DDD: Das Drama um On-Disc-DLC

Viele Spieler sehen Downloadable Content, kurz DLC, als pure Abzocke seitens der Publisher. Umso mehr, wenn der Download nur Inhalte freischaltet die bereits auf der Disc waren. Die Publisher und Entwickler dagegen bestehen darauf, dass es ein notweniges Übel ist, ohne das sich die teure Produktion von Videospielen heutzutage gar nicht mehr rentieren würde.

Prinzipiell gefällt mir das Konzept von DLC an sich sehr gut. In manchen Fällen ist es ja nichts anderes als das in den 90ern gängige Prinzip der Expansion Packs à la Jedi Knight: Mysteries of the Sith oder Baldur’s Gate: Die Legenden der Schwertküste. Man hat ein Spiel durch, will aber mehr davon. Und für eine Handvoll Dollar gibt es das selbe Gameplay in neuen Gebieten und einer neuen Geschichte. Das Konzept ist also bei Weitem nichts neues, nur inzwischen anders verpackt.

Das Problem liegt oft darin wie es verpackt ist.

Vermutlich habt ihr es schon anderswo gehört: Zu Mass Effect 3 gibt es vom ersten Tag an DLC. Sogenannter “Day 1 DLC” kassiert immer am häufigsten Schelte von wütenden Spielern. Anstatt dem Spieler ein paar Wochen oder Monate nach dem ursprünglichen Release des Spiels neue Inhalte zu bieten, egal welche Form dieser jetzt annimmt, gibt es von Anfang ein Zusatzpaket. Das hat selbstverständlich einen merkwürdigen Nachgeschmack. Wenn dieser Inhalt schon zum Launch bereit war, warum ist er dann nicht auf der Disc die ich gerade für teures Geld erstanden habe? Umso schlimmer ist es, wenn sich heraus stellt, dass der “downloadable” Teil des Downloadable Content, quasi nur die Freischaltung der Inhalte war, die bereits auf der Disc vorhanden waren.
Erst vor kurzem musste Capcom ziemlich einstecken, als findige Hacker die eigentlich als DLC gedachten Zusatzcharaktere im Crossover Prügelspiel Street Fighter X Tekken freischalteten und damit Online in den Kampf zogen.Capcom hat den “On-Disc DLC” damit verteidigt, dass Spieler die sich gegen den Kauf entscheiden, trotzdem online gegen die zusätzlichen Charaktere kämpfen können. Was von einem technischen Standpunkt aus sicher Sinn macht. Immerhin müssen die Charaktere ja auch am Gerät des anderen Spielers dargestellt werden. Da hilft auch kein offizielles Statement:

“SFxT verfügt über eine enorme Menge an Inhalten, die dem Spieler von der Disc aus direkt zur Verfügung stehen. Angesichts der 38 voll spielbaren Charaktere, sowie mehrere Spielmodi, hat SFxT von Anfang an viel zu bieten.

Es tut uns leid, dass manche unserer Fans nicht glücklich mit der gewählten Lieferungsmethode sind, glauben aber, dass diese Methode für flexibleres und effizentieres Gameplay während der Lebenszeit des Spiels sorgt.
Es gibt effektiv keinen Unterschied zwischen DLC, der auf der Disc ‚verschlossen‘ ist und zu einem späteren Zeitpunkt zugänglich gemacht wird, oder als vollwertiger Download zur Verfügung gestellt wird, außer der Art der Lieferung.”

Also rein rechtlich gesehen hat Capcom damit sicher Recht. Aber die Spieler kommen sich trotzdem verarscht vor. Zu Recht, meiner Meinung nach. Denn es ist nicht so, als hätte man nach dem Release des Spiels darüber nachgedacht, wie man es erweitern könnte. Diese zusätzlichen Teile waren fertig. Möglicherweise ist das oft der Fall. Vielleicht war auch auch der Red Dead Redemption-DLC Undead Nightmare schon fertig als das Spiel in den Regalen stand. Wie war es wohl mit dem 2-teiligem Epilog von Castlevania: Lords of Shadow? Der erschien erst Monate nach dem Launch. Wären Reverie und Resurrection kein totaler Mist gewesen, wäre das ein Beispiel für richtig gut gemachten DLC. Es muss ja kein Epilog sein. Möglich sind auch neue Level und Modi die nichts mit dem Hauptspiel und dessen Handlung zu tun haben. Seht euch den DLC von Fallout 3 an. Vier davon waren neue Quests an neuen Orten mit neuen Charakteren und neuen Waffen. Und Broken Steel wurde sogar, schockschwere Not!, dazu genutzt eine von Fans geforderte Änderung einzuführen. Die DLCs waren voneinander unabhängig, aber erweiterten das Gesamterlebnis. Und da sind wir wieder: erweitert. Von Erweiterung.
Solcher DLC sollte der Standard sein, nicht die Ausnahme! Dann hätten die Spieler auch weniger Grund alte Spiele in Zahlung zu geben, was wiederum die Publisher freut, wenn es weniger gebrauchte Titel auf dem Markt gibt. Stattdessen hat man immer öfter das Gefühl, dass man für DLC bezahlt, der aus einem vollständigem Spiel entnommen wurde. Wie zum Beispiel bei Mass Effect 3:

Aus der Asche ist das erste Paket mit Story Content für ME3. Aber die Geschichte um Shepards neustes Crewmitglied scheint mehr als nur “zusätzlicher” Inhalt zu sein. Der Protheaner Javik ist mehr als nur ein weiteres Gewehr im Kampf gegen die Reaper wie es Zaeed in Mass Effect 2 damals war. Er öffnet einen Teil des Mass Effect Universums den wir bisher kaum kannten. Mehr als nur Gangster, Söldner und sonstigen Abschaum wie bei ME2 , sondern endlich mal handfesten Hintergrund zu den Protheanern. So handfesten Hintergrund, dass er nicht nur unsere, sondern vor allem Liaras Vorstellungen über sie massiv ins Wanken bringt.
Zwar trägt Javik nichts zum finalen Sieg über die Reaper bei, was nicht auch James “IMASPAZMÄRIN HURRRR” Vega nicht auch geschafft hätte, aber es fühlt sich wirklich an, als hätte man hier Inhalte aus einem fertigem Spiel entnommen. Eine Annahme, die durch die Tatsache, dass auch ein Großteil von Aus der Asche bereits auf der Disc enthalten ist, untermauert wird.

Laut Gears of War-Guru Cliffy B. ist On-Disc DLC ein notwendiges Übel. Wenn man ein Spiel entwickelt gibt es oft eine angeblich monatelange Phase in der der Content, das gesamte Spiel quasi, fertig ist. Aber das Team muss beschäftigt werden und so wird an DLC gearbeitet, der dann eben trotzdem noch schnell mit auf die Disc gepresst wird.
Ob das jetzt die Wahrheit ist, kann ich natürlich nur schwer beurteilen. Aber es ändert nichts daran, dass es für uns Konsumenten, einfach schlicht scheiße ist, wenn wir mit unserem Geld sogenannte herunterladbare Inhalte erwerben, die aber bereits auf der Disc enthalten sind und nur für die Freischaltung bezahlen. Sicher ist es von einem technischen Standpunkt aus gesehen einfacher.

Capcom hat sich inzwischen für das Debakel um On-Disc DLC entschuldigt. In Zukunft würde man, wo auch immer möglich auf On-Disc DLC verzichten. Das Fantasy-Spektakel Dragon’s Dogma, welches am 25. Mai erscheint, und andere Spiele die in der Entwicklung bereits zu weit fortgeschritten sind, werden allerdings noch darüber verfügen. Die Frage ist, wie es danach weitergeht…

3 Gedanken zu “DDD: Das Drama um On-Disc-DLC

  1. Man sollte sich dafür einsetzen, dass alles was auf einer Disc gekauft wird auch dem Käufer zuverfügung zu stehen hat… es ist nur eine Abzocke besonders die 1 Day DLC. Aus Software Entwickler sicht macht es keinen Sinn dies zu verstecken außer Gewinn Maximierung…wenn der Inhalt benötigt wird wieso sollte man ihn nicht auch nutzen können?

  2. Bei Risen 2 konnte man sich den On-Disk-DLC ercheaten statt ihn zu kaufen. Es fehlte faktisch nur ein Questhelper, den man per Konsole einfügen konnte. Da fühlt man sich doch als DLC-Käufer doppelt verarscht.

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