Brutal, Brutaler, „World of Warcraft“

(sz) Es gibt Momente, in denen einem die Spieler von „World of Warcraft“ benahe leid tun können. Nachdem der Titel durch den Spiegel mit dem Amoklauf von Winnenden in Verbindung gebracht wurde, ist das cartoonartige und farbenfrohe Rollenspiel – „ab 12“ freigegeben – in der Presse zu einen gewaltverherrlichenden „Killerspiel“ mutiert. Nachdem die FAZ „World of Warcraft“ schon zum Ego-Shooter „erhob“, glänzt nun die SZ:

In einem Interview wird Martin Geisler die scheinbar provozierende Frage gestellt, ob er – nachdem mit „Crysis 2“ ein Ego-Shooter ausgezeichnet wurde – auch die Prämierung von so umstrittenen Spielen wie „World of Warcraft“ für denkbar halte:

Wenn die Machart für einen Preis tatsächlich wichtiger ist als die Pädagogik – müssten dann nicht auch „Modern Warfare“ oder „World of Warcraft“ ausgezeichnet werden? Spiele, von denen der norwegische Massenmörder Anders Breivik gesagt hat, er habe sie täglich zur Übung benutzt.“

Breivik nutzte „World of Warcraft“ übrigens, um gegenüber seinem Umfeld eine Ausrede dafür zu haben, dass er sich vor der Tat zurückzog. Was er nach der SZ in dem Spiel als Vorbereitung getrieben haben soll, wissen wir leider nicht.

26 Gedanken zu “Brutal, Brutaler, „World of Warcraft“

  1. Die Frage ob WoW augezeichnet werden sollte kann ich eigendlich nur als Scherzfrage abtun. Aber die Reaktion auf die Frage ist ein noch größerer Lacher.

    Es ist mir schon unbegreiflich wie man mit einem Egoshooter „üben“ soll aber ein thirdperson Spiel wie WoW damit in Verbindung zu bringen ist doch echt arm.

    Wenn man nach Phönix geht muss Herr Breivik wohl nen Hunter gespielt haben „…wo er auch sehr viel geschossen hat.“. Diese unnütze Hetze ist doch echt nichtmehr feierlich…

    @Rey: Übrigens fehlt deinem Breivik im letzten Absatz das zweite i^^

  2. Ich frage mich nach wie vor wie Breivik mit Call of Duty geübt haben will. Das hat er doch nur gesagt um noch mehr in der Presse zu rühren.

  3. Vielleicht sollten wir den Medien den Unsinn mit „World of Warcraft“ einfach glauben – wir glauben ihnen doch andere Lügen auch, wie man sich hier immer wieder überzeugen kann.

  4. Das fehlen noch mehr „i“: ;)
    1. Zeile Zitat: wchtiger
    3. Zeile Zitat: täglch
    .
    @Topic:
    Spricht schon Bände, wenn einige Journalisten einem gestörten Amokläufer glauben anstatt selbst zu recherchieren…

  5. Edit: Das ganze Interview scheint ziemlich grottig gewesen zu sein. Frage mich ernsthaft, was die bei der SZ für ein Bild von uns Gamern haben…

  6. Mir zeigt das bloß wie negativ so übliche Sprechweisen wie von „gewalthaltig“ bei „Hindernissen“ – eigentlich doch völlig absurd – da (trotz allem!) doch ankommen können, wenn über eine Medienpädagogik etc. sich da schon zu „gewaltverherrlichend“ usw. abgegrenzt werden möchte ^^ Leider kann ich auf dem Bild nicht erkennen, wer das Interview geführt hat, nur „Ma…“
    Da hilft halt alles nichts – bei einem Peter Bürger reichen schon Explosionen von Geräten oder Architektur aus um für Empörung, wie über eine Militarisierung, zu sorgen. Thomas Feibel thematisierte diesbezüglich schon „Minesweeper“.
    Zwischen 2004 und 07 erschienen dort eine ganze Reihe solcher Artikel, die sie später dann auch online als „Dossier Killerspiele“ (gegen Entgelt versteht sich) zusammengefasst haben: aufgeschlossenere Leute wie ein Jürgen Fritz wurden damals zwar (auch) schon eingeladen, wurden von der geballten Ladung (ich möchte auch sagen Gewalt) von Gegenstimmen – wie etwa der von Michael Wallies, später bei „Mediengewalt.eu“ – leicht übertönt: so verteidigt jedenfalls niemand inkriminierte Videospielinhalte.
    Und sicher ist genau das eigentlich auch gar nicht beabsichtigt – trauriger Weise.

  7. Diese ganze sensationsgeile Berichterstattung hätte man vermeiden können, warum läst man die Presse überhaupt an dem Prozess teilnehmen? Es ist doch offensichtlich das die wohl kaum an seriöser Berichterstattung interessiert sind, und obendrein gibt man den Täter auch noch eine Bühne. Breihirni rechnet mit genau den Zirkus den uns die Schmierfinken von FAZ und die anderen Idioten zusammenfantasieren. Nur schnelle Sensationen keine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft.

  8. Unser Kollege Martin ist da wahrlich in einen kleinen Shitstorm geraten. Das Interview war so schon haarsträubend, wir mussten vor der Veröffentlichung des Interviews noch an dem „Transkript“ Kritik üben, da bereits hier suggestiv an den Aussagen Veränderungen vorgenommen wurden. Richtig übel wurde es allerdings erst mit den kürzlich erschienen Leserbriefen. Da erspare ich mir einen Kommentar, jeder kann sich dazu seinen Teil denken:
    http://h9.abload.de/img/467607_43668877634247sxy57.jpg

  9. @Kelvin
    Ich würde hinsichtlich der Dimension vermuteter Hintergedanken immer vorsichtig sein: Ob man ihn nun bewusst hat „auflaufen“ lassen oder schlicht die „Chance“ ergriffen hat aus den unverhofft eintreffenden Leserbriefen Kapital zu schlagen: Im Endeffekt wird es wohl höchstens darum gehen dem Bedürfnis der Leserschaft nach der Bestätigung liebgewonnener Stereotypen zu entsprechen: Die Presse wird also nur sich bzw. den Kunden gefallen wollen – um die Sache geht es nicht. Deswegen sollte man nicht viel auf das mediale Echo im Blätterwalt geben, sondern schlicht das Feedback derjeniger abwarten, die ihre Brötchen nicht durch eine Informationssimulation verdienen.

  10. Nun, es war schon auffällig wie Fragestellung, Transkription sowie Kollektion und Arrangement der Leserbriefe in eine Richtung gedrückt wurden.

    In dem Zusammenhang ein ebenfalls zu dem Thema gegebenes Interview von Martin vor ein paar Tagen, das wir guten Gewissens als „best practice“ bezeichnen können. Wäre schön wenn es mehr solche Journalisten gäbe:
    http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/impuls/-/id=1853902/sdpgid=656684/nid=1853902/did=9488156/xovt15/index.html

  11. @Kelvin
    Das Gespräch ist wirklich um eine gute Darstellung bemüht. Doch ich bezweifle, dass der Großteil der Leser der SZ sowas wünscht, was auch die Redaktion wissen wird. Es ist einfach nicht spannend genug, nicht kontrovers und für einen kurzen Zeitungsartikel vielleicht auch viel zu komplex, als dass es ohne größeren Aufwand verständlich dargestellt werden könnte. Eine sachliche Aufmachung wäre von daher wohl nicht im Interesse des Formats gewesen. Und die Resonanz gibt ihnen ja recht: Es gab offenbar eine Vielzahl von Leserbriefen emotional berührter Leser. Mit dem Gegenentwurf hätte man höchstens bei Gaming-Enthusiasten punkten können.

  12. Mag sein dass es (noch)eine Menge an Menschen gibt die eine einseitige und undifferenzierte Berichterstattung wünschen, um ihre Meinungen bestätigt zu sehen. Kritische Leserbriefe abzudrucken ist auch gar nicht das Problem. Allerdings wird man das Gefühl nicht los, dass die verantwortliche Redakteurin sich die auch die polemischten Meinungen rausgepickt hat und allen positiven Antworten keinerlei Beachtung geschenkt hat. Das macht mMn den Hauptkritikpunkt aus, denn so sollten Journalisten nicht arbeiten. Bei der BILD hätte mich das noch weniger gewundert, die SZ habe ich eigentlich für etwas differenzierter gehalten.

  13. Pingback: “Kritik” und “Meinung” – Kommentar bei “Stigma Videospiele” | Der Almrausch

  14. @Pyri:
    Stimme vollkommen zu!
    .
    Die Ironie, dass SZ-Leute gestern den Nannen-Preis mit der Begründung abgelehnt haben, dass Bild keinen Qualitätsjournalismus macht und sie die Auszeichnung deshalb nicht mit ihnen teilen wollen, lässt angesichts der Gaming-Berichte schon ein wenig schmunzeln.

  15. Bwahaahahaha.
    Ohne Worte. Womit verdient der Mann sein Geld? Ich habe das natürlich jetzt noch nicht überprüft(auf den Zusammenhang hin) – aber so sieht das erstmal nach der Ansicht eines Stubenhockers auf, der sich seit Jahren nicht mehr auf die Straße getraut hat. Der hat wahrscheinlich auf das neuste Hackbrett mit Beleuchtung gekauft um sich das Gemüseschneiden zu erleichtern.

  16. Warum sollten WoW oder CoD4 ausgezeichnet werden? Sind die insgeheim in Deutschland entwickelt worden? Allein die Frage ist daher schon mal einfach nur dumm, sofern korrekt zitiert.

  17. Ach, nunja, wenn man sich einmal den Weg der Videospiele von 1980 bis 2012 anschaut, so kommen einem solche Kommentare wie von der SZ doch wie ein Überbleibsel vergangener Zeiten vor.
    Und absurderweise ist die Website hier in einer Zeit publiziert worden, als man zwar riesige Debatten über Gewalt in Videospielen geführt hat, dies aber kaum Konsequenzen hatte. Im Gegenteil, die Freigaben werden immer liberaler.

    Man schaue sich mal die Videospiele der 80er und 90er an, und sehe sich gleichzeitg dazu die Indizierungen und „nicht-Veröffentlichungen“ an. Es kommt einem so vor als wären die Leute damals komplett gaga gewesen (Indizierung von „1942“,“River Raid“ und Commando, zensieren und umbenennen von Contra in Probotector). Aus heutiger Sicht stimmt das auch, aber das war früher der Zeitgeist. Das ist heute kaum noch ein Thema, die Spieler von damals sind erwachsen geworden, und nur einzelne Versprengte erinnern noch an den Zeitgeist der 80er.
    Wahrscheinlich ist die Debatte bald abschließend beendet, zugunsten der Spieler.

    @Jane Doe: Da wurde ein Vergleich angestellt. Spiele „wie“ WoW. Die Frage war ob ein deutscher Shooter/ein deutsches MMO auch ausgezeichnet werden würde.

  18. Jane Doe:
    das hab ich mich auch gerade gefragt. die Frage ist also sehr kritisch, und könnte mit einem ganz einfachen „Nein“ beantwortet werden.

  19. ich glaube, ich bin mir sicher, dass ich in WoW mehr „lebewesen“ getötet habe als in CoD, BF3 und co zusamennen xD

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