Kommentar: Der Computerspielpreis ist ein Nebenschauplatz eines Generationenkonflikts

Spiegel-Journalist Ole Reißmann hat zutreffend interpretiert, dass es sich bei der Jahrzehnten alten Killerspieldebatte vor allem um einen Generationenkonflikt handelt. Zu Beginn engagierte sich eine vergleichsweise kleine Gruppe ähnlich eines bekannten gallischen Dorfes gegen die Ressentiments von Politik, Journalismus und Gesellschaft, doch inzwischen sind Videospiele ein Massenmedium und Videospieler auch in diesen Bereichen vertreten, was den Generationenkonflikt erst als solchen deutlich zutage treten lässt.

Dieser Generationenkonflikt spaltet glücklicherweise nicht die Parteienlandschaft, sondern zieht sich durch die Parteien selbst, wie ganz besonders in Stellungnahmen auf die Pressemitteilung des medienpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Börnsen zu sehen ist, in der die Nominierung von Crysis 2 für den Deutschen Computerspielpreis kritisiert wird:

Da den Spielern ihr Hobby durch die Politik entsprechend unserer Verfassung schlecht eingeschränkt werden kann – was man nach vielen entsprechenden Absichtserklärungen in der oben zitierten Pressemitteilung eingestehen musste- wird dieser Generationenkonflikt gegen ein Kulturgut auf Nebenkriegsschauplätzen geführt. Das berühmteste Schlachtfeld dürfte die als „Indizierung“ und „Beschlagnahme“ einigermaßen verharmlosend bezeichnete Zensur sein, gegen deren Abschaffung sich die Politik seit jeher erfolgreich wehrt.

Der Computerspielpreis, eigentlich eine Maßnahme der Politik, um weitere Institution zur Stigmatisierung und Diffamierung von Videospielen und -spielern zu etablieren, erhebt sich nun gegen seinen Schöpfer, weil auch in der Jury die Videospieler-Generation langsam angekommen ist, namentlich unter anderem durch Christian Stöcker und Jimmy Schulz. Dies bedeutet jedoch, dass der Computerspielpreis in seiner gegenwärtigen Verfassung eigentlich nichts mit der Auszeichnung von nennenswerten Spielen zu tun hat, sondern der Profilierung der Generation der Videospielern dient. Und so würde es mich auch kaum wundern, wenn Crysis 2 heute Abend zum Preisträger wird.

Gordon Creative

Replik von Modgamers

16 Gedanken zu “Kommentar: Der Computerspielpreis ist ein Nebenschauplatz eines Generationenkonflikts

  1. Zwei Anmerkungen:
    1.) Die „Killerspieldebatte“ ist nicht Jahrzehnte (ohne „n“) alt, sondern in der Form ca. ein einziges (maßgeblich initiiert durch den sog. Amoklauf von Erfurt), wenngleich natürlich ähnliche Computerspielressentiments auch vorher seit den 1980ern (und Übersee bereits Mitte der 1970er) artikuliert wurden (insb. seit 1999) und es sich mithin nur um eine neuere Form, resp. die Prolongierung einer ca. ein Jahrhundert (und prinzipiell weit darüber hinaus) währenden Mediengewaltdebatte handelt.
    2.) Ich würde das ganze weniger als Generationenkonflikt bezeichnen, denn als Kulturkonflikt; das was dort gemacht wird, ist klassischer Kulturkampf, natürlich mit starken Elementen eines Generationenkonflikts, wie er seit Sokrates bekannt ist. Vielleicht könnte man auch von einem Konglomerat beider Konfliktarten sprechen, aber nurvon einem Generationenkonflikt zu reden wird m.M.n. der Sache bei weitem nciht gerecht.

  2. On a lighter note : Wolfgang Börnsen is born on April 26th, 1942 (I found it on his website). Which means he turned 70 today, the same day the Deutscher Computerspielpreis will be held.

    Now, I get it : Herr Börnsen is furious because he’s afraid the people at Crytek would spoil his birthday !

  3. @ skully:
    Niemand hat auch nur entfernt etwas von einer „Fixierung“ geschrieben; der erste Kommentar lautet: „Spiegel-Journalist Ole Reißmann hat zutreffend interpretiert, dass es sich bei der Jahrzehnten alten Killerspieldebatte vor allem um einen Generationenkonflikt handelt.“ Im Artikel selbst steht, dass „dieser Generationenkonflikt gegen ein Kulturgut auf Nebenkriegsschauplätzen geführt“ und die Überschrift lautet: „Der Computerspielpreis ist ein Nebenschauplatz eines Generationenkonflikts“. Ich stelle lediglich in Frage, dass es „vor allem“ ein Generationenkonflikt ist, sondern diagnostiziere da viel eher einen Kulturkonflikt (s.o.).

  4. Trotzreaktionen hab in der Debatte auch von der aufgeschlossneren Industrie- und Wissenschaftsseite her noch nie beobachtet – ich tippe auf „Anno 2070″.
    @Generationenkonflikt
    Stimme Vicarocha naturgemäß zu, wobei ich glaube dass da (bewusst – eben um einen Generationenkonflikt herzustellen) nicht ganz genau hineingesehen wird: die Stellungnahme von Rößner (und Malte Spitz) kommt von den Grünen wohl noch am ehesten der PM von der Unionsfraktion nahe, während Schulz und Jarzombek eher Einzelmeinungen von sich geben und noch dazu von der PM der Union als Jury-Mitglieder indirekt auch angegriffen wurden.
    Also man sollte schon sehen WER da WO WIE spricht –
    Ob sich zum Beispiel die SPD-Fraktion des Bundestages da irgendwo offiziell gegen die Unionssichtweisen gestellt hat: nein. Also wenn das nicht, bestätigt das den Generationenkonflikt, weil dort natürlich auch alles ältere Menschen (insgesamt) den Ton angeben und deshalb dazu schweigen? Dann war das doch schon immer so – siehe auch das „Verbot von Killerspielen“ im Koalitionspakt 2005. Was wurde da wegen ein paar Jüngerer die abweichen sichtbarer?
    Dabei: sicher ist ein Generationenkonflikt auch da, keine Frage – nur halte ich den schon für vernachlässigbar. Und (über)betont wird er aus meiner Sicht deshalb gern, weil so bereits etablierte Institutionen wie die USK-Praxis mit begründet werden. Einem Selbstverständnis nach. Auf CNETZ hieß es auch ziemlich unmissverständlich, dass Spiele ohne USK-Kennzeichnung sehr wohl „Killerspiele“ wären und deshalb auch nicht zu akzeptieren. Das heißt, dass es für Tauber/Jarzombek „Killerspiele“ sehr wohl (wirklich) gibt, und dass diese „Killerspiele“ bereits nicht zugelassen wären (!) Es wird bloß anders unterschieden. Ein „Super Mario 64″ wird ein auch Börnsen etwa nicht als „Killerspiel“ identifizieren, während dies ein Werner Glogauer vielleicht noch getan hat/hätte. Ebenfalls einen „Generationenkonflikt“?
    Und Tauber/Jarzombek sind auch jüngere Menschen. Aus der CSU, etwa von Frau Bär, hab ich im Übrigen noch gar nichts gegen die PM der Union gelesen. Den Kulturkonflikt gibt es insgesamt nicht nur zwischen Gamern und denen die gegen „Killerspiele“ sind, sondern vor allem auch unter Gamern selbst. Frau Bär halte ich etwa auch für eine Gamerin.
    Im USK-18-Bereich wird noch dazu besonders viel herumlaviert, so zum Beispiel von „gewaltbeherrscht“ gesprochen, usw.

  5. Pingback: Crysis 2 laut CDU/CSU-Bundestagsfraktion nicht preiswürdig | Binzl Online

  6. Daran muss sich was ändern oder man soll einen Boykott gegen diesen zensierten Müll anzetteln und sich das alles aus dem Ausland beschaffen statt wie auf dem Fließband nur zensierten müll zu schlucken. Die Publisher, BPJM, FSK, USK, SPIO und zu guterletzt die Justitz können sich alle ins Knie ficken. Und das sag ich UNZENSIERT!

  7. Pingback: Gegenkommentar: Es gibt keinen Generationenkonflikt, nur einen Konflikt zwischen Spielern und Nicht-Spielern. « Alltagswahnsinn

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