Mediengewalt e.V. fordert Verbot umzusetzen

(Mediengewalt.eu) Der Mediengewalt e.V. fordert anlässlich von Bestrebungen Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern auch eine Entschließung des Europäischen Parlamentes vom 16.01.2008 (2007/2093 (INI)) umzusetzen. In dieser wird – zumindest dem Wortlaut nach – ein Verbot des Verkaufs gewaltdarstellender Videospiele verlangt, das neben Industrie und Medien auch die Provider betreffen soll. Wie dieses Verbot zu verstehen ist bleibt offen, wobei nach einem anderen Punkt mit der PEGI lediglich eine „Selbstregulierung für die Kennzeichnung von Spielen“ unterstützt werden soll, um „Minderjährige besser vor ungeeigneten Inhalten zu schützen und die Eltern über mögliche Risiken, die mit Spielen verbunden sein können, sowie über gute Beispiele zu informieren„.

Die Entschließung:

Das Europäische Parlament, […] wünscht sich zum Schutz der Kinderrechte die Schaffung eines angemessenen, effektiven und verhältnismäßigen Regelungssystems mit Dialog, das für Provider, Medien (öffentliche und private Fernsehkanäle, Werbung, Presse, Videospiele, Mobiltelefone und Internet) und die Industrie gelten sollte, um unter anderem die Übertragung kindergefährdender Bilder und Inhalte (einschließlich Cyberbullying) und den Verkauf von Videospielen mit gewalttätigem Inhalt zu verbieten, da diese zur Gewalt und zum Sexismus anstiften und deshalb für die psychische und physische Entwicklung des Kindes schädlich sein können […].“

Bzw. in etwas kürzer und verständlicher:

Das Europäische Parlament […] wünscht sich zum Schutz der Kinderrechte die Schaffung eines […] Regelungssystems mit Dialog, das für Provider, Medien […] und die Industrie gelten sollte, um unter anderem […] den Verkauf von Videospielen mit gewalttätigem Inhalt zu verbieten […].“

Bei dem Mediengewalt e.V. engagieren sich unter anderem die Wissenschaftler Prof. Dr. Günter L. Huber, Prof. Dr. Helmut Lukesch, Dr. Werner H. Hopf, Dr. Rudolf H. Weiß und Dr. Sabine Schiffer. Ziel des Vereins ist die Förderung von Kinder- und Jugendmedienschutz auf der Grundlage des Grundgesetzes, der EU-Kinderrechtskonvention und der UNO-Charta sowie die Aufklärung über Medieneinflüsse.

Zur Presseerklärung (Mediengewalt e.V.)
Zur Entschließung (EU)

(Dank an hecterspecter.)

13 Gedanken zu “Mediengewalt e.V. fordert Verbot umzusetzen

  1. Aus meiner Sicht ging es dabei lediglich um Kinderrechte. Die ganze Entschließung läuft darunter, wobei es mit einiger Begründung vielleicht als europäischer Vorstoß für eine Verbindlichkeit von Kennzeichen gelesen werden kann. Und die Gewaltspiele laufen dabei glaub ich unter Pornografie. Das liest sich für mich so wie ähnliche Verbindungen zu sexistischen Einstellungen die dort bei sexuellen Inhalten gesehen werden dürften – zu Mediengewalt passt das deshalb vor allem ganz gut, weil die ja dabei in erster Linie sich anscheinend kleine Kinder (immer noch) empirisch anschauen wollen. Und von diesen dann in ihrer ureigensten Logik auf den Rest der Welt schließen. Dass die EU da zumindest scheinbar mitmacht ist allerdings bedenklich – ebenso wie wenn ich mir anschaue dass das bei Ab-18-Titel teilweise ins Grundschulalter bei Untersuchungen geht, wo nicht einmal von sexistischen Jugendlichen als „Killerspielern“ ausgegangen werden kann wie sie im „Mehr Waffen“-Song bekanntlich besungen werden. Jedenfalls erschließt sich mir schon nicht wie „Kinderrechte“ das was Erwachsene untereinander tun einschränken sollen, aber vielleicht gibt ja das „Sichtwechsel“-Zitat vom Zwölfjährigen der fragt weshalb diese Bilder bräuchten welche er nicht sehen darf einen ideologischen Hinweis…

  2. Was für ein niederträchtiger Versuch den Gesetzgeber zu manipulieren, hier wird eindeutig von einer Bande von Pseudowissenschaftler unter dem Deckmantel von Political Correctness und der üblichen Empörungsparole „Denkt an die Kinder!“ ein weiter Versuch unternommen die demokratischen Grundrechte, auf freie Meinungsäußerung und die Freiheit der Kunst zu unterminieren. Obendrein versuchen sie auch noch eine Funktion die die PEGI in der Union ohne bereits wahrnimmt für sich zu reklamieren. Gerade in der ineffektiven und von Mediengewalt.eu propagierten Verbotsforderung liegen mehr Gefahren, da sie auf der einen Seite einen Freibrief für Eltern ist ihre Kinder zu vernachlässigen nicht mehr darauf zu achten was ihre Kinder machen, und auf der anderen Seite durch Zensur ein falsches Weltbild zu zeichnen versucht das bestimmte Einflüsse als entartet darstellt und damit im direkten Widerspruch zu der von der EU representieren Werten von Demokratie und Pluralismus steht. Keiner der von den oben genannten Ignoraten der Mediengewalt.eu kann mir erklären das er oder sie bereits wissen welches Stück Kunst sie vernichten, zerstören und zensieren wollen weil sich ein Terrorist oder Gewaltäter sich vielleicht oder vielleicht nicht darauf berufen könnte.

  3. Es fängt doch schon damit an das alles so schwammig formuliert ist.
    Ab wann kann man z.B. von gewalttätigem Inhalt reden?
    Eigentlich tut selbst Mario seinen Gegnern Gewalt an um sie zu besiegen (zerstampfen, mit Feuerbällen bewerfen, etc.).

    Das gewalthaltige Spiele zu realer Gewalt führen könnten oder gar zu Sexismus (hä?) ist zudem stark umstritten und für ein Verbot sollte das doch zumindest zweifelsfrei belegt sein.
    Da sich das aber außerhalb der schönen kleinen Welt von Huber, Spitzer & CO. nicht belegen lässt, bleibt es beim Status Quo.

  4. @kraid
    Der Sexismus-Hinweis wird auf Körperbilder rekurrieren. Wo starke Frauen und Männer Schwächere retten – mitunter halt über Gewalteinsatz. Die starken Frauen (wie Lara Croft) sind dann die objektifizierten Sexsymbole, während die ebensolchen Männer ein angebliches „falsches“ Bild von Männlichkeit propagieren würden. Welches gerade in einer Gegenwart dann zumindest nicht mehr zeitgemäß wäre. Der eigentliche an Videospiel-Fantasien gerichtete Vorwurf. Bei Kampfspielen lässt sich dieser Vorwurf im Diskurs bis zu Sega-Mega-Drive-Zeiten zurück nachweisen (bei „Streets of Rage“ etwa) – Davon spricht ja auch ein Christian Pfeiffer zum Beispiel, und verwendet dabei mitunter selbst ein antiquiertes Geschlechterrollenbild in Zusammenhang mit einer Warnung vor den Folgen einer „Feminisierung“, dass „Männer“ in einer aktuellen Leistungsgesellschaft – welche dabei natürlich nicht hinterfragt wird – „Frauen“ hinterher wären, nachhinken würden etc. Dabei frag ich mich zunehmend schon wie solche stereotypisierten Vorstellungen über „Männer“ und „Frauen“ eigentlich mit anderer, modernerer Gender-Politik vereinbar sein sollen wie sie ansonsten doch auch die EU unterstützen möchte. Also da kommt aus meiner Sicht jedenfalls sehr vieles zusammen was über so eine News kritisiert werden könnte.

  5. Pingback: Replique zu Gender Mainstreaming bei “Stigma Videospiele” | Der Almrausch. Videospiele für niemand*

  6. @Pyri
    Das Hinterfragen der gesellschaftlichen Strukturen wäre in der Tat ein Gebot. Wo Radpanzer in großen Stückzahlen in Krisengebiete verkauft werden sollen, darf man sich über Radpanzer in Videospielen nicht wundern.

  7. Sind Videospiele nicht auch gleich am plötzlichen Kindstod schuld?

    Zitat:
    „den Verkauf von Videospielen mit gewalttätigem Inhalt zu verbieten, da diese zur Gewalt und zum Sexismus anstiften und deshalb für die psychische und physische Entwicklung des Kindes schädlich sein können […].”
    Zitatende.

    gewalthaltige Spiele stiften zum Sexismus an? Woher der Bezug zum Sexismus? Gewalt=Sexismus? Folgt aus Gewalt immer zwangsläufig Sexismus? Man schenke den Autoren des Wischs ein Wörterbuch, damit die beide Begriffe mal nachschlagen.

    gewalthaltige Spiele stiften mysteriöser Weise zu Sexismus und Gewalt an (Begründungen spart man sich), dass man theoretisch negative psychische Auswirkungen vermuten kann, das ist klar, aber physisch?! Wie ist ein Videospiel rein körperlich gefährlich für ein Kind?!

    Man da wird ja richtig auf die Kacke gehauen und am Ende verkauft man die Spritzer als Sommersprossen…

  8. @maSu:
    „Wie ist ein Videospiel rein körperlich gefährlich für ein Kind?!“
    Ist doch offensichtlich: Man nimmt die Verpackung und schlägt es damit! ;) Eine Gefahr, der mit dem kompletten Umstieg auf Download-Versionen begegnet werden kann. Seltsam nur, dass sowas bisher keiner fordert.
    .
    Ob es zu verwegen ist anzunehmen, dass hinter Mediengewalt.eu ein Haufen Trolle steckt?

  9. @Crusader
    Welche Relevanz soll es haben ob eine Repräsentation von Mediengewalt.eu nun als Internet“troll“ bezeichnet wird oder nicht? Ist das etwa alles was dem so entgegengehalten werden möchte? Ich denke da kann auch gleich gesagt werden: „nein, dazu wird nichts gesagt.“ Die Vorstellungen dieser Leute werden so nur weiter um sich greifen, ob national oder auf multilateral-europäischer Ebene, bei der UNO etc.
    Und wenn von Seiten anderer Medienwissenschaft auch immer wieder nur soziale Normen vor sich hergetragen werden, wie etwa hier http://derstandard.at/1353208370398/Gamer-sind-keine-Soziopathen , dann hilft das auch nichts, denn dann heißt es bloß: die „Soziopathen“ sind wenn dann andere, wir sind „normal“, vielleicht sogar „produktiver“ als die(se) anderen. Wir sind nicht die Dissozialen die andere beobachten, denn wir haben nicht nur „Medien-“ sondern womöglich auch „Sozialkompetenz“. Es „stimme“ nicht was behauptet wird – denn „ich“ (etwa Jane McGonigal) bin da anderer „Meinung“, oder „wir“ (andere Forschung) haben da empirisch zu anderen „Ergebnissen“ gefunden. Doch als Ergebnis bleiben so oder so Ausgrenzungen und Diskriminierungen übrig. Für die einen oder anderen Menschen –
    Über welche Modelle solche „Meinungen“ vorgetragen werden – über einen Journalismus, in Wissenschaft oder sonstwo – bleibt weiterhin völlig außen vor.

  10. @Pyri: Ich glaub es war in der Print-Ausgabe des Focus, da wurde auch McGonigal und ihre Gamification-Apps vorgestellt. Da wurde auch wieder geschrieben „produktiv sein anstatt Zeit zu verdaddeln“ oder so ähnlich. Könnte sogar ein Zitat von ihr gewesen sein.

  11. Ich habe einfach mal nachgefragt, und dort wurde mir versichert, dass dies die „Präferenzen von Erwachsenen (soweit innerhalb der Rechtsnormen, SticHwort Kinderpornografie!) nicht tangieren“ solle.

    Ich weiß ja nicht, wieso da schon wieder ungefragt gewalthaltige Spiele und KiPo in einem Satz genannt werden mussten, da sie nicht das Geringste miteinander zu tun haben, aber dennoch sehe ich diese Aktion derzeit nicht als kritisch.

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