USA: „ESRB-Ratings“ bald verbindlich?

(congress.gov/virginia-edu/kotaku, via SB.com) Neben Waffen stehen in den USA derzeit auch gewaltdarstellende Videospiele im Zentrum der Kritik. Um die Politik zum Handeln zu bewegen haben zahlreiche Organisationen und Einzelpersonen, unter anderem der Wissenschafftler Craig Anderson, ein Positionspapier unterzeichnet. Angesichts der Ergebnisse der Medienwirkungsforschung müsse die bisherige Handhandhabung gewaltdarstellender Medien überdacht werden:

Taken together, this research speaks to a strong need to revise policies on youth exposure to violence in the media.“

Nach kotaku wurde von einem Demokraten bereits eine Gesetzesvorlage – Titel: Video Games Ratings Enforcement Act – eingebracht, die für die Zukunft eine verbindliche Kennzeichnungspflicht von Videospielen verlangt.

Zur Kennzeichnungspflicht:

It shall be unlawful for any person to […] distribute […] a video game that does not contain a rating label […] by the Entertainment Software Ratings Board.“

Zur Verbindlichkeit:

It shall be unlawful for any person to sell or rent, or attempt to sell or rent any video game containing a content rating of „Adults Only'“ […] to any person under the age of 18; or any video game containing a content rating of „Mature“  to any person under the age of 17.“

Verstöße sollen mit bis zu 5.000,00 $ geahndet werden.

Zur Gesetzesvorlage
Zum Positionspapier

(Dank an Shane Fenton.)

9 Gedanken zu “USA: „ESRB-Ratings“ bald verbindlich?

  1. Als Ergänzung vielleicht doch noch Cheryl Olsen auf Gamasutra, aus den Links im Forum http://gamasutra.com/view/news/185076/Opinion_Yes_we_need_more_research_and_the_industry_should_support_it.php#.UP1wWaUOlsen ist demnach bereits einem Ruf von US-Vizepräsident Biden gefolgt. Wer da jetzt noch alles dabei war kann ich zwar nicht sagen, aber das Papier Andersons geht immer noch überhaupt nicht auf politisch-ideologische Implikationen von Seiten der Interessen einer eigenen Arbeit ein. Auch auf Gamasutra wurde in den Kommentaren gleich wieder auf Desensibilisierungshypothesen Andersons als bereits vorliegende Ergebnisse verwiesen –
    Leider scheint auch Olsen eine Videospielgewalt-Defintion zumindest dahingehend nicht kritisch zu sehen, dass da sozusagen stets Handlungen dementsprechend beurteilt werden (oder nicht), aber keine Ideen untersucht. Soll heißen: wer in Videospielen „Gewalt“ ausübt und hernach (noch) „aggressiv“ auftrat/tritt, ein bestimmtes „Verhalten“ gegenüber Mitmenschen an den Tag legt, gelte demnach schon als (durch Videospiele) desensibilisiert. Olsen mag zwar Definitionen kritisieren, aber schonmal (auch) nicht dieses Konzept. Nicht gefragt wird dabei weshalb in jedenfalls handelsüblichen Videospielen überhaupt eine Entscheidung für „Gewalt“ gefällt wurde, unter welchen Eindrücken – mitunter gerade wegen Situationen in einer Fiktion die sich um Hilfe und Empathie drehen, anderen Figuren in einer Notsituation beizustehen etc. Darauf scheint letztlich nämlich immer nur ein Zynismus oder eine Entschuldigung für Gewalthandlungen bezogen zu werden, das heißt Situationen/Charaktere etc. immer nur über eine Rede von „Wirkung“, Kausalität oder Korrelation, selbst gewissermaßen mit nichts anderem als Spott und Hohn belegt werden zu wollen.

  2. Auch wenn ich mehr Forschung sehen würde, richtige Forschung und keine Pseudowissenschaft Marke KFN, glaube ich kaum das was davon durchkommt, der Erste Zusatzartikel der Verfassung wird genauso wenig angegriffen wie der Zweite. Das von Obama beauftragte CDC ist politisch gesehen Demokratisch und hat ein oder zwei Hühnchen mit den Republikaner un der NRA zu rupfen da diese in den 90er Jahren die Waffen und Gewaltforschung abgedreht haben, es wurden unter anderen Forscher eingeschüchtert. Sollte das CDC eine Studie anfertigen, ganz gleich wie diese aussieht ist sie damit automatisch politisch angreifbar. Das und der Umstand das der Senat und das Repräsentantenhaus sehr polarisiert sind (siehe Haushaltsdebatte) und die Tatsache das jeder Gesetzesvorschlag durch Filibustering abgeschossen werden kann sorgt dafür das wohl kaum etwas durchkommt. Einmal davon abgesehen das das Verfassunggericht auf der Seite der Industrie ist. Übrigens Joe Biden ist ein ESA Mann, gleich wie Cheney der Ölindustrie nahe war.

  3. @skully
    Da scheint eine ganz entscheidende konservative Wende aber nicht mitbekommen worden zu sein, denn seit der Gallagher dort das Ruder vor sechs Jahren übernommen hat sind der ESA die auch nur halbwegs progressiven Leute doch schon scharenweise davongerannt. Wer ist denn jetzt überhaupt noch Mitglied bei dem Verein? Also die ESA sollte so besser schauen dass sie sich nicht als zweite Waffenlobby positioniert – schließlich ist der Chef ein ehemaliger Bush-Berater…
    Und Gamer sozusagen von Staatswegen her (mit) „entwaffnet“ werden –
    Ich persönlich kann jedenfalls nur hoffen dass Hollywood-Größen wie Warner nicht nur immer mehr Geld mit Games verdienen wollen, sondern sich um diese Ausdrucksform demnach auch mal politisch kümmern: denn wie kann es sein, dass bei den Globes zuletzt der Clinton höchstpersönlich dem Spielberg seinen Gewaltfilm vorstellt, Schwarzenegger und Stallone gemeinsam dem Haneke seinen Preis überreichen, sich dort niemand fürchten braucht wenn ein „Homeland“ gleich dreifach prämiert wird, Games jedoch weiterhin in einem Zustand zwischen Belagerung und Dauerbedrohung neben automatischen Gewehren verharren?

  4. @Pyri Keine Sorge in Amerika wird niemand so schnell entwaffnet. :D Die ESA hat sich im Vergleich zur NRA bei weitem klüger und kooperativer verhalten. Im Februar/März gibt es wieder Tauziehen um den Haushalt. Dann passiert wieder irgentetwas anderes (Biden sprengt den Osterhasen mit einer Stingerrakete vor dem Weißen Haus in die Luft oder was auch immer) was die öffentliche Diskussion beherrscht und die Aufmerksamkeit verlagert sich weg von der jetzigen Debatte. Letzendlich ist bei SOPA/PIPA und bei California vs. ESA alles gut ausgegangen. Gaming zu sehr Mainstream als das man dem Ganzen noch groß an den Karren fahren kann. Obama oder der Senat werden eine gut funktionierende und profitable Einnahmequelle in Sachen Steuergeld nicht einfach kappen. Kann man sich bei der finanziellen Lage nicht tun.

  5. Mir unverständlich. Es liegt doch überhaupt kein Regulierungsbedarf vor. Das Gesetzt beschreibt ja nur den Status Quo. Was sollte sich denn bitte schön nach Einführung des Gesetzes ändern, wenn es die derzeitige gängige Praxis beinhaltet? Blinder Aktionismus, der nicht an den Ursachen rüttelt.

  6. @purchaser
    Ich mag mich irren, aber das ist doch gar nicht der Status Quo? Die ERSB Einstufungen waren, meines Wissens nach, noch nie verbindlich. Mit Ausnahme von vielleicht „Adults Only“? (Da bin ich mir nicht sicher). Aber „AO“ wird relativ selten verteilt und wenn dann meist wegen sexuellen Inhalten und nicht wegen Gewalt.

    Frage mich ja eher wie das alles am Ende funktionieren soll, gab es da nicht schon einmal einen derartigen Versuch der daran scheiterte das video games als „Free speech“ interpretiert wurden?

  7. @Freeflight
    Die Frage ist eher was „verbindlich“ heißt, besser in dem Fall überhaupt heißen kann…
    Oder wer soll, auch abgesehen von der Verfassung, da dann wie belangt werden – wo neben dem Recht doch ebenfalls die Wirtschaft dort etwas anders funktioniert als bei uns. Und ideologisch „familienfreundlichere“ Unternehmen wie Walmart gab es sowieso schon immer.

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