„Extremely violent video games“ wie „World of Warcraft“

(TheWeek) Wegen der Gefahren gewaltdarstellender Videospiele verweisen deutsche Wissenschaftler gerne auf einen vermuteten Zusammenhang zwischen deren Nutzung und Amokläufen. So seien nach dem Kriminologen Prof. Dr. Christian Pfeiffer „Sämtliche Amokläufer unter 20 Jahre, die wir in der letzten Zeit sehen mussten, sind massiv durch Computerspiele beeinflusst gewesen“. Bei derartigen Analysen stützt man sich gerne auf Zeitungsberichte, die jedoch nicht immer der Wahrheit entsprechen. So spielten die Täter von Erfurt und Emsdetten entgegen dahingehenden Presseberichten nicht „Counter-Strike“. Von daher sollte bei Medienberichten wie dem Artikel “Killers who come from nowhere, set on chaos and destruction”, der in britischen Wochenzeitung TheWeek erschienen ist, Vorsicht geboten sein.

Dort schreibt Robert Fox:

There’s a connection between Holmes and Breivik. Both were addicts of complex and extremely violent video games.“

Das interessanteste ist hierbei die Information, dass Holmes “extremely violent video games” genutzt bzw. süchtig nach diesen gewesen sein soll. Denn in den Medien wurden bisher allein zwei Videospiele genannt, die Holmes genutzt haben soll. Zum einen das wohl harmlose Videospiel „Guitar Hero“ und zum anderen ein MMORPG. Namentlich ist es nicht bekannt, aber es gibt eine dahingehende Aussage eines Klassenkameraden von Holmes:

I can’t remember which one but it was something like World of Warcraft, one of those where you compete against people on the internet.”

Daneben wurde von der Daily Mail – wie wir bereits berichteten – Paintball irrtümlich für ein Videospiel gehalten.

Von daher überrascht es, dass Robert Fox zu dem Schluss kam, dass Holmes abhängig von „extremely violent video games“ gewesen sei. Weiß er mehr als wir?

Durch eine Anfrage bei TheWeek konnten wir etwas Licht ins Dunkle bringen. Nach dem Editor Horne bezieht sich Fox tatsächlich auf die Aussage, dass Holmes Spiele wie „World of Warcraft“ gespielt habe. Diese würden durchaus als „extremely violent“ gewertet werden können:

I think if there’s a problem here it might be a difference in interpretation of what is considered ‘extremely violent’. You say World of Warcraft and Guitar Hero […] are not ‘extremely violent’. But World of Warcraft is rated by the games manufacturer as ‘containing violence, blood and gore’.”

Was vielleicht auch erwähnt werden sollte: „World of Warcraft“ ist trotz oder sogar wegen der Art der enthaltenen Gewaltdarstellungen von der PEGI schon „ab 12“ freigegeben. Denn die enthaltene Gewalt ist recht abstrakt und innerhalb einer kunterbunten Fantasy-Welt dargestellt. Demnach müsste man mit demselben Selbstverständnis auch den neusten „Harry Potter“-Film als „extremely violent“ werten können. Auch dieser ist vom bbfc „ab 12“ freigegeben worden. Hinsichtlich des ersten Teils wurde festgestellt, dass der Film „moderate fantasy violence and threat“ enthalte.

Robert Fox steht dabei nach wie vor hinter seiner Darstellung. Wobei er betont, dass er seine Aussage bewusst vage formuliert und keine Schuldzuweisungen machen wollte:

Two things I emphasise: I was careful, for obvious reasons, not to specify the games — though two have been mentioned in others‘ copy, Guitar Hero being one. Second I did not in any way attribute blame or culpability to video games, rather I was suggesting that there is a certain personality — of which there are very, very few — who are drawn to the iconography and drama of fantasy movies like Batman and war games of the kind Breivik liked. I carefully avoided attributing cause and effect. However, the way this kind of personality responds in certain situations — where they abandon 60,000 years of social evolution and follow the dictates of the fantasy narrative – is concerning.”

Zum Artikel

(Dank an amegas.)

4 Gedanken zu “„Extremely violent video games“ wie „World of Warcraft“

  1. Klar, extrem gewalthaltig. Da hat wohl einer die PEGI-Einstufung nicht verstanden.
    Wenn WoW schon als extrem gewalttätig gesehen wird, was sind dann all die Games die laut PEGI ab 15 (bei uns ab 16) sind?
    Mann mann mann…

    Gruß
    Aginor

  2. Ach da schau her, unser lieblings Kaffeesatzleser sind wieder unterwegs. Der logische Fehler der diesen waagen Thesen steckt ist leider nur der das sie immer nach erfolgen Morden bzw. Anschlägen die „Inspirationen“ der Täter kennen lernen, oder was diese Täter auf Platte bzw im Bücherregel stehen hatten. Selbst wenn wir die Möglichkeit hätten jede Art von Medien zu zensieren bzw sie zu eliminieren haben immer noch das Problem das wir nicht wissen auf was sich der nächste Täter bezieht nach dem er mit den Morden fertig ist. Und nein tut mir leid als gebildeter, intelligenter Mensch verzichte ich nicht auf Wagners Overtüren (Adolf Hitler), die Beatles (Charles Manson), Modern Warfare 2 (Anders Brevik) oder Nolans Batman Trilogie (Robert Holmes). Ich bin einfach nicht bereit die Kunst als Ganzes diesen Leuten zu opfern nur weil besagte Irre einen Zusammenhang herstellen.

  3. Ja Holterdiepolter: Fox sollte sich besser fragen was die Narration dabei diktieren würde, denn genau das was da unterstellt wird – Wirkung und Effekt hin oder her – kann ich zum Beispiel nicht erkennen.
    Im Gegenteil: die Figur Batmans weist sogar ein Trauma Schusswaffen betreffend auf. Ginge es um „Wolverine“ und ein Messerattentat wären die Dünkel wenigstens plausibel, so aber sind sie nicht einmal das.

  4. Und im Jahre des Affen konnte man da Gorillas töten!!!111einseinself

    Achja… wer wirklich Müll über Videospiele verbreiten will, der macht das und ist da natürlich auch ganz schmerzbefreit.

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