Süddeutsche – Warum „Counter-Strike“?

(sz) Bei der Süddeutschen Zeitung findet sich ein Artikel  in dem unter anderem der Amoklauf von Erfurt thematisiert wird. Auch wenn es nicht ausdrücklich geschrieben wird, dürfte der Leser nach der Lektüre den Eindruck haben, dass der Täter mit „Counter-Strike“ das Töten geübt habe:

Sind Ego-Shooter-Computerspiele, die Robert S. exzessiv nutzte, möglicherweise mitverantwortlich für seinen Gewaltausbruch? […] Ego-Shooter sind nach der Bluttat von Erfurt hierzulande in die Kritik geraten: Bei Computerspielen wie Counter-Strike ist der Spieler agierender Protagonist und muss sich durch eine dreidimensionale Welt schießen. Gegner sind computergesteuerte Akteure oder – bei Online-Games – andere Spieler. Bereits nach dem Massaker an der Columbine High School 1999 in den USA waren Ego-Shooter in Verruf geraten. Die beiden Schüler, die dort das Attentat verübten, sollen wie Robert S. das Töten zunächst virtuell geübt haben.“

Tatsächlich hatte der Täter mit dem Spiel „Counter-Strike“ jedoch nicht viel am Hut, wie die mit der Aufarbeitung der Tat befassten Gutenberg-Kommission in einem Gutachten feststellte:

Weil in einem Buch im Zusammenhang mit dessen Ego-Shooter-Aktivitäten ein nach den Erkenntnissen der Kommission nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmendes Bild von Robert Steinhäuser gezeichnet wird, muss ausdrücklich klargestellt werden, dass Robert Steinhäuser nicht mit einem Freund namens Steffen, die Nächte durch Counter-Strike gespielt hat und Counterstrike auch kein Dauerbrenner von Robert Steinhäuser gewesen ist. Für die gegenteiligen Angaben […] haben sich […] keinerlei Anhaltpunkte ergeben […].“

Lediglich auf einer offensichtlich gefakten Webseite – sie wurde noch nach der Tat verändert  – wurden dem Täter Worte in den Mund gelegt, wonach es sich bei „Counter-Strike“ um sein Lieblingsspiel handeln würde.

Warum von der Presse in diesem Zusammenhang immer wieder „Counter-Strike“ angeführt wird, verwundert. Will man den Lesern nicht zumuten mehr als einen Ego-Shooter zu kennen? Soll der Leser durch die Erwähnung des immer gleichen Spiels den Eindruck gewinnen sich „auszukennen“, da das Spiel auch in anderen Zusammenhängen erwähnt wird?

Vielleicht ist man aber auch einfach der Meinung, dass die Argumentation mit den wahren Hintergründen nicht mehr passt. Als wirkliches Lieblingsspiel des Täters wird im Gutachten nämlich  „Quake III Arena“ benannt, dass vom Täter auch noch vor der Tat gespielt wurde. Von der Gutenberg-Kommission wird diesem Spiel zwar eine „aufputschende Wirkung“ zugeschrieben sowie ein „Abstumpfungseffekt“ und „Gewaltanwendungstraining“ gesehen, doch die Vorstellung, dass der Täter mit „Quake III Arena“ das „Töten zunächst virtuell geübt“ habe, dürften nichtsdestotrotz auch Nichtspieler grotesk finden:  Sich in einem SciFi-Szenario mit Plasma- und Elektrowerfern zu duellieren, während man zu im Weltraum schwebenden Plattformen katapultiert wird, wirkt einfach weniger „bodenständig“ als das realitätsnahere „Counter-Strike“.

Für diejenigen, die das Spiel nicht kennen:

So sieht es nach der Süddeutschen also aus, wenn jemand im Vorfeld eines Amoklaufes „das Töten zunächst virtuell geübt“ hat.

2 Gedanken zu “Süddeutsche – Warum „Counter-Strike“?

  1. Hat doch auch was Positives, dass immer wieder auf CS zurückgegriffen wird. Offenkundig sind nachfolgende Shooter nicht mehr so gefährlich, sonst würde man sie ja nennen. *Ironie*

  2. Ist ja echt sonderbar wie sich diese (sinnlose) Debate in die Länge gezogen hat. Jedeswegs geht meine Stimme am Sonntag sowieso an die Piraten. Wäre geil wenn sie Mehr Stimmen bekommen würden als die Grünen, die Linken oder die FDP. Doch bis sie sich zum Bundestag durchboxen können ist es noch ein langer weg. Ich finde es auch kacke, dass die Petition gegen die Rechtswidrigkeiten der Spiele keinen erfolg hatte.

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