Wie „normal“ muss ein Gamer sein?

(deinspieldeinleben) Vorgestern war der Einsendeschluss für das Projekt „Dein Leben. Dein Spiel“, das von Jugendlichen mit Unterstützung von Spielraum, Spawnpoint und dem BMFSFJ geschaffen wurde. Ziel sind Jugendliche zwischen 12 und 25 Jahren, die helfen sollen das Image der Gamer aufzupolieren:

Gamer wie DU werden gesucht. DU spielst unglaublich gerne Videospiele, bist ein richtiger Nerd und hast es satt, blöde Kommentare von „gewissen Medien“ zu hören. Denn neben dem Gaming gehst DU auch raus und triffst dich mit Freunden oder machst andere Dinge. Hilf uns das Image der Gamer zu verbessern und zeig uns Dein Leben in Aktion.“

In den Kommentaren verschiedener Seiten, u.a. bei GameStar und GameOne, ist das Projekt als „eine Hammer Aktion“ größtenteils positiv angenommen worden, wobei Einzelne auch Kritik üben. So seien manche Formulierungen des Aufrufs zum Wettbewerb – näher betrachtet – doch etwas diffamierend. So wende man sich an Nerds, die „neben dem Gaming […] auch […] Freunde“ treffen würden, ganz so, als ob sich Gaming und Freunde ausschließen würden. Gerade bei Mehrspielerspielen, dem gemeinsamen Spielen an einer Konsole und bei klassischen LAN-Parties ist ein Treffen mit Freunden nicht optional sondern obligatorisch. Auch der Titel „Dein Leben. Dein Spiel.“ sei im Grunde eine künstliche Trennung, die sich durch den ganzen Wettbewerb ziehe. So werde Gaming als eine Tätigkeit dargestellt, die rechtfertigungsbedürftig sei:

Zeig, wie Du es z.B. schaffst, dass deine Eltern, die Schule oder auch deine Freunde alle mit dir zufrieden sind, dir aber trotzdem genug Zeit zum Zocken bleibt?

 Scheinbares Ziel der Kampagne:

Wichtig ist, dass DU DEIN Leben präsentierst und zeigst, dass Gamer auch ganz normale Menschen sind.“

Sind also im Umkehrschluss Leute, die nicht exzessiv Outdoor-Aktivitäten nachgehen und sich nicht andauernd mit Freunden treffen unnormal, die sich – um dem Image der Gamer nicht zu schaden – in der Öffentlichkeit besser nicht blicken lassen sollten?

Auch gibt es offenbar einen kleinen Unterschied zwischen der Außendarstellung und der eigentlichen Zielsetzung. Während es nach dem Aufruf zum Wettbewerb darum geht, gegen „blöde Kommentare von „gewissen Medien““ vorzugehen, ist nach der Pressemitteilung des BMFSFJ der Punkt, dass sich „Jugendliche […] gegenseitig darauf aufmerksam machen und dabei helfen, eine gesunde Balance zwischen dem normalen Leben und den Spielen im Netz zu finden„.

Wohl nicht nur zufällig erinnert der Slogan „Dein Spiel. Dein Leben. – Find your Level!“ an das Motto der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: „Alkohol? Kenn dein Limit.“. Auch wird bei den auf der Seite gezeigten Beispielen krampfhaft versucht Videospielen einen praktischen Nutzen abzugewinnen. Ob es nun Organisationstalent, Teamfähigkeit oder Führungsqualitäten sind. Spielen des Spielens willen scheint undenkbar – auch für manche Gamer. Ein User hält bei GameStar im Kommentarbereich dagegen:

„Zeitverschwendung“. Wieso nennen das immer alle als Argument gegen Videospiele? Solang einem die Zeit viel Freude bereitet hat (vlt. auch zusammen mit anderen online), dann kann es doch niemals Zeitverschwendung sein!

Frei nach dem fälschlicherweise John Lennon zugeschriebenen Zitat:

„Time you enjoy wasting is not wasted time.“

Interessant ist auch, dass es 2009 bereits ein gleichnamiges Projekt der Sacher-Stiftung gab. Hier war man bei der Wortwahl aber weniger zurückhaltend:

Medienkonsum kann süchtig machen. Unter dem Motto „Dein Leben – dein Spiel. Produzieren statt konsumieren“ drehen wir den Spieß um und werden selbst aktiv.“

Und manche tun das so oft, dass sie süchtig werden. Kinder, Jugendliche, aber auch Erwachsene. Sie sind „mediensüchtig“, ob es nun um Computerspiele, Fernsehen, Internet, Handy oder Killerspiele geht. Letztere sind besonders gefährlich, denn Killerspiele fördern die Gewalt.“

In eine ähnliche Richtung geht ein Werbefilm der AOK Nordost, der bei Youtube-Nutzern auf Unverständnis stößt. Der Text:

Na, wieder schräge Filmchen am Schauen? Beim Sich-Selbst-Googeln wieder etwas spannendes entdeckt? Den ganzen Tag auf Dating-Seiten verplempert? Stapeln sich die Pizza-Kartons schon am Rechner? Macht nichts – wir wollen Sie so, wie Sie sind.“

Muss man jetzt schon dankbar dafür sein auch dann versichert zu werden, wenn man im Internet „schräge Filmchen“ schaut? Oder sollte man andere Menschen nicht einfach unabhängig davon akzeptieren, wie (un-) normal und (un-) produktiv deren Freizeitgestaltung ist?

 (Dank an Pyri für den Hinweis.)

15 Gedanken zu “Wie „normal“ muss ein Gamer sein?

  1. Hallo Redaktion,

    zunächst finde ich es schön, dass ihr nach mehreren Monaten, die die Aktion nun schon läuft auch auf diese Aufmerksam geworden seid und euch dazu äußert. Insbesondere deshalb, da mit Patrik Schönfeldt schon im Vorfeld der Gamescom ein Vertretungsberechtigter Vorstand und Verantwortlicher dieses Blogs in die Aktion involviert war (besten Dank noch mal dafür!).

    Nun zur dargestellten Kritik:

    1.
    Ich gebe euch zwar Recht, dass einige Formulierungen gerne hinterfragt werden können und sollten, dennoch hätte ich mir gerade von einem Sprachrohr wie dem Stigma Videospiele Blog gewünscht dem auffordernden Charakter der Kampagne (sich als Spieler einzubringen/zu beteiligen und damit auch zu gestalten) nachzukommen, als im Nachgang einfach darüber „herzuziehen“!

    2.
    Ich als Coregamer und zugleich beteiligter Medienpädagoge bin äußerst ernüchtert über die Art und Weise, wie jede noch so gut gemeinte Aktion von einigen Organen und Meinungsbildnern der Spieler nahen Blogosphäre auseinander genommen wird und dabei vor allem die Inhalte zugunsten von (sorry für die Polemik) Wortklauberei negiert werden!
    Das Gaming einen enormen Stellenwert in unserer Gesellschaft eingenommen hat stellt niemand der involvierten Institutionen in Frage! Gerade deshalb darf oder besser muss die Frage danach gestellt werden, welchen ganz persönlichen Stellenwert das Spiel im Leben von vor allem jungen Spielern hat und wie diese eine adäquate (natürlich im Hinblick auf individuelle Lebenssituationen) Game-Life-Balance entwickeln…

    3.
    Ich freue mich dennoch sehr, dass die involvierten Spieler und wie schon oben im Text dargestellt eine Vielzahl der Kommentierenden zur Kampagne mittlerweile ein differenziertes Bild von öffentlichen Aktionen zum Thema Gaming in unserer Gesellschaft haben. Der gerade hier im Blog legendäre „Beißreflex“ gegen alles, was „von denen da“ kommt nutzt sich imo langsam ab… insbesondere dann, wenn man keine konstruktiven Kooperationen anstrebt und sich selbst damit in eine eigene selbst konstruierte Wirklichkeits-Verbreitungs-Ecke drängt – also genau das, was ihr so gerne kritisiert…

    my2cents
    Gerrit Neundorf

  2. @Gerrit Neundorf
    .
    Das sich Gamer für ihr Hobby einsetzen und den Wert, den dieses für sie und andere hat, betonen wollen, ist selbstverständlich löblichen und zu begrüßen. Und auch ich weiß wie schwer es ist ein Projekt auf die Beine zu stellen und zu organisieren und dafür genügend Unterstützer zu werben. Im Endeffekt wird das, was im Ergebnis beim Wettbewerb geliefert werden wird, sich wahrscheinlich auch nicht oder nur in Nuancen von dem unterscheiden, was man mit einer anderen Zielsetzung erreicht hätte. Also zunächst einmal meinen uneingeschränkten Respekt für alle, die sich an diesem Projekt beteiligt haben. Mir ist es auch schwer gefallen hier einen nicht völlig unkritischen Beitrag zu schreiben, da ich aus dem Forum von Patrik eben weiß, wie engagiert an diesem Projekt gearbeitet wurde.
    .
    Die inhaltliche Kritik, die man vereinzelt finden kann, sollte sicherlich nicht überbewertet werden. Der Grund, weshalb ich diese trotzdem hier erwähnt habe ist, dass ich einige Punkte für die ganze Debatte sympotmatisch finde.
    .
    Es ist einfach so, dass in der Öffentlichkeit Unproduktivität rechtfertigungsbedürftig ist. Noch schlimnmer: Man muss sich schon dafür entschuldigen, wenn man nicht Zeit damit verbringt diese Produktivität zu steigern. Damit möchte ich in erster Linie auch nicht das Projekt ansprechen. Zentrale Argumente von Pfeiffer („dick, dumm und traurig“) und Spitzer („Wer Games schenkt, schenkt schlechte Noten“) sind es regelmäßig, dass Videospiele die Entwicklung nicht fördern oder Schulleistungen sogar schmälern würden. Wie man darauf antwortet, hängt von der eigenen Einstellung ab. Zu sagen, dass Videospielen tatsächlich viele positive Seiten haben und MP-Spiele nachweislich auch soziale Kompetenzen verbessern, finde ich „gefährlich“. Eben weil man damit die Argumentationsstruktur, dass auch die Freizeit produktiv sein müsse, übernimmt. Meine Meinung ist hier sicherlich nicht „richtiger“ als andere, aber ich empfinde es nun einmal nicht befriedigend die Produktivität eines Menschens als die maßgebliche Größe anzunehmen. So ernsthaft, wie sich das jetzt anhört, meine ich das auch gar nicht. Ich möchte mich da in nichts hineinsteigern, doch wenn ich diese Argumentationsmuster finde, die bei der Diskussion über den „Wert“ von Videospielen eben fast allgegenwärtig sind, weise ich gerne daraufhin, dass ich hier eine andere Meinung habe, eben falls jemand nicht gemerkt haben sollte, was er sich da vielleicht unbemerkt zu eigen gemacht hat. Auch waren die Formulierungen für mich auch nicht so ausschlaggebend, Augen habe ich bei den Beispielen gemacht, wobei es offenbar nicht nur mir so gegangen ist. Bei GameStar drückt es in den Kommentaren einer etwas drastisch aus. Die Idee dahinter ist natürlich klar und die Absichten will ich nicht in Zweifel ziehen. Doch letztendlich Spiele ich Videospiele nicht, damit ich irgendwelche Fähigkeiten erwerbe, sondern weil ich mit meinen Freunden Spaß haben möchte. Den Nutzen als Vorwand für das Hobby vorzuschieben wirkt dann etwas seltsam.
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    Ich weiß nicht, ob ich da selbst gerne mitgemacht hätte oder andere zum Mitmachen hätte anregen wollen. Ich selbst bin im Rahmen meines Studiums mit Datenschutzrecht in Berührung gekommen und finde auch, dass der gesunde Menschenverstand schon sagt, dass man sein Leben nicht unbedingt in die Öfentlichkeit bewegen muss. Auch das hört sich jetzt vielleicht etwas ernster an, als es mir ist. Doch wenn man bei Kindern gerade im Zusammenhang mit dem Internet ein bewusstsein dafür wecken möchte, dass eigene Leben nicht digital zur Schau zu stellen, wirkt der Aufruf hier etwas befremdlich. Sicherlich, ihr werdet da nicht unbedingt mit Adresse etc. intime Einblicke in das Leben von Minderjährigen online verbreiten (Hoffe ich zumindest), doch es hat ein Geschmäckle, dass andere in den Kommentaren auch bemerkt haben:
    .
    „Wieso man auserdem der ganzen welt irgendwqie zeigen muss das man nich den ganzen tag zuhause hockt und zockt sondern auch noch was anderes macht versteh ich sowieso nicht aber das is wohl so n ding der facebook generation oder so.“
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    Des Weiteren bin ich mit über 25 Jahren auch nicht mehr Teil der Zielgruppe, wie ich stigma auch in erster Linie als Teil in einer Debatte begreife, die erwachsene Spieler betrifft.
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    Von daher begreife diesen Kommentar nicht als Verriß der Aktion, sondern als einen Denkanstoß hinsichtlich der übernommenen Argumentationsmuster. Ich will niemanden von meiner Meinung überzeugen, sondern nur darauf aufmerksam machen, was man da eigentlich behauptet. Dass der Beitrag erst jetzt kommt lag daran, dass weder ich noch jemand anderes zuvor Zeit gefunden hatte dazu was zu schreiben.
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    Viele Grüße
    Rey
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    PS:
    .
    Was mich auch interessiert – wusstet ihr von der „Vorgängerkampagne“? Spätestens bei der Suche nach einer Domain hätte das wohl auffallen sollen?

  3. @Rey
    Danke für deinen Kommentar…
    Zu deiner Frage:
    Ich würde das besagte Projekt nicht als „Vorgängerkampagne“ bezeichnen wollen. Der Kampagnenname „Dein Spiel. Dein Leben.“ ist eine Zusammenführung der verschiednensten Ideen wie die Kampagne heißen könnte. Diese Ideen sind in den Projektgruppen der beteiligten Spieler entstanden.
    Leider sind wir auf besagtes Projekt erst nach Registrierung der Domain und Veröffentlichung des Namens aufmerksam geworden – durch die entsprechenden Googletreffer, denn bei vorausgegangenen Tests der Domain konnte das Prob ja nicht erkannt werden… Zugegeben, waren wir sicherlich selbst am meisten überrascht und über die Namensähnlichkeit auch nicht wirklich glücklich.

    Umso mehr freuen wir uns, wenn die vorhandenen Unterschiede wahrgenommen werden.

    beste Grüße
    Gerrit

  4. @Gerrit Neundorf: Zugegeben, der Artikel ist recht kritisch. Aber die erwähnten Punkte sollten genannt werden dürfen – und eben das ist eine wichtige Aufgabe von Stigma Videospiele. Zwar bin ich nicht der Meinung, dass DSDL mit der AOK-Werbung in eine Schublade (oder einen Beitrag) gehört, aber die hier erwähnten Mängel sind schon vor Kampagnenstart bekannt gewesen und wurden entweder so hingenommen oder für unwichtig erachtet. Auch die Kommunikation des Familienministeriums passt nicht unbedingt mit der Art zusammen, in der die Gamer angesprochen werden. Von da her ist es schon konsequent, das hier zu erwähnen.

    Nichtsdestotrotz halte ich „Dein Spiel. Dein Leben.“ für einen tollen Ansatz. Das sollte im im VDVC-Blog (http://vdvc.de/blog/2012/09/29/initiative-dein-spiel-dein-leben/) auch deutlich geworden sein.

  5. @Patrik Schönfeldt
    Hallo Patrik, schön von dir zu lesen…
    .
    Ich hoffe es wurde deutlich, dass ich vor allem die Eindimensionalität im Artikel hinterfragen wollte – natürlich soll das Blog Aktionen wie die unsrige kritisch hinterfragen, was ich mir wünschen würde, wäre dennoch ein Dialog, um das verbindende Thema Gaming und Gesellschaft voran zu bringen – wie wir ihn z.B. geführt hatten zum Thema soziale Gütekriterien in Spielgemeinschaften…. Anregungen und Kritiken eurerseits sind damals auch direkt in die Aktionen mit eingeflossen.
    .
    ich kann mich auch noch gut an dein Lob zum deutschen Titel erinnern, genau wie an deine Kritik an „Find your Level!“ mit eben oben im Artikel dargestellter “Alkohol? Kenn dein Limit.” Parallele… Wie ich damals schon antwortete war es für uns vor allem der „Level“-Bezug zum Gaming der uns wichtig war – zugegeben mit der erkennbaren Doppeldeutigkeit, was die Game-Life-Balance angeht. btw.: die Analogie zur Work-Life-Balance soll hier verdeutlichen, dass für uns Spielen genau wie Arbeit wichtiger Bestandteil unseres Lebens ist…
    .
    Zusammenfassend bleibt für mich
    1.
    die Erkenntnis, dass es immer schwer und schwierig sein wird die „richtigen“ Worte zu finden. Hier müssen wir auch klar bekennen, dass bestimmte Formulierungen im Wettbewerbsaufruf (wie oben schon geschrieben) nicht nur glücklich waren… Die Grundanfrage an die sich beteiligenden Spieler blieb imo dennoch erhalten – aufzuzeigen, wie diese ihr Gaming mit den anderen Alltäglichkeiten gut unter einen Hut bekommen, um diese Impulse an andere weiterzugeben…
    2.
    der Wunsch, dass nicht mit jeder Aktion die sich mit Gaming auseinandersetzt eine Intrigen- bzw. Negativvermutung einhergehen muss – und dazu gehört es im Dialog zu bleiben, was wir hier ja gerade in ‚Vollendung‘ tun ;)

  6. @Rey: grundsätzlich ist es aber so, dass gerade hier auch bei einer guten Kampagne (oder egal was es war) einmal was positives genannt und dann werden die kritischen 5 Prozent hier ziemlich bös von einigen auseinandergenommen. Insofern tut Gerrit hier nichts Anderes als das, was hier Stigma die letzten 5 Jahre täglich passiert ist. Das ist jetzt neutral gemeint, einfach zur Sachklärung

    „Es ist einfach so, dass in der Öffentlichkeit Unproduktivität rechtfertigungsbedürftig ist.“ Ich würde das etwas differenzierter sehen. Erstens beziehen sich viele Kommentare eigentlich auf eine Situation in der sehr viel gezockt wird, nicht unbedingt auf das Medium an sich (ok, auch wenn man dann ein 2-Satz-Zitat findet indem das nicht rauskommt). Und dann geht es nicht darum ob man jetzt 30 Minuten ein Buch liest oder zockst oder am Fernseher ist, sondern es geht um viele Stunden zocken pro Tag. Da sollte imho die Bewertung dann auch anders ausfallen, sowas wird leider in der Communit für meine Begriffe zu oft nicht gewürdigt.
    Zweitens ist die Leistungsgesellschaft ja nun keine kulturelle Erfindung der Deutschen. Es ist nunmal von Natur so dass wir verhungern wenn wir nichts arbeiten. Natürlich ist das Ausmaß dieser Idee kulturell bedingt, aber es gibt diesen Zusammenhang. Deshalb finde ich es absolut richtig dass Produktivität gefordert wird – nicht immer und überall, klar – und ich sehe in der Ignorierung dieses Themas hier schon eine große Schwäche in der Argumentation.
    Auch wenn ich dir natürlich ganz Recht gebe dass Games prinzipiell kritischer gesehen werden als Fernsehen z.B., was eigentlich nicht sein sollte.
    Das aber nur als Denkanstoß zur Klärung, wenn ich den Recht von dir lese – besonders „weise ich gerne daraufhin, dass ich hier eine andere Meinung habe, eben falls jemand nicht gemerkt haben sollte, was er sich da vielleicht unbemerkt zu eigen gemacht hat.“ denke ich dass wir da nicht weit voneinander stehen.

    Grüße,
    Mars

  7. @Mars
    Wo ich eine Gemeinsamkeit wähne: Man kann gerne betonen, dass Videospiele nicht mit einem Schaden gleichzusetzen sind (Für Zeit, Produktivität, Gesundheit, etc.), sondern sogar eine Bereicherung sein können (Kinect im Altersheim, LAN mit Freunden, Besseres Opererieren durch Shooter, …). Das als „Mehrwert“ kann man sicherlich betonen. Speziell wenn man mit dem Projekt zum Ausdruck bringen möchte, dass Gamer nicht trotz, sondern vielleicht sogar auch wegen Videospielen ein wertvoller Teil unserer Gesellschaft sind.
    Ich mag diese Schiene dagegen weniger. Als ich das Projekt zuerst gesehen habe (noch nicht die Beispiele) hatte ich angenommen, dass schlicht gezeigt werden soll, dass Gamer auch „normale“ Menschen sind. Die (positiven) Einflüsse der Spiele zu thematisieren wurde ja glaube ich eben erst in diesen Beispielen angedacht. Also von daher die Punkte, bei denen ich skeptisch bin:
    – (In den Beispielen) die Nutzung von Videospielen durch ihren Nutzen zu rechtfertigen,
    – zeigen zu wollen, dass Gamer trotz des Videospielens ein Leben haben/normal sind bzw.
    – dadurch den Anschein zu erwecken, dass Videospiele nicht zur Lebenswelt gehören,
    – und das jemand wegen einer ungewöhnlichen Freizeitgestaltung als „unnormal“ anzusehen sei.

  8. sicherlich ist die Kampagne gut gemeint, ist sie aber auch gut gemacht ?
    kaum jemand würde eine Kampagne gegen Rassismus gut finden, die gängige Vorurteil nur abgeschwächt wiedergibt.
    Das Gamer ihr Level zwischen Life & Game kennen sollten ist ungefähr so sensibel wie die Behauptung das ein Zigeuner den Unterschied zwischen Schrottsammeln und Diebstahl von Buntmetallen kennen sollte.
    Das wäre zwar gut gemeint, ist aber jeder Sinti, Roma und Jenische wäre zu Recht beleidigt.

    Die Story im heutigen Spiegel über ein junges Pärchen das sich beim Halospielen kennen gelernt hat trägt vermutlich mehr zur Akzeptanz des Gamings als Freizeitbeschäftigung bei als solche gut gemeinten Aktionen.

  9. Hmmm…. Beziehungen über etwas finden erhöht die Akzeptanz…
    „Ich habe meine Freundin beim NPD-Aufmarsch kennengelernt. Es ist einfach toll wie der gemeinsame Hass auf Ausländer uns zusammengeführt hat“
    SCNR :D

  10. @Gerrit Neundorf
    Hätten Sie Menschen wie mir, welche sich selbst schonmal überhaupt nicht für „normal“ halten wollen, so eigentlich auch nur irgendetwas zu sagen?

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