Doom 2: Wolfenstein-Easteregg ohne Wolfenstein

(SB.com) Vertreter der „Doom“-Serie zählen zu den bekanntesten Ego-Shootern, die daher in Deutschland regelmäßig indiziert wurden. Umso überraschender war es, dass die BPjM „Doom“ und „Doom 2“ vom Index gestrichen hat. Hintergrund war ein Antrag des Publishers, der offenbar den Verkauf der „BFG-Edition“ vorbereitet hat. In dieser werden „Doom“, „Doom 2“ und „Doom 3“ angeboten, wobei das Paket in Deutschland „ab 18“ freigegeben wurde und somit offen verkauft und beworben werden darf.

Ziel war es also offenbar die Titel ungeschnitten vermarkten zu dürfen. Während die Rechnung in Hinblick auf die Gewaltdarstellung aufgegangen ist, ist sie an anderer Stelle offenbar gescheitert. In „Doom“ werden nämlich nicht nur Gewaltdarstellungen, sondern auch verfassungsfeindliche Symbole gezeigt. So fand sich in dem „Doom“-Level „E1M4: Command Control“ ein Rechenzentrum, das in Form eines Hakenkreuzes angeordnet war. Durch den Patch 1.4 wurde diese jedoch nachtraglich geändert – die Terminals wurden in eine unverfängliche Position verschoben (Vgl. SB.com). In der „BFG-Edition“ wird aller Vorraussicht nach die gepatchte Version des Levels vorhanden sein.

Ähnlich kompliziert ist es mit Bonusleveln in „Doom 2“. Schon die in Deutschland indizierte Version wurde ohne die Bonuslevel veröffentlicht, in denen als Easteregg auf ältere Spiele von „id-Software“, „Commander Keen“ und „Wolfenstein 3D“, Bezug genommen wurde. In der neuen „BFG-Edition“ werden die Bonus-Level zensiert enthalten sein. Auf Youtube hat „MarphitimusBlackimus“ eine Liste der Änderungen zusammengestellt:

– MAP31 „Wolfenstein“ has been renamed to „IDKFA“
– MAP32 „Grosse“ has been renamed to „Keen“
– MAP31’s Spear of Destiny track „Evil Incarnate“ and MAP32’s Wolfenstein 3D track „The Ultimate Challenge“ have both been replaced by the standard Doom 2 track „DOOM“
– All groups of SS Guards have been replaced by groups of Zombiemen
– All swastika and Hitler-related decorative imagery have been removed from the wall textures, making the levels look quite plain. This also makes several secrets more difficult to find.
– In the main wad file, most of the SS Guard sprites have been replaced with a dummy Zombieman sprite. However, the SS Guard sounds are still present.

And while unrelated to the censorship, you can also see the red cross on medikits. stimpacks, and berserk packs (2:55) has been replaced by a pill graphic due to the wishes of the Red Cross. This change originated with the Xbox Live Arcade release of Doom 2 in 2010.

Dies hat unter anderem zur Folge, dass im „Wolfenstein-Easteregg“ verfassungsfeindliche Symbole gestrichen und Nazis durch Zombies ersetzt wurden. Bezüge zu „Wolfenstein“ sind kaum noch erkennbar, was die Idee eines „Eastereggs“ offensichtlich ad absurdum führt.

Sonderlich transparent geht der Publisher mit diesem Umstand nicht um: Auf der Verpackung prangt unübersehbar das Wort „UNCUT“.

 

 

Genaugenommen ist dies aber nicht zwingend falsch. Vollständig steht auf der Verpackung „International Version – UNCUT“. Da die angeführten Zensuren in allen Versionen und nicht nur in der deutschen Version der „BFG-Edition“ vorgenommen wurden, ist die deutsche „BFG-Edition“ gegenüber der internationalen „BFG-Edition“ tatsächlich „uncut“. Allein das Original ist gegenüber den einzelnen Spielen bereits abgeändert worden. Hier zeigt sich, dass die Panorama-Redaktion – wenn auch in Bezug auf die Gewaltdarstellung geäußert – doch Recht hatte. Auch mit der deutschen Gesetzgebung lässt sich international ein Handlungsdruck aufbauen, der die Hersteller dazu zwingt auf die Darstellung bestimmter Aspekte zu verzichten:

Zudem […] hätte ein Verbot gewaltverherrlichender Killerspiele auch eine Signalwirkung an die Hersteller, derartige Spiele gar nicht erst zu produzieren.

Geschnittene Level (Video)
Ungeschnittenes Level (Video)
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6 Gedanken zu “Doom 2: Wolfenstein-Easteregg ohne Wolfenstein

  1. Heute läuft auf Puls4 in SpiegelTV Österreich eine Reportage über die Gefahren des Internets, under anderem wird über Videospiele berichtet.

  2. Wenigstens geht es nicht um „Gewalt“ –
    Bei solchen Zugängen sollte eigentlich doch schon der Hinweis auf durchschnittliches Fernsehen reichen, und wie unterschiedlich da Exzessivität oder halt „Sucht“ gesehen wird…
    Dafür werde ich übrigens auch nicht das Fernsehprogramm anmachen ^^

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