Freie Wähler fordern Killerspielverbot

Offenbar hat es die Forderung nach einem Killerspielverbot per Selbstverpflichtung in den aktuellen Entwurf für das Grundsatzprogramm der Freien Wähler geschafft. Begründet wird diese Position ausgerechnet mit der Freiheit des Einzelnen. Unter der Überschrift „Netzpolitik“ heißt es:

„IT-Anwendungen haben ihre Grenze dort, wo die Freiheit des Einzelnen und das Recht auf Respekt ethischer Grundsätze verletzt werden. Wir fordern die IT-Industrie auf, von sich aus verbindliche Regeln gegen ethisch fragwürdige Auswüchse bei der Spieleentwicklung zu beschließen („Baller- und „Killerspiele“). Es kann nicht hingenommen werden, dass der Jugendschutz teilweise ausgehebelt wird.“

Eine dahingehene Stoßrichtung ist auch in den Eckpunkten zum Grundsatzprogramm erkennbar, die am 16.06.2012 bei der Bundesmitgliederversammlung der Freien Wähler beschlossen worde. Dort heißt es:

„In Sachen Netzpolitik vertreten die FREIEN WÄHLER die Position, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist. Anonyme Beleidigungen haben zu unterbleiben. Auf moralisch-fragwürdige Killerspiele sollten die Spiele-Produzenten künftig freiwillig verzichten.“

Viel fragwürdiger als jede interaktive Erzählung ist doch, warum immer wieder der Jugendschutz als Argument gegen die Freiheit des Einzelnen angeführt wird.

Einen Absatz nach der Verbotsforderung wird auch noch die Einführung (sic!) einer Indizierung von Internetseiten ins Gespräch gebracht. „Um jugendliche Nutzer zu schützen“, könnten Werbeverbote „in letzter Konsequenz notwendig sein“. Wahrscheinlich zeigt allein das Faktum, dass die Freien Wähler von der bereits existierenden Indizierung noch nichts bemerkt haben, dass Indizierung als schützendes Instrument absolut versagt hat und besser abgeschafft werden sollte.

20 Gedanken zu “Freie Wähler fordern Killerspielverbot

  1. Immer wieder amüsant zu lesen, wie wenig einige Politiker doch die Gesetzeslage kennen. Schließt diese Aushebelung des Jugendschutzes auch ein, dass der große Bruder ein USK18 Spiel legal kauft und es seinem 12-Jährigen Bruder schenkt? Fall ja, folgen Konsequenzen?
    Aber ich bin auch neugierig geworden: „Killerspiele“ sind offenbar nicht gleichbedeutend mit „Ballerspielen“, wenn ich dem ersten Zitat folge. Bitte erklärt mir den Unterschied liebe FW und wenn ihr schon dabei seit auch gleich was denn KS und BS sind.
    Mein Favorit bleibt aber diese Aussage hier: „Anonyme Beleidigungen haben zu unterbleiben.“ Beleidigungen mit Klarnamen und Anschrift sind ok oder folgt dann eine Anzeige? ;)

  2. Nun diese Leute sind ein wenig verwirrt! „Notfalls raus aus der EU! Wir wollen keine Eurobonds etc… “ aber dann „Wir wollen mit mit unseren Nachbarn in Frieden leben. Die EU ist das Zentrum dafür?“ . Diese Pamphlet ist wohl von einem Schizophrenen geschrieben worden. Populistisches Sammelsurium an Forderungen die kein besonders koherentes, politisches Programm darstellt. Günstige hochwertige Lebensmittel aber bitte keine Gentechnik und Konzerne, Bauern und Fischer sollen sich selbst überwachen, da wird buchstäblich der Bock zu Gärtner gemacht. Ich frage mich was diese Leute zu sich genommen haben um diese Art von Realitätsverlust zu haben. „Wir sagen ja zu NATO und USA. Das schließt kritischen Dialog nicht aus!“ ??? Wie wäre es mit etwas kritischen Dialog bevor ihr „Leitlinien“ veröffentlicht? Oh, das beste zum Schluss. „Wir sind gegen die Zensur des Internets“ und dann „Werbeverbot für alle Inhalte die uns nicht gefallen.“ zum Beispiel die Killerspiele. Warscheinlich ist diese Partei mit hilfe der Linken bzw der SPD entstanden um CDU/CSU Stimmen zu klauen. Wurst meine Stimme haben die Piraten!

  3. Die Piraten machen aktuell auch verdammt viel Mist…:

    Verbünden sich mit extremen Feministinnen:
    http://www.piratenpartei.de/2012/05/09/geplante-ubergabe-offener-brief-an-familienministerin-dr-schroder/

    Sind gegen Rauchverbote…
    http://www.piratenpartei-nrw.de/47555/2012-07-02/ablehnung-des-entwurfs-fur-ein-neues-nichtraucherschutzgesetz-nrw-vorstand-komplett/
    …auf dieser Grundlage:
    http://www.piratenpartei-nrw.de/47559/2012-07-02/position-zur-novellierung-des-nichtraucherschutzgesetz-nrw/
    Man beachte die Studie:
    http://www.freiheit-toleranz.de/getfile.php?id=539

    Zusammenhang?
    Der Kommentar erklärt es:
    http://www.piratenpartei-nrw.de/47559/2012-07-02/position-zur-novellierung-des-nichtraucherschutzgesetz-nrw/#comment-1232

    So und wer jetzt noch sagt, die Piraten wären toll, der sollte das relativieren in ein: „Die Piraten sind aktuell evt. weniger schlecht als der Rest!“ ;)

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  5. Die Piraten haben sich immer persönliche Freiheit auf die Fahnen geschrieben, Raucher sind heute Bürger 2. Klasse. Tatsache ist das sämtliche Antirauchergesetze hier und in den USA auf einer Studie basieren die bereits 1992 vom Obersten Gerichtshof der USA nicht anerkannt wurden. Ich bin Nichtraucher, und ich habe zeitweise auch in der Gastronomie gearbeitet (ausgeholfen) aber ich kann die Hetze die gegen die Raucher betrieben wird nicht nachvollziehen. Speziell die blinde Hetze gegen die E-Zigarette die nicht auf verbrennen von Tabak basiert sondern auf verdampfen ohne langfristige Studien ist nicht wissenschaftlich nicht belegt und daher reflexartig. Daher ist mir die Position der Piratenpartei recht. Mehr Freiheit für Frauen raus aus dem „traditionellen“ Geschlechterbild und den damit verbundenen gesellschaftlichen Nachteilen. Zum Beispiel weniger Lohn für die Frauen, also weniger Kaufkraft, weniger Abhängigkeit von Männern. Ich mag nuneinmal intelligente unabhängige Frauen keine typischen Küchenkühe die nur für Kinderzucht gehalten werden. Vielleicht liegt das daran das ich nicht dermaßen in meinen Geschlecht verunsichert bin.

  6. Als Feminist kann ich diesen Brief natuerlich auch bloss unterstuetzen: freut mich, dass in der Partei wenigstens da Einigkeit besteht. Und auch die Rauchverbote finde ich als jemand der noch nie in seinem Leben etwas geraucht hat mittlerweile schon sehr fragwuerdig und problematisch. Es faellt mir schon auf wo in der Oeffentlichkeit ueberhaupt noch geraucht werden darf – einigermassen bedenklich…

  7. @Freie Wähler: Bevor ich von den bereits beschlossenen Eckpunkten gelesen habe, hatte ich ja noch gehofft, dieser Unfug wäre „nur so durchgerutscht“. Es muss doch irgendjemanden dort geben, dem auffällt, was für ein Unsinn da formuliert wurde.

    @Rauchen: Was Restaurants betrifft, muss ich den Ansatz des Nichtraucherschutzes begrüßen. Früher war es als Nichtraucher unerträglich in einige Gaststätten zu gehen. Und nachdem zuerst der Tod der gesamten Gastronomiebranche prognostiziert wurde, ist nun meist in den neu angelegten Nichtraucherbereichen alles besetzt, während die Raucherbereiche noch freie Plätze haben. Vorher hatte man, wenn man keinen Tabakrauch mochte, nur die Möglichkeit, daheim zu bleiben. (Marihuanarauch finde ich persönlich übrigens viel angenehmer, leider bekommt man ihn aber deutlich seltener zur Nase.) Von da her ist die Regel, dass jeder Gastronom einen Bereich anbieten muss, in dem der Aufenthalt nicht durch Rauch beeinträchtigt werden darf, ein guter Ansatz. Gerade in NRW gibt es hier das Ärgernis, dass einige Betriebe ihren alltäglichen Betrieb als Privatveranstaltung deklarieren, indem sie sich z.B. „Raucherclubs“ nennen und „Mitgliedsanträge“ auslegen, um die gebotenen Nichtraucherplätze doch nicht anbieten zu müssen. Ob man deswegen das Rauchen ganz – auch wenn eine Störung von Nichtrauchern verhindert wird – verbieten muss, ist natürlich eine ganz andere Frage. Spontan würde ich sie mit Nein beantworten. Was das Dampfen angeht, habe ich noch keine Erfahrung. Auch hier würde ich sagen: Wenn es dritte nicht beeinträchtigt, soll es (überall) gemacht werden dürften.

  8. So so pyri, als feminist musst Du einen Brief, der Lügen verbreitet und Unsinn fordert (symbolpolitik) unterstützen … Na das ist ja mal eine ganz tolle Einstellung… Auch als feminist muss man zunächst mal nachdenken und nicht jedem dummen Pamphlet nacheifern, bloß weil da ein paar Spinner mist unter feministischem Vorwand fordern!

  9. @Patrik Schönfeldt
    Schon die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages schienen mir zum Höhepunkt der „Killerspiel“-„Debatte“ ein Verbot nicht unbedingt konkretisieren zu wollen, aber für möglich (und wohl auch durchsetzbar) zu halten. Gerade durchsetzbar war der 131a jedoch anscheinend nicht –
    Also was da untersucht wird und letztlich möglich ist muss miteinander nicht einmal etwas zu tun haben. Ich glaube das war es auch was etwa ein Pasolini seinerzeit in Italien mit einer Divergenz von Realpolitik und „politischer Wahrheit“ meinte.

    Analysiere ich nur die oben zitierten Textstellen könnte in Hinblick auf eine Unkenntnis der bestehenden Situation, in der internationalen Industrie, und Gesetze in Deutschland sogar abgesprochen werden, dass da weitergehende Verbote überhaupt gefordert sind – durch die Freien Wähler: so könnte erstens die Nicht-Existenz von Kindern in „GTA“ (IV USK-18) oder die Tatsache, dass Kindern in (natürlich immer nur einem unmodifizierten) „Skyrim“ (USK-16) erheblich schwerer verletzt werden können als erwachsene Charaktere in der Spielwelt bereits in Hinblick auf „die Freiheit des Einzelnen und das Recht auf Respekt ethischer Grundsätze“ positiv ausgelegt werden. Weshalb andere Figuren in Videospielen verletzt werden (können), darauf gehen die Zitate ja keineswegs ein. Zweitens könnte die USK in Deutschland etwa als genau die Institution gesehen werden, welche als im Besitz der Industrie befindlich „von sich aus verbindliche Regeln gegen ethisch fragwürdige Auswüchse bei der Spieleentwicklung“ andauernd beschliesst, dahingehend was auf den deutschen Markt ungehindert gelassen wird und was nicht. Sowie drittens könnte die Forderung, dass auf „moralisch-fragwürdige Killerspiele (…) die Spiele-Produzenten künftig freiwillig verzichten“ sollten auch in Hinblick auf die bereits bestehende Selbstzensur gesehen werden.

  10. Nachtrag: also mit „erheblich schwerer verletzt“ meine ich natürlich dass sie (Kinder) nicht leicht im Sinne von einfach verletzt werden können, das heißt ihnen kaum ein Schaden zugefügt werden kann. Sorry, irgendwie tue ich mir da äußerst schwer das verständlich auszudrücken –
    Bei der USK ist es ja so, dass sich von der Industrie in Deutschland gegen die Gewalt der Obersten Landesjugendbehörden praktisch niemand wehrt – genau so wie dass in der Sozialforschung überhaupt Versuche mit Menschen in Hinblick auf Nutzung oder Auswirkung von Videospielen vorgenommen werden. Daran findet ja kaum jemand etwas grundsätzlich auszusetzen, zumal es sich dabei ja jedes Mal um (angebliche) Freiwilligkeit handelt…

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  12. Die Freien Wähler sind in Deutschland üblicherweise nur in den Gemeinderäten vertreten. Für gewöhnlich interessieren sie sich nur für Lokalpolitik und sind dort relativ undogmatisch. http://de.wikipedia.org/wiki/Freie_W%C3%A4hler

    Allerdings gibt es Bestrebungen die Freien Wähler zu einer klassischen Partei um zubauen die bei Landtags- und Bundestagswahlen antritt. Grund dafür ist vor allem die Schwäche der FDP die Raum für eine weitere liberale Partei in Deutschland bietet.
    Aus dem Blickwinkel muß man das Grundsatzprogramm betrachten.
    Anscheinend wollen sich die FW im liberal-konservativen Bereich des Parteienspektrums verankern ( bietet sich auch an, da die FW im bayrischen Landtag sitzen ) und sind wohl der IMHO irrigen Meinung mit einem Killerspiele-Verbot dort Wähler gewinnen zu können.

    Da 2013 Landtagswahlen in Bayern und Bundestagswahlen sind sollte der VDVC eventuell mal die Parteien zu ihrer Haltung zum Thema Killerspiele befragen und anhand der Antworten Wahlempfehlungen geben. Eine Zusammenarbeit mit Gamestar und PC Games macht dabei auch Sinn.
    Diese Anfragen an die Parteien sollten Parteispezifisch sein und solche Formulierungen wie im Grundsatzprogramm der FW aufgreifen und hinterfragen.
    Neben dem Thema Killerspiele sollte man auch ruhig andere Jugendgefährdende Medien die umgangssprachlich als Negermusik und Schundliteratur bezeichnet werden erwähnen.
    Planen die Parteien da auch Verbote wie bei Killerspielen ?

    Sollten Politiker besonders auffällig geworden sein sollte man auch abfragen ob deren Meinungsäusserungen der Parteilinie entsprechen.
    Hier sind z.B. Herr Uhl zu nennen der die chinesische Internetzensur als Vorbild sieht oder Herr Herrmann der glaubt das die Bundeszentrale für politische Bildung von einer Verschwörung unterwandert ist und das die Bundeswehr einen Völkerrechts- und Grundgesetzwidrigen Krieg in Afghanistan führt.

  13. Genau, und gleichzeitig werden in der Realität die Waffen von unserer Regierung durch Tricks ins Ausland verkauft.

    Die Freien Wähler haben die Realität komplett im Sichtfeld und wissen genau von wem die Gefahr aussgeht. Von Ihnen selber! Denn durch ihr unglaublich schlechtem Halbwissen wollen sie Verbote die gar nichts bringen ausser vom Thema ablenken! Setzen 6!

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