Newsschwemme #23

Landesschau Baden-Württemberg: Spitzer über „digitale Demenz“ und schlechte Berichterstattung.
TheTelegraph: Videospiele verleiten Kinder zu Verbrechen.
Michael Schulze von Glaßer: „Spec Ops: The Line“ ist „für den Frieden gewinnbringendes Spiel„.
Welt Online: Otto spielt mit Sohn (Jahrgang 1987) „Halo“ und „World of Warcraft“.
radiobremen: Attentäter habe „wahrscheinlich […] seine Gewaltphantasien am Computer ausgelebt
Schnittberichte.com: Neuauflage vom indizierten „Doom 3“-Addon „ab 18“ freigegeben.
Schnittberichte.com: Shooter „Inversion“ für Deutsche nicht nutzbar.
vg247: In UK wird „bbfc“durch „pegi“ ersetzt.

15 Gedanken zu “Newsschwemme #23

  1. Die Freigabe des Doom3-Addons zeigt mal wieder, wie unsinnig und willkürlich die Indizierung doch ist. Ein laut SB vom Vertrieb herausgestellter Unterschied zur indizierten Fassung ist die „erhöhte Auflösung“. War „Resurrection of Evil“ also früher jugendgefährdend, weil man nur geringere Auflösungen hatte? Wahrscheinlich ist das kleinstmögliche Partikel einen Pixel groß und somit machen kleine Blutspritzer jetzt weniger Anteil am Gesamtbild aus… XD

    PS: Es wäre doch mal spannend, die Urteilsbegründungen der USK zu lesen. Hat jemand ne Idee, wen man anhauen muss, um da ne Reform in Gang zu bringen?

  2. Die „erhöhte Auflösung“ dürfte bzgl. der Negierung der (wesentlichen) Inhaltsgleichheit zur indizierten Variante keinen Unterschied gemacht haben, sondern eher die inhaltlichen Neuerungen (welche das auch immer konkret sein mögen): http://www.4players.de/4players.php/spielinfonews/Allgemein/31162/2109007/Doom_3_BFG_Edition|Add-On_auch_fuer_Deutschland_.html
    Die USK, resp. die OLJB haben da bei der Beurteilung, ob etwas so stark verändert ist, dass es nicht mehr (im Wesentlichen) Inhaltsgleich ist, ja einen Ermessensspielraum.

    Ungeachtet dessen listete der Indizierungsentscheid zu „Doom 3: Resurrection of Evil“ damals eigentlich auch nur Gründe, bzw. skizzierte Inhalte, die insg. so auch identisch im Hauptprogramm vorkamen… von daher konnte man Anhand des Entscheids nicht feststellen, was das add-on nun für eine Indizierung qualifiziert haben soll; die übliche Dekontextualisierung von Gewaltdarstellungen wurde dort betrieben. Dgl. auch bei „Fallout 3“ im Vergleich zu zu „Fallout: New Vegas“. Somit bleibt nur der Schluss, dass eigentlich auch „Doom 3“ jugendgefährdend wäre oder es das indizierte add-on eben nicht ist (eher letzteres, denn die BPjM hat die Indizierung nicht hinreichend begründet), bzw. das die ganze Geschichte „Indizierung“ und Co. absolut hanebüschen ist.

    BTW: Die USK urteilt nicht (im juristischen Sinne), sie erstellt Gutachten. ;-)
    Die haben aber i.d.R. die Form eines Ergebnisprotokolls, da steht eher selten was davon drin, wenn Indizierungskriterien nicht erfüllt werden und warum diese nicht erfüllt werden. Was für ’ne Reform willst du denn in Gang bringen?

  3. In der Erklärung zur Aufhebung der Indizierung von „Doom“ heißt es zur Auflösung eher gegenteilig, Seite 13, dass die USK-Spruchpraxis eine Entwicklung entsprechend berücksichtige ‚, sodass selbst Titel mit extrem hohem Realitätsbezug und/oder detaillierten, realitätsnahen Darstellungen von Kampfgeschehen und/oder dessen Folgen die Alterskennzeichnung „keine Jugendfreigabe“ erhalten hätten. Auch die Spruchpraxis der Bundesprüfstelle trage der genannten Entwicklung Rechnung. Insgesamt sei damit festzustellen, dass sich die Rahmenkriterien für Bewertungsentscheidungen zur Jugendgefährdung bzw. Jugendbeein- trächtigung, insbesondere zur Frage des „Verrohungsgrades“, im Vergleich zum Anfang der 1990er Jahre erheblich verändert hätten.
    Bereits kurz nach der ursprünglichen Veröffentlichung von „Doom“ seien andere Titel erschienen, die in Spielweise und Darstellungsform ganz neue technische Maßstäbe gesetzt hätten. Die Grafik von „Doom“ habe somit bereits vor Jahren als veraltet gegolten und sei spätestens nach den heutigen Maßstäben antiquiert. Darstellungen erfolgten in deutlich sichtbaren Pixeln, was die dargestellten Objekte nur schwer erkennbar mache. Die Auflösung des Spiels sei insgesamt deutlich schlechter als z.B. diejenige heutiger Mobiltelefone.‘ http://www.bundespruefstelle.de/bpjm/redaktion/PDF-Anlagen/bpjm-aktuell-doom-listenstreichnung-aus-03-11,property=pdf,bereich=bpjm,sprache=de,rwb=true.pdf

    Ich gehe weiterhin davon aus, dass die Indizierung des Add-Ons damals deshalb erfolgt ist weil sich bei der Süddeutschen Bernd Graff auf das Hauptprogramm eingeschossen hatte. O-Ton: hätte wie „Doom“ 1+2 auch schon indiziert werden müssen. Dem Graff irgendetwas erwidert hat man damals afaik ja nicht – „Doom 3“ blieb in einer deutschen Öffentlichkeit auf dieser Ebene so – wie üblich – (allein) stehen.
    Grundsätzlich wird meine Vermutung aber irrelevant sein, alles halt ein weiterer Ausdruck von Willkür, Befindlichkeiten welche sich letztlich in den Gutachten äußern. Hätte der „Stern“ damals nicht über „Manhunt“ berichtet, wäre ein Gericht womöglich auch nicht so schnell darauf aufmerksam geworden und hätte eine (zugegeben vielleicht nur relativ kleine) Serie von Beschlagnahmen losgetreten, nachdem Jahre Ruhe war. Wie da etwas reformiert werden sollte wüsste ich allerdings auch gern, aber die Debatte war ja eben auch im Forum: es geht hier um Werturteile – nicht um Empirie.

  4. Die Spitzer-Aussage zur Berichterstattung von „TTT“ finde ich insoweit nachvollziehbar, wie er meint, das die Redaktion ihn vorgeführt habe. Das ist nicht nett (braucht es aber auch nicht sein), allerdings habe ich meine Zweifel, ob er sich zu einem Interview bereit erklärt hätte, wenn ihm der Tenor des Beitrags von Beginn an klar gewesen wäre. Problematisch bleibt an der Person Spitzer einfach – und das bestätigt er mit Auftritten wie im SWR – das er offenbar komplett unbelehrbar ist. Ich glaube keiner erwartet von ihm, dass er seine Sicht plötzlich 180° dreht, aber wenn ihn immer wieder nicht nur Gamer sondern auch Wissenschaftler fundiert widerlegen, dann sollte es schon ein Denkanstoß sein sich selbst kritisch zu hinterfragen.

  5. SPITZER fantasierte seinerzeit ja in der P.M. bzgl. seines 2005 publizierten Pamphlets „Vorsicht Bildschrim!“, dass die „Resonanz […] nahezu ausnahmslos positiv“ war, die diversen Verrisse seines Machwerks und das ansonsten große Schweigen seitens der Fachwelt, der er lediglich ein Paradebeispiel moralisierender, aber mit der Materie offensichtlich gänzlich unvertrauter Traktätchenliteratur war, natürlich ignorierend. Aber SPITZER leitete ja ein, dass es durchaus „Ausnahmen“ gab: „Diese selbst ernannten Experten ignorieren wissenschaftliche Studien oder lehnen sie ohne Argumente einfach ab und greifen teilweise meine Person direkt an. Sie bezeichnen sich selbst als Wissenschaftler, arbeiten aber nicht wissenschaftlich.“ Realsatire, ein tu quoque par excellence. Das sind für ihn alles „Freunde des virtuellen Abschlachtens“… Als Comedian entpuppt sich der gute Mann dann auch noch, wenn er im oben erwähnten Pamphlet seinen Kritikern „Arroganz und Ignoranz“ attestiert (S.276). Aber der Mann ist an einer fachlichen Auseinandersetzung ja auch gar nicht interessiert, schreibt er doch (iirc) bereits zu Anfang recht despektierlich, dass sein Werk sich ganz explizit nicht an Akademiker und Co. richtet… er hätte auch gleich eingestehen können, auf Bauernfängerei aus zu sein. Summa summarum: Nein, er wird sich nie ändern, ein Fanatiker durch und durch… oder ein eiskalt kalkulierendes Individuum; so oder so ein Unsympath.

  6. Ergänzung @ Pyri:
    Bei dem von dir zitierten Teil des Indizierungsentscheides muss man aber auch darauf hinweisen, dass dies die Argumentation der Inhaberin der Nutzungsrechte, also des Antragstellers (auf Lsitenstreichung) war und nicht unbedingt die offizielle Linie der USK u./o. der BPjM darstellt; bzgl. letzterem müßte man da schon in die Begründung der Entscheidungs schauen (S.15ff.). ;-)

    Ungeachtet dessen habe ich das damals mit GRAFF ähnlich gesehen (und war ehrlich gesagt überrascht, dass das noch jmd. aufgefallen ist), sehe den Artikel aber eher als (ein) Initial des ersten diesbzgl. Frontal21-Beitrags und diesen dann als potenziellen Auslöser für die Nichtkennzeichnung und letztlich die Indizierung, wobei es da ja keiner Vorgeschichte bedarf, da die Gremien ja ohnehin begutachten, wie sie lustig sind…

  7. Kommentar zum SWR-Interview (Link von DerMarc42):
    Der Moderator bringt den auf den Einwand, dass Kinder, die „vor dem Fernseher geparkt“ werden, meist a priori schlechtere Chancen auf höhere Bildungsabschluss haben, und dass es nicht am Fernsehen liegen muss. Spitzer erwidert darauf allen ernstes: „Wir wissen ja auch, dass die Medien vor allem den Kindern aus prekären Verhältnissen schaden.“ Gäbe man einem kleveren 15-Jähriger einen Computer, so stelle er „gescheite Sachen“ damit an, einer „aus einfachen Verhältnissen fängt dann an zu ballern.“

  8. Es gibt von Herrn Waalkes ja auch ein Gedicht das auch „Talkshow“ genannt wird: „Stammt der Mensch vom Affen ab,
    stumpft das Kind beim Gaffen ab,
    macht die Frau beim Schaffen schlapp,
    wie lang ist ein Giraffengrab,
    wo werden die Karraffen knapp,
    schafft der Papst die Pfaffen ab, (…)“ usw. http://www.christians-software.de/witzig/talkshow.shtml
    Dieses trug er auszugsweise, mit der Desensibilisierungsstelle, vor Jahren auch mal in den Nachrichten des Österreichischen Rundfunks vor. Das Video ist auf YouTube zu finden.

  9. Na dem Herrn Spitzer ist schon bewusst das er nur ein ganz spezielles Publikum anspricht.
    Schon der Begriff „digitale Demenz“ zeigt doch worauf das hinaus laufen soll. Da gehen bei den Menschen, die sich schon vor altersbedingter Demenz fürchten, erst mal alle Möglichen Alarmglocken los und man horcht auf.

    Passend dazu auch die Tipps zum Gehirntraining: Joggen ist ja ganz toll dafür (Äh ja, lässt sich aber darüber streiten ob dies dem Stressabbau durch körperliche Betätigung geschuldet ist) und man soll sich doch mit den Enkeln beschäftigen. Und was macht der Teil der deutschen Bevölkerung der keine Enkel hat? Die stehen wohl nicht „richtig im Leben“ laut Spitzer’s Denkwelt. Oder will Herr Spitzer hier dafür argumentieren das wir mehr schwangere Jugendliche brauchen, damit jeder schon mit 30 ein paar Enkel zum Gehirntraining hat?

    Aber böses „digitales Zeug“ ist ja ganz schlecht zum Gehirntraining, das basiert ja alles auf dem Verständnis von Logik und Logik ist etwas ganz ganz gefährliches!

    Absurd, lächerlich und hochgradig irritierend dieser Mensch. Da kann man sich dann auch nicht das lachen verkneifen wenn der arme Herr Spitzer sich darüber echauffiert das seine Person und Sichtweisen „verkehrt dargestellt“ werden. Fällt mir nur eines dazu ein: Willkommen im Club Herr Spitzer, den passenden Käse zum Whine gibt es am Buffet!

  10. Der Spitzer darf gerade bei DAS! (NDR) seine Thesen verbreiten. Und das Beste: Dort läufts generell auf Gespräche zwischen Gast und Moderator hinaus und dem Gast wird nur selten widersprochen. Verspricht also finster zu werden. :(

  11. Thema „radiobremen“: Ich halte diesen Kommentar für sehr gut, weil er sich auf keine der beiden Seiten (Pro-Games, Contra-Games) schlägt. Am Ende steht doch: „Der Attentäter von Aurora hat seine Gewaltphantasien am Computer ausgelebt. Das hat er mit Millionen anderen Spielern weltweit gemein, die weiter friedlich ihr Leben leben. Was ihn zum Attentäter gemacht hat, ist eine Frage, auf die es letztlich keine befriedigende Antwort geben wird. Und eine reflexhafte Debatte wird das auf keinen Fall ändern.“
    So viel Objektivität hätte man sich in so manchem anderen Beitrag anderer Medien gewünscht.

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