Todesstrafe wären bei Breihirni besser angebracht.

  10. @ skully
    Selbst wenn der Kerl als Kombattant vor das Militärgericht kommt, hat sich dieses nach der Verfassung des jeweiligen Landes zu richten. Und soweit ich weiß, schließt das in Norwegen die Todesstrafe aus.

    „3. Das Töten von Terroristen ist absolut gerechtfertigt. Hier geht es nicht um Rache sondern um Entfernung einer Bedrohung.“
    –> Hier sprichst du von gezielten Tötungen. (etwa durch einen Scharfschützen)
    Der Mann ist aber schon gefasst! Und Hinrichtungen werden von der gezielten Tötung nicht umfasst.

  11. @ skully

    Du solltest dich etwas mit dem Kriegsvölkerrecht auseinandersetzen (Stichwort Haager Landkriegsordnung historisch gesehen). Krieg kann nur von per Kriegserklärung einem anderen Land gegenüber erklärt werden. Dementsprechend kann Breivik auch kein Kombatant sein, da er nicht in einem Krieg für ein feindliches Land gekämpft hat. So sehr du also auch auf deine Sicht der Dinge pochst, es ist rechtlich NICHT möglich Breivik vor ein Kriegsgericht zu stellen.

    Zu deiner Todesstrafe, diese wäre auch nicht vor einem Militärgericht möglich, da Norwegen die Todesstrafe komplett abgeschafft hat (nach EU Menschenrechtskonvention).
    Ungeachtet davon, was das Gericht entscheidet wird Breivik nach aktuellem Stand nie wieder frei sein. Entweder er kommt nach seiner Haftstrafe in Sicherheitsverwarung oder lebenslang in eine geschlossene Menalklinik (mit ensprechenden Sicherheitsvorkehrungen).

  12. @MrMansion&Karl
    Die Sendung „Vor Ort/Aktuelles“ von Phoenix ist leider nicht im Onlinearchiv vertreten. Insoweit könnte man nur auf den Mittschnittservice (ca. 80 €) zurückgreifen. Ich wäre ebenfalls interessiert. Wenn es jemand aufgenommen hat, könnte man billiger rankommen.

  13. @El-Konsolero
    Gesetze können an neue Lagen angepasst werden. Was ist denn mit den Menschrechten der Opfer? Die Amerikaner exikutieren solche Terroristen wie z. B. McVeigh. Solange Breivik lebt gibt immer eine Chance das er raus kommt. Vielleicht nicht in 10 Jahren aber später, oder durch nicht legale Mittel.

  14. Hat der VDVC hier bereits Schritte eingeleitet? Da oben genannte Aussagen nachweislich der perversen Fantasie eines Quotengeilen Redakteus entspringen sollte man hier gleich ansetzten und rechtliche Schritte gegen Phoenix einleiten. Zusätzlich muss man fordern, das im Magazin diese Aussage öffentlich berichtigt wird.

  15. @Belial: Der erste Schritt wäre, den Ausschnitt zu bekommen. Das sollte hoffentlich recht schnell klappen.

    @skully: War es nicht der Täter selbst, der das Gericht nicht anerkennen und vor ein Militärgericht will? Eigentlich wäre es am besten, wenn man das Verfahren möglichst unspektakulär zu Ende bringt. Und – ungeachtet dessen, was juristisch passt – da er auf zurechnungsfähig plädiert, wäre die größte Strafe wohl eine Einweisung in eine geschlossene Anstalt. Alles unter Ausschluss einer Öffentlichkeit, die er als Bühne nutzen könnte. Sollte er wahnsinnig sein, wäre das wohl auch die „juristisch korrekte“ Entscheidung. (Und an alle, die auf Rache sinnen: Gefängnis ist keine schlimmere Strafe und sicher ist beides gleich.)

  16. @Belial
    Erfahrungsgemäß bringen rechtliche Schritte (Einreichen einer Beschwerde) nichts, da die jeweiligen Gremien bei der Wahrheitsermittlung nicht auf die Realität, sondern die Fantasie der Beteiligten abstellen.

  17. @Patrik
    Breihirni sieht sich selbst als unschuldig und meint er hätte in „Notwehr“ gehandelt. Auch wenn jetzt dann gleich wieder Godwins Law Reaktionen gibt, aber bei Hitler hatten doch im Prinzip das Gleiche, diesen Terroristen haben nach einen fehlgeschlagenen Putsch auch eingesperrt, und man sieht was daraus geworden ist. 50 Milionen Tote und ein zerstörter Kontinent, warum lehrnt niemand aus der Geschichte?

  18. @ Patrick.

    Nein, Breivik sagte wörtlich:
    „Ich erkenne die norwegischen Gerichte nicht an. Sie haben ihr Mandat von politischen Parteien erhalten, die Multikulturalismus unterstützen.“
    Er sagt nichts über ein Militärgericht und ich bezweifel auch sehr stark, dass er mit einem norwegischen Militärgericht zufriedener wäre.

  19. @skully
    Zunächst mal, dass ist meine letzte Antwort auf einen Post von dir. Deine Ansichten sind mir zu radikal und mitlerweile ist mir klar, dass wir niemals auch nur den Hauch eines Konsenses finden. Ich bin auch sehr froh, dass ich nicht der einzige hier bin, der dir Kontra gibt.

    Zur Gesetzeslage: Die zu ändern dürfte schwierig werden. Kriegsrecht wird von der UN heutzutage geregelt, damit fällt weiterhin dein Militärgericht weg, denn Terroristen sind keine Kombatanten. Die Todesstrafe ist laut EU-Recht untersagt, dies zu ändern liegt also auch nicht in der Hand der Norweger. Und ja Gesetzeslagen können sich ändern, allerdings auch nicht im Eilverfahren. Da ich bisher nix vernommen habe, dass die norwegische Regierung an einer Änderung des Strafrechts arbeitet, wird für den Breivik Prozess sich das Recht nicht mehr ändern.

    Zu den USA: Ja diese haben noch die Todesstrafe in ihrer Verfassung und wenden sie aktiv an (sowie auch andere Länder). Das legitimiert die Todesstrafe moralisch aber noch lange nicht und ich halte die USA in diesem Punkt auch sehr rückständig (wie in vielem anderen auch).

    Menschenrechten der Opfer: Diese wurden von Breivik verletzt und deswegen sitzt er nun auch vor Gericht.

  20. @El-Konsolero
    Norwegen ist nicht in er EU, daher brauchen die sich garnicht von Brüssel in nationale Gesetze reinreden lassen. Terroristen sind Kombatanten. Ja die EU ist natürlich eine hoch moralische Institution der Name Apostolos Polyzonis sagt hoffentlich was. Die EU jagt Terroristen keine Kugel in Kopf, aber arme Leute dürfen sich selbst anzünden nach den tollen Sparmaßnahmen. Ein Hoch auf die EU …

    http://www.bbc.co.uk/news/world-africa-15357318

  21. @El-Konsolero
    Das ist glaube ich keine Frage von Radikalität oder Radikalisierung im Ressentiment gegen diesen Gewaltverbrecher, sondern worauf sich in Europa rechtlich geeinigt wurde: auch ausgewiesene Kriegsverbrecher werden hier doch einfach nicht mehr hingerichtet. Nirgendwo in diesem Europa. Ich weiß so auch gar nicht über welches „Militärtribunal“ da ursprünglich fantasiert werden konnte.
    Und so Reden über „Landkriegsordnungen“ etc. werden meiner Erfahrung nach traditionell auch eher gegen Videospiele(rInnen) verwendet.
    Persönlich finde ich das auch gut so, dass die Todesstrafe hierzulande eher als Ausdruck von Barbarei denn als Rechtsordnung gilt.
    Als gläubiger Mensch bin ich der Auffassung, dass niemand das Recht hat über ein anderes Menschenleben schnell zu bestimmen. Schon Gandalf sagte dies zu Frodo sinngemäß, als es um Gollums Schicksal ging.

    Prinzipiell bin ich der Auffassung, dass über diese norwegische Figur so wenig wie möglich berichtet oder gesprochen werden sollte, da es besser ist sie für sich stehen zu lassen, aber ich fürchte irgendwas kommt da noch (über Videospiele) wenn es jetzt schon hier im Rundfunk von Österreich heißt dass (noch) herausgefunden werden soll WIE dieser Mensch „radikalisiert“ wurde. Also da auch wieder ganz klar der Gedanke an „Auswirkungen“ vorhanden ist –

  22. Tja was soll man dazu sagen?
    Auf jeden Fall dürften sie damit den gewünschten Effekt teilweise erreichen.
    Einige älteren Kollegen bei mir auf Arbeit, die nicht sonderlich viel mit PCs anfangen können, glauben jetzt laut eigenen Aussagen, dass der Mörder solche Online Killerspiele gespielt hat.

  23. Trax:
    der Typ hat ja auch Online-Spiele gespielt. Aber sag deinen eher älteren Kollegen dann doch einfach, dass der Kerl evt. auch einen Krimi gelesen hat, Musik gehört hat, TV geschaut hat, Hosen getragen hat (und sogar noch immer trägt!) und auch weiterhin H2O zu sich nimmt, O2 ebenso und Brot konsumiert er auch reichlich :)

    Folglich müsste jeder, der WoW und Co nur weil ein Attentäter auch solche Sachen nutzt, all die obigen „Dinge“ ablehnen. Besonders beim Sauerstoff udn Wasser stelle ich mir das Schwierig vor. Wenn nun Hosen verboten würden, wäre das maximal lustig :P

    Evt. noch als kleiner Leitsatz:
    –> Ein Einzelfall lässt sich niemals durch ein Massenphänomen erklären!

    Was bedeutet das?
    Wenn millionen Menschen XY machen und einer davon tickt aus, dann ist es sehr unwahrscheinlich, ja nahezu unmöglich, das XY daran schuld ist.

    Oder wie beim EHEC:
    Ein Gurkenlieferant, der jeden Tag Palettenweise Salatgurken in die halbe Welt exportiert kann nicht schuld an einer primär norddeutschen EHEC-Krise sein. Aber sag das mal den Politikern, die ja dennoch wie die Affen vor die Kameras gesprungen sind und völlig absurde Warnungen ausgesprochen haben.
    Dummheit sollte doch weh tun, wobei ich dann bei dem ganzen Geschrei nicht mehr schlafen könnte… :/

  24. @Skully

    „Norwegen ist nicht in er EU, daher brauchen die sich garnicht von Brüssel in nationale Gesetze reinreden lassen.“

    Es geht um die Europäische Menschenrechtskonvention, die mit der EU nichts zu tun hat. Ich finde es auch ausgesprochen dreist, von „reinreden“ zu sprechen, wenn ein Land sich aus freien Stücken dazu entscheidet, einen internationalen Vertrag anzunehmen, nur weil er dir persönlich nicht in den Kram passt. Wer redet denn da jetzt wem rein?

    Wie dem auch sei: Die Europäische Menschenrechtskonvention steht in Norwegen sogar über anderen Gesetzen. Und zwar nicht, weil denen irgendjemand irgendwo reingeredet hat, sondern weil die von den Norwegern beschlossenen norwegischen Gesetze das so vorsehen.

    „Terroristen sind Kombatanten.“

    Terroristen können keine Kombatanten sein, weil sie für kein Land kämpfen und keinen Krieg führen. Es sind Kriminelle. Du folgst hier lediglich der amerikanischen Argumentation, mit irgendwelchen juristischen Spitzfindigkeiten und Scheinargumenten Menschen ihre Rechte zu entziehen. Sowas ist meiner Meinung nach grundsätzlich abzulehnen.

    „Ja die EU ist natürlich eine hoch moralische Institution der Name Apostolos Polyzonis sagt hoffentlich was. Die EU jagt Terroristen keine Kugel in Kopf, aber arme Leute dürfen sich selbst anzünden nach den tollen Sparmaßnahmen. Ein Hoch auf die EU … “

    Was erwartest du von der EU? Selbstmord verbieten? Dafür sorgen, dass sich nie mehr jemand umbringt? Du kannst doch der EU nicht vorwerfen, dass sich in Griechenland irgendwer aus freien Stücken umbringt, der das genausogut auch hätte nicht tun können. Das war doch letztendlich seine Schuld, und nicht die der EU. Hat ihn ja keiner gezwungen…

  25. Solche Argumente werden nicht helfen. Krimis und Musik sind für die ungefährlich, aber Online-Killerspiele klingt bereits gefährlich. Da kommt dann folgende Argumentation:

    „Kauft sich jeder, der eine Audi Werbung sieht, einen Audi? Nein, aber manche schon!“

  26. @Kranki: sehr guter Beitrag, kann den in jedem Punkt unterschreiben.
    Man kann von Breivik halten, was man will. Aber Fakt ist, er hat Menschen umgebracht und er hat dies in Norwegen getan. Also gelten für ihn – wie für jeden anderen Verbrecher in Norwegen auch – die norwegischen Gesetze. Und in einem Rechtsstaat erwarte ich, dass selbst die größten Verbrecher fair behandelt werden.

    Zur Taktik der Staatsanwaltschaft kann man vielleicht sagen, dass es etwas ungeschickt ist, wenn man WOW oder CoD als Argumente bringt. Wenn er allerdings ernsthaft behauptet hätte, er hätte mit WoW und CoD schiessen gelernt, dann hätte man wenigstens einen weiteren Punkt, um ihn in die Psychatrie zu schicken.

  27. @Trax
    Und dieser „Argumentation“, die aus meiner Sicht eher eine Polemik darstellt, wäre eben dahingehend zu widersprechen dass es fraglich ist ob „Online-Killerspiele“ eine Werbung für Mord sind.
    Der norwegische Gewaltverbrecher hat seine Tat ja überlebt, in „Call of Duty“ stirbt hingegen ständig auch die eigene Spielfigur, der eigene Avatar. Beschrieben werden dort für gewöhnlich noch dazu Szenen wie sie internationale Sicherheitspolitik auch vorgeben. Und selbst PazifistInnen könnten diese so aus meiner Sicht durchaus auch als Lehrstücke mal begreifen – würden sie sich von ihren eigenen Ressentiments befreien (wollen).
    In WOW wird nach einem Ableben auch auf diesen Friedhöfen als Geist zum Beispiel wieder gestartet, WOW beschreibt noch dazu für gewöhnlich Szenen die archaisch an die menschliche Frühgeschichte anknüpfen oder erinnern, ans Jagen und Sammeln usw.

    Angeführt werden könnte auch ein grundsätzlicher Antirassismus der internationale Videospiele durchdringt. Eine Wendung gegen Multikulturalität wie sie dieser Verbrecher vorstellt könnte demnach sogar das Geschäft mit den unliebsamen Spielen verderben – worauf deutet das hin? http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/750481/Oslo_Anklaeger-zerpfluecken-Fantasien-des-Massenmoerders In diesem Artikel werden „Tempelritter“ als erklärte Helden (wohl allesamt Männer) des Täters ausgewiesen, in Videospielen sind sie häufig die Feindbilder. Ob diese „Tempelritter“ mit real Existierenden, die schonmal auch mit gegen Videospiele aufgetreten sind, nun etwas zu tun haben oder nicht – nicht doch bloß (auch) der Fantasie des Täters entsprungen sind.
    Grundsätzlich frage ich mich aber schon, ob dessen Gedankenwelt eigentlich analysiert werden bräuchte – oder dessen Taten nicht besser doch für sich stehen gelassen.

  28. Und wenn daraufhin wieder etwa mit der Idee gekommen wird, dass Videospiele (noch) besser gewaltfreie Konfliktlösungen propagieren sollten und überhaupt keine Feindbilder imaginieren: Entschuldigung, aber gerade dieser Verbrecher weist sich doch beständig als Feind einer offenen Gesellschaft noch aus, um mal mit Karl Popper zu sprechen.

  29. Nun, die selbe Presse die zuerst von einen Al Quaida Angriff ausging und dann auch noch eine falsche Explosionswolke zeigte versucht sich nun objektiver Berichterstattung über den Prozess und die darin angesprochen Videospiele. Ich meine was erwartet ihr von denen? Die Fernsehformate und Zeitungen zu kritisieren ist ohnehin Zeitverschwendung, es ist so als würde man bei einer Behindertenolympiade buhen.

  30. Trax:
    Werbung vs. „Killerspiel“ ist ziemlich platt. Nach der gleichen Logik müsste jedes Medium, welches Gewalt thematisiert (Filme, Bücher, Videospiele, Theater, Musik, …) verboten werden, weil irgendein Spinner das Medium als Werbung für „Mord“ oder „Gewalt“ ansieht.

    Pyri:
    Wieso sollte man auf dumme Polemik mit einem Aufsatz der Vernunft und Gütigkeit reagieren? wer so einen Stuss glaubt oder behauptet, der muss dann auch mal auf andere Korrelationen hingewiesen werden. Und wer alleine aus der Tatsache, dass Breivik WoW gespielt hat, böses ableitet, der hat nicht alle Tassen im Schrank.

  31. Was sagt eigentlich Activision-Blizzard dazu, das sein Produkt als Spiel bezeichnet wird, in dem man Europa gegen die muslimischen Horden verteidigen muß ?
    Hier könnte der VDCV doch mal eine Stellungsnahme einholen, oder ?

  32. Was ich wirklich interessant an der ganzen Sache finde ist das Breiviks Gequatsche über die Templer und seine Rolle als Bewahrer Europas mit einem Schmunzeln und Ausdruck seines Wahns genommen wird, die Behauptung mit WOW und CoD trainiert zu haben aber als Fakt genommen wird. Breivik selbst sagt ja das er mit WOW angefangen hat um (zumindest zum Teil) eine Begründung zu haben um sich nicht mit Leuten treffen zu können, von wegen ich kann heute nicht, ich hab Raid.

  33. Heute stand bei uns in der Zeitung, daß dieser Breivik, laut eigener Aussage, u. A. mit „Modern Warfare“ trainiert habe.
    So langsam gehen mir die Beschreibungen für menschliche Dummheit aus.
    Und am Montag lesen wir wahrscheinlich das er „Hello Kittis großen Onlinespaß“ gezockt hat und ihn das inspirierte.

  34. Da fasst man sich als normal denkender Mensch echt an den Kopf…auch wenn ich keiner bin mach ich das jetzt trotzdem XD.

    Der Kerl ist einfach ein fanatischer Wahnsinniger. Man sollte die Welt vor ihm schützen. Mir ist klar dasser laut geltendem Recht immernoch das recht zu leben hat aber ich für meinen Teil bin der Meinung: Wer anderen das Leben ungerechtfertigter Weise nimmt (zum Beispiel weil dieser andere Ansichten, eine Andere Herkunft oder eine andere Kultur hat) sollte zumindest nichtmehr auf die Menschheit losgelassen werden.

    Da ist doch grundsätzlich egal was er in seiner Freizeit vorher gemacht hat. Da kommt mir einfach nur wieder das Argument mit dem Brot in den Kopf: Der Täter hat gern zum Frühstück Butterbrot gegessen….der Fall ist also klar: Brot war Schuld an der Tat!

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