„Killerspielverbrennung“ – Offensichtlicher Unsinn? (Update)

(krawall) Die deutsche Seite Gameoasis meldete Ende 2012, dass eine öffentliche Verbrennung von „Killerspielen“ vor dem Reichstag für den 27.01.2013 geplant sei, was dann unter anderem auch von kotaku aufgegriffen worden ist. Die Meldung an sich war offensichtlich ein Fake, was schon ein Blick auf den als Quelle angegebenen „Google Groups“-Eintrag zeigt: In diesem wird die Aktion einem „Verein gegen Killerspiele e.V.“ zugeschrieben, der bisher nicht in Erscheinung gretreten ist und auch online unbekannt ist. Es sah also schon von daher sehr nach einem Fake aus. Ein weiterer Anhaltspunkt: Die Meldung ist von einem „Beckstein“ unterschrieben, was als Anspielung auf Günther Beckstein wohl ebenfalls zeigt, dass es sich hier um einen Scherz handeln soll.

Auch wenn eine öffentliche Verbrennung von „Killerspielen“ sicherlich Unsinn ist muss das nicht heißen, dass die Durchführung einer solchen oder ähnlichen Aktion in Deutschland undenkbar wäre.

So rief das „Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden“ (AAW) am 17.10.2009  zu einer öffentlichen Abgabe von „Killerspielen“ auf. Es wurde vor der Stuttgarter Oper ein Container aufgestellt, in den Teilnehmer der Aktion ihre Spiele werfen sollten. Im Anschluss soll der Inhalt des Containers in der Müllverbrennungsanlage Göppingen bei mehr als 850 °C zu verbrennen. Am Ende der Aktion befanden sich vier Videospiele in dem Behälter: Zwei offenbar nur fürs Wegwerfen vom AAW erworbene Titel, die noch originalverschweist von Statisten in den Container geworfen wurden, eine zweckentfremdete Version von „Open Arena“, die dem AAW als Anschauungsmaterial von Piraten überreicht wurde und das Gameboyspiel „Toy Soldiers“, dass ein Gamer scherzhaft abgab. Ob es im Anschluss zu der Verbrennung kam ist nicht überliefert.

Auch in unserem Nachbarland Schweiz wurde 2006 von der Künstlergruppe „Interpixel“ eine „Killerspiel“-sammlung mit anschließender Vernichtung durchgeführt. Im Rahmen des Projekts „Mega Buster“ tauschten Kinder gewaltdarstellende Videospiele gegen ein „Entwaffnungs-Zertifikat“ ein. Dort, wo historisch die fränzösische Armee nach dem deutsch-französischen Krieg entwaffnet wurde, ließ man zur 125-Jahr-Feier des das Ereignis zeigenden Panoramabildes das u.a. in Schulklassen eingesammelte Kriegsspielzeug mit einem Bulldozer vernichten bzw. nach dem Verständnis von durch den Bulldozer „Interpixel“ zu Kunst aufwerten.

Aktionen, bei denen das Einsammeln von „Killerspielen“ und deren anschließende Vernichtung geplant sind, haben also in Deutschland und auch in der Schweiz bereits stattgefunden. Von daher erscheint der Gedanke, dass es solche Aktionen auch weiterhin geben könnte, nicht als offensichtlicher Unsinn. Allein die Form der öffentlichen Verbrennung wird wohl etwas realitätsfern sein: Eine Genehmigung für solch eine Sondernutzung des öffentliches Raumes würde wohl nicht wegen irgendwelcher historischer Vorbelastungen, sondern aus Gründen des Umweltschutzes verweigert werden.

In den USA wurde nach Newtown übrigens ebenfalls eine Sammelaktion initiiert. Am 12.01.2013 sollen im Southington Drive-in Theatre gewaltdarstellende Videospiele gegen Warengutscheine im Wert von 25,00 $ eingetauscht werden können. Abgesehen davon, dass der Preis wohl etwas zu hoch abgesetzt ist, für gebrauchte Spiele ist die Summe nicht schlecht, halten auch Experten die Aktion für fragwürdig. Christopher Ferguson:

„Don’t get me wrong, I am fully aware you are trying to do what you think is best, […] but there is real risk in focusing people’s attention on the wrong thing, as well as contributing to historical patterns of ‚moral panic‘ that tend to surround new media (often despite evidence media is not harmful, even if it may be offensive).“

Das Einsammeln der Videospiele soll übrigens dadurch erfolgen, dass die Videospiele in einen Müllcontainer geworfen werden. Dafür erscheint es nach dem „Drive-In“-Prinzip nicht einmal erforderlich zu sein, sein Fahrzeug zu verlassen. Der Schicksal des Inhalts wird ebenfalls angegeben. Wie bei der Aktion des AAWs wird ein Entsorgungsunternehmen bemüht:

Violent games turned in will be destroyed and placed in the town dumpster for appropriate permanent disposal.

Update

Die Aktion wurde von den Verantwortlichen abgesagt, da man bereits durch die Reaktionen auf die Ankündigung die wesentlichen Ziele erreicht habe.

(Dank an skully für den Hinweis.)

18 Gedanken zu “„Killerspielverbrennung“ – Offensichtlicher Unsinn? (Update)

  1. Mal sehen wann die ersten Nazivergleiche ala Bücherverbrennug kommen,auch deutsche Gamigseiten können nicht mehr richtig recherchieren und dichten bei der Southingtongeschicht eine öffentliche verbrennung hinzu,obwohl davon nie die rede war.

  2. Wie blubb schon schrieb ist eine öffentliche Verbrennung wohl gleich doppelt zu hinterfragen. Zu historischen Assoziationen kommt da sicherlich auch noch ein Umweltschutzgedanke hinzu.
    Ich habe schon von solchen Aktionen christlicher FundamentalistInnen gegen „Harry Potter“ in den USA gehört, ohne auch diese zugegebenermaßen je auf ihren Wahrheitsgehalt hin wirklich überprüft zu haben, aber Papier brennt halt schonmal anders als die Trägermedien elektronischer Spiele…
    Also die eigentliche Vernichtung wird heutzutage in jedem Fall lieber in professionelle Hände gelegt werden. Damals in Stuttgart gab es doch sogar noch irgendeinen Kooperationsvertrag mit so einer, euphemistisch gesprochen, „Entsorgungsfirma“. Deren Emblem tauchte im Rahmen der Aktion wo auf, jedenfalls war davon die Rede.

  3. Kann mir einer die Parallelen zur ideologisch motivierter Bücherverbrennung erklären? Und zwar ausgehend von der Originalzitaten wie dem hier:“

    „We’re suggesting that for parents who have a child or children who play violent video games, to first of all view the games. We’re asking parents to better understand what their child is doing. Have a conversation about next steps. If parents are comfortable (with their child’s gaming habits), we’re comfortable.“

    If parents aren’t, he said, then they can head to the local drive-in movie theater on Jan. 12 to turn in those video games in exchange for a $25 gift voucher intended to be used for other forms of entertainment, like perhaps, a local water park.

    Ich hatte Bücherverbrennungen immer als Handlung einer radikalisierten Meute verstanden, die unter dem Einfluss einer Ideologie steht. Ziel ist es anderes Gedankengut rituell zu vernichten weil es der eigenen Ideologie, dem gepredigten Dogma widerspricht. Es ist das Gegenteil einer rationalen, individuell abgewägten Entscheidung.

  4. @Tina
    Nun, das wonach bei dieser Aktion gefragt wird ist selbst gewissermaßen schon für gewöhnlich völlig unhinterfragte reale Gewalt: Gewalt die aus ideologischen Gründen wohlgemerkt nicht in Frage gestellt wird – wie dass Eltern über die Medien ihrer Kinder (dermaßen) bestimmen (wollen/können/dürfen/sollen). Gefragt wird dabei ja auch nicht nach Medien der Eltern, sondern eben nach deren Einfluss auf das Leben ihrer Kinder. Die betroffenen Spiele werden so schonmal (mit) zu Kindermedien (erklärt)
    Die erste(n) Fremdbestimmung(en)
    Zweitens bleibt demnach außen vor ob die Täter, die jungen Männer, deren Gewaltverbrechen auf diese Medien (wie bestimmte Spiele) bezogen werden überhaupt (noch) unter dem Einfluss ihrer Eltern (zum Beispiel der Aktion) standen, also soll damit drittens wohl vor allem eine gesellschaftliche Entwicklung abgewendet werden, dass Kinder gar zu solchen Tätern werden können
    Eine darüber bestimmte Bedeutung kann dann doch kaum mehr in Zweifel gezogen werden, die Medien und ihr Bezug stehen damit längst fest, das Problem der Spiele an der Wurzel gepackt (radikalisiert) und andere Interpretationen (dogmatisch) unmöglich gemacht.

  5. Irgendwie ist das Antwortverhalten auf Tina’s Kommentar schon symptomatisch – oder entlarvend, wie man möchte. Aber bei dem was man auf manchen Gamerseiten wegen der Aktion lesen konnte braucht man sich in der Community über schlechte Presse nicht zu wundern.
    @Pyri: Wo ist jetzt der Zusammenhang zwischen deinen Aussagen und Tina’s Kommentar? Oder möchtest du jetzt sagen dass quasi jede von dir als „Gewalt“ angesehene Ausage (was irgendwie auf extrem viel zutrifft) eine Parallele zur Bücherverbrennung rechtfertigt? Auch ne Möglichkeit, wobei ich doch wenigstens für eine Minimale Angemessenheit der Reaktion in Bezug zur Aktion plädiere. (PS: du stellst ernsthaft in Frage dass Eltern Kinder erziehen? Bzw. siehst darin Parallelen zu einer Bücherverbrennung?)

  6. @Mars
    Das Antwortverhalten? Ich verstehe überhaupt nicht warum überhaupt Erklärungsbedarf bezüglich der parallelen zu Bücherverbrennungen besteht. Oder geht es hier nur wieder um den bösen Godwin und sein Gesetz? Finde ja sowieso erstaunlich wie oft Godwin in deutschen Diskussionen angeführt wird im gleichen Atemzug mit der „Holocaustverharmlosung“ nur um dann relativierende „Gegenwartsverharmlosung“ zu betreiben.

    Um mal Tina’s großen Knackpunkt anzusprechen: Was ist denn eine Ideologie und was ist ideologisch motiviert? Wenn solche öffentlichkeitswirksamen Aktionen gestartet werden sind diese in der Regel ideologisch motiviert getreu dem Motto „Mache kaputt was dich kaputt macht“. Ideologisch aus dem simplen Grund das dieses Verhalten auf keinerlei rationalen Erklärungen basiert. Oder ist irgendwo wissenschaftlich eindeutig geklärt wie Medienkonsum auf Menschen wirkt? Ist irgendwo wissenschaftlich belegt das „verbrennen von Datenträgern“ auch nur irgendeinen Einfluss auf das Verhalten von Menschen hat?

    Am Ende geht es nur darum „Schund“ zu vernichten, das des einen „Schund“ des anderen „Schatz“ ist wird dabei aber ignoriert denn eine Seite nimmt für sich in Anspruch aus dem Gral der Weisheit getrunken zu haben und eindeutig den „Schund“ zu erkennen von dem andere sich „verführen“ lassen. Also basiert ein Großteil der Handlungsmotivation auf einer rein subjektiven Ideologie.

    Und dieser ganze Ansatz spricht noch nicht einmal die Tatsache an das sich in Deutschland ganze Organisationen und Gruppen um eine derartige „Zensur Ideologie“ bilden. Allen voran die Pfeiffers und ihr öffentlich gefördertes KfN, auch dieser Verein und dessen Verhalten ist größtenteils ideologisch motiviert und nicht basierend auf Fakten.

  7. @Mars
    Dein Kommentar ist auch nur wenig hilfreicher.
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    @Tina
    Das Zitat beschönigt es dann doch etwas.
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    Für mich persönlich ist es eigentlich sekundär, was mit eingesammelten Kulturgütern geschieht. Also ob jetzt gleich öffentlich verbrannt, öffentlich mit einem Bulldozer geschrottet oder wie beim AAW im Anschluss „entsorgt“ werden sollen. Medien wie Bücher, Filme und Videospiele werden nicht erst dadurch beseitigt, dass man sie physisch vernichtet. Bereits die Weggabe genügt um sie ihrer Bestimmung, sie zu lesen, sehen oder zu spielen, zu entziehen.
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    Darüber hinaus – ich mag da etwas empfindlich sein – finde ich die physische Vernichtung von Kulturgütern nie sonderlich erbaulich. Ich schmeiße keine alten Bücher weg, sondern verschenke sie. Selbst Sachbücher. Ich habe noch nie ein Buch zerrissen oder sonst zerstört. Ich habe Respekt dafür, dass in einem Medium die (geistige) Arbeit eines Menschens eingeflussen ist (Allein bei zeitungspapier sieht das anders aus, wenn ich jetzt Bioabfälle habe – aber das habe ich nicht anders gelernt^^). Deswegen ist es für mich ein Unding hier Kulturgüter gezielt in einem Müllcontainer „abzugeben“ und diese anschließend zu zerstören: „Violent games turned in will be destroyed and placed in the town dumpster for appropriate permanent disposal.“.
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    Auch hat der Rest nicht nur etwas mit einer rationalen Entscheidung zu tun, sondern hat auch etwas von einer ideologischen Kampagne. Wenn ein Supermarkt schlicht generell anbieten würde gekaufte Waren, die einem nicht gefallen, wieder umzutauschen, wäre das sicherlich weit weniger problematisch. Hier gibt es dieses „Angebot“ einzig und allein für „brutale Videospiele“, und – soweit ich das verstehe – nicht nur für dort gekaufte, sondern allgemein für jedes Videospiel. Das heißt zum einen: „Problematische“ Filme und Bücher (Lennon wurde ja wegen des Fängers im Roggen getötet) sind nicht erfasst. Es ist also keine Aktion die sich allgemein gegen vermutete Gefahren (für Kinder) richtet, sondern eine Aktion, die sich bewusst auf Videospiele beschränkt. Zum anderen zeugt auch der Umstand, dass allgemein Videospiele eingesammelt werden sollen, davon, dass es hier nicht um nur um die Verantwortung für das eigene unternehmerische Handeln geht, sondern dass allgemein auf die Gesellschaft eingewirkt werden soll. Unabhängig von der dahinter stehenden Motivation ist das somit eine ideologische Aktion. Der Punkt, der es etwas problematischer macht, ist, dass hier eine öffentliche Abgabe geplant ist. Es wird den Personen also nicht schlicht an der Supermarktkasse der Gutschein ausgehändigt oder die Möglichkeit geboten die Spiele einzuschicken, sondern man begibt sich bewusst in die Öffentlichkeit um mit einem „Event“ über die Abgabe hinaus ein Zeichen zu setzen. Und dieser Aspekt ist es, der die Aktion ebenfalls zu einer ideologischen macht.
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    Von daher ist das Zitat geschickt um die Problematik zu umgehen: Die Entscheidung eines Elternteils ein Videospiel, weil man es für schädlich hält, mag im Einzelfall rational und eine individuelle Entscheidung sein, die nicht von einer Ideologie, sondern von der Sorge um das eigene Kind getragen ist. Die Entscheidung im Rahmen einer öffentlichen Aktion die kollektive Abgabe einer bestimmten Art von kulturellen Ereugnissen zu ermöglichen und zu belohnen mit dem Ziel, diese Medien aus der zumindest teilweise Gesellschaft zu entfernen und auch pyhsisch zu vernichten, ist es dagegen nicht. Gerade wegen dieser Umstände würde es mich auch nicht wundern, wenn die Entscheidung der Eltern dann eben auch nicht mehr aus rationalen Gründen, sondern wegen der Aktion erfolgt. Des Weiteren überlasst man es mit solch einem Aufruf gerade nicht jeden selbst sich zu einer Entscheidung durchzuringen, sondern baut einen öffentlichen Druck auf, der nicht nur mit der Willensfreiheit der Eltern sondern auch mit der der Kinder kollidiert, denen ja offenbar die Spiele weggenommen werden sollen.
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    Und schließlich muss ja wohl nicht besonders erläutert werden, dass allein durch die zeitliche Nähe und die Angabe, dass Videospiele nicht als Ursache aber als allgemeiner Faktor für (die) Gewalt benannt werden, hier eine ideologische Dimension besteht.
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    Und im übrigen meine ich, dass deine Vorstellung von Bücherverbrennungen etwas beschränkt ist. Das waren keine „wilden Meuten“, die spontan alles, was sie in die Hände bekommen haben, in ein feuer geworfen haben. Unter den Nazis gab es Listen, es wurden Leute zum Einsammeln durch die Straßen geschickt und unter vorweg geplanten reden wurden die Bücher organsiert „den Flammen übergeben“.

  8. @Rey: Ich weiß, mein Kommentar war provokant, und ich hätte auch durchaus Verständnis, wenn du so etwas löschst (wobei ich es sehr schätze dass du so viel stehen lässt). Aber meine Fragen an Pyri sind ernst, so wie ich seinen Kommentar verstehe macht er mir ziemlich Angst.
    Nun weiß ich nicht wie du die Community hier siehst (bzw. die Kommentare), aber es ist doch so: Sobald jemand was gegen Spiele sagt wird er hier ziemlich übel runtergemacht und als Idiot abgestempelt, die Wortwahl ist dabei nicht immer zimperlich. Das Verhalten ist aus 2 Gründen höchst problematisch: Zum Einen ist es für mich ein Unding dass hier Leute zwar gegen alles schießen können, gleichzeitig aber sofort verstummen wenn man mal nachfragt oder sie selbst mal eine echte Aussage treffen sollen. Dann sollen sie imho lieber schweigen. Zweitens weiß ich nicht ob du dir mal Gedanken gemacht hast wie die Seite dann auch wahrgenommen wird. Genau wie wir bei z.B. dieser Google Gruppe, so wird jemand der von stigma hört die Seite aufsuchen um sich ein Bild zu machen was das ist. Und bei den Kommentaren hier (es ist ja nicht so dass es hier nicht auch produktive Kommentare gäbe bzw. Leute mit denen man sehr gut diskutieren kann, davon gibt es genug, aber die melden sich selten bzw. es gibt für die Beleidigungen hier keinen Gegenwind, so dass diese als akzeptiert wirken) kann ich jeden verstehen der mit solch einer Seite nicht reden will, d.h. ich bin der Meinung man könnte die Außenwirkungen mal bedenken bzw. die Wirkung der Worte auf Andere. Aber das kannst du halten wie du willst :-)

    „sondern eine Aktion, die sich bewusst auf Videospiele beschränkt“ Hier stimme ich deiner Kritik prinzipiell zu, wobei ich einfach zu Bedenken gebe dass Videospiele schon (meiner Einschätzung nach) inzwischen das dominierende Freizeitvergnügen sind, und wir fordern ja auch nicht dass nicht nur Bücher, sondern auch Comics, Aufkleber und Stempelkissen abgegeben werden können, d.h. selbst deine erweiterte Auswahl ist nur eine Auswahl. Insofern finde ich eine Einschränkung durchaus zu rechtfertigen.

    @Freeflight:
    Zu Godwin: Es ist schon ein Unterschied ob man zig Bücher verbrennt und danach Millionen vergast oder ob man ein Zeichen dagegen setzt dass so viel Gewalt in Medien vorkommt (sie wollen das ja nicht mal verbieten, sie wollen einfach nur ihre Meinung zum Ausdruck bringen). Und diesem Unterschied sollte die Diskussion schon auch Rechnung tragen. Sonst ist meiner Meinung nach eine produktive Diskussion nicht möglich, weil der Gegner direkt verunglimpft wird, und dann entsteht schon der Eindruck dass die Gamer nicht reden wollen. Und so eine Antihaltung hat glaube ich noch nie zu irgendetwas Sinnvollem geführt.
    „Oder ist irgendwo wissenschaftlich eindeutig geklärt wie Medienkonsum auf Menschen wirkt?“ Zum Thema was wissenschaftlich geklärt heißen könnte wurde hier schon genug gesagt. Wir können das gerne wiederholen, aber wenn du ernsthaft behauptest, dass jede nicht bewiesene Diskussion ideologisch sei dann können wir den Begriff auch weglassen, denn dann ist quasi alles, was gesprochen wird, ideologisch (Es gibt so gut wie kein wissenschaftlich bewiesenes Wissen). Damit ist der Begriff inhaltsleer. Ich fände das schade.
    „dabei aber ignoriert denn eine Seite nimmt für sich in Anspruch aus dem Gral der Weisheit getrunken zu haben und eindeutig den “Schund” zu erkennen“ Sehe ich hier nicht. 1. möchten sie auf etwas aufmerksam machen, auf ihre Haltung zu Spielen, sie sagen auch wer trotzdem mit leben kann auch gut.
    2. Sie behaupten nicht dass sie exakt wüssten was passiert, sie halten nur die wissenschaftlichen Belege für überzeugend genug. Die Meinung teile ich auch nicht, aber das ist eine Einschätzung über eine Menge Studien die subjektiv ist (auch wenn hier Vic anderer Meinung ist), so dass es durchaus legitim ist eine andere Meinung als wir zu vertreten.
    „dessen Verhalten ist größtenteils ideologisch motiviert und nicht basierend auf Fakten.“ Es ist immer wieder spannend wieso Gamer der Meinung sind, dass jede Forschung, die ihnen nicht passt ideologisch motiviert sein müsse, die Tatsache, dass diese Ergebnisse – selbst wenn sie falsch sein sollten was hier auch keiner weiß – rein aus statistischen Gründen auftreten können wir irgendwie konsequent ignoriert. Schon mal drüber nachgedacht dass die Studien so objektiv wie möglich durchgeführt wurden und trotzdem diese Ergebnisse zeigen? Ist prinzipiell möglich ;-)

  9. „Es ist schon ein Unterschied ob man zig Bücher verbrennt (…) oder ob man ein Zeichen dagegen setzt dass so viel Gewalt in Medien vorkommt (sie wollen das ja nicht mal verbieten, sie wollen einfach nur ihre Meinung zum Ausdruck bringen).“
    „Meinung zum Ausdruck bringen“ indem der Ausdruck anderer gesammelt werden soll um ihn hernach zu vernichten? Geht’s eigentlich noch zynischer… Und selbst das soll dann noch weniger schlimm oder sonstwas sein als ein „Verbot“ zu fordern – was auch immer das im konkreten Fall sonst noch alles sein könnte, nach sammeln und zerstören lassen (wollen). Für mich reicht jedenfalls schon die bloße Intention solcher „Sammlungen“ um sie für wesentlich schlimmer als irgendwelche meist sowieso völlig nebulösen Verbotsforderungen zu halten: allein deshalb da derlei Aktionen ein anderes Denken über Inhalte von Vornherein exkludieren, worauf im Übrigen auch die Rede über „Gewalt in Medien“ in diesem Posting bereits verweist. Nein, denn wenn die Kultur anderer Menschen demnach offenbar längst zu einer (eigenen oder auch nicht) „Gewalt“ geworden ist, wie soll es da noch eine Gesprächsbasis geben – eine rein rhetorische Frage. Vielmehr ein beleidigender Abbruch und eine beständige Hinführung zu überaus einseitigen Begrifflicheiten und dementsprechenden Vorstellungen von einzig richtigem Leben, Debattenführungen, Diskussionen etc. Einem bloßen Begriff von „Wissen“ könnte ich dabei etwa lediglich vehement widersprechen. Und über darauf aufbauende Gemeinschaftsideen sowieso nur den Kopf schütteln.
    Oder kommt da noch was, werden diese Aussagen (wieder) einfach so stehen gelassen, dafür weiterhin andere verurteilt – von deren angeblicher Kritikfähigkeit, Aufnahmebereitschaft für (euphemistisch) andere „Meinungen“ angefangen…
    Aus meiner Sicht gibt es schonmal eher zu wenig „Gewalt“ in populären Medien, dafür eindeutig zuviel davon in genau solchen Äußerungen – und das finde ich für meinen Teil einfach nur fürchterlich.

  10. Ich lese immer wieder, dass wir hier in Deutschland eine besondere Verantwortung haben, aus unserer jüngsten Geschichte erwachsen. Und deshalb wundert es mich schon, wenn man den sich aufdrängenden Vergleich der „Spieleentsorgung“ mit der Bücherverbrennung nicht akzeptieren will. Da nützt es mir auch nichts, wenn auf die Folgen des brennenden Papiers hingewiesen wird. Noch wissen wir ja gar nicht, was als nächstes nach den Müllcontainern voller Videospiele kommt.

  11. Zumal das Ganze auf mich wie eine absichtliche Provokation wirkt. Jeder stelle sich doch einmal vor, ein anderer nimmt etwas, das man mag oder das einem etwas bedeutet, erklärt es öffentlich als nicht existenzwürdig und zerstört es dann.

    Und pure Provokation verhärtet die Fronten und ist nicht an einer Diskussion interessiert. Das torpediert jede sinnvolle Auseinandersetzung mit einem Thema.

    Wenn man derart angegangen wird, warum sollen dann die Gamer immer die Vernünftigen sein? Was für eine Reaktion erwarten die denn eigentlich von den Betroffenen?

  12. @Mars
    Nun musst du nur den Zusammenhang zwischen „Bücher verbrennen“ und „Konzentrationslager“ herstellen, dann würde deine Aussage einen Sinn ergeben. Habe ich den „Müllcontainer“ mit einem KZ gleichgestellt? Nein habe ich nicht, ich habe den Holocaust nicht einmal ansatzweise in den Zusammenhang mit Containeraktionen gebracht.
    (Erwähnt habe ich ihn durchaus, allerdings nur im Zuge meiner Godwin Theorie)

    Was ich getan habe ist lediglich darauf hinzuweisen das hier Methoden angewandt werden die nun mal von einem Unrechtsregime popularisiert wurden. Wenn der „Gegner“ derlei Methoden anwendet dann muss der „Gegner“ auch damit rechnen im selben Atemzug wie die ursprünglichen Erfinder derlei Methoden genannt zu werden. Oder zählt hier das „gute Absichten“Prinzip? Bücher/Menschen verbrennen ist in Ordnung so lange es nur die richtigen erwischt oder wie?

    Ich habe auch niemals diese „Diskussion“ als ideologisch motiviert bezeichnet sondern lediglich diese Aktion. Und Sorry da kannst du erzählen was du willst, rational motiviert ist an dieser ganzen Aktion gar nichts. Das ist absolut unabhängig davon wie ich als „Gamer“ den momentanen Forschungsstand einschätze. Medien verbrennen hilft niemanden auf beiden Seiten und trägt nur dazu bei bereits vorhandene Stigmata zu erhärten wodurch jegliche objektive Diskussion von vornherein zum scheitern verurteilt ist.

    Übrigens finde ich witzig wie du hier ernsthaft die Behauptung in den Raum werfen kannst „die wollen das ja nicht mal verbieten“. Auf wen genau soll sich das beziehen? Das AAW kannst du damit wohl kaum meinen, deren (verschiedene) Verbotsforderungen dürften dir wohl bekannt genug sein, als regelmäßiger Stigma-Leser.

    Ansonsten kann ich mich nur den Kommentaren von Pyri und purchaser anschließen. Diese ganze Aktion bringt höchstens ein bisschen zweifelhafte PR mit dem Nebeneffekt die sowieso verhärteten Fronten noch mehr zu verfestigen.

    Aber mal eine interessante Gegenfrage: Was würde wohl passieren wenn Gamer dazu aufrufen würden AAW Flyer, Spitzer/Pfeiffer/Co. Bücher zu sammeln und zu verbrennen? Wie witzig würden diese Vereine wohl derlei Vorgehen finden? Überhaupt nicht witzig, ich kann mir direkt die passende Presseerklärung vorstellen: „Diese Aktion zeigt nur die unglaubliche Gewalt und Brutalität mit der Killerspieler ihre Probleme zu lösen pflegen. Anstatt auf zivilisierten Diskurs zu setzen wird der Gegner brutalst möglichst Vernichtet!“. Mhh.. das wäre aber eine durchaus interessante Troll-Aktion, sollte man sich vielleicht mal Gedanken drum machen ;)

  13. Update: http://www.escapistmagazine.com/news/view/121421-Connecticut-Town-Cancels-Videogame-Cull .
    Die ganze Aktion ist abgeblasen, offenbar schreckt man davor zurück sich mit barbarischen Mittelaltermethoden und politisch fragwürdigen Initiativen sich in den Medien zu blamieren und zwar genauso wie in Winnenden. Ich bin froh darüber das bei den Amerikanern offenbar der Intellekt siegt. Offenbar sind die Märchen die gerne von unseren Berufspolitikern und sonstige Alarmisten gerne erzählt werden über das ach so reaktionäre Amerika (Die Zustände da drüben, usw…) nicht wahr.

  14. Hm, ich seh schon, das gibt nur böses Blut. Insofern werde ich dann nachher hier raushalten, bevor ich mehr Unheil stifte ;-)
    Nur kurz:
    @Freeflight: „Was ich getan habe ist lediglich darauf hinzuweisen das hier Methoden angewandt werden die nun mal von einem Unrechtsregime popularisiert wurden.“ Naja, aber sie wurden ja nicht nur davon benutzt. Wenn das das Kriterium wäre könnte man quasi immer einen Nazi-Vergleich einbauen, und auch wenn mir das ab und zu passieren sollte, ich glaube dass das zielführend wäre.
    „Und Sorry da kannst du erzählen was du willst, rational motiviert ist an dieser ganzen Aktion gar nichts.“ Es ging mir auch nur um deine Definition von ideologisch. Wobei du schon die Aktionen als “ in der Regel ideologisch motiviert“ bezeichnet hast, aber egal. Deine Definition finde ich zu weit und damit inhaltsleer, was ich schade finde bei dem Begriff.
    „Oder zählt hier das “gute Absichten”Prinzip? Bücher/Menschen verbrennen ist in Ordnung so lange es nur die richtigen erwischt oder wie?“ Nein, habe ich nicht gesagt. Es geht mir um das Ausmaß der Aktion, nicht darum wen es trifft. Wohlgemerkt, ohne der Aktion Absolution erteilen zu wollen.
    „Auf wen genau soll sich das beziehen?“ Nein, war die Ami-Gruppe, sorry, das fehlte.
    „Was würde wohl passieren wenn Gamer dazu aufrufen würden AAW Flyer, Spitzer/Pfeiffer/Co. Bücher zu sammeln und zu verbrennen?“ Die wären unglücklich, aber das ist Demokratie. Genauso wie das jemand seine Meinung äußern darf.

  15. Zum Update:
    Eine ähnliche Begründung hatte das AAW damals ja auch nach deren Reinfall gegeben. Kann man wohl unter der Bezeichnung „Gesicht wahren“ einordnen.

  16. „Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.” – Heinrich Heine

    Muss man noch mehr sagen? Ich denke nicht. Die Geschichte hat gezeigt, dass es stimmt.
    (Ersetze „Bücher“ durch „Videospiel“)

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