SZ: (K-) eine Verbindung zum US-Militär

(SZ) Journalisten erscheint es oftmals attraktiv über Verbindungen zwischen gewaltdarstellenden Videospielen und dem US-Militär zu sprechen. Dass es solche Verbindungen gibt ist bekannt, recht transparent und dennoch nicht zu beschönigen. So kann man bei „Crytek“ direkt auf der Webseite nachlesen, welche Rüstungskonzerne und staatlichen Institutionen auf die Engine zurückgreifen. „Bohemia Interactive“ bietet mit dem „VBS“ sogar selbst eine Simulation für militärische Zwecke an und verbreitet auch öffentlich ein White Paper zu der Entwicklung, in dem u.a. die Nutzung durch US Army und USMC erwähnt wird.

„Entwicklungsaufträge sind in der Branche sehr begehrt“

Sicherlich ist es kein besonderes schönes Gefühl, dass Spiele wie „Operation Flashpoint“ in modifizierter Form zum Training von Soldaten verwendet werden. Man wünschte sich eine Einstellung, wie sie es zumindest in den 80ern bei manchen Mitarbeitern von Atari gab, als „Battlezone“ für militärische Zwecke modifiziert werden sollte (Wikipedia):

Approaching Atari in December 1980, some developers within Atari refused to work on the project because of its association with the Army, most notably original Battlezone programmer Ed Rotberg. Rotberg only came on board after he was promised by management that he would never be asked to do anything with the military in the future.“

Doch letztendlich sind Entwicklerstudios wie „Bohemia Interactive“ und „Crytek“ nun einmal Unternehmen, die Geld verdienen wollen. Berührungsängste gibt es schließlich auch sonst nicht: Unternehmen wie Siemens oder die deutsche Post arbeiten mit der Bundeswehr zusammen, wie auch Lürssen in Bremen neben Yachten u.a. Fregatten für die Marine herstellt. Warum sollten hier gerade die Entwickler von Software eine Ausnahme darstellen?

„enge Beziehung“

Wie schafft man es nun doch hierüber einen interessanten Artikel zu schreiben? Gar nicht, man tut nur so!

Die SZ erweckt lediglich im Teaser den Eindruck, dass es eine größere Kooperation zwischen den Entwicklern von Videospielen und dem US-Militär gäbe:

Der „Warfighter“-Fall zeigt nun, wie eng die Beziehung zwischen Spieleindustrie und US-Militär wirklich ist.“

Im Text heißt es dann aber:

[…] Ehemalige, aber vereinzelt auch aktive Militärangehörige verdienen mit Beratungsaufträgen der Produzenten viel Geld.“

„Militärangehörige verdienen mit Beratungsaufträgen“

Dass bei der Entwicklung von Videospielen auch Experten zu Rate gezogen werden, dürfte nicht unbedingt überraschen. Bei „Anno“ werden Historiker zugezogen, bei Shootern Leute, die sich auf’s Schießen verstehen. Die Zeit, in der digitalisierte Waffen von „Toys „R“ Us“ in Videospielen eingebaut wurden, ist vorbei. Wie bei (Kriegs-) Filmen kann es auch bei Videospielen vorkommen, dass Geräusche und anderes Material zur Verfügung gestellt werden.

Daneben ist das Verhältnis zwischen Entwicklern und Militär/Rüstungsindustrie dann aber doch unterkühlt, so dass selbst die SZ eingesteht, dass es sich bei den Beratern nur vereinzelt um aktive Soldaten handelt. So wurden beispielsweise Mitarbeiter von „Bohemia Interactive“ festgenommen, als sie für ein Videospiel eine Militärbasis in Griechenland photographierten. EA wurde wegen „Battlefield 3“ verklagt, da keine Lizenzen für die Darstellung von im Spiel gezeigten Kriegsgerät erworben wurden.

Nun die angesprochene enge Verbindung zwischen Militär und Entwicklern dadurch belegen zu wollen, dass Militärs für die Zusammenarbeit bestraft wurden, erscheint dann doch etwas widersprüchlich:

Der „Warfighter“-Fall zeigt nun, wie eng die Beziehung zwischen Spieleindustrie und US-Militär wirklich ist. […] Sieben Navy Seals, so teilten die US-Streitkräfte mit, werden wegen der Weitergabe von geheimen Informationen mit einer Rüge und dem Entzug von zwei Monatsgehältern bestraft.“

Dies erscheint genauso logisch wie eine enge Beziehung zwischen „Raubkopierern“ und Filmindustrie daran festmachen zu wollen, dass erwischte Personen regelmäßig abgemahnt werden. Als ob das Führen eines Rechtsstreits ein Zeichen von Zuneigung wäre. Es sieht nach dem Artikel vielmehr so aus, als ob es entgegen des Teasers nicht enge Beziehungen zwischen „Spieleindustrie und US-Militär“, sondern zwischen Spieleindustrie und einzelnen Mitgliedern des US-Militärs, meistens ehemaligen, geben würde.

„Investieren […] massiv in das Medium“

An zwei weiteren Punkten versucht man dann aber doch eine Beziehung zwischen Entwicklern und dem Militär nachzuweisen. Zum ersten:

Weil in zwei Drittel aller US-Haushalte Konsolen- oder Computerspieler leben, investieren die Streitkräfte auch selbst massiv in das Medium: Seit 2002 produziert das Militär mit „America’s Army“ eine Kriegsspiel-Serie, die Rekruten anlocken soll.“

Dass „America’s Army“ zur Werbung von Rekruten entwickelt wurde, entspricht natürlich den Tatsachen. Ob man hier aber davon sprechen kann, dass man „massiv in das Medium“ investiere, wage ich zu bezweifeln. Von „America’s Army“ bis zu „America’s Army 3“ wurden über einen Zeitraum von 9 Jahren 32,80 Millionen US-Dollar investiert (Die Bundeswehr hat für ihre Versuche Luftkissenboote zu kaufen 25,47 Millionen US-Dollar ausgegeben). Damit betrug der Anteil gemessen am Verteidigungsetat 0,000634 %. Auch dürfte der jeweils auf die Spiele entfallende Anteil noch moderat sein. Zum Vergleich: Das von „Crytek Budapest“ entwickelte „Crysis“ hat 19,10 Millionen US-Dollar gekostet. Bei Schwergewichten wie „Modern Warfare 2“ fallen die Kosten pro Titel mit 200 Millionen US-Dollar auch etwas höher aus. Anstatt von massiven Investitionen könnte man also schon fast von einem Schnäppchen sprechen.

„Bei Videospiel-Messen […] Stammgast“

Bei Videospiel-Messen ist die US-Army Stammgast und lässt den möglichen Nachwuchs auch mal echte Militärfahrzeuge ausprobieren.“

Hier muss man gar nicht auf die USA schauen. Auf der deutschen Videospielmesse „Gamescom“ ist die Bundeswehr leider auch immer dabei. Aber nicht nur da: Auch auf der Bildungsmesse didacta, der Hannovermesse und etlichen Berufs- und Bildungsmessen ist sie vertreten.

Fazit

Es ist heutzutage sowohl in den USA als auch in Deutschland so, dass das Militär auf einer Menge Messen auftritt, bei denen potentielle Rekruten vermutet werden. Das ist leider typisch und hat nichts mit Videospielmessen zu tun, auf denen die Bundeswehr leider auch vertreten ist. Darüber hinaus hat die „US Army“ mit „America’s Army“ ein Werbespiel entwickelt und nicht die Branche übernommen. Den Punkt mit den Beratern hat die SZ fast schon selbst aufgegeben: Es handelt sich um Vertragsbeziehungen mit meist ehemaligen Angehörigen des Militärs und nicht um solche mit dem Militär selbst. Was bleibt ist der Umstand, dass einige Entwicklerstudios Software nicht nur für zivile sondern auch für militärische Zwecke entwickeln, was bei einem Unternehmen aber auch nicht unbedingt etwas besonderes ist. Schlussendlich sollte der Umstand, dass es lediglich für Erwachsene freigegebene Videospiele von Entwicklern gibt, die die Spiele in modifizierte Form auch für militärische Zwecke verkaufen, weniger beunruhigend als der Umstand sein, dass in deutschen Schulen Angehörige der Bundeswehr politische Bildung unterrichten und schon in der Bravo um Minderjährige geworben wird.

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13 Gedanken zu “SZ: (K-) eine Verbindung zum US-Militär

  1. Ich habe gerade den ‚“Warfighter“-Fall‘ in Hinblick auf die sieben Disziplinierten völlig gegenteilig interpretiert, nicht dahingehend wie „eng“ Beziehungen zum Militär sind, sondern wie weit auseinander diese eigentlich sind. Bitte da wurden Menschen doch noch dafür bestraft weil sie mit der Unterhaltungsindustrie zusammengearbeitet haben: das widerspricht sich doch vollständig.
    Nach dem Vorfall wird es für Firmen womöglich sogar noch sehr schwierig werden in Hinkunft Werbeträger wie diese bärtigen Typen zu finden, welche dann stilsicher vor Kameras unkenntlich gemacht werden – weil das angeblich ja so schick ist
    Nur gut, dass es mit „Medal of Honor“ und diesem Zugang jetzt vielleicht vorbei ist – einfach weil sich das Spiel nach dem Erfolg 2010 nun auch nicht mehr gar so gut verkauft hat…
    Die haben womöglich sogar ihre Karrieren riskiert oder gleich tatsächlich aufs Spiel gesetzt, dort jetzt gar keine Aufstiegschancen mehr
    Und so können private Kooperationen, die Aussicht auf schnelles Geld durch diese Industrie, auch sehr gefährlich für das Berufsleben dieser Leute sein

  2. Ich bin ja selbst ein Fan von Verschwörungstheorien, muss mich aber fragen warum man versucht hier so belanglose Verbindungen aufzubauen. Dabei gäbe es doch viel interessantere Punkte an denen man Ansetzen könnte bzgl. irgendwelcher „Verschwörungskomplexe“.

    Da wäre zB die Beteiligung von Microsoft und Nintendo bei EU Kommissionen zum Thema „Internet-Zensur“. http://blog.fefe.de/?ts=b1b38eb6

    Mit der WiiU hat Nintendo nun in die Realität umgesetzt was hier gefordert wurde, ein komplett moderiertes, cleanes „Kindernet“. Von Microsoft und deren Verstrickungen mit der Contentmafia ganz zu schweigen, das fängt bei PhotoDNA an und geht über Patente für Kinect die es ermöglichen sollen selbst in den eigenen vier Wänden „pro Kopf“ zu zahlen wenn man Filme am heimischen TV guckt: http://appft.uspto.gov/netacgi/nph-Parser?Sect1=PTO1&Sect2=HITOFF&d=PG01&p=1&u=%2Fnetahtml%2FPTO%2Fsrchnum.html&r=1&f=G&l=50&s1=%2220120278904%22.PGNR.&OS=DN/20120278904&RS=DN/20120278904

    Wie da der Content-Lobby Verein BASCAP ins Gesamtbild passt kann sich dann ja jeder selbst ausmalen: http://en.wikipedia.org/wiki/BASCAP

    Das sind die wahren „bösen Verbindungen“ die gefährlich sind für freiheitlich demokratische Werte. Eine Allianz aus Konzernen und Politik die ohne Kontrolle des Souveräns unsere Zukunft prägt.

  3. @Microsoft-Patent
    Ich habe vor einiger Zeit ja schon aufgehört mir Filme über Zune Video auszuleihen, nachdem ich festgestellt habe dass dort sämtliche Rechte am Betrachten von Filmen verloren gehen, wird ein bestimmter Token auf einen Datenträger (ein Item, gewissermaßen wie eine Datei) gelöscht. Das Recht ist dort so nicht einmal mit Konten verbunden, wobei es keinen Hinweis auf die Natur dieses Items gibt. Keine Warnung – nichts.

  4. @Pyri
    Muss man aufpassen, wenn das so weiter geht muss man bald erst einmal eine Lizenz erwerben um Lizenzen (Filme) zu erwerben zu dürfen. Ich glaube dieser Verein gibt erst ruhe wenn jeder Mensch selbst für die Luft die er atmet auf Lizenzbasis bezahlen muss.

  5. @Freeflight:
    noch viel schlimmer, die Chemische Industrie sitzt mit in den Ausschüssen die Gesetzesvorlagen zum Chemikalienrecht ausarbeiten.
    Angeblich weil diese Menschen Erfahrung aus der Praxis haben.

    Auch in den Ausschüssen die sich mit dem Thema Jugendmedienschutz beschäftigen versuchen Konzerne wie EA oder Organisationen wie der VDVC Einfluß zu nehmen.
    Eigentlich sollte man solche Positionen nur mit Menschen besetzen die der Politik und den Konzernen kritisch gegenüber stehen, auch wenn sie keine praktische Erfahrung haben.
    Eine einwandfreie moralische Haltung kann die praktische Erfahrung nämlich ganz gut ersetzen.
    Im Bereich Jugendmedienschutz würde dies z.B. bedeuten das nur Menschen wie Spitzer, Pfeiffer & Co. zu besetzen, denen man ja beim Besten Willen keine Zusammenarbeit mit den Bösen Konzernen nachsagen kann.

    @ReyAlp
    Die BRD ist Mitglied in NATO und UNO, beides Organisation die von ihren Mitgliedern verlangen im bestimmten Fällen Soldaten für Militäreinsätze zu stellen.
    Die BRD müsste nur aus NATO und UNO austreten, dann könnte sie die Bundeswehr auflösen und es gäbe auch keine Notwendigkeit Werbung für den freiwilligen Wehrdienst zu machen.
    Weder auf Messen, noch in den Schulen, noch in der Bravo.
    Bis auf einige Mitglieder der Linkspartei findet sich aber momentan kein Politiker der so etwas ernsthaft fordert.

    Im Gegenteil, bei internationalen Krisen sind die deutschen Politiker die ersten die nach einer multilateralen Lösung verlangen, dann aber kneifen wenn diese multilaterale Lösung mit der Entsendung von Truppen zu tun hat.
    Die meisten NATO-Mitglieder finden das inzwischen nicht mehr lustig.

    Allerdings tut sich was in Sachen Bundeswehr an den Schulen: In Zukunft müssen auch neben den Vertretern der Bundeswehr auch Vertreter von Friedensgruppen in den Unterricht eingeladen werden.
    Die können dann erklären wie man mit Lichterketten und Solidaritätskonzerten die Massaker auf den Balkan in den 90er hätte verhindern können, oder warum ein Plakat Frieden stiftet, das zum Feiern auffordert, wenn Deutsche Soldaten bei UN-Einsätzen sterben.

    Ich gehe jedoch davon aus das der Widerstand gegen die Bundeswehrwerbung Erfolg hat, und das Gymnasien und Hochschulen davon verschont bleiben.
    Statt beim Bildungsbürgertum wird dann der Nachwuchs bei denen rekrutiert die zu den Verlierern der deutschen Klassengesellschaft zählen, aber das wird kaum jemand stören.

  6. @Alreech: Also du hast ja nicht vollkommen Unrecht, aber die Zielkonflikte einfach zu ignorieren führt nicht gerade zu sinnvollen Ideen. Das ist ein hochbedeutsames Problem welches du hier so einfach wegwäschst.

  7. @Alreech
    Menschen wie Spitzer, Pfeiffer & Co. hahaha der war gut…
    Zumindest wenn man bedenkt das diese Herrschaften auch nur ihren eigenen Profit bedienen. Spitzer zB redet zwar vom „Computer der Kinder verblödet“ ist sich aber trotzdem nicht zu schade mit seinem Namen „Lernsoftware“ zu verkaufen.

    Das Politiker nicht in derlei Gremien gehören ist dann aber schon übers Ziel hinaus geschossen. Das Problem liegt nicht daran das diese Menschen Politiker und Fachfremd sind, sondern viel eher daran das EU Abgeordnete in keinster Weise demokratisch vom Volk legitimiert sind. Man kann sie nicht abwählen, auch nicht direkt hinein wählen und hinzu kommt der Zustand der allgemeinen Intransparent dieser ganzen Vorgänge.

    Somit kann man weder deren „Performance“ beurteilen noch kann man sie für schlechte „Performance“ bestrafen bzw. für gute „belohnen“. Mit der passenden Transparenz und den richtigen Kontrollmöglichkeiten für das Souverän können da gerne alle Industrie-Vertreter der Welt Vorträge halten. Aber dieses versteckte, intransparente Vorgehen bei dem dann Aufnahmen geheim gemacht und raus geschmuggelt werden müssen, damit der Wähler weiß was passiert, das ist ein Zustand der so nicht sein darf.

  8. Sorry hab mich da oben aus versehen „Alreech“ genannt, feinstes GehirnAFK!
    War nicht meine Absicht mich für jemanden auszugeben der ich nicht bin.

  9. @freeflight: Und wenn du Politiker kritisierst, weil diese nicht bestraft werden können, wenn würdest du dann in solche Gremien setzen? Wer konkret soll das entscheiden?

  10. Ich finde es mittlerweile schon äußerst müßig, dass eine Artikulation über diese Dinge scheinbar andauernd auf Rechtsbelehrungen oder irgendwelche gesellschaftlichen Auswirkungen hinausläuft. Das Eine unterscheidet sich dabei aus meiner Sicht auch kaum mehr vom Anderen – es sind zwei Seiten einer Medaille, nur über diese (oft genug nur bare) Münze hinaus geblickt möchte offenbar nicht werden. Dabei scheint es mir bereits schwierig zu sein, dass die Existenz erkenntnisleitender Interessen überhaupt akzeptiert wird. Andauernd wird stillschweigend von zumindest der Möglichkeit einer „perfekten“ Welt ausgegangen, mit „perfekten“ Menschen die „perfekte“ Gesetze machen. Ob im Sinne einer Mehrheit, von Familien oder des technischen Fortschritts. Und über Vernunft wird dann sogar Kunst und Kultur im Radebruch darauf heruntergebrochen. Alles im Sinne einer so oder so dominierenden und Anderes verschlingenden Ratio –

  11. Pingback: Neuer Kommentar bei “Stigma Videospiele” | Der Almrausch. Verbesserererlich*

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