„Zeit-Fragen“ gegen „martialische Computerspiele“

(Zeit-Fragen)

Poe's Law

(Erklärung: Poe’s Law)

Wenn wir es nicht besser wüssten – man könnte den Text glatt für Satire halten à la „Eltern im Netz“.

„Es ist da zu lesen, dass diese Computerspiele nach dem Korea-Krieg entwickelt worden waren, weil die amerikanischen Soldaten «eine zu starke Hemmung vor dem Töten» hatten. Mit der Entwicklung solcher Computerspiele sollte den Soldaten die jedem Menschen innewohnende natürliche Tötungshemmung abtrainiert werden. Und genau diese Spiele sind einige Jahre später auf dem Spielzeugmarkt erschienen. Diese Spiele zur Kriegsvorbereitung zeigten bereits grausige Auswirkungen. Die aufgeschreckte Öffentlichkeit musste bestürzt davon Kenntnis nehmen, dass Amokläufer, die als ruhige und unauffällige Schüler galten, grauenhafte Massaker an ihren Mitschülern und Lehrern verübten.“

„Täterbefragungen ergaben, dass diese in täglichen stundenlangen Übungen mit ihren Computerspielen ihre Tötungshemmung abgebaut und das Morden trainiert hatten. Noch sind diese Erkenntnisse nicht weit verbreitet. Die Untersuchungsergebnisse liegen zwar vor, jedoch eine mächtige Kriegsindustrie ist rührig darum bemüht, dieses Wissen unter Verschluss zu halten. Um so mehr Grund für alle Eltern, sich vertieft mit diesen Untersuchungen vertraut zu machen und entsprechende Konsequenzen daraus zu ziehen.“

Nicht nur Videospiele – auch Barbie-Puppen und Fantasy-Literatur sind „Zeit-Fragen“ ein Dorn im Auge:

„[…]so ist eine ganz eigenartige Anhäufung von Büchern zu finden, die sich nur mit Phantasiewelten beschäftigen, mit Hexen, Zauberern und Vampiren, welche mal als Helden, mal als Bösewichte oder gar als Mischung von beidem den Kindern den Geist verwirren, sie von der Realität wegführen und ihnen ein ganz und gar unrealistisches Bild vom Leben und den Menschen vermitteln. Die Irreführung unserer Kinder ist Programm. Warum sonst wurden sogar an der Eröffnung der Olympischen Sommerspiele in London Hexenmeister wie Harry Potter, Monster und verführerische Zauberinnen wie Mary Poppins – eine charmante Kinderfrau, welche die ihr anvertrauten Kinder in Zauberwelten entführt und ihnen so ihr unerträgliches Dasein mit ihren geldgierigen, rigiden und abgehobenen Eltern versüsst, die schliesslich sogar die Eltern verzaubert, sie wegführt von ihrem Lebensplan in ihrem gesellschaftlichen Zusammenhang und sie hinausführt in die Irrealität, in ein zuckersüsses Leben, in zuckersüsser Übereinstimmung mit ihren zuckersüssen Kindern – pompös zelebriert?“

Weitere Informationen: Wikipedia

(Dank an Shane_Fenton)

33 Gedanken zu “„Zeit-Fragen“ gegen „martialische Computerspiele“

  1. Köstlich, eine 1A-Realsatire sondergleichen!

    Es ist schwer zu glauben, dass es vernünftige Personen gibt, die diesen Schwachsinn wirklich für bare Münze nehmen.

  2. Und wir sind und sicher, dass die keine Fake Seite sind?
    Wir erkunden doch gerade den Mars…
    “I don’t want live on this planet anymore! “

    Die haben was gegen Harry Potter? ok muss man nicht mögen… aber wie kann man was gegen Mary Poppins haben? Dass ist einer der Klassiker welche jeder kennen sollte.

    Die sind die Nerven und die Zeit für mehr Text nicht wert.

    Happy Coding.

  3. Genau deshalb habe ich Danny Boyle’s (28 Days Later) Olympia-Eröffnung sehr gemocht: ich wusste die Show musste schon eine große Provokation für solche Leute sein. Der ORF-Kommentator konnte die Bilder auch kaum einordnen, erzählte was vom „Bösen“, aber natürlich nichts vom Unterbewussten oder einer Negativität die auch in Kindern wohnen könnte.
    Selbst aus der Stadt Sigmund Freuds nicht und die meiste Arbeit dieser Schweizer „Lieblinge“ wird sich ohnehin gegen die Psychoanalyse auch sonst richten, zumindest gegen jene Teile die keine realistische Normalität betonen wollen. Beigewohnt wird den Festivitäten von dort ansonsten natürlich schon werden, denn gegen einen Rest an körperlicher Ertüchtigung und anderen Gesundheitsvorstellungen, Sozialkompetenzen, hat man dort natürlich nichts: das ist nämlich „Leben“ so wie es offenbar sein soll –
    Es war aber vor allem wohl auch ein allgemeiner Kulturschock der gezeigt hat wie sehr die internationale populäre Kultur angelsächsisch ist, also wenn ich da an die folkloristische Fußball-WM-Eröffnung meines unsäglichen Landsmanns Herrn Heller in Deutschland 2006 denke – das glatte Gegenteil von London. Und ganz sicher weit eher im Sinne von „Zeit-Fragen“…

  4. Also eigentlich kommentiere ich fast alles, aber dieser Text ist die Energie nicht Wert, die man Benötigt, um das zu bearbeiten!
    (Mal davon abgesehen, das man wahrscheinlich Kopfschmerzen bekommen würde weil die vorstellung ,das es Menschen gibt, die so denken, einfach nicht in meinen Kopf will)

  5. Ich glaube schon, dass man sich mit diesen Leuten ernsthaft auseinandersetzen sollte, auch wenn einem ihr Denken sehr fremd erscheinen mag. Man ihre Vorstellungswelt – wie ich selbst – aus Überzeugung verachten tut, und eine Cartoonfigur zu bemühen oder etwas über angebliche Internetgesetze zu erzählen halte ich für mitunter am wenigsten sinnvoll.
    Selbst mit erklärendem Link: das kann so doch bloß anmaßend gefunden werden, als weiterer Gesprächsabbruch. Die verstehen demnach bloß Bahnhof. Oder weshalb sollte das dort auch „Satire“ sein: die wenden sich doch vor allem auch mit gegen (anderen) Humor. Ähnlich wie (andere) Friedensbewegte, Menschen welche einen Gewaltverzicht in ihr gedankliches Zentrum stellen – ohne zu merken, dass gerade dieser mitunter noch mehr Gewalt bedeuten könnte.
    Niemand braucht so eben glauben, dass nicht auch eine „Mary Poppins“ inkriminiert werden könnte, oder dass das ohnehin schon teilweise als „Killerspiel“ und Attentatssoftware von Rechtsextremisten verschrieene „World of Warcraft“ als unbedingt „harmloser“ betrachtet wird. Abgesehen von als ein Suchtmittel wie Heroin: spielte gerade etwa den Beginn der Trolle, das heißt auch nichts Neues wie ein Pfeiffer meinte dass WOW erst seit kurzem inhaltlich problematisch(er) geworden wäre. Keine „Märchenstunde“ mehr wäre. Und da geht es auch gleich mit Auftragsmorden an Arbeitern los, unschuldige schwache Männer die Kisten tragen.
    Vielmehr sollten Inhalte versucht werden zu vermitteln, eine andere Bedeutung und vor allem auch andere Möglichkeiten von Kritik in Spielen als Ideen auch beigebracht werden, kritischen Potentialen . Es sollte erklärt werden, dass Videospiele anders als andere Spiele nicht nur aus Regeln bestehen, nach dem Motto welche Schandtat ausgeführt werden soll, sondern auch aus Fiktionen. Und dass die vermeintlichen Regeln darin gerade eben nicht normativ gemeint sind, dass es halt auch nicht um einen Unterschied zwischen „Realität“ und „Irrealem“, „falscher“ Vorgaben, beim „Virtuellen“ ginge, sondern um eigene Welten. Kultur die reale Probleme eher widerspiegelt als verlängert, (selbst weiter)baut.
    Dass man sich da auf ein bestimmtes Denken oft noch dazu einlassen wird müssen sollte dabei auch berücksichtigt werden. Ideologie oder Unsachlichkeit kalkulieren diese Leute für gewöhnlich schon mit ein, und dann ginge es eben um die richtige Ideologie. Dennoch glaube ich, dass eine Vermittlung doch möglich sein wollte – zumindest in Ansätzen – wenn die richtigen Worte zur richtigen Zeit an geeigneten Orten gefunden werden.

  6. @Pyri: Danke für deine kritischen Worte. Ich fand die Erwähnung von Poe’s Law dennoch passend, da ich es wirklich schwierig fand zu sagen, ob dies nun Ernst gemeint war, oder nicht. Ich wollte den Text auch eher für sich sprechen lassen – Er enthält die üblichen Ressentiments, Schlagworte und Kulturfeindlichkeit konzentriert in wenigen Sätzen. Ich bin auch kein Pessimist und bin auch für Vermittlung, Diskussion und Austausch. Hätte ein Artikel, welcher den Militär-Mythos, die Gewalt-Wirkungsforschung oder den „Militärisch-Industriellen“-Komplex dekonstruiert eine vermittelndere Wirkung? Ich bezweifle es. Aber ich werde versuchen, künftige Artikel sachlicher zu formulieren und weniger „anmaßend“ zu klingen.

  7. @buzzti
    Ich würde halt eher fragen welche Realität dort favorisiert werden würde, wobei ich sicher auch – mein Fehler – zu vorwurfsvoller Anklage neige. Und wie sich Games mit Themen dann beschäftigen sollten. Dennoch würde ich darauf beharren: zu fragen was diesen Leuten so eben lieber wäre. Wie gelebt werden soll – ich habe das vor Jahren in Briefen des Öfteren schon getan. Meistens bekam ich keine Antwort, oder irgendwelche Beschwichtigungen, dass dieses oder jenes so oder so nicht gemeint gewesen wäre. Auch von der Schweizer Redaktion einmal, da ginge es darum dass sie Menschen vor den Spielen halt bloß bewahren wollten. Und Bewahrung wird dabei meistens ja auch das Hauptanliegen sein. Ob „Psychosekte“, Friedensbewegung oder christlichsoziale Partei –
    VIelleicht ist ein Schweigen als Antwort nach einer Anklage zu bekommen aber auch schon eine positive Reaktion, das heißt nicht unbedingt Ignoranz oder totale Ablehnung dessen was dagegengeredet wurde. Zum Humor noch etwas: vergessen zu werden scheint in dem Artikel, dass eine traditionelle politische Kultur Politik eigentlich immer mit Ernst in Verbindung bringt. Da war eine andere Schiene welche die FDP in Deutschland einmal (kurz) fahren wollte schon so etwas wie ein Tabubruch. http://de.wikipedia.org/wiki/Spaßpartei „Satire“ passt da so eben auch nicht dazu: da sind keine Karl Kraus zugange, dort herrscht schon einmal ganz klar keine Aufbruchsstimmung wie im Fin dè Siecle in Wien. Eine Aufbruchsstimmung gehört teilweise eher zu den Games, und wohl auch zu deren extremen Inhalten teilweise. Ich denke da immer an Oskar Panizza oder den Dadaismus
    Vielfach greift die „Medienkritik“ so ja auch groteske Darstellungen an. Die Medienkritik ist links wie rechts eigentlich immer eher konservativ gewesen.
    Nur um nicht falsch verstanden zu werden: ich glaube nach dem Gesetz von Poe auch, dass es sich dabei um politischen Extremismus handelt. Doch sehen diese Leute im Gegenteil eben eher Games als extremistisch an, dass sie Menschen von einer, ihrer, Wahrheit wegführen wollen würden.

  8. Ohne den Artikel gelesen zu haben, ist das der Glogauer ?
    Der hat schon im letzten Jahrtausend gegen Hörspielkassetten gewettert, im selben Tonfall.

  9. Werner Glogauer wird wohl seit mehr oder weniger einer Dekade tot sein; seine letzten dokumentierten Auftritte, resp. Kommentare sind aus dem Jahre 2003. Der war immerhin bereits in den 1950ern dahingehend aktiv und 2003 schon 77 Jahre alt. Sicherheitshalber kann man ja bei seinen alten Kameraden des VPM nachfragen, wie Rudolf Hänsel…

  10. Nach dem Koreakrieg? Das muss Satire sein. So dumm kann man nicht sein.

    Der Krieg ging bis 1953(die Allgemeinheit, sollte die 50er noch kennen). Dort gab es glaube ich nicht mal Nintendo :). Haette aber gepasst. Eine ganze Fabrik als Serverschrank für den ersten 2D „von-oben-herab“ shooter – das passt zur Ressourcenverwendung der Amerikaner „Weil wir’s können!“.

    Zusätzlich passt die Formulierung perfekt zu „The Men Who Stare at Goats“ nur eben statt Vietnam -> Korea.

    höhö

  11. @kuemmel
    Ich glaube, dass Nintendo auch schon in den Fünfzigern existierte, aber zu dieser Zeit als Hersteller von Spielkarten.

  12. @kuemmel
    In den Leben dieser Leute spielen halt andere Eckdaten, Situationen, Vorhaben und Ereignisse eine zentrale Rolle.
    Nach dem Zweiten Weltkrieg so sicherlich erstmal Korea, dann Vietnam oder für die Friedensbewegung auch die (geplante) Stationierung der „Pershing II“-Raketen.
    Ich glaub darauf könnte man in einem Gespräch auch aufbauen – und versuchen Unverständnis abzubauen. Auf beiden Seiten.

  13. @hecterspecter & kuemmel
    Lt. Kents „Ultimate History of Video Games“ wurde die Marufuku Co. Ltd. 1951 in Nintendo umbenannt, doch auch davor hatten die Spielkarten hergestellt. 1953 wäre sogar noch vor „Tennis for Two“ (1958), dem (je nach Definition) ersten Bildschirmspiel.

  14. Wobei ich immer ein ganz ungutes Gefühl bekomme ist halt die Aussage, dass man sich im zweiten WK noch gar nicht wirklich getraut hat auf den Feind zu schießen, erst die „enthemmten“ modernen Soldaten wären dazu in der Lage.

  15. @Mars: Schon klar, die von Grossman genannten Zahlen (15-20% damals, seit Vietnam 80%) verharmlosen imho die Vorkommnisse und sind nicht weit von 0% vs. 100%. Tote gab es auch massig – wenn man sich nicht getraut hat dem Gegner gegenüberzustehen, benutzte man Granaten und vor allem im ersten Weltkrieg Gas. Moderne Berufs-Soldaten sind wohl schneller bereit zu schießen als gerade mal 18-Jährige Wehrpflichtige (vermeiden aber natürlich auch direkte Konfrontationen und greifen auf Granaten und Luftangriffe etc. zurück). Und andererseits sind die Gefechtssituationen auch anders, die schnelleres Handeln erfordern als die früher häufiger vorkommenden langen Grabenkämpfe. Wenn Grossman behauptet, der zweite Weltkrieg hatte die „empathischten“ Soldaten gehabt schwingt (finde ich) immer mit, damals wären die menschen noch zivilisierter miteinander umgegangen – was aber natürlich nicht so war.

  16. kann mal jemand nachschauen ob der Glogauer noch in seinen Grab ist ?
    Nicht das dies die ersten Anzeichen der kommenden Zombie-Apokalypse sind ;-)

    Manfred Spitzer wurde übrigens heute die Ehre einer Erwähnung im Spiegel zu Teil, in Niggermeyers Medienlexion.

    Wenn man ein bisschen sucht findet man auch alte Schulungsfilme aus dem zweiten Weltkrieg, in denen schon auf Klappfallscheibe geschossen wurde.
    http://www.youtube.com/watch?v=14qTdp-Dd30
    Auch Bajonett-Angriffe wurden geübt, und zwar an menschenähnlichen Puppen.
    http://olive-drab.com/od_edged_weapons_bayonets.php
    http://fencingclassics.wordpress.com/2009/03/01/bayonet-fencing-france-c-1890/

    Aber hey, das damals Soldaten dazu trainiert wurden menschenähnliche Ziele mit dem Bajonett zu durchbohren bedeutet sicher nicht, das diese Menschen schon so brutal gewesen sind auf menschenähnliche Ziele zu schießen, dafür bracht es ja bekanntlich erst den Ami und die Killerspiele.

  17. @hecter, Pyri, Crusader:

    Danke für die Information :) – aendert aber an der Grundaussage nichts, dass die offensichtlich keine Ahnung von Geschichte haben und ich meine damit einfach schlicht, dass keiner auf die Idee kommt, dass es da(1950) schon Computer gab(wir wissen natürlich, dass es schon in den 40ern welche gab). Hier werden einfach blind Argumente rausgehauen, die keinen Sinn machen – so dass wir eigentlich(!) ganz arrogant sagen könnten, dass sich die verantwortliche Quelle erstmal auf ein Niveau jenseits von Hautcreme und Bildzeitung begibt.

  18. @Santa
    Nicht überfordern. ;) Es ist halt für viele langweilig, wenn es keinerlei Konflikte gibt und sich verschiedene Parteien nur per wirtschaftlicher Stärke oder sportlichem Wettstreit messen können. Klar kann ich Civ auch allein spielen, aber mit konkurrierenden KI-Gegnern macht es mehr Laune, weil die möglichen Entwicklungen wesentlich umfangreicher und damit abwechslungsreicher sind.

  19. @Alreech: Jetzt machst du es dir viel zu einfach. Die Aussagen beziehen sich a) nur auf Amerika vom Ursprung her, da hilft dir die Franzosen-Quelle gar nix. So, dann sind die 4 Jahre für den 2. Weltkrieg (Amerika) eine lange Zeit, da kann sich viel ändern und wurde auch viel ausprobiert, was nicht heißt dass es deshalb gleich flächendeckend ausprobiert wurde. Die USA sind 1941 eingetreten und waren voll ziemlich pazifistisch und nicht wirklich auf Krieg ausgerichtet, die mussten ziemlich lernen. Außerdem kommt es, wenn du von der Konditionierung sprichst, nicht einfach nur auf Scheiben oder Nicht-Scheiben an, sondern, wie Vic es auch mal schön dargelegt hast, du hast ein Paket von Situation (Training für einen Krieg gegen einen Feind), Methoden (Scheiben) und entsprechende psychische Methoden. Und dein letzter Satz senkt das Niveau dann sogar nochmal weiter, Respekt.
    @Rey: danke, ganz ohne halt ich`s dann doch nicht aus ;-)

  20. Ich kann am letzten Satz kein Niveau Limbo feststellen, sorry.

    Ja, der Ursprung der Killerspiel als ursprünglich von den Amerikanern erfundenes Mittel die Tötungshemmung abzubauen…
    Wie soll man damit umgehen ?
    Ist deine Meinung: Die Amis sind voll pazifistisch gewesen, und es stimmt, man musste ihnen die Tötungshemmung abtrainieren ?
    Tut mir leid, aber damit unterstützt Du nur die Meinung der Autoren von Zeitfragen.

    Ich hab da eine andere Meinung. Zum einen sind die USA und ihre Soldaten keineswegs weniger pazifistisch oder mit mehr Tötungshemmungen ausgestattet gewesen als andere vergleichbare Länder dieser Zeit.
    Weder im Spanisch-Amerikanischen Krieg, noch im Kriegen gegen die Philippinen, Mexiko, Honduras, Nicaragua, ect… und auch nicht im ersten Weltkrieg sind die Truppen der USA durch eine besondere Tötungshemmung aufgefallen.
    Es ist deswegen also gar nicht nötig gewesen, irgendwelche Tötungshemmungen abzubauen.
    Das es am Ende des Vietnamkrieges noch keine Computerspiele gab und das Grossman sich auf Klappfallscheiben und Schießkinos bezieht hat ja Rey in einem Artikel schon gut herausgearbeitet.

    Nun zu der Franzosenquelle:
    Es ist insoweit relevant, das es eben nichts ungewöhnliches ist das Soldaten mit menschenähnlichen Zielen üben.

  21. @Alreech: Der letzte Satz ist mal wieder nur eine Überziehung um den Gegner lächerlich zu machen. Ich halte das nicht für eine sinnvolle Gesprächsgrundlage, auch wenn das in der Gamerschaft offensichtlich anders gesehen wird…
    Selbst Grossman sagt ja dass im 2. WK nicht jeder eine Tötungshemmung hatte (so wie er sie definiert), das sollte man auch so sehen und argumentieren. Ich glaube dass Menschen eine Tötungshemmung haben und dass die USA heute besser darin sind das abzutrainieren wie vor 70 Jahren. Das hat mit der Zeit-Fragen Position erstmal nix zu tun.
    Übrigens, die USA hatten verschiedene Phasen von Isolation bzw. Expansion. Soweit ich weiß waren die USA nach der Weltwirtschaftskrise ziemlich auf sich fixiert und hatten anderes zu tun als sich groß mit Krieg zu beschäftigen. Du merkst dies auch durchaus an der Leistung der amerikanischen Soldaten im Krieg, dass die vieles neu lernen mussten. Es gab verschiedene Phasen, das war im 19. Jahrhundert schon mal anders, ja, aber gerade die Abgründe des 1. WKs haben da die Haltung geprägt
    Und nur, weil die USA nicht mehr Tötungshemmungen hatten wie andere (was diskutierbar ist, aber nehmen wir es mal an, es ist für das Argument ohne Belang) daraus zu schließen dass es keine gab bzw. die vorhanden nicht hätten abgebaut werden müssen ist abwegig. Man kann meist noch besser werden.

  22. Pingback: Kommentar zu Gewaltverherrlichung und Tötungshemmung | Der Almrausch. The Power of Characters -

  23. Ich glaub schon, dass es eine natürliche Tötungshemmung in Menschen gibt und dass Videospiele diese auch abtrainieren können. Warum nicht? Andererseits glaube ich jedoch auch, dass es einen natürlichen Überlebensinstinkt gibt und dass Videospiele diesen inhaltlich weit eher ansprechen, sowie so Menschen auch in die Lage versetzen können über sich selbst und ihre Stellung in der Welt nachzudenken. Gerade dann wenn sie gefährlich in Hinblick auch auf einen Abbau der Tötungshemmung sind. Nich die “harmlosen” Titel wie “Super Mario”. Dieser ureigene Wunsch von Lebewesen den man vielleicht auch Lebenswillen nennen kann wird dabei ideologisch jedoch völlig ausgeblendet.
    Das wird so auch nicht erforscht. Dagegen spricht ebenfalls die gängige Vorstellung von “Krieg” in zivilisatorisch von Frieden begünstigten Gegenden wie der westlichen Welt, nämlich jener dass Leuten von einer Autorität eine Waffe in die Hand gedrückt wird und gesagt “Du gehst da und dort jetzt hin, wie etwa Vietnam oder den Irak, und bringst für uns diese oder jene Menschen um.” Vielleicht etwas verklausuliert als Befreiungs- oder Befriedungsmission, worauf eine Friedensbewegung mit ihren Ressentiments gegen Freiheit oder “Befriedungen” über Militärgewalt so dann auch – berechtiger Weise das – aufbauen kann. Für unsere gemeinsame Sache – wie “Freiheit” oder eben eingebildeter “Befriedung” durch Waffengewalt: deshalb mag ich auch den blöden Spruch “stell Dir vor es ist Krieg und keiner geht hin”. Oder John Lennon’s Verbindung von Frieden und Möglichkeit, Chance, nicht Frieden als Norm.
    Leider wird genau diese Vorstellung von Krieg vielfach auf Videospielinhalte übertragen. Dahingehend was Menschen in Videospielen eigentlich täten, nicht womit sie konfrontiert werden etc. Zwar gibt es Videospiele die zu Gewalthandlungen zwingen (wie etwa “Black Ops” oder “Ninja Gaiden 3?), und auch solche die Gewalt explizit auszeichnen (wie ein “Manhunt”), aber auch da wird nicht gefragt weshalb sie das tun, ob sie Charaktere und diese sie spielenden Menschen darüber nicht eigentlich desavouieren möchten, einen Spiegel vorhalten – gerade Konzepten von “Frieden” oder “Freiheit” usw. Stattdessen wird einfach davon ausgegangen, dass sie Gewalt “verherrlichen” würden. Wer Gewalt als Herr überhaupt haben möchte, wer sich Gewalt unterordnen wollen würde, das fragt niemand.

  24. @Tötungshemmung:
    Es mag sein das es eine Tötungshemmung im Menschen gibt. Bei anderen Tierarten gibt es die auch:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Bei%C3%9Fhemmung

    Allerdings gehen Tier nur mit ihren natürlichen Waffen aufeinander los. Anders beim Menschen, der wesentlich gefährlichere Waffen herstellen kann.
    Ich kann mir durchaus vorstellen das bei einer Schlägerei ein Tötungshemmung ansprechen kann, ganz besonders wenn der Gegner nach einiger Kampfdauer wehrlos ist.

    Sobald aber Waffen verwendet werden ist es möglich den Gegner schwer zu verwunden oder zu töten ohne das diese Tötungshemmung anspricht – der Gegner ist schließlich nicht wehrlos und der Kampf wesentlich schneller vorbei.

    Die Tötungshemmung so wie sie von den Killerspielgegnern propagiert wird ist jedoch anders: Es wird behauptet das ein Großteil der Menschen psychisch gar nicht in der Lage ist sich zu wehren.
    Selbst wenn es um ihr eigenes Leben – oder das anderer Menschen geht – sind angeblich ein Großteil der Menschen nicht in der Lage zu töten.
    Selbst wenn sie eine Waffe haben, setzten sie diese angeblich nicht ein.
    Das wird dann auch noch als wünschenswerte (ethisch richtige) Handlungsweise bezeichnet.

    Ich bin nicht der Meinung das dies wünschenswert ist. Sich nicht zu wehren ist falsch. Andere Menschen nicht vor Gewalt zu schützen indem man selber zur Gewalt greift wenn dies nötig wird ist falsch.
    Wir leben zum Glück in einer zivilisierten Kultur in der solche Notfälle selten sind – auch weil wir dem Staat das Monopol auf legitime Gewaltanwendung zugewiesen haben.
    Dennoch kann es Situationen geben in denen Gewaltanwendung nötig ist.
    Wenn z.B. mal wieder alkoholisierte Schläger einen anderen Menschen in der U-Bahn zusammenschlagen.
    Sie nicht daran zu hindern ist falsch.

    IMHO wird die Tötungshemmung also schon durch den Einsatz von Waffen ausgeschaltet, es ist nicht nötig sie durch weiteres Training erst abzubauen.
    Natürlich kann man durch besseres Training den Einsatz von Waffen optimieren, und realistische Trainingsszenarios – etwa auf einer Schießbahn mit Klappfallscheiben – kann dazu beitragen.

    @Geschichte der USA nach dem ersten Weltkrieg:
    Kurz vor dem ersten Weltkrieg hab die USA die Philippinen erobert und besetzt. Die kämpfe dort sind um einiges brutaler und länger gewesen als die Einsätze der US-Truppen in Frankreich.
    Zwischen den ersten und dem zweiten Weltkrieg gab es regelmäßig US-amerikanische Militäreinsätze in der Karibik.
    Der Isolationismus sollte nicht als Pazifismus gedeutet werden, sondern als Abwendungen von Europa und den dortigen Problemen.

    @Mars
    für dich ist also die Vorstellung lächerlich, das Abstechen von menschenähnlichen Stoffpuppen hat weniger Effekt auf die Tötungshemmung als das Abschießen von plötzlich auftauchenden menschenähnlichen Klappfallscheiben ?
    Warum ?

  25. @Alreech:
    „Sobald aber Waffen verwendet werden ist es möglich den Gegner schwer zu verwunden oder zu töten ohne das diese Tötungshemmung anspricht“
    Das ist eine unbelegte Annahme, und zwar eine extrem starke. Sowas sollte nicht vergessen werden. Und ich wüsste nicht warum dies so sein sollte. Wenn ich mir vorstelle jemanden zu töten ist es egal ob per Hand oder per Waffe – diese Vorstellung schreckt mich extremst ab.

    „Es wird behauptet das ein Großteil der Menschen psychisch gar nicht in der Lage ist sich zu wehren.“ Ich kenne zwar die Originalstellen nicht, aber warum sollte sich eine „Tötungshemmung“ plötzlich auf alle Gewalt beziehen? Für mich ist z.B. ein Schlag durchaus vorstellbar – wenn ich auch noch nie ne Schlägerei hatte – aber der Gedanke an einen Mord ist doch ein ganz anderes Niveau. Man sollte diese Dinge finde ich deutlichst trennen.

    „@Geschichte der USA nach dem ersten Weltkrieg:“ Soweit erstmal korrekt, allerdings sollte man zweierlei nicht vergessen: Der Bürgerkrieg und der 1. Weltkrieg waren jeweils schockierende Ereignisse, die allgemein einen Abscheu vor einem Krieg erzeugt haben, was ja in Richtung Pazifismus geht. Siehe die Bestrebungen mit dem Völkerbund. Außerdem solltest du Einsätze von wenigen Militärs nicht mit der Gesamthaltung der Bevölkerung gleichsetzen. Im 2. Weltkrieg wurde das Militär auf einmal extrem vergrößert. D.h. du brauchtest sehr viele neue Soldaten, und da ist es durchaus möglich dass da auch die dabei waren die bisher Waffeneinsätze strikt abgelehnt hatten.

    „für dich ist also die Vorstellung lächerlich, das Abstechen von menschenähnlichen Stoffpuppen hat weniger Effekt auf die Tötungshemmung als das Abschießen von plötzlich auftauchenden menschenähnlichen Klappfallscheiben ?“ Nein, es geht ja um das ganze Trainingspaket. Also wie das Training insgesamt aufgezogen ist, inklusive psychologischer Schulung etc, das hat nur Teilweise etwas mit den genauen Trainingsgeräten zu tun. Wobei ich schon glaube dass man eine Tötungshemmung ceteris paribus besser abtrainieren kann wenn die Ziele menschenähnlicher sind.

  26. Schön das die Vorstellung jemand zu töten die extremst abschreckt, aber das ist eben eine bewusste Entscheidung.
    Die Tötungshemmung soll aber Teil der unbewussten Entscheidungen sein, eine psychische Bremse die verhindert das Gewalt zwischen Artgenossen ungebremst abläuft.
    Für dich ist also ein Schlag vorstellbar. Wenn Du in eine Schlägerei gerätst, wirst Du zuschlagen (wenn Du keine anderen Optionen wie weglaufen oder verhandeln hast), und Du wirst solange zuschlagen bis der Gegner kampfunfähig ist oder sich zurückzieht.

    Prinzipiell ist so eine Hemmung denkbar und durchaus sinnvoll, um potentiell tödliche Gewalt gegen Artgenossen zu verhindern.
    Dazu müsste diese Hemmung aber relativ früh einsetzen, und sie würde absolut sinnlos sein wenn sie dazu führt das man sich gegen eine echte tödliche Bedrohung nicht mit allen Mitteln wehrt.
    http://www.wissenschaft-online.de/abo/lexikon/neuro/227

    @USA: Der Isolationismus der USA erstreckte sich auch auf den Völkerbund. Pazifismus kann man das nicht unbedingt nennen, vielmehr die Meinung das die Kriegsbeteiligung der USA am ersten Weltkrieg hauptsächlich der us-amerikanischen Rüstungsindustrie genutzt hat und nicht im Interesse der USA gelegen hat.
    Die extreme Vergrößerung des Militärs hat es auch in anderen Staaten im 2. Weltkrieg gegeben, unter anderem im deutschen Reich in dem fast 15 Jahre lang die Wehrpflicht ausgesetzt gewesen ist.
    Tatsächlich hat man das dann auch an der Leistung der deutschen Soldaten im zweiten Weltkrieg festgestellt. Der Angriff auf Frankreich wurde mehrmals verschoben, weil sich im Polenfeldzug gezeigt hat das die Wehrmacht Mängel hatte.
    Allerdings betraft das vor allem den Nachschub und die Organisation.

    Wenn jetzt also die US Army beim Kriegseintritt nicht so leistungsfähig wie bei Kriegsende war, muß das nicht umbedingt auf die Einstellung der Soldaten zum Töten zurück zu führen sein, da gibt es andere, näher liegende Erklärungen.

  27. „Schön das die Vorstellung jemand zu töten die extremst abschreckt, aber das ist eben eine bewusste Entscheidung.“ Das ist mir zu einfach. Wenn ich Höhenangst habe ist es natürlich trotzdem einfach eine bewusste Entscheidung trotzdem in 30 Meter Höhe zu balancieren, aber das trifft die Sache nicht ganz, denn die Tat wird objektiv schwieriger, d.h. die Umsetzung der Entscheidung wird erschwert. So sehe ich dies hier auch. Ich muss mich nicht bewußt entscheiden töten doof zu finden, diese Blockade ist einfach da.

    „Die extreme Vergrößerung des Militärs hat es auch in anderen Staaten im 2. Weltkrieg gegeben, unter anderem im deutschen Reich in dem fast 15 Jahre lang die Wehrpflicht ausgesetzt gewesen ist.“ Job, aber die hatten 15 Jahre um ihr Training zu perfektionieren, die USA weniger. Es geht ja im Wesentlichen um die Qualität des Themas. Wenn du auf einmal deine ganze Belegschaft irgendwo schulen willst musst du auch erstmal Erfahrungen sammeln. Das Training wird mit der Zeit vermutlich effektiver.

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